Noch immer ist mein Beitrag mit dem Titel Alice Kündigen vom letzten Jahr mein meistgelesener Artikel. Das wundert wenig, bin ich doch inzwischen sogar auf Platz 1 bei Google damit für den Suchstring "alice kündigen". Schön. Momentan geistert eine Nachricht von einer extrem hohen Kündigungsquote (im Bereich 25% über das Jahr gesehen) bei Alice durch die Computerpresse. Irgendwie fühle ich mich durch meine gute Google-Platzierung mit einem Alice-kritischen Artikel verpflichtet, dazu etwas zu sagen:
Mir fällt spontan ein sehr guter Grund ein für eine solch hohe Kündigungsquote (sind 25% über ein Jahr eigentlich wirklich viel?) ein: Die Übernahme des AOL-Zugangsgeschäfts hat auf einen Schlag eine wirklich große Menge Kunden ins Unternehmen gespült, was für viele offenbar überraschend kam. Ich kann mir gut vorstellen, dass etliche ehemalige AOL-Kunden damit ganz und gar nicht einverstanden waren und offensichtlich gab es auch verschiedentliche Probleme bei der Umstellung. Mit diesem Umstand im Hinderkopf sehen die 25% wieder gar nicht so schlecht aus. Zumal Alice mehr oder weniger der einzige Provider am deutschen Markt mit fairen Kündigungsfristen ist.
Ein zweiter kolportierter Vorwurf ist der einer großen Fehlerquote in der Telefonie bei Alice. Dieser Umstand wird seitens Alice dementiert. Ich habe keine Ahnung, was da stimmt. Mein Telefonanschluss (VoIP/Analog mit Spharion-Box) jedenfalls funktioniert bis auf die bereits genannten prinzipiellen Einschränkungen sehr zuverlässig. Dass ich damit nicht faxen kann und der Rufaufbau, ganz besonders zu Genion-Homezones, lästig lange dauert, ist aber tatsächlich ein markantes Problem. Mitunter sitze ich 30 Sekunden vor einem schweigenden Telefon, bis nach dem letzten Wählton ein Rufzeichen ertönt, wobei davon etwa 10 Sekunden auf das Konto von O2 und das Routing aufs Handy gehen. Aber durchschnittlich 13 Sekunden für einen Rufaufbau ins Festnetz sind eine merkliche Verzögerung und nicht weg zu diskutieren, wie es die Hotline-Mitarbeiter auf meine wiederholten Nachfragen stets versucht haben. Dass kein einziges Fax durch die Leitung geht steht auch nirgendwo (ich hab bisher – außer in Foren – zumindest nichts darüber gefunden).
Dafür muss ich der Kundenbetreuung inzwischen wieder wirklich gute Noten geben: Eine kostenlose Störungshotline, bei der man im Problemfall ohne allzu viel Rumgequatsche in die Technik durchgestellt wird, wo einen durchaus kompetente Mitarbeiter erwarten, macht mir ehrlich Spaß. Weiter so.
Alles in allem werde ich momentan Alice ganz sicher nicht kündigen. Sicher, es gibt das ein oder andere Problem und die Internetleitung könnte zuverlässiger sein (unsere Kabel sind leider wirklich sehr schlecht), aber würde ich anderswo besser bedient? Bei Ish/Unitymedia, die uns immer noch gerne die 45€ Hotlinegebühren für den von ihnen verschuldeten 5-tägigen Internetausfall im letzten Jahr erstatten dürfen (auf unser Schreiben mit eben diesem Verlangen wurde übrigens gar nicht geantwortet), fühle ich mich nicht wohler. Auch wenn der nette "Ansprechpartner" von denen, der heute meine Eltern wegen ihrer Kündigung persönlich besucht hat, noch so hartnäckig ist: Das Kapitel Ish/Unitymedia ist für mich und in meinem Bekanntenkreis momentan durch.
Und sonst? Arcor? Oder gar Vodafone? Versatel, die 5€ für eine Umstellung der Rufnummernunterdrückung nehmen? Freenet, deren Drücker freie Außendienstler (so oder so: mit Freenet-Jäckchen an) hier regelmäßig hausieren gehen und uns trotz schlechter Kabel "auf jeden Fall die vollen 16MBit" versprechen? Zwei Jahre an irgendeinen fragwürdigen Laden binden und im Zweifel kleben bleiben? Immerhin bekommt man bei 1&1 dafür noch eine feine Fritz!Box in die Hand gedrückt. Dann kann ich aber auch zur Telekom zu T-Home (wie auch immer), aber da ist man für die gleichen Eckdaten (plus die geniale Hotspot-Flatrate und der echte Telefonanschluss) gleich 20€ mehr los, als bei Alice. Und die Festnetz-Flatrate kostet 0,1¢/min für Gespräche in "Fremdnetze", also eigentlich zu fast allen, mit denen ich so telefoniere. Das ist zwar nicht viel, aber Flatrate ist anders und das nenne ich schlicht eine miese Verarsche fragwürdige und überflüssige Irreführung. Also alles Käse.
Der einzige Wechselkanditat ist für mich momentan Alice Comfort, aber das bekommt man leider aktuell nicht in Düsseldorf (ich warte ja – nicht ganz –täglich auf einen Anruf, dass ich das ändert). Zehn Euro Aufpreis für mehr Service und einen echten ISDN-Telefonanschluss mit garantiert kurzfristiger Störungsbehebung (Business Class-Service
) würde ich ohne Zögern bezahlen. Auch eine 100MBit-Leitung wie die von Netcologne in Köln oder Hansenet/Alice in Hamburg würde ich durchaus nehmen. V-DSL eigentlich auch, aber 65€ sind doch etwas mehr als 30€ und die Telekom will ja auch bekanntlich keine Fremdkunden abwerben (eigentlich fair von denen). Es bleibt also spannend.