Bürgerentscheid "Rettet den Golzheimer Friedhof"

10 02 2008

Überall in der Stadt hängen Wahlplakate einer Bürgerinitiative "Rettet den Golzheimer Friedhof", die dafür wirbt, beim ersten (mir bekannten) Bürgerentscheid in Düsseldorf mit JA zu stimmen. Nun muss man erst mal sagen, dass ich und viele Leute, die ich dazu befragt habe, nicht wissen worum es geht. Gut, dass der Abstimmungsbenachrichtigung ein großes Faltblatt beilag, in dem alle Positionen eine eigene Seite Raum bekommen haben. Nachdem ich jetzt alle gelesen habe, stehe ich vor einer schweren Entscheidung:

  • Die Bürgerinitiative kotzt mich an mit ihrem Populismus, der keine stichhaltigen Argumente liefert und lediglich genährt ist von sentimentalromantischen Bedenken. Also NEIN.
  • Die SPD gibt zu bedenken, dass die Stadt sich aus einem konstruktiven Dialog verabschiedet hat und ist daher dafür, bleibt aber sonst cool. Die offenen Bedenken der Bürger sollen nicht einfach ignoriert und durch Schaffung von Fakten ausgehebelt werden. Gute Auffassung.
  • Die Grünen gehen vor allem auf den Friedhof als Gartendenkmal ab, der geschädigt wird und die vielen alten Bäume, die das wahrscheinlich nicht überleben werden: Schlecht fürs Mikroklima. Auch die Grünen stoßen sich am ignoranten Verhalten der Stadt, die sich durch einen Dringlichkeitsbeschluss über das Bürgerbegehren hinwegzusetzen versucht hat. Das ist in der Tat sehr unfein und schlägt in Richtung JA.
  • Die Linke geht in einem sehr langen Text voll auf den Ausverkauf der Stadt ab, die für die Schuldenfreiheit schon eine Menge stadteigener Besitztümer verkauft hat. Auch die "Lasst Euch nicht erpressen"-Argumentation kommt hier zum Einsatz. Wir sagen: Keine Stadt darf sich erpressen lassen. Wenn Konzerne mit Abwanderung drohen, müssen wir als Verbraucherinnen und Verbraucher damit drohen, die entsprechenden Produkte nicht mehr zu kaufen. Richtig gedacht und grundsätzlich sehr stichhaltig (siehe Bochum), aber leider irgendwie am Thema vorbei. Nebenbei bringt die Linke einige Informationen ins Spiel, die von den anderen Fraktionen nicht erwähnt werden. Für mich die stärkste JA-Argumentation von allen. Nachdem ich das gelesen hatte, war ich schon fast entschlossen für JA zu stimmen, trotz meiner Abneigung gegen die Bürgerinitiative und trotz des begrenzten Themenbezugs.
  • Die CDU antwortet mit Fakten und Behauptungen. Eine Stiftung für den Erhalt und die Pflege des Parks mit einem Kapital von 1 Mio. Euro (700.000 Euro von der Victoria, 300.000 Euro von der Stadt) ist eine Ansage, ebenso, wie die Abschirmung des Parks gegen die laute Fischerstraße. Auch wenn man nicht gleich euphoristisch von einer Aufwertung sprechen muss: scheiße ist anders. Der Neubau ist architektonisch angepasst worden, fällt filigraner aus und man kann durchschauen. Klingt nicht schlecht: Ein schöner gepflegter Park in ruhiger Hinterhoflage ist was feines. Andere Städte beziehen aus solchen Orten ihre Romantik. Das Parkplatzproblem ist durch die Öffnung der Tiefgarage für die Anwohner gut gelöst und bringt sogar eine Verbesserung mit sich. Einzig dem Keine-Arbeitsplätze-aufs-Spiel-setzen-Argument mag ich nur begrenzt folgen. Nicht erpressen lassen ist da schon die bessere Haltung.
  • Die FDP sagt das gleiche wie die CDU. Prägnant und stichhaltig.
  • Die Ratsgruppe Düsseldorfer Bündnis ringt sich zu einem NEIN durch und sieht letztendlich eine Aufwertung. Pro Bürgerentscheid als Institution, inhaltlich dagegen: Gute Haltung, kann ich folgen.

Also gehe ich abstimmen und stimme wohl mit NEIN. Die NEIN-Argumentation klingt plausibel in der Sache und nur JA zu stimmen, weil die Stadt sich arschig verhalten hat ist albern. Sich nicht erpressen zu lassen halte ich auch für wichtig und richtig, aber in dem Fall geht es nicht um etwas total böses für die Stadt und die Bürger, sondern um ein Projekt, dessen Potenzial ins Negative und ins Positive weisen kann. Mithin muss also das ganze nicht scheiße sein, sondern kann durchaus zu einer Win-Win-Situation werden. Davon gehe ich auch aus. Und schließlich kotzt mich diese Bürgerinitiative sowas von an. Bürgerentscheide dürfen nicht im Populismus absaufen, wie man das in der Schweiz schön beobachten kann. Allein der Titel "Rettet den Golzheimer Friedhof" geht am Problem vorbei, denn der Friedhof selbst ist nur indirekt betroffen. Es ist ja nicht so, als ob der böse Konzern (der am Standort immerhin 4000 Menschen beschäftigt) einfach rücksichtslos einen Friedhof bebauen möchte. Es geht um einen Parkplatz und darum, dass ein wahrscheinlich hübsches Bürogebäude (ich denke da an die sexy Gebäude der Stadtwerke am Höher Weg) Schatten auf diesen Friedhof wirft und ihn von der (lauten) Fischerstraße abschirmt.

Nachtrag 17.02.2008: Hier mal der besagte Parkplatz bei Google Maps.


Die snap-shots-Hölle

10 02 2008

Seit geraumer Zeit geht mir eine Unsitte auf den Sack, die ich hier mal schnell an den Pranger stellen möchte: snap-shot-Vorschauen auf Websites. Das sind diese unsäglichen und fraglos gut gemeinten Popups, die einem per JavaScript ein Vorschaubild eines Links in einer Sprechblase einblenden, wenn man mit der Maus darüber fährt. Ihr kennt die sicher. Nah verwandt sind auch die Werbesprechblasen, die meist durch doppelt unterstrichene Links gekennzeichnet sind (etwa bei winfuture.de). Das Problem an beiden Systemen ist, dass sie furchbar lästig sind. Es gibt Seiten, da kann man nirgendwo seinen Mauszeiger parken, weil ständig überall irgendwelche Screenshots von Zielseiten aufploppen und mit etwas Pech nicht wieder verschwinden (bei mir im Opera kommt das schon mal vor). Ein gutes Beispiel für diese Hölle ist der PR-Blog von Klaus Eck. Nicht nur das Usability-Problem ist gravierend, auch die Ladezeit dieser Seite ist jenseits von Gut und Böse, mein Firefox hat gerade eben über eine Minute an der Seite geladen, die rechte Sidebar kam nach 45 Sekunden. Die Leute bei Typepad und vor allem Herr Eck sollten sich mal YSlow näher anschauen. Note F heißt hier sechs, setzen! Klar sind daran nicht nur die snap-shot-Vorschauscripts schuld, aber sie tragen ihren überflüssigen Teil dazu bei.

Was soll das? Was habe ich als Besucher davon, dass alle Links auf einer Seite als Vorschau-Screenshot-Thumbnail angezeigt werden? Wenn ich eine Seite besuchen will, tue ich das wegen ihres Inhalts und nicht, weil eine 200 Pixel breite Vorschau so einladend wirkt. Wozu also? Weil es alle vermeintlich coolen Blogs haben? Bitte bitte bitte lasst den Unsinn einfach bleiben.

Ein weiteres völlig unsinniges Feature ist gerade immens en vogue: Icons für Bookmark-Dienste. Mancher Blog hat unter jedem Beitrag 10 bis 20 solcher Icons für alle möglichen Dienste. Erinnert mich stark an das klassische Press Ctrl-D to add this site to your bookmarks, was damals schon überflüssig wie ein Kropf war. Wenn ich eine Seite bookmarken will (ob bei Wong oder im Browser oder wo auch immer), mache ich das mit meiner Toolbar oder meiner sonstwie bevorzugten Technik. Wozu also diese Icon-Sammlungen? Die sind nicht nur hässlich, sondern auch noch stets unvollständig und immer peinlich? Fast so peinlich, wie die Send to a friend Links auf vielen Seiten. Hey, macht einfach schöne und kurze und funktionierende URLs (aka Permalink), dann kopieren sich Interessierte diese einfach in die Mail oder IM oder was auch sonst sie für das Versenden von Links bevorzugen. Zack, ist der Fisch gegessen.

Also liebe Blogbetreiber und Webmaster, schaltet bitte das Hirn ein, bevor ihr jedes tolle neue Plugin in Eurem Blogsystem aktiviert.


Innerorts geblitzt mit satten 61km/h

09 02 2008
geblitzt!

Heute habe ich eine ganze Menge Unterlagen aufgeräumt und dabei im Stapel vor meiner Tastatur einen Verwarnungsbescheid des Ordnungsamtes gefunden, den ich Euch – samt Foto – natürlich nicht vorenthalten möchte:

Ihnen wird zur Last gelegt, mit dem Fahrzeug [mein Kennzeichen] am 20.09.2007 um 11.13 in Düsseldorf, Erkrather Straße von Hsnr. 286 Bis Einfahrt Aldi Fr Innenstadt folgende Ordnungswidrigkeit begangen zu haben:

Sie überschritten die zulässige Höchstgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften um 011 km/h.
Zulässige Geschwindigkeit: 050 km/h.
Festgestellte Geschwindigkeit (abzgl. Toleranz): 061 km/h.
[…]

Verkackt. Ich muss dazu sagen, dass innerorts 61km/h auf einer zweispurigen Straße mit getrennten Fahrbahnen für beide Richtungen in meinen Augen keine unangemessen hohe Geschwindigkeit ist. Wer da langsamer fährt, ist ein Bremser und macht ggf. die grüne Welle kaputt. Naja, lamentieren hilft nicht, die 25€ mussten bezahlt werden.

Ja, vor meiner Tastatur liegt ein Stapel, in dem sich Schreiben von vor einem halben Jahr befinden… Ich lass es immer so weit kommen und räume dann einen ganzen Tag lang alles weg.


Sixtus vs. Lobo

09 02 2008

Tatsächlich etwas, was ich schmerzlich vermisst habe, ohne davon zu wissen: Ein Videocast-Battle zwischen Mario Sixtus und Sascha Lobo, als Serie! Ha, hab ichs doch gewusst, dass der 01blog etwas taugt, nicht nur dieses schöne Stückchen Streitkultur, auch fast alle anderen bisherigen Einträge tun mir den Gefallen der Interessantheit und Bespaßung.

Meine Propz gehen dieses mal raus an Sixtus, dessen Lobo-MacBook-Vergleich einfach besser sitzt.

Für die Klickfaulen auch direkt das YouTube-Video:

Nebenbei: Youtube sollte dringend etwas an der Videoqualität tun, alle anderen Anbieter haben besser aussehende Videos.


Das wär so LOL, wenn es nicht RL wär

05 02 2008

Kurz der Sachverhalt:

  1. Bank hat Hundekackspuren in der Schalterhalle
  2. Bank prüft Aufnahmen der Videoüberwachung
  3. Bank recherchiert Identität der Kundin, deren Tochter die Hundescheiße am Fuß hatte
  4. Bank schickt Rechnung über die Reinigungskosten (Steinboden laut Quelle) an Kundin
  5. SWR berichtet
  6. Blogger lachen drüber, sehen sich aber gleichzeitig in ihrer Kritik am Überwachungswahn bestätigt

Das Thema ist schnell hochgekocht, so dass es momentan Topnachricht bei Rivva ist. Nerdcore bringt es schon in der Überschrift auf den Punkt: Kacküberwachung, Udo Vetters Kommentatoren sehen das – wie immer – etwas differenzierter und Fefe braucht nur einen Satz für die Nennung des Dilemmas:

Erst "DIE TERRORISTEN" bzw "DIE KINDERSCHÄNDER", dann "Straftäter" und am Ende Hundekacke und Warez-Downloads.

Ja, da kann ich nur zustimmend nicken: Genau so sieht es aus. Schön, dass diese Story so lustig ist; dadurch findet sich eine gewisse Verbreitung der Problematik. Klar ist Videoüberwachung in Banken ein Alter Hut und ein nachvollziehbar sinnvoller dazu. Das Problem entsteht noch nicht mal dann, wenn diese Überwachungstechnik für solche Zwecke genutzt wird. Der Fall zeigt nur eindrucksvoll, zu welchen Stilblüten solche Technik führt und bringt die Frage auf den Tisch, ob man sowas allenthalben haben möchte. Überwachung gegen Hundescheiße finde ich persönlich eigentlich einen guten Zweck (halbironisch), aber nicht gegen die Opfer, sondern die Täter…

Nachtrag: heise.de war etwas ausführlicher.

Nachtrag 09.02.08: Man wies mich darauf hin, dass heise.de nachgetragen hat: Nix Hundekacke am Hacken, sondern frische Kinderkacke hochstselbst platziert und nicht mal unbemerkt von der Mutter. Interessante Wendung allemal, nimmt etwas den Witz aus der Geschichte (oder fügt ich hinzu für manchen). Trotzdem bleibt der Fingerzeig in Sachen Überwachung und Totalprotokollierung.


Rosenmontag ist Anschaffungstag

04 02 2008

Heute waren wir bei IKEA, um einen neuen Wasserhahn für die Küche zu kaufen und nach Stühlen zu schauen, die nicht zusammenbrechen, wenn Gäste darauf sitzen. Was uns nicht klar war: Rosenmontag arbeiten viele Leute nicht und besonders bei so einem Scheißwetter wie heute feiern sie auch nicht Karneval. Was also tun mit der Freizeit? Natürlich größere Anschaffungen tätigen, wo man sonst nicht zu kommt: IKEA. Ich habe den IKEA in Düsseldorf noch nie so voll gesehen. Parkplatzeinweiser lassen einen nicht in die Garage und schicken einen in die dritte Etage des Parkhauses. Da hatten wir natürlich keine Lust drauf und sind wieder gefahren, was übrigens alleine schon eine Viertelstunde gedauert hat, um vom Parkplatz wieder runter zu kommen. Da hatte ich wirklich nicht mitgerechnet, aber schön zu sehen, dass man nicht der einzige Karnevalsvermeider in der Stadt ist…