Ich frage mich schon mein Leben lang, was der Zweck von zweimaligem Abschließen (an einem Schloss) von Türen sein soll. Der Schließbolzen reicht doch schon bei der ersten Umdrehung des Schlüssels so weit in die Zarge herein, dass die Tür ohne Gewalt nicht zu öffnen ist. Wozu also das zweite mal umdrehen? Der Bolzen greift tiefer in die Zarge, aber was hat man davon? Der Nachteil liegt auf der Hand: Man muss jedes mal im Zweifel den kompletten Schlüsselbund zwei mal drehen. Überflüssig, oder?
Also große Aufgabe an alle meine spärlichen Leser: Nennt mir einen triftigen Grund für zweimaliges Abschließen.
Kreditkartenunsinn
Meine Eltern behaupten, die hätten im Fernsehen (undifferenzierte Panikmache mit Sicherheitstipps zur Beruhigung) mal gesehen, dass man die Tür sonst leichter knacken kann. Sie erzählen aber auch, dass im Fernsehen erzählt wurde, dass man nur zugezogene und nicht abgeschlossene Türen mit einer Kreditkarte öffnen kann. Dass das für die überwiegende Mehrheit der in Deutschland verbauten Haus- und Wohnungstüren (oder gar alle?) rein mechanisch gar nicht funktionieren kann, lindert die Angst nur wenig. Wir haben einfach nicht so Papptüren wie die Amis. Unsere Wohnungstüren müssen auch 30 Minuten Feuer aushalten können, bevor sie aufgeben. Also keine Panik bei Bränden außerhalb der Wohnung: Einfach auf die Feuerwehr warten und sich bemerkbar machen.
Lockpicker
Die Angst vor Lockpickern ist hingegen nur wenig verbreitet, obwohl es doch ein Leichtes ist, ein normales Sicherheitsschloss mit etwas Übung und geeignetem Werkzeug ohne größere Spuren zu öffnen. Da hat kaum jemand Angst vor. Wirklich komisch.
Bitte Haustür nach 22:00 Uhr abschließen
Oder besser: Die Haustür ist nach 22:00 Uhr abzuschließen!!ELF
In dem Zusammenhang auch ziemlich lästig ist das zwanghafte Abschließen der Haustür nach 22:00 Uhr in vielen Mehrfamilienhäusern. So ein Scheiß gehört verboten! Also eine Sicherheitsmaßnahme, die nur verhindert, dass jemand unkontrolliert heraus kommt halte ich für grob fahrlässig. Was tun, wenns Brennt? Man will in Panik das Haus verlassen und scheitert im Flur kurz vor dem rettenden Ausgang.
Aktive Sicherheit
Wie wäre es stattdessen mit etwas aktiver Sicherheit? Elektronische Schlösser mit Codeeingabe oder RFID-Implantaten/Schlüsselanhängern sind deutlich schwerer zu knacken und können technisch auch noch mit klugen Notsystemen ausgestattet werden. Im Brandfall die Feuerwehr reinlassen etwa oder beim Schlaganfall Verwandte oder den Sanitäter. Wie viele alleinstehende alte Leute sind schon zu spät ins Krankenhaus gekommen, weil sie keine Hilfe holen konnten und auch niemand in die Wohnung kam. Eine Vitalüberwachung mit automatischem Notruf hätte vielen das Leben gerettet oder wenigstens für weniger Pflegebedarf gesorgt. Ich hatte zwei solche Fälle in der Familie und denke noch immer, wie überflüssig sowas ist.
Zum Beispiel die Lungenembolie des Nachbarn
Unser Nachbar von oben hatte neulich eine Lungenembolie. Üble Kiste. Und er hatte, gewitzt wie er ist, einen Deal mit seinem Nachbarn, dass sie einmal pro Tag nacheinander schauen. Kann ja immer was sein. Der Nachbar hat es mitbekommen und er konnte schnell ins Krankenhaus gebracht werden. Gut gelaufen. Wer seinem Nachbarn nicht traut, ersetzt das halt durch Technik.