Werbeblocker sind kein guter Stil, aber nötig

25 03 2010

Frank Patalong hat auf Spiegel Online eine Dsikussion über Werbeblocker losgetreten, die ich schon länger vermisse. Seine Behauptung lautet kurzgefasst: Die immer zahlreicher werdenden Leser mit Adblockern gefährden die Finanzierung des (Qualitäts-)Journalismus. Leser sind undankbar und wollen immer alles umsonst, aber keinesfalls Werbung sehen und sind schuld an allem Niedergang. Felix Schwenzel hat dazu eine gewohnt rotzige Replik mit dem schönen Titel qualitätsheulsusenismus an den Start gebracht und hängt sich (wie auch andere) an Patalongs herbeifantasiertem Deal zwischen Online-Nachrichtenseiten und Lesern bezüglich der Akzeptanz von Werbung für kostenlosen Zugang zu den Nachrichten auf. In der Tat zeugt dieses Verständnis von einem gewissen Realitätsverlust. Trotzdem ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Redaktionelle Arbeit bei spiegel.de und Co. irgendwie bezahlt werden will und wenn der Zugang kostenlos ist, muss das Geld woanders herkommen. Auftritt Werbung.

Werbung finanziert Websites. Punkt. Wer Werbung grundsätzlich rausfiltert, torpediert den primären Finanzierungskanal, egal ob er das aus gutem Grund tut oder nicht. Jetzt kommt das Aber: Die Werbeindustrie ist selbst schuld an der Misere. Dass Werbung sich raumgreifend um die Seite legt ist noch erträglich, wenn aber Layer-Ads (die ein klares Zeichen für unseriöse Websites sind) und andere Werbeformen sich vor den eigentlichen Inhalt legen und diesen damit nicht nur optisch in den Hintergrund drängen, geht das zu weit. Wenn mehrere blinkende Flash-Banner jeden nicht gerade hochaktuellen Computer merklich ausbremsen, wenn gar ungefragt Geräusche erzeugt werden (besonders lustig im Zusammenhang mit Tabbed-Browsing) oder am Ende noch Schadcode und ungehemmt Schnüffelcookies auf dem Rechner landen, dann ist das weit oberhalb der Toleranzgrenze. Wer sich in diesem Lichte beschwert, dass Leute sich mit Adblockern wehren, ist ein Zyniker oder ein Ignorant. Der Werbeblogger hat das schön ausformuliert und stellt zudem auf weitere wichtige Aspekte ab.

Doch wie geht man mit der Situation um? Adblocker sind leider notwendig geworden, gerade für die Vielnutzer unter den Lesern, aber sie sind auch irgendwie nicht so recht fair. Ob man das einen Deal nennt oder nicht, man muss anerkennen, dass Werbung gegen Inhalte der bislang gültige und auch praktikabelste Modus ist, Inhalte kostenlos zugänglich zu machen. Von all den Kritikpunkten an Werbung gibt es drei ganz starke: Kaum noch benutzbare ältere Rechner, ungefragte Töne aus irgendwelchen nicht auffindbaren Quellen in irgendwelchen Tabs im Hintergrund und Werbung, die die Inhalte verdeckt (PopUps, Layer Ads, aufdringliche Tooltipps oder alles zusammen). Für die ersten beiden gibt es eine unfassbar geniale Abhilfe, die trennscharf nur die asoziale Scheiße rausfiltert, zudem ein Gewinn an Sicherheit ist und die Umwelt schont (der Stromverbrauch durch unnötige Flash-Blinkerei muss immens sein): Der Flashblocker. Flash-Inhalte werden einfach durch Platzhalter ersetzt und wenn man sie sehen möchte, klickt man sie an. Ganz einfach, großartig. Bleiben noch die Layer-Ads, die im Grunde nur derjenige zu sehen bekommt, der sich regelmäßig auf mäßig seriösen Seiten rumtreibt. Ich habe genau zwei Seiten in meinen Bookmarks, die mir damit auf die Eier gehen, bei beiden habe ich einfach JavaScript ausgeschaltet (was bei Opera sehr leicht geht).

Ich behaupte: Die meisten Leute haben kein grundsätzliches Problem mit Werbung, sondern setzen Adblocker aus ganz bestimmten, handfesten Gründen ein. Der oben erwähnte Artikel vom Werbeblogger zitiert einige klare Regeln, wie Werbung nicht sein soll. Sind die erfüllt, gibt es auch keinen echten Grund, einen Adblocker zu benutzen. Werbung ist nicht zwangsläufig störend und schlecht, aber wenn sie so ist, braucht man sich nicht wundern, dass die Leser da keine Lust drauf haben und wahlweise gar nicht mehr kommen oder die Werbung ausblenden. Fuck, schaut Euch Google mal an.

Die Argumentationskette Patalongs, dass die eigenen Werbeeinnahmen wegen der bösen Adblocker einbrechen und jetzt Google (der Universalfeind des Qualitätsjournalismus) die ganzen Gewinne mit seiner Werbung einfährt, halte ich für in sich abenteuerlich: Wir verdienen wegen der Werbeblocker kein Geld mehr mit Werbung, aber Google verdient sich gleichzeitig eine goldene Nase. Mit Werbung…
Aber warum verdient Google als einziger so unfassbar gut an Werbung, während andere Werbeeinnahmen einbrechen? Ich denke, die Antwort ist naheliegend: Weil Googles Werbung nicht nervt und es deswegen (über die Datenschutzproblematik hinaus) keinen Grund gibt, sie auszublenden. Ja, ganz verwegen: Googles Werbung neigt sogar dazu, einen Ansatz von Nützlichkeit vorweisen zu können. Man denke nur an die ortsbezogene Werbung in Maps. So liebe Leute, so verdient man mit Werbung im Netz. Die Verlage heulen rum, als gäbe es ein Gesetz, dass nur Google nicht nervende Werbung an die Nutzer bringen darf.

P.S. Ich selber benutze auf meinem sehr fixen Hauptrechner keinen Werbeblocker und auch keinen Flashblocker, lediglich bei zwei Seiten habe ich JavaScript abgeschaltet, um den Layer-Ads zu entgehen, die zudem inzwischen beim Klick auf den Schließen-Button noch ein PopUp öffnen. Unfassbar. Aber auf allen anderen Rechnern hier im Haushalt läuft ein Flashblocker. Das PIII-1GHz Notebook in der Küche ist schon kaum mehr bedienbar, wenn die Diashow bei last.fm läuft. Nachrichtenseiten ohne Flash-Blocker scrollen nur noch mit sekundenlangen Pausen pro Schritt. Hätte Opera einen brauchbaren Flashblocker, würde ich ihn auch auf meinem Hauptrechner benutzen, schon aus Gründen der Sicherheit.


100.000km Honda Jazz

17 03 2010

Mein eisblau-metallic-farbener Honda Jazz wird dieses Jahr 8 Jahre alt und hat gerade 100.000km hinter sich gebracht, Zeit also für ein kleines Resumé. Die Tankauswertung von 2007 stimmt in etwa auch weiterhin, die aktuellen Zahlen sind folgende: 5,8l/100km (ungewichtet gemittelter vom Bordcomputer abgelesener) Durchschnittsverbrauch bei überwiegend Kurzstrecken und Stadtverkehr, 90-120km/h auf der Autobahn, allgemein niedertouriger Fahrweise und bei etwa 20-30% Klimaanlageneinsatz. 7% der Laufleistung habe ich nicht vollständig erfasst, der Fehler ist aber geringer, weil ich häufig nur die gefahrenen Kilometer nicht erfasst habe, den Tankwert aber schon. Das Versprechen von 5,7l auf 100km wurde also durchaus eingehalten, gute Verbrauchwerte also.

Schäden hatte ich in all den Jahren lediglich einen: Der Kabelzug der Heizungsregelung war irgendwann einmal abgesprungen und musste für ein paar Euro neu eingehängt und justiert werden. Dann hat mir der Honda-Techniker vor anderthalb Jahren bei der Inspektion gesagt, dass der Kompressor der Klimaanlage ungesunde Geräusche macht und wohl demnächst ausfallen würde. Ein Austausch kostet zwischen 1000 und 1300€, also bin ich ganz froh, dass der Ausfall noch immer auf sich warten lässt. Dann leuchtete irgendwann einmal die Motorkontrolleuchte, was sofort mit einem Diagnosecomputer ausgelesen und abgeschaltet und bei der nächsten Inspektion ein paar Wochen später durch Justage der Motorsteuerung gefixt wurde. Das war wohl auch die Ursache für das Stottern bei niedrigen Drehzahlen unter wenig Last gewesen, das danach verschwunden war. Ansonsten ist der Wagen einmal jährlich bei der Inspektion gewesen, wo nach Bedarf TÜV/ASU gemacht wird und Bremsklötze, Öl und andere Flüssigkeiten, sowie der Pollenfilter der Klimaanlage und andere Verschleißteile gewechselt werden; das kostet so zwischen 150 und 300€. Zusammen mit einem Satz Reifen für 330€ vor ein paar Jahren sind das erfreulich geringe Betriebskosten und vor allem wenig Sorgen und Probleme gewesen. Mein Honda-Händler ist zudem sehr nett und bemerkenswert problemfrei. Sehr gut.

Die Fahrleistungen sind mit 83PS durchaus ausreichend, man kommt sich fast nie untermotorisiert vor. Also vollbepackt und mit Klimaanlage muss man den Jazz durchaus auch mal etwas hochtouriger fahren und Ampelrennen wird man auch eher selten gewinnen. Aber wie mit einem Opel Corsa auf Teneriffa im ersten Gang die Berge hochschleichen muss man mit dem Jazz wirklich nicht und im vierten Gang auf der Autobahn wird man Jazz-Fahrer auch eher selten antreffen.

Der Fahrkomfort ist einem Kleinwagen durchaus angemessen. Mein Jazz stammt aus der ersten nach Deutschland gelieferten Serie von 2002, die noch reichlich hart abgestimmt war und angeblich ein Rostproblem hat. Von Rost ist bei mir keine Spur und die harte Abstimmung finde ich durchaus sportlich. Neuere Baujahre ab 2003 sind wohl deutlich komfortabler gefedert, die neuen Modelle haben als Ausgleich auch ESP an Bord. Meiner hat das nicht, fährt sich aber auch völlig unkritisch. Die geringe Länge von 3,83m (deutlich weniger als ein Polo von 2002) ist trotz kleinem Wendekreis beim Einparken aber nicht wirklich vorteilhaft nutzbar, weil man den Wagen überhaupt nicht einschätzen kann; hinten nicht, aber auch vorne nicht, weil die Schnauze unglaublich kurz ist. Sowieso fühlt man sich innen wie in einem um ein paar Plätze geschrumpften Familienvan. Die Einparkhilfe bei neuen Modellen gibt es leider nur für hinten und nur bei teureren Modellen, trotzdem ein wichtiges Extra.

Apropos Kosten: Für einen Kleinwagen ist der Jazz auf den ersten Blick reichlich teuer. Die 10.000€ Basisversion ist sehr dürftig ausgestattet, mit allen Extras landet man bequem bei 20.000 und mehr Euro. Das klingt teuer, aber gemessen an der Ausstattung und an vergleichbaren Autos ist das gar nicht mal so viel. Man kann einen Jazz eben nicht mit einem Opel Corsa, einem Peugeot 207, einem Daihatsu oder ähnlichen Fahrzeugen vergleichen, sondern eher mit einem VW Polo. Ein klassischer Kleinwagen ist der Jazz wirklich nicht, die Geräumigkeit im Innenraum spielt locker in der Kompaktklasse von Golf und Co. mit, der Kofferraum ist sogar größer als im aktuellen Golf. Und das Killerfeature ist sogar auch nach acht Jahren noch einzigartig: Die genial simple und unfassbar praktische Rückbank ist der Hammer. Ich bin immer noch geflasht, wenn ich mit zwei Handgriffen mit nur einer Hand die Rückbank versenke und einen unglaublichen Laderaum hervorzaubere. Auch die Möglichkeit, kleinere Gepäckstücke unter den Rücksitzen zu platzieren hat uns schon den ein oder anderen Urlaub vereinfacht. Man kann also durchaus bequem zu viert unterwegs sein, wobei hier ganz klar hintere Boxen eingebaut werden sollten. Mit 160€ ist das nicht wirklich teuer und ich frage mich, wieso ich das erst nach fast acht Jahren habe machen lassen. An dem gemessen, was man für sein Geld bekommt und gemessen an den insgesamt über die Jahre angefallenen Betriebskosten, ist der Jazz alles andere als teuer, was auch den geradezu unfassbar hohen Preis auf dem Gebrauchtmarkt erklärt.

Kurzum: Der Honda Jazz ist insgesamt ein geniales Auto und verkauft sich laut meinem Honda-Händler fast von selbst. Werben muss Honda jedenfalls fast nicht und für den Seltenheitswert der Marke Honda auf deutschen Straßen sieht man erstaunlich viele Jazz herumfahren. Leider sind gefühlte 80% dieser Fahrzeuge in der Farbe Eisblau-metallic verkauft worden, was das Wiederfinden des eigenen Fahrzeugs im Parkgewirr nicht gerade leichter macht. Apropos Äußerlichkeiten: Ich finde den Jazz nicht wirklich schön, das aktuelle Modell erst recht nicht; aber er ist auch nicht hässlich, immerhin. Wer ein wirklich schönes Auto haben will, muss etwas anderes kaufen oder zumindest eine schönere Farbe wählen: In Schwarz etwa sieht der Jazz sogar wirklich fesch aus.

Ich vermisse übrigens auch etwas an meinem Jazz: Für das alte Modell gab es kein Tempomat, was ich wirklich bitter finde, hätte ich sowas doch wirklich gerne gehabt. Das Radio meines Modells bot leider auch keine Möglichkeit, Musik aus externen Quellen zu beziehen. Mit dem Klang war ich immer zufrieden, aber immer Audio-CDs brennen zu müssen oder den rauschenden FM-Transmitter von meinem TomTom zu benutzen, hat mich immer sehr gestört. Das neue Modell gibt es mit MP3-Wiedergabe, USB-Anschluss und Bluetooth-Freisprechen, das Problem ist also inzwischen behoben. Ich habe meinem Jazz gestern zum 100.000km Jubiläum ein neues Radio von Alpine mit Bluetooth-Freispreche und Bluetooth-Audioübertragung spendiert. Dafür musste erst ein DIN-Schacht besorgt und eingebaut werden, was den Umbau immens verteuert hat: 480€ für alles ist ein happiger Preis, aber der Gewinn beim Sound ist wirklich großartig. Das hätte ich gar nicht gedacht, weil ich die Boxen gar nicht ausgetauscht habe und das eingebaute Radio nie für so schlecht gehalten hatte. Weit gefehlt, der Car-Audio-Spezialist hat mir nicht zu viel versprochen: Ein Alpine-Radio holt auch aus mäßigen Boxen noch einiges raus und der Bluetooth-Kram funktionierte auf Anhieb inkl. Zugriff auf das Telefonbuch meines Windows-Mobile Handys. Wow.

Ach ja: Der Test des aktuellen Modells in der F.A.Z. ist übrigens durchaus lesenswert. Wobei ich mich über deren horrenden Benzinverbrauch wundere.


Tischtelefon gesucht

05 03 2010

Ich bin seit 20 Jahren latent auf der Suche nach einem guten Tischtelefon. Alles fing mit dem neuen Diensttelefon in meinem Elternhaus gegen Ende der 80er an: Das Ding war schick und konnte quasi alles, was man sich vorstellen konnte und noch mehr, bediente sich aber derart kryptisch, dass ich mir die Bedienung auch nach mehrmaligem Durchlesen des Handbuchs absolut nicht einprägen konnte. Ja, ich war ein Geek-Kind, das alle Anleitungen gelesen und alles ausprobiert hat, um zu verstehen, wie Geräte funktionieren. Das Ding war angesichts unseres privaten Wählscheibentelefons zwar faszinierend, aber irgendwann verlor ich das Interesse, vor allem, weil es im Arbeitszimmer stand und zudem nicht am Familienanschluss angeschlossen war. Ganz davon abgesehen, dass es im Grunde gar nicht benutzt wurde, weil kaum jemals jemand auf der Dienstnummer anrief. Es muss zu dem Telefon auch irgendwo eine Telefonanlage gegeben haben, weil man interne Kurzwahlen zu den anderen Telefonen in dem Gebäudekomplex hätte benutzen können (Küche, Küster, Kindergarten und Sakristei, wenn ich das recht in Erinnerung habe). Die internen Nummern wurden aber nie benutzt, weil man sowieso selten jemanden am anderen Ende erreicht hätte.

Zurück zum telefon selbst: So erging es mir in des folgenden 20 Jahren leider mit jedem Telefon, das ich in die Finger bekam, anfangs auch mit Handys. Handys haben es mittlerweile geschafft, dass man Grundfunktionen wie Makeln und Konferenzen halbwegs verlässlich über die Bühne bringt und Adressbuchsynchronisation klappte dann auch irgendwann durchaus praxistauglich. Das iPhone schafft im T-Mobile-Netz sogar das Kunststück, die ätzenden Voice-Menüs von Mailboxen mit seiner Visual-Voicemail richtig erfreulich bedienbar zu ersetzen, großartig.

Und was ist mit Tischtelefonen im Jahre 2010? Immerhin hat sich SIP als VoIP-Protokoll auf breiter Front durchgesetzt und es gibt eine erkleckliche Auswahl an hübschen und ausgereiften Telefonen, mit Asterisk steht eine hervorragende VoIP-Telefonanlagensoftware aus dem Open-Source-Lager zur Verfügung, gute Heimrouter wie die Fritz!Box haben für den Hausgebrauch völlig ausreichende und gut bedienbare Telefonanlagenfunktionen und es läuft notfalls auch ein ganzer Asterisk darauf. Und die Telefone dazu? Immer noch so kompliziert, dass der eigens dafür bestehende Beruf Telefonanlagenbauer noch lange nicht überflüssig wird. Wieso gibt es auch gegen viel Geld kein Killer-Telefon für den Hausgebrauch? Wieso wird der SOHO-Bereich mit (bei fehlender Anlagenunterstützung) funktional beschnittenen Scheißtelefonen abgespeist? Ist da so wenig Geld zu verdienen? Ich weiß es nicht, aber ich skizziere jetzt einfach mal ein für mich perfektes Tischtelefon für den Einsatz im Kleinbüro- und Heimbereich, wo üblicherweise eine kleine (etwa eine Fritz!Box) oder gar keine Telefonanlage zur Verfügung steht:

  • Gute SIP-Kompatibilität mindestens mit Fritz!Box und Asterisk, inkl. solcher Stolpersteinchen wie dem Blindtransfer mit der Fritz!Box, wo Siemens teure und in meinen Augen extrem nervigen, weil nur an Siemens HiPath-Anlagen wirklich gut funktionierenden OpenStage-Telefone schon scheitern (wobei mir immer noch nicht klar ist, wer da letztlich die Schuld trägt).
  • Wählen vom PC aus, vorzugsweise ohne Umweg über den SIP-Server (den Fritz!Box TAPI-Treiber gibt es zum Beispiel nicht für 64Bit Windows, immerhin gibt es den überhaupt) und auch am Mac bzw. Linux. Und zwar ohne Fummelei, das kann ja so schwierig nicht sein.
  • HD-Telefonie, in welcher Form auch immer. AVM nennt das HD-Telefonie und mit deren Mobilteil MT-D klingt das wirklich bezaubernd, kein Vergleich zu Standard-Telefonie oder gar einem Handy-Telefonat. Immerhin scheinen alle Hersteller sowas im Angebot zu haben, aber funktioniert das auch?
  • Irgendeine Adressbuchsynchronisation, vorzugsweise möglichst offen, damit man das irgendwie an seine Landschaft anpassen kann. Ich benutze Thunderbird und wäre durchaus bereit, ein paar Euro für einen Connector dafür zu bezahlen. SyncML würde es auch tun oder irgendetwas ähnliches. Nur Outlook reicht nicht. Und LDAP? Im SOHO-Bereich? Solange die Fritz!Box und andere kleinere SIP-Lösungen kein LDAP-Zugriff auf ihr Telefonbuch bieten, bringt einen das nur bedingt nach vorne. Einen Linux-Server dauerlaufen zu lassen, damit man sein Telefonbuch benutzen kann scheint mir dann doch etwas ressourcenhungrig. Mein Windows Home Server legt sich jedenfalls mit den anderen Rechnern aus Stromspargründen schlafen.
  • Bluetooth-Headsets direkt nutzbar. Wie kann es sein, das selbst Topmodelle für etliche hundert Euro kein Bluetooth beherrschen? Jedes dumme Mittelklassehandy für Teenies kann Bluetooth-Headsets anbinden (und einige sogar so Kunststücke, wie Facebook als Telefonbuch zu nutzen), wieso bloß können Tischtelefone das nur in sehr seltenen Ausnahmefällen?
  • Gigabit-Ethernet. Fast alle SIP-Telefone können einen Netzwerkport durchreichen, wieso aber können die wenigsten auch Gigabit-Ethernet durchreichen? So braucht man doch einen extra Port für das Telefon, um den PC nicht seiner schnellen Anbindung zu berauben. Alles eine Preisfrage? Wenn man mehrere hundert Euro verlangt, kann man den Aufpreis für einen Gigabit-Port doch wohl noch unterbringen. Eine ganze Gigabit-Netzwerkkarte für den PCIe-Bus bekommt man einzeln für unter 5€.
  • Einfache Aufzeichnung von laufenden Telefonaten wäre auch toll. Ich zumindest muss gelegentlich Anrufe mitschneiden und nutze dazu immer Skype, wenn ich vorher davon weiß; etwa wenn ich die 1&1-Hotline anrufe, um mir deren unfassbare Dreistigkeiten anzuhören.
  • Intuitive Bedienung. Das Snom 870 macht das auf den Demo-Videos schon ganz gut vor. Warum schaffen andere Telefone sowas nicht? Man will doch nur, dass sich die Funktionen intuitiv bedienen lassen. Da werden dann in den Topmodellen riesige Displays eingebaut, die sich auf dem Chef-Schreibtisch gut machen, ohne dass man einen Vorteil bei der kryptischen Bedienung daraus ziehen würde. Wenn ich Bedienoberflächen wie die des nicht gerade billigen Siemens OpenStage 40 sehe, dreht sich mir der Magen um; man sollte echt mal ein Video von der Bedienung aufnehmen.

Schon an diesen eigentlich naheliegenden Forderungen scheitern meines Wissens nach alle Tischtelefone. Dass die Telefone alle mehr oder weniger ausgefuchste Adressbuchzugriffe über LDAP oder ähnliches unterstützen, bringt einen im Kleinbüro leider nicht weiter.

Aber der entscheidende Part ist für mich die Bedienung: Was nützen einem die fettesten Funktionen, wenn man sie im Alltag wegen Kompliziertheit nicht benutzt? Snom geht beim 870 mit dem relativ großen Touchscreen schon in die richtige Richtung, deswegen hätte ich das heute beinahe kurzentschlossen bestellt, verspricht es doch fast alle genannten Punkte abzudecken. Doch dann habe ich gesehen, dass es kein Bluetooth kann. Warum? Das Telefon kostet über 300€, anfangs sogar fast 500€, aber es kann kein Bluetooth? Immerhin signalisiert Snom im hauseigenen Forum Interesse an dem Vorschlag, wenigstens Bluetooth-Dongles am USB-Port des Telefons zu unterstützen. Bis dahin muss ich wohl weitersuchen.

Wenn man 300€ für ein Telefon bezahlt, bewegt man sich doch eigentlich schon im Bereich von besseren Android-Tabletts. Ich frage mich schon lange, wieso nicht jemand auf die Idee kommt, ein großes Android-Tablett mit einem Netzwerkanschluss, einem Telefonhörer und einem einfach zu bedienenden Telefonieprogramm auszustatten. Das wäre für mich ein Traum, bei dem die proprietäre Flexibilität per XML-Browser der Snom-Telefone im Leben nicht mithalten könnte. Mit Android liegt ein fertiges und leistungsfähiges Betriebssystem für Telefone auf der Straße, dessen Bedienkonzept sehr modern ist, das nichts kostet und durch Apps auch noch beliebig erweiterbar ist. Im Grunde ist doch alles schon da. Ein Hersteller hat im letzten Jahr genau sowas angekündigt, verkauft das Konzept aber nur kundenspezifisch im Projektgeschäft oder als Lizenz für andere Hersteller. Aber exakt so stelle ich mir das vor, man schaue sich mal das Demovideo dazu an, großartig. Wenn sowas gut gemacht und halbwegs bezahlbar wäre, würde ich das sofort kaufen, für ein gutes Smartphone oder ein iPad gibt man ja auch gerne 500€ aus. Ein Cradle mit Hörer und gutem Freisprech-Lautsprecher für ein gutes Android-Smartphone mit SIP-Telefonie-App würde es auch schon tun, dann hätte man sogar noch Mobilfunk-Backup.


Warum der Pornomodus von Opera momentan nichts taugt

03 03 2010

Opera 10.50 wurde gestern veröffentlicht und bringt neben einem echten Geschwindigkeitsschub und endlich einer Windows 7 angemessenen modernen Optik auch den von mir schon lange vermissten Pornomodus mit. Nur leider ist der derart blöd eingebunden, dass er quasi wertlos ist.

Es fängt damit an, dass man den Modus dank fehlenden Tastenkürzels umständlich aus der zweiten Menüebene oder dem Kontextmenü der Tableiste hervorkramen muss. Was zur Hölle soll das? Nun gut, sicher kann man den Privatmodus an bestimmte Bookmarks binden… Kram, such, kann man nicht. Dreck. Dann hat Opera ja auch die super geniale Funktion der Seitenspezifischen Einstellungen, da kann man sicher den Privatmodus für einzelne Seiten aktivieren… Nope, auch hier nichts vom Privatmodus zu sehen. Nun gut, dann mache ich eben so einen privaten Tab auf und rufe dann die entsprechenden Bookmarks auf. Hab ich gedacht, ganz bauernschlau. Doch weit gefehlt: Das Aufrufen von Bookmarks öffnet einen neuen Tab im Standardmodus. Nicht mal das Kontextmenü von Lesezeichen im Panel bietet das Öffnen im Privatmodus an.

Zusammenfassend muss ich leider sagen, dass der Privatmodus wirklich denkbar schlecht implementiert wurde: Es ist unter keinen simplen Umständen möglich, Bookmarks im Privatmodus auszurufen und wenn der Privatmodus in der zweiten Menüebene ohne Tastenkürzel dahinschimmelt, wird ihn auch niemand regelmäßig aktivieren. Als einzige Möglichkeit bleibt, ein zweites Opera-Fenster im Privatmodus zu öffnen, in dem man dann auch Bookmarks aufrufen kann. Das geht sogar mit einem Tastenkürzel, immerhin.

Warum nur, Opera? Es ist ja nicht so, als hätten nicht alle anderen Browser bessere Implementierungen dieser Idee parat. Seid ihr zu stolz, von anderen abzugucken? Warum so halbherzig? Schaut euch mal den Firefox an, dessen Privatsphäreeinstellungen sind bestechend simpel, sogar rückwirkend kann man hier gezielt einzelne Seiten oder Zeiträume aus der History kicken. Eure Seitenspezifischen Einstellungen sind so ein großartiger und von mir oft genutzter Ansatz, warum taucht der Pornomodus hier nicht auf?

Randbemerkung: Es ist für mich kein Widerspruch, Bookmarks und Privatmodus gleichzeitig nutzen zu wollen. Ob eine detaillierte Porno-History angelegt wird, die zudem auch noch andere Seiten aus der Autovervollständigung verdrängt und vor allem auch dort auftaucht, wenn einem Leute über die Schulter sehen, oder ob man nur ein Bookmark in den Lesezeichen liegen hat, ist für mich ein zentraler Unterschied. Vor mir selber habe ich nichts zu verbergen, der Pornomodus ist also für mich lediglich eine Komfortfunktion zur History- und Cookie-Hygiene. Ich würde also erwarten, dass bei den Seitenspezifischen Einstellungen (oder im Bookmark) der Pornomodus wählbar ist, dieser in den Tabs klar gekennzeichnet ist und sich vor allem auch auf die darin verlinkten Seiten auswirkt.

Und wo wir gerade beim Thema Opera und Lästigkeiten sind:

  • Warum kann ich die Mausgeste für einen neuen Tab nicht mehr benutzen, wenn alle Tabs minimiert sind und ich den grauen Hintergrund sehe? Bisher ging das immer, jetzt muss ich hier einen Doppelklick machen. Kleine Umgewöhnung, halb so wild, aber überflüssig und inkonsistent. Ein Doppelklick in einen bestehenden öffnet ja auch keinen neuen Tab, dafür gibt es ja die Geste.
  • Lästiger ist, dass man noch immer nicht die Reihenfolge der Symbolleisten ändern kann: Ich habe die Tableiste und die Persönliche Leiste oben positioniert; das sorgt leider dafür, dass der coole neue O-Button nicht im Fensterrand hängt, sondern links von den Tabs. Ich hätte also gerne die Persönliche Leiste (Bookmarks) unter den Tabs oder wenigstens den coolen O-Button trotzdem im Fensterrand. Warum geht das nicht?
  • Warum gibt es beim neuen und an sich sehr gelungenen Standard-Skin allerlei unfassbare Farben als Farbschema, aber keine neutrale dunkle Farbe? Das System-Farbschema ist schon OK, aber grau und ein weißer Hintergrund im Schnellstarter sind keine wirklich erfreulichen Gesellen.
  • Warum gibt es keinen Feeds-Button für die Symbolleiste? Einen Lesezeichen-Button gibt es ja auch und ohne Menüleiste braucht man irgendwie einen direkten Zugang zu den Feeds. Klar, man kann sich im Netz benutzerdefinierte Buttons besorgen, so einen habe ich ja auch, aber der ist kleiner als der Lesezeichen-Button und fällt total aus dem Rahmen.
  • Der eingebaute Torrent-Client schnappt sich bei ein paar aktiven Torrents gerne mal die gesamte zur Verfügung stehende Bandbreite, so dass man parallel nicht mal mehr normale Websites aufrufen kann. Das muss man bei 50/10MBit VDSL erst mal schaffen.

So, genug gemeckert. Opera ist nämlich für mich immer noch der beste Browser von allen. Chrome gefällt mir auch sehr gut und in Zukunft will Google auch auf die eindeutige ID verzichten, wie ich gehört habe. Mit der neu hinzugekommenen Extension-Schnittstelle und seiner Smoothness ist er ein heißer Kandidat für den besten Browser. Firefox ist nachwievor (unter Windows und Linux) großartig und ich benutze ihn ebenfalls intensiv, wenn ich auch aus Gründen der Smoothness und aus Gewohnheit für das alltägliche Surfen seit nunmehr etwa 11 Jahren ununterbrochen Opera nutze. Safari ist inzwischen auch ein prima Browser, aber unter Windows eher überflüssig und vor allem gibt es ihn nicht als portable Version, was für mich als Webentwickler ziemlich bitter ist.

Nachtrag 09.03.2010: Wenn man in der Adresszeile opera:config eingibt, kommt man in einen erweiterten Config-Dialog, ähnlich wie bei Thunderbird und Firefox. Dort kann man so einige Nervigkeiten von Opera loswerden, etwa den Bandbreitenhunger für Torrents oder die Tab-Integration in der Windows 7 Taskleiste. Immerhin.