FSF fasst gute Gründe gegen das iPhone zusammen

14 07 2008

Vorbemerkung: Kauft Euch so viele iPhones wie ihr wollt. Macht von mir aus 10 mal einen Vertrag mit der Telekom oder hackt Euch durch die Welt. Werdet glücklich und lasst Euch dieses Glück nicht ausreden.

Ich habe kein iPhone, das hat verschiedene Gründe. Ich will auch kein iPhone, denn die Firmenpolitik dahinter macht mich krank, was ich aber nie wirklich prägnant in Worte fassen konnte. Das hat die FSF jetzt übernommen. 5 reasons to avoid iPhone 3G:

  • iPhone completely blocks free software. Developers must pay a tax to Apple, who becomes the sole authority over what can and can't be on everyone's phones.
  • iPhone endorses and supports Digital Restrictions Management (DRM) technology.
  • iPhone exposes your whereabouts and provides ways for others to track you without your knowledge.
  • iPhone won't play patent- and DRM-free formats like Ogg Vorbis and Theora.
  • iPhone is not the only option. There are better alternatives on the horizon that respect your freedom, don't spy on you, play free media formats, and let you use free software -- like the FreeRunner.

Ja, da sind (vielleicht) bessere Alternativen am Horizont. Aber momentan ist das iPhone immer noch ziemlich alleine auf der slick-bedienen-Bühne. Was für ein Licht wirft das auf die Handyhersteller, dass erst ein branchenfremder Hersteller kommen muss, um im Vorbeigehen fast alles zu beheben, was an Handys bisher genervt hat? Dass Apple im Gegenzug neue Nervigkeiten mitgebracht hat, die vorher ganz selbstverständlich nicht integraler Bestandteil von Handys waren, ist natürlich schade. Aber dennoch sieht man, dass es noch ein Jahr nach Veröffentlichung des ersten iPhones kein etablierter Handyhersteller geschafft hat, etwas auch nur im Ansatz ebenso gut bedienbares an den Start zu bekommen. Dass Handys schlechter waren als nötig hat einem ja schon lange gedämmert, aber dass die Hersteller offenbar durchweg derart in die falsche Richtung gedacht haben, ist ein Armutszeugnis. Ganz besonders Nokia mit ihrem S60-Mist ist hier zu nennen. Beispiel: Schnappt Euch mal ein aktuelles Nokia-Telefon und surft mit dem eingebauten Browser (ohne Touchscreen natürlich, denn Touchscreens findet Nokia doof). Und dann nehmt ein iPhone zur Hand und macht das gleiche noch mal. Beide Browser nutzen WebKit als Rendering Engine, arbeiten also weitgehend korrekt. Nur ist der eine träge, ruckelig und eine Bedienungs-Zumutung und der andere hangelt sich so leichtfüßig, weich und selbstverständlich durch das Web, dass man sich nur freuen kann. Davon abgesehen, dass die WLAN-Verwaltung bei Nokia ständig und immer mit Fragen präsent ist, statt einfach im Hintergrund zu funktionieren. Was soll das?

Zurück zum Thema. Dass Apple so sehr seine Finger auf dem iPhone hält hat zwei Effekte: Zum einen könnte es sein, dass die Programmqualität dadurch auf einem durchschnittlich höheren Niveau liegt. Möglich, aber nicht zwingend. Zum anderen aber kann Apple so missliebige Programme einfach verbieten, so wie das mit TomTom gerade passiert. TomTom hat angeblich eine Portierung seiner Software für das iPhone bereits in der Schublade, kann diese aber gegen Apples Willen nicht an den Markt bringen. Wenn ich sowas höre, kann ich der FSF nur zustimmen: Finger weg von so einem Sektensystem.

Als Ausnahme kann ein gehacktes iPhone gelten, aber ich für meinen Teil möchte meine Geräte erhobenen Hauptes nutzen können und nicht in die Halblegalität gedrängt werden, um sie so zu nutzen, wie ich das will. Von Garantiefragen mal ganz abgesehen und von der ewigen Bastelei bei Firmwareupdates und dem Damoklesschwert, dass Apple einen Weg findet (und finden möchte!), die Jailbreaks zu verhindern. Irgendwie ist ein gehacktes iPhone so wie verschämt irgendwo Gras kaufen müssen.

Und zum Schluss gebetsmühlenartig ein paar mehr Gründe, warum ich kein iPhone will: Kein Bluetooth-Stereo-Audio-Profil, keine Nutzungsmöglichkeit als UMTS-Modem (warum nur?), weltfremde Tarife und die Zwangsehe mit iTunes. Bitte fragt mich also nicht ständig, warum ich kein iPhone habe, wo ich doch der Typ dafür bin.

P.S. Es ist übrigens bemerkenswert wie Tiermama-gleich einige iPhone Besitzer ihr Baby verteidigen. Damit meine ich nicht ihr konkretes Gerät, sondern das Phänomen iPhone an sich. Schön, wenn die Einschränkungen für jemanden nicht relevant oder relevant genug sind. Aber das ist nun mal kein belastbarer Grund, die Einschränkungen allgemein wegdiskutieren zu können.


Jetzt Geogetaggt

14 07 2008

Frank Westphal hat eine neue feine Rivva-Funktion an den Start gebracht: Die Blogkarte. Nichts weltbewegend neues an sich, aber gewohnt schön umgesetzt. Ich stehe auch drin und bevölkere Flingern-Nord. Der Arme Kerl hat sich, um seine 1304 eingetragenen Blogs zu geotaggen, durch fast alle davon durchgewühlt und die Adressen aus dem Impressum gezogen. Lästige Aufgabe. Wirklich schlimm, dass nur so wenige Websites ihre Adresse im hCard-Format anbieten, wobei ich mir hier mal nicht an die eigene Nase fassen muss: Meine Adresse im Impressum hat diese Mikroformate und hat dem armen Frank wenigstens bei mir das manuelle Verarbeiten erspart. Liebe Leute, die ihr Euch Webdesigner (oder so) nennt und nicht wisst, was es damit auf sich hat: Nachsitzen, sofort!

Angeregt durch die ganze Kartensache habe ich jetzt auch Geoinformationen in den Header dieses Blogs eingebaut, auf dass die Verortung in Zukunft noch einfacher vonstatten geht. Wenn man der sich hierbei selbst anzweifelnden Wikipedia vertrauen kann, funktioniert das für meine Adresse folgendermaßen:

<meta name="geo.region" content="DE-NW" />
<meta name="geo.placename" content="Düsseldorf" />
<meta name="geo.position" content="51.2288;6.81500" />
<meta name="ICBM" content="51.2288, 6.81500" />

Die Geokoordinaten kann man sich mit Google-Earth generieren oder die praktische lokale Suche bei der Rivva-Karte benutzen, die einem die beiden letzten Zeilen zu einer Adresse ausgibt. Das werde ich jetzt ein paar mal machen und das ein oder andere Projekt damit versehen.

P.S. Jeder fängt mal klein an, deswegen noch mal der kurze Anfängerhinweis: Diese Angaben gehören in den Head-Bereich einer (X)HTML-Seite. Ich weiß noch, wie ich ganz (gaaaaanz!) am Anfang einfach nicht eingesehen habe, wozu dieser komische unsichtbare Bereich gut sein soll. Von CSS war damals nicht die Rede, Scripte können ja überall hin und eine Charset-Angabe fand ich überflüssig (weil ich nicht wusste, was das bedeutet). Und das Title-Tag hätte ich auch lieber weg gelassen. Zu meiner Entschuldigung: Ich war damals 15. Heute fragt sich ja so mancher Webentwickler, wofür dieser komische alte Body-Bereich noch gut sein soll, kann man doch alles per AJAX ins DOM hängen… Wie sich die Zeiten ändern.

P.P.S. Nebenbei gibt es bei Rivva jetzt die Planeten, Düsseldorf ist als eine der blogaktiveren Städte in Deutschland schon vertreten. Eine sehr schöne Funktion, vielen Dank.


XDA-Projekt: Synchronisation

09 07 2008

Nach einiger Zeit mal wieder ein Update zum XDA. Ich hatte ja vor dem XDA lange Jahre zwei Palms und ein FSC Pocket Loox N500. Bei letzterem wurde eine Outlook 2002-Lizenz mitgeliefert, so dass ich zähneknirschend das hässliche und nervige Outlook als Termin- und Aufgabenplaner genutzt habe. Auch führt irgendwie kaum ein Weg an Outlook vorbei, wenn man die Adressbücher verschiedener Handymodelle abgleichen will. Ein wenig enttäuscht war ich, als ich meinen XDA ausgepackt habe und nur eine 60-Tage Testversion von Outlook vorfand. Irgendwie knauserig von O2, ist doch Outlook der einzige von Microsoft für Windows Mobile vorgesehene Synchronisierungspartner und ein Grund für mich, Windows Mobile doof zu finden. Aber wenn man sich gegen ein mitgeliefertes volles und teures Outlook entscheidet, kann man es auch gleich ganz weglassen.

Als Ausgleich hat O2 aber das Comm-Center auf das Gerät gespielt, mit dem man via SyncML seine PIM-Daten mit einem O2-Server abgleichen kann und von dort aus auch auf andere Handy und PIM-Programme. Eigentlich eine durchaus gute Lösung, hat man so doch deutlich mehr Freiheiten als mit dem blöden Outlook. Allerdings möchte ich meine PIM-Daten nicht über den Umweg eines von einem Dritten betriebenen Servers leiten. Zum einen steht das P in PIM steht ja immerhin für "personal" und außerdem ist mir das ein unnötiger Schritt zu viel: Ich möchte die Synchronisation direkt lokal vornehmen und gleichzeitig das Gerät aufladen. Also musste eine andere Lösung her.

Vorerst tat es ja das bereits auf meinem Rechner laufende Outlook in Verbindung mit ActiveSync ganz brauchbar, ich wollte aber Thunderbird mit Lightning als Kalender benutzen. Dafür gibt es einige Möglichkeiten, die alle suboptimal sind:

Zum einen kann man auch hierfür SyncML benutzen, das geht mit Funambol sogar kostenlos und lokal. Aber auch das war mir zu fummelig.

Dann gibt es FinchSync, das kostenlos ist und direkt Synchronisiert, allerdings nur ICS-Kalenderdateien und nicht die seit Lightning 0.3 standardmäßig verwendeten SQLite Datenbank. Auch finde ich die Website wenig vertrauenerweckend. Zudem finde ich eine automatisch anlaufende Synchronisation via ActiveSync ganz schick.

Man findet noch die ein oder andere Lösung, ganz zufriedenstellend finde ich keine davon. Windows Mobile möchte eben nur mit Outlook/Exchange arbeiten. Letztendlich habe ich 20€ in die Hand genommen und habe mir BirdieSync gekauft, das Thunderbird und Lightning/Sunbird bequem und zuvertlässig via ActiveSync synchronisiert. Funktioniert prima. Dennoch wünsche ich mir von einem Smartphone eine offene und gut implementierte Schnittstelle zur Synchronisation der PIM-Daten.

P.S. O2 und HTC geben sich überall redlich Mühe, die Nervigkeiten von Windows Mobile auszugleichen, aber letztlich ist und bleibt es ein überholtes und nerviges System. Ein aussichtsloser Kampf, es muss eine frische saubere Basis her mit Grafikbeschleunigung für die fluffige Bedienung. Wieder mal bleibt nur Warten auf Android und Konsorten…


Von anderen aufgeladene Emotionen nutzen?

07 07 2008

Ist es verwerflich, von Dritten aufgeladene Emotionen für die eigene Werbung zu nutzen? So wie es die Telekom aktuell mit dem unglaublich unter die Haut gehenden Paul Potts macht? Ganz großes Gefühlskino schreibt off the record zu diesem Telekom-Spot und bemängelt gleichzeitig, dass der Spot zwar große Gefühle weckt, aber eben nicht für die Marke Telekom. Zustimmung meinerseits: Der Funke springt einfach nicht über und es bleibt bei mir der faule Beigeschmack des Missbrauchs eines solch wunderschönen Internet-Märchens für werbliche Zwecke einer Marke, die mit damit nicht wirklich etwas zu tun hat. Das ist (großartige) Werbung für das Internet an sich und die Telekom ist ein Zugangsprovider, nicht mehr (die Inhaltelieferei überlässt man ja inzwischen weitgehend anderen). Aber ist das nun verwerflich oder nicht? Eigentlich nicht, man bringt nur mit einen schönen emotionalen Spot ein großartiges Video ins Gedächnis und versucht (begrenzt erfolgreich) seine Markenbotschaft mitzuliefern, warum sollte das nicht legitim sein? Vor allem, wenn man mit diesem Agenda Setting Leute neu erfreuen kann, denen das Video bisher entgangen war.

Mich zum Beispiel. Irgendwie ist dieses bemerkenswerte Video bisher völlig an meiner Wahrnehmung vorbei gegangen. Gut also, dass die Telekom das jetzt wieder auf den Tisch gelegt hat, denn dieser Paul Potts singt auch ohne die rührselige Story drumrum derart herzerwärmend, dass mir die Rührungstränen auf die gänsegehäuteten Arme rinnen. Noch nie hat Operngesang solch euphorische Ausbrüche bei mir verursacht. Kein Wunder, dass sowohl das Publikum, als auch die Jury bei Britain's Got Talent schon nach zwei Takten total abgehen und dieser dickliche Typ, der so unscheinbar und fast schon bemitleidenswert da antanzt, am Ende die ganze Show gewinnt. Wirklich magisch. So magisch sogar, dass ich wie in Trance direkt mal seine CD gekauft habe. Verzauberungs-Marketing und direkte Bestellmöglichkeiten sind eine gefährliche Kombination.

Schnell noch der Telekom-Spot, der erste Auftritt bei BGT (angucken und Ton laut, es lohnt sich, versprochen) und ein Artikel im Spiegel Online dazu. Ist zwar alles schon in den anderen verlinkten Quellen verlinkt, aber ihr guckt da ja eh nicht rein, gelle?

P.S. Ich habe gerade keinen Laden gefunden, wo ich die CD 1. jetzt, 2. legal und 3. als MP3 kaufen kann. Ist das nicht bescheuert? Muss ich jetzt ernsthaft bis zum Versand der CD am 12. Juli warten und mich in der Zwischenzeit aus illegalen Quellen bedienen (was keine 10 Minuten dauert)? Wo bleiben nur das versprochene DRM-freie Amazon-Downloadangebot und seine dadurch an den Markt gezwungenen NachahmerMitzieher? Und sollte ich ein schlechtes Gewissen beim Download aus illegalen Quellen haben, wenn ich die CD besitze oder bestellt habe?


Der Rapper Deichkind

06 07 2008

Aus einem Spiegel-Online Artikel über Sarah Kuttners neue ARD-Show:

Als Schalter der unterschiedlichen Inserate entpuppt sich der 17-jährige Gunnar, der die Reporterin norddeutsch nölend wie der Rapper Deichkind durch seine Friesenhütte führt.

Huch?