Ode an den vollelektronischen Durchlauferhitzer

25 01 2011

Ich bin in Düsseldorf-Garath aufgewachsen. Das bedeutet vielerlei, unter anderem dass bis 1988 diese Elektrobusse mit Batterieanhänger zu den Eigenarten meiner frühen Kindheit gehörten. Das aber nur nebenbei.

Im Hauptteil von Garath, der in den 1960er Jahren gebaut wurde, wird die Heizungs- und Warmwasserversorgung über ein Heizkraftwerk und Fernwärmeleitungen abgewickelt. Warmes Wasser kam bei uns also genau so selbstverständlich, stabil und unerschöpflich aus der Leitung, wie anderswo Strom und Gas. Das Problem der Warmwasserbereitung war mir also meine ganze Jugend lang völlig fremd. Nur in Urlauben oder wenn man anderswo bei Freunden übernachtet hat, bekam man mitunter einen Hauch davon mit, dass stabil warmes Wasser für andere gar nicht so selbstverständlich ist. Meine Eltern zogen dann irgendwann um, das Warmwasser wurde dort (Neubau aus den 1990ern) mit hochwertigen hydraulischen, bald darauf dann (voll-)elektronischen Durchlauferhitzern erzeugt. Der Komfort stieg damit noch mal, weil man nun ohne langwierige Mischerei seine Wunschtemperatur präzise einstellen konnte.

Dann zog ich aus und erlebte in den letzten beinahe 10 Jahren in verschiedenen Wohnungen immer wieder die Schattenseiten schlechter hydraulischer Durchlauferhitzer: Kein stabiles warmes Wasser. Immer lag der Wasserdruck in der Dusche nur gerade eben hoch genug, dass der Durchflusssensor auslöste und man warmes Wasser bekam. Mischte man nun etwas kaltes Wasser hinzu, um nicht kaputt zu gehen (ich bin da sehr empfindlich), oder betätigte im Haus jemand die Klospülung, fiel der Wasserdruck häufig weit genug ab und man bekam einige Sekunden später eine erfrischende kalte Dusche. Zudem musste man ständig nachregeln, weil die Temperatur auch ohne wechselnden Wasserdruck selten stabil hinzubekommen war. Etwa die Hälfte der Leute, mit denen ich darüber spreche, kennen das Problem, die anderen nicht. Scheinbar habe ich in den drei Wohnungen einfach Pech gehabt.

Seit ich also bei meinen Eltern ausgezogen bin, wünsche ich mir einen elektronischen Durchlauferhitzer. Nun haben wir endlich mal einen Batzen Geld in die Hand genommen und uns Abhilfe verschafft: Ein vollelektronischer Durchlauferhitzer von Stiebel Eltron. Selten habe ich das Gefühl gehabt, 500 Euro derart Lebensqualitäts-steigernd angelegt zu haben. Aber auch energetisch ist das gut angelegtes Geld. Die Vorteile muss ich mal alle aufzählen:

Wasser teuer mit Strom auf 40, 50 oder wieviel Grad auch immer aufzuwärmen, um es dann durch Beimischung von unsinnig viel kaltem Wasser wieder auf erträgliche Temperaturen abzukühlen, ist eine unfassbar unsinnige Energieverschwendung. Schon allein aus diesem Grund gehören ungeregelte Durchlauferhitzer verboten. Der vollelektronische Durchlauferhitzer heizt warmes Wasser nur so weit auf, wie man es gerade benötigt, was wirklich viel Energie einspart.

Das warme Wasser voll aufdrehen zu müssen, um überhaupt warmes Wasser zu bekommen, ist eine noch größere Verschwendung, selbst wenn man noch kein kaltes Wasser beimischen muss, weil die Temperatur zufällig stimmt. Je mehr Wasser erhitzt werden muss, desto mehr Energieeinsatz ist nötig. Der vollelektronische DH fängt schon bei einem kleinen Rinnsal an zu arbeiten. Man muss nicht immer gleich 7l/min erwärmen, für viele Zwecke tun es auch 3l/min. Der Eco-Modus von besseren Geräten macht auch genau das: Er reduziert die Durchflussmenge künstlich auf einen einstellbaren Wert, um Wasser und Strom zu sparen. Wer Familienmitglieder hat, die das Warmwasser immer stur voll aufdrehen, kann damit prima gegenregeln. So ein vollelektronischer DH zeigt sogar die verbrauchte Energie in kWh an. Da sieht man mal, dass eine nicht allzu große und nicht allzu heiße Wanne locker 1,50€ Stromkosten verursacht. Sich dessen bewusst zu sein, hilft einem vielleicht beim verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen.

Neben der Energieersparnis handelt man sich auch noch einen eklatanten Komfortgewinn ein. Das Gerät hält die eingestellte Temperatur auch unter widrigen Bedingungen präzise ein. Klospülung der Nachbarn? Warmwasserbezug in der Küche? Generell schwankender Wasserdruck? Alles kein Problem für den, der duscht. Ein Ticken zu kühl? Kein Problem, denn dank der Funkfernbedienung lässt sich die Temperatur direkt von der Dusche aus nachregeln, selbst wenn das Gerät in der Küche unter der Spüle hängt. Kein nasses durch die Wohnung schlappen mehr, weil der DH mal wieder auf Stufe II steht und Wasser erzeugt, mit dem man auch Tomaten pellen könnte. Man kann sogar eine Maximaltemperatur einstellen, über die hinaus man das Gerät nur einstellen kann, wenn man im Menü herumfrickelt. Gut, wenn man Kinder hat oder einfach ich ist.

Der Umbau ist schnell gemacht, wenn man Glück hat, muss man nicht mal bohren oder das Wasser für das ganze Haus abstellen. Wir haben das von einem Sanitärmann machen lassen, aber ich traue mir den Tausch nun auch durchaus selber zu. Das werde ich auch tun müssen, denn wenn wir hier mal ausziehen, nehmen wir das Gerät natürlich mit.

Alles in allem eine gute Entscheidung. 500€ sind viel Geld, aber in meinen Augen hervorragend investiert. Zudem wird sich die Investition allein durch den gesparten Strom irgendwann sogar auszahlen. Es soll ja Leute geben, für die Investitionen nur Sinn machen, wenn sie sich potenziell auch mal auszahlen. Davon abgesehen ist sowas immer eine Frage der Prioritäten: Ein paar Tage Urlaub oder die nächsten Jahre täglich bequeme Warmwasserversorgung.

Noch kurz was zum Unterschied zwischen elektronischem und vollelektronischem Durchlauferhitzer: Elektronisch geregelt heißt, dass das Heizelement mehr oder weniger stufenlos geregelt ist. Ob eine Messung der Temperatur stattfindet und entsprechend nachgeregelt wird, weiß ich nicht, aber zumindest stellt man eine Temperatur ein (in drei Stufen oder einem nicht näher bezeichneten Regelbereich) und bekommt das Wasser auch bei wenig Durchfluss im angepeilten Temperaturbereich. Der vollelektronische Durchlauferhitzer hat ein Display, man stellt die Temperatur aufs halbe Grad genau ein und das Gerät regelt in allen Situationen auf diese Zieltemperatur hin. Dazu kann es sogar den Durchfluss drosseln, wenn die Leistung sonst nicht reichen würde. Durch die Ist-Messung hinter dem Heizelement hat die Regelung auch kein Problem mit vorgewärmtem Wasser, etwa aus Solarklollektoren oder einem Niedertemperatur-Heizkessel oder aus einer Geothermie-Anlage: Im Zweifel wird nicht weiter geheizt. Kurz gesagt: Elektronisch ist schon ein riesiger Vorteil gegenüber den hydraulisch schaltenden Geräten, richtig Spaß kommt aber erst mit einem vollelektronischen Gerät auf.

Billiger bekommt man warmes Wasser natürlich mit einem Gas-Durchlauferhitzer oder sonstigen Heizungsanlagen. Aber diese Technologiewahl hat man ja meistens eher nicht. Und ökologisch ist das auch nicht unbedingt von Vorteil, denn Ökostrom, der mit nahezu 100% Wirkungsgrad (Leitungsverluste mal außen vor gelassen) bedarfsgerecht in Wärme umgewandelt wird, ist so schlecht nicht. Die entscheidende Frage ist doch immer, unter welchen Bedingungen dieser eingesetzte Strom oder das verbrannte Gas entstanden ist. Draußen Windmühle, drinnen warmes Wasser ist gut. Draußen Atommüllendlager, drinnen warmes Wasser ist weniger gut.

Nachtrag 02.02.2012: Ein Jahr nach der Installation ist es Zeit für eine Rückschau. Der integrierte Stromzähler weist ca. 600kWh aus, das macht 50kWh monatlichen Durchschnittsverbrauch. Unsere jährliche Stromabrechnung ist auch gekommen und ist um nicht ganz 300 kWh gesunken. In diesen Abrechnungszeitraum fallen 10 Nicht-Wintermonate mit dem neuen Durchlauferhitzer und der sukzessive Austausch einiger Leuchtmittel durch LEDs auf der Sparseite, sowie das ein oder andere Wannenbad auf der Mehrverbrauchsseite. Insgesamt hätte ich mit mehr Ersparnis gerechnet (die Strompreiserhöhung im Sommer sorgt dann sogar für eine geringe Nachzahlung). Wenn ich dem Durchlauferhitzer aber einfach mal ins Blaue hinein geschätzte jährliche 200kWh Stromersparnis zurechne, hat uns das in diesem ersten Jahr fast 50€ Stromkosten gespart, trotz einiger Wannenbäder mehr. Das ist zusammen mit dem unbezahlbaren Komfortgewinn ein immer noch beachtlich klares Argument für eine sofortige Umrüstung aller schlecht funktionierenden hydraulischen Durchlauferhitzer. Man muss ja nicht gleich das Luxusgerät für 600€ kaufen, Hauptsache man hat eine elektronische Regelung mit halbwegs präziser Temperatureinstellung.

Wir benutzen übrigens niemals die Sonderfunktionen wie das Wechselduschprogramm, ich habe sogar vergessen, wie man das einstellt. Wir benutzen aber intensiv die Standardfunktionen: Aufs halbe Grad genaue Regelung der Temperatur am Gerät und über die Display-Funkfernbedienung, die beiden frei belegbaren Temperaturspeicherplätze, die 60°-Maximaltemperatur (für schnelleres Nudelwasser und gelegentlich eine lauwarme Wärmflasche) und die Leistungs- und Verbrauchsanzeige, die einem ein gutes Gefühl für den Stromverbrauch verschiedener Temperaturen und Durchflussraten gibt. Der einzige Kritikpunkt am Gerät ist die nervige Angewohnheit der Funkfernbedienung, nach nur wenigen Sekunden Nichtbedienung wieder in den Tiefschlaf zu verfallen und vor allem für das Aufwachen daraus einige Sekunden zu benötigen. Das spart Batteriestrom, macht den Umgang aber unnötig lästig. Jammern auf hohem Niveau, denn die Standardfunkfernbedienung ohne Display taugt nur zum Abruf der beiden darin fest eingestellten Vorwahltemperaturen und schrittweisen Abweichung davon; ein unangenehmer Blindflug, da geht man noch lieber in die Küche und regelt die Temperatur direkt am Gerät. Die 130€ Aufpreis für die bidirektionale Funkfernbedienung mit Display lohnen sich in meinen Augen also sehr, wenn das Gerät nicht zufällig sowieso gut erreichbar im Bad hängt.

Die Nachrüstung beschränkt sich übrigens auf das Abnehmen des Gerätedeckels und das Einklipsen des Funkmoduls in seinen vorgesehenen Platz, das bekommt man also auch ohne professionelle Hilfe hin (währenddessen natürlich den Strom abstellen!). Und wenn man einen Installateur hat, der im Gegensatz zu unserem nicht die Bestellnummern durcheinanderbringt, ist der Aufpreis für die bessere Fernbedienung deutlich kleiner als 130€, in dem Fall kauft man das Topmodell von Stiebel-Eltron ganz ohne Fernbedienung und dann die Display-Fernbedienung dazu. Dass das geht habe ich aber auch erst nach einiger Recherche im Netz herausgefunden: Die Artikelnummer 227490 ist mit Mini-Fernbedienung und die Artikelnummer 227493 ist ohne die Mini-Fernbedienung, letztere startet im Netz bei 450€. Dazu kommt für 130€ die Artikelnummer 222419 für die bidirektionale Funkfernbedienung mit Display FFB 1 SL (die FFB 2 SL ist eine Ergänzug als weiteres Bedienteil für weitere Räume). Den Einbau sollte man vom Fachmann machen lassen, bekommt ihn mit etwas Geschick aber auch selbst hin, wenn die Wasseranschlüsse nicht getauscht werden müssen.


350 Euro für einen Sprung in der Schüssel

19 01 2011

Ungeschickt. Man sollte einfach keine nicht ganz leichten metallenen Gegenstände fallen lassen, wenn das fast neue Smartphone in der Nähe liegt. Nun hat mein Dell Streak eine kaputte Frontscheibe, da hilft auch kein bruchfestes Gorilla-Glas. Aber immerhin kein Schaden an Display oder Touchfunktion. Gerärgert habe ich mich also vorerst nur kurz, denn vom Dell-Service hielt ich bisher sehr viel. Was kann der Austausch einer 83cm² kleinen rechteckigen Glasscheibe schon kosten? Ein Anruf bei der Frankfurter Festnetznummer, ein paar Wochen Verzicht auf das Gerät und vielleicht 100, wenn es hoch kommt 200 Euro, das wäre dann aber schon recht happig.

350€! Dreihundertfünfzig Euro! So viel soll der Austausch der Scheibe kosten. Zum Vergleich: Für 430€ inkl. Versand bekomme ich im Handel ein Neugerät. Hat Dell ein Rad ab? Jetzt ärgere ich mich wirklich.

Was also tun? Der erste Impuls ging in Richtung Neugerät, nur aus Prinzip. Aber nach einem Tag schlechter Laune dreht sich meine Einstellung. Das Dell Streak ist etwa so groß wie meine Hand und liegt immer in meiner direkten Nähe, gibt also eine wirklich gute Trefferzone für alles mögliche ab, vom verschütteten Tee bis zu herabfallenden nicht ganz leichten metallenen Gegenständen. Es ist also nicht auszuschließen, dass die Scheibe irgendwann noch mal beschädigt wird. Bei 350€ für einen Scheibentausch ist mir das Risiko eklatanter Folgekosten einfach zu hoch. Vor allem aber bin ich entsetzt von und verärgert über Dell. Das können die doch nicht ernst meinen?

Momentan denke ich also über einen Markenwechsel in Sachen Smartphone nach. Das Dell Streak gefiel mir wirklich ausgesprochen gut. Die einzige wirklich bittere Pille war für mich bisher der unverschämte Preis von fast 35€ für ein zweites Ladekabel. Aber dass Dell seine Kunden im Servicefall derart nackig macht, geht gar nicht. Meine – wegen meiner bisher eigentlich hervorragenden Serviceerfahrungen – sehr Dell-affinen Notebookempfehlungen muss ich dann auch noch mal überdenken. Alles Mist.

Also werde ich wohl vorerst mal mit dem Sprung leben und die Smartphone-Neuerscheinungen der kommenden Wochen abwarten. Schade, denn das Streak habe ich in den paar Wochen wirklich lieb gewonnen.


Album-MP3-Tags als Symbol meines Paradigmenwechsels

04 01 2011

Früher habe ich Musikalben mit mehr als einer CD immer so getaggt, dass die CD-Nummer mit im Album-Feld gelandet ist. In Zeiten von Medienbibliotheken werden solche Alben aber als zwei oder noch mehr verschiedene Alben gehandhabt; also stelle ich sukzessive auf ein neues Taggingschema um, bei dem ich die CD-Nummer nur noch im entsprechenden Feld speichere und die Tracknummern linear über alle CDs durchnummeriere. Das wäre im Grunde nicht der Rede wert, wenn es nicht gleichsam Ausdruck eines Paradigmenwechsels im Umgang mit Musik wäre: Weg von der Datenträgerdenke, noch stärker hin zum Album als musikalische Einheit, das sich von jeglicher Medien-determinierten Längenbeschränkung emanzipiert hat.

Musik ist ein Fluss und kein See, oder so. Recht konsequent zeigen dann auch nur wenige Player das entsprechende Feld für die Discnummer überhaupt an. Als die CD uns vom Umdrehen des Musikträgers befreit hat, hat sie zwar als Kollateralschaden die schöne Kultur der B-Seite gleich mit entsorgt, aber das Gesicht von Alben eben auch nicht mehr zwangsweise in der Mitte durchtrennt. Ich bin also gespannt, wie die gänzliche Befreiung vom Datenträger den Charakter von Musikalben verändert, denn entgegen allen Unkenrufen halte ich das Konzept Album auch in Zeiten von iTunes und Musiksammlungs-Shuffle und Last.fm für zentral im Umgang mit Musik abseits der Charts. Überhaupt ist es eigentlich in erster Linie die Charts-Pop-Mainstream-Musik, die von der viel bejammerten Auflösung des Konzepts Album betroffen ist und da ist es irgendwie nicht so recht schade drum. Lang lebe das Album!