Interne Mailsysteme eine gute Idee oder nicht?
Geschrieben von Gregor Nathanael Meyer um 23:1531 01 2007
Gerrit van Aaken stellt heute die provokante Frage, ob interne Mailsysteme zu verteufeln sind. Eine wirklich gute Frage an sich. Einige Leute aus meinem Bekanntenkreis schreiben mir nur noch PNs im gemeinsamen Cliquenforum, statt mal schnell ne Mail zu schreiben. Das nervt total und sorgt für eine gewisse Unübersichtlichkeit im Nachrichtenverkehr. Man muss sich einloggen, man hat(te früher) keine Rechtschreibprüfung, kann selten Dateianhänge verschicken und hat als Empfänger keinen direkten Vorteil.
Warum tun diese Leute das also? Bester Grund ist ganz klar: Man sieht, ob eine Nachricht gelesen wurde bzw. kann ganz sicher davon ausgehen, dass sie angekommen ist. In Zeiten von endlosem SPAM und Amok laufenden Filtern kommt die ein oder andere Mail schon mal unter die Räder. Und die Lesebestätigung ist wirklich ein kommunikativ wichtiges Feature, das der E-Mail schlicht fehlt. Sicher ist die Sache datenschutztechnisch fraglich, aber die Kommunikation ist definitiv eine andere.
Anderes Szenario: Dating-Community oder gerne jede andere Community mit unüberschaubar vielen Usern. Man möchte nicht jedem seine E-Mail Adresse in die Hand drücken, ganz klar. Gerrits Lösungsvorschlag mit E-Mail-Formularen denkt aber m.E. nicht weit genug: Was passiert mit der Antwort? Wenn das möglich sein soll, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der Versender gibt seine E-Mail Adresse mit dem Versenden der Nachricht preis. Dann kann der andere antworten und die Kommunikation läuft fortan über E-Mail. Oder jeder User bekommt eine E-Mail Adresse mit Weiterleitung, die Empfänger und Sender anpasst. Das wirft das Problem auf, dass die vom Antworter benutze Absenderadresse (die durchaus unterschiedlich sein kann, gerade bei nomadischer Nutzung) dem System für die Übersetzung bekannt sein muss. Außerdem kämen früher oder Später die Spambots auf die lustige Idee, Adressen zu probieren und man holt sich wieder neue Spam-Angriffsflächen ins Haus. Klar könnte man Message-IDs und Reply-Header auswerten, aber dann kann man auch genau so gut ein internes System programmieren, das dann auch keine anderen Medienbruch-Fehlerquellen birgt.
Generell wäre das ganze auch ein lästiger Medienbruch. Man muss einfach akzeptieren, dass die Mehrzahl der User interne Mailsysteme sehr schätzt oder sich zumindest daran nicht stört. Der Community-Gedanke schließlich forciert ja gerade das interne "geschlossene" System. Und zurück zur Dating-Community: Die Nachrichtensysteme dort benötigen einfach gewisse Mehrfeatures, die eine E-Mail Schnittstelle nicht bieten kann: Gelesen, gelöscht, gelöscht und nein danke, beantwortet, ignoriert, bewertet, gemeldet, in die Statistik aufgenommen, nachträglich vom Admin geprüft, wasauchimmer.
Sicher kann man darüber reden, ob man den Nachrichtentext nicht wenigstens in die Benachrichtigungsmail mit aufnimmt, aber das führte das gelesen-Flag ad absurdum. Also zumindest im Fall von Dating-Communities und ähnlichem muss ich mich ganz deutlich pro internen Mailsystemen äußern.
Eine Jabber/XMPP-Anbindung bzw. einen eigenen Jabber-Server hingegen kann ich nur begrüßen. Die 1on1 Chats und Benachrichtigungen kann man darüber sehr gut abwickeln, vor allem wenn man zusätzlich einen Webclient dazu anbietet. Nicht jeder hat immer einen XMPP-Chat-Client zur Hand.
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