Noch mal was zur Geldkarte

18 07 2006

Warum mag eigentlich kaum jemand die Geldkarte? Also schon klar, weil man sie für quasi nichts gebrauchen kann. Aber die Abneigung sitzt irgendwie tiefer, egal mit wem ich darüber rede. Was ist das Problem? Mir konnte niemand genaue Gründe dafür nennen. Nur ein diffuses "Geldkarte ist doch scheiße shize" (sorry, das musste mal sein) bekomme ich immer wieder zu hören. Aber warum? Man kann doch so viele tolle Sachen damit machen.

Man kann zum Beispiel mit einem Kartenterminal am PC (theoretisch) im Internet anonym bezahlen, man kann (seit neuerem) sein Alter anonym nachweisen, sowohl am Zigarettenautomaten (ab 2007 wohl obligatorisch) als auch im Internet. Für den Zahlungsempfänger ist das Verfahren (nach meiner oberflächlichen Betrachtung) im Micropayment-Bereich vergleichsweise spottbillig. Die Altersverifikation kann mit jedem Bankkunden mit Geldkarte und Kartenleser anonym abgewickelt werden, ohne, dass dieser sich bei fraglichen Services für teure Jahres- oder gar Monatsbeiträge anmelden muss.

Also Meiner Meinung nach tragen die Banken und Sparkassen erheblich zu dem schlechten Image bei. Das Festhalten am unsicheren PIN/TAN-Verfahren in allen seinen immer komplizierter werdenden Varianten ist Schuld. Ganz klar! Oder nicht?

Also unrepräsentative Marktanalyse von mir: Bankkunden wollen ihr Online-Banking simpel haben, haben aber gleichzeitig die große Angst vor Betrug. Beides passt nicht zusammen, also muss irgendwie ein Kompromiss gefunden werden. Warum also nicht einmal die (zugegeben) immensen Kosten für die HBCI- und Geldkarte plus Klasse-3 Kartenleser mit dem Kunden teilen und ihm dieses wirklich sichere Online-Banking Verfahren zusammen mit anderen Mehrwerten schmackhaft machen. Damit eine kritische Masse erreichen und die Händler werden nach und nach die Zahlungsvarianten Geldkarte und EC-Karte mit PIN-Authentifizierung einführen.

Was braucht es also für die Umsetzung dieses Weltherrschaftsplans Plans?

  • Günstige Klasse-3 Leser. Durch höhere Stückzahlen sicher unter 50€ oder gar 40€ drückbar (für USB-Leser).
  • Im Internet aufladbare Geldkarte: Das verfahren wird seit Ewigkeiten angekündigt. Ohne läuft gar nichts, also her damit!
  • Suventionen durch die Banken und Sparkassen: Sicheres Online-Banking mit gut kommuniziertem Mehrwert ist sicher einer Menge Kunden einmalig 20€ wert. Besser wäre natürlich der Umstieg für lau. Das ist aber das Problem der Banken.
  • Einheitliche Schnittstelle, so dass die Kartenleser auch für Web-Banking taugen. Viele Kunden wollen Web-Banking.
  • EC-Kartenzahlungen mit PIN müssen auch über Browser möglich sein. Ein super Zahlungsmittel mit schlagartig hoher Verbreitung und Bekanntheit bei den Nutzern: EC-Karte in den Kartenleser, Betrag bestätigen, PIN eingeben, fertig. Yeah, so muss das ablaufen.
  • Geldkarten-Akzeptanz (und auch EC-Karten-Akzeptanz) muss für die Händler leicht in die Shop-Systeme eingebunden werden können, Vorbild: PayPal. Das gleiche gilt für die Altersverifikation.
  • Das ganze darf nicht nur unter Windows/IE funktionieren!
  • Kommunikation der Banken: Geldkartenfunktion muss als Mehrwert herausgestrichen werden, phishing-sicheres Online-Banking ebenfalls.
  • Zigarettenautomaten als Zugpferd einsetzen, weitere POS-Händler als Partner gewinnen.
  • McDonalds hat den Geldkarten-Versuch schon vor Jahren abgebrochen. Warum? Weil die Terminals nie funktionierten? Das hat wirklich genervt. Solche Probleme nachhaltig lösen!

So, wer also gute Gründe hat, warum die Geldkarte einfach "scheiße" ist, soll sich hier melden. Mangelnde Akzeptanz gilt nicht, da ist noch mehr.

Nachtrag: Heute, ein paar tage später lese ich im SPON: Studie: Schlechte Sicherheitsstandards bei Online-Banking.



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