Lebt es sich auf der Apple-Insel eigentlich wirklich so schön?

28 02 2012

Neulich musste ich feststellen, dass ein iPhone-User meine mit WhatsApp für Android verschickten Icons nicht sehen und auch keine eigenen senden kann. Mir erklärte dann jemand, dass man auf dem iPhone keine Smilies pro App braucht, weil es Smilie-Tastatur-Apps gibt, die überall funktionieren. Das klingt nachvollziehbar, wenn man auf der Apple-Insel lebt. Allerdings gerät man auf dieser Insel zunehmend in eine Minderheitensituation gegen den Rest der Welt (vgl. Linksverkehr). Ich verstehe ja, dass das durchaus im Sinne des Exklusivitätsgefühls der Apple-User ist, aber an den Schnittstellen will man doch nicht ständig an solche überflüssigen Grenzen stoßen (vgl. nicht Linksverkehr). Oder doch? iPhone-User sind groß darin, sich ihren goldenen Käfig schön zu reden. Wie werden da solche Grenzen empfunden?

Ein besseres Beispiel ist eigentlich der immer noch lächerlich winzige Bildschirm des iPhones. Genau wie bei der lächerlichen Auflösung der ersten iPhones erzählen einem iPhone-Besitzer allen Ernstes, dass 3,5" oder 480x320 ja locker ausreichen. Natürlich nur genau so lange, bis das neue iPhone 160px mehr hat als jeder Mittelklasse-Androide für ein Drittel der Kohle. Bei der Displaygröße erwarte ich ähnliches beim iPhone 5, das muss Apple einfach größer machen, denn den kleinsten Schwanz zu haben wird auf Dauer den wenigsten Kunden schmecken. Andere Beispiele: UMTS braucht ja eh keiner, EDGE braucht ja auch weniger Akku. GPS braucht ja eh keiner, WLAN-Ortung reicht ja auch. Multitasking braucht ja eh keiner, viel zu kompliziert und der Akku erst! Siri ist die einzige Spracherkennung auf der Welt und funktioniert total gut und fehlerfrei und checkt total, was man von ihr will. Von der monokulturellen Inhaltekontrolle will ich gar nicht anfangen.

Ich will nicht darauf hinaus, dass das iPhone scheiße ist und voll krass unterlegen, ey! Im Gegenteil setzt es seit bald 5 Jahren nicht weniger als stetig neue Industriemaßstäbe und ist eine Technologie- und Designikone. Aber bei all dem gibt Apple seinen Kunden immer wieder dicke Kröten zu schlucken, wobei sich zu viele Besitzer in den Augen aller anderen um Kopf und Kragen reden, während sie ihre kognitive Dissonanz mit haarsträubend leicht durchschaubaren Argumentationsmustern zu überwinden suchen. Natürlich trifft das nicht auf alle iPhone-User zu, die Zahl nimmt nach meinem Gefühl auch stetig ab; aus er Ecke ist es sogar im letzten Jahr auffallend ruhig geworden. Aber es gibt sie noch und sie gehen auch noch lange nicht als wirre Einzelköpfe durch.

Meine Frage lautet nun: Ist denen das bewusst, wie lächerlich sie sich damit eigentlich machen? Für solch blindes Wegdiskutieren von Offensichtlichkeiten und Zurechtlegen bis Ignorieren der Realität gibt es ein Begriffspaar: Religiöser Eifer bzw. religiöse Verblendung. Ja, das Bild von Apple als Religion(sersatz) ist abgedroschen, aber nach meinem Verständnis von Religion liegt hier ganz klar etwas religiöses im vorrangig schlechtesten Sinne vor.

Wollte ich nur mal los werden, so ganz einseitig.


Telekom und YouTube: Dreist oder unfähig?

15 02 2012

Nach einer wirklich beschämenden Odyssee bekomme ich in ein paar Tagen nach ziemlich genau drei Monaten nach einem Wechsel zur Telekom endlich mein VDSL wieder. Darüber will ich aber gerade gar nicht reden, sondern über die stetige Unbenutzbarkeit von YouTube im Telekom-Netz. YouTube-Videos laden selbst in 360p dermaßen langsam, dass ich häufig die zweifache Laufzeit des Videos vorpuffern lassen muss. Bei anderen Providern gibt es mit YouTube keine solchen Probleme und andere Videoportale laufen prima im Telekom-Netz. Das ist völlig indiskutabel und meine bisherige Unterstellung war immer, dass die Telekom YouTube absichtlich ausbremst, um Extrazahlungen seitens Google zu erpressen. Das wäre doppelt dreist, weil es erstens auf dem Rücken der eigenen Kunden ausgetragen wird, die Premiumkohle an die Telekom abdrücken, um einen möglichst schnellen VDSL-Anschluss zu bekommen. Viel dreckicker wäre es allerdings gemessen daran, dass die Telekom ja bereits von ihren Kunden bezahlt wird und nun auf der anderen Seite nochmals die Hand aufhalten würde. Nun stolpere ich über die folgenden beiden Tweets von @telekom_hilft:

@PedroBurito 1/2 Der Flaschenhals bei der YouTube-Übertragung liegt bei der Netzzusammenschaltung mit Google. ^he
https://twitter.com/#!/Telekom_hilft/status/169069138894000129

@PedroBurito 2/2 Wir haben alles getan damit die Videos stabil laufen. ^he
https://twitter.com/#!/Telekom_hilft/status/169069225334415363

Das halte ich wahlweise für eine unfassbar dreiste Lüge oder ein ganz bitteres Eingeständnis der eigenen Inkompetenz in Sachen Backbone-Anbindung, immerhin eine Kernkompetenz der Telekom. Ich weiß echt nicht, was schlimmer wäre. Das Problem besteht ja nicht erst seit gestern und wenn die wirklich wie angegeben "alles getan" hätten, dann würde das inzwischen genau so gut laufen, wie bei allen anderen Providern auch. Ich glaube also vielmehr, dass "alles getan" hier nur bedeutet, dass die Telekom Google ein Angebot gemacht hat, YouTube gegen zusätzliche Zahlungen angemessen anzubinden.

Für mich als Kunden ist es letztlich egal, ob die Telekom dreist oder unfähig oder – wer weiß – hier vielleicht sogar wirklich das Opfer ist, im Ergebnis kann ich YouTube nicht zuverlässig benutzen, obwohl ich die schnellste verfügbare Internetanbindung im teuersten für Privatkunden verfügbaren Tarifmodell habe. Das geht mir so unfassbar auf die Nerven, dass ich meine Entscheidung, zur Telekom zu wechseln fast schon wieder bereue. Selbst über die in Flingern völlig überlastete O2-HSDPA-Anbindung klappt YouTube zuverlässiger, wie ich in den mehreren Offline-Tagen beim Wechsel zur Telekom ausprobieren konnte. Ich wusste das auch vorher, denn die 2 Jahre mit 1&1 VDSL hatten dank Telekom-Anbindung das gleiche Problem. Mein Problem war: Lieber YouTube benutzen oder alles andere in schnell, denn außer der Telekom liefert hier niemand VDSL. Da war YouTube dann doch nicht mehr ganz so wichtig.

Ich werde also die zwei Jahre bei der Telekom etwas missmutig aussitzen und vielleicht stellen die die YouTube-Bremse ja auch mal irgendwann ab. Ich glaube nachwievor, dass das Absicht ist und unterstelle der Telekom damit schmutzige Dreistheit. Wobei ich ja lieber an Unfähigkeit glauben würde.

Nachtrag 20.02.2012: Mir erzählte jemand mit VDSL50, dass er das Problem nicht so bemerkt. Bei ihm würde nur ca. jedes achte YouTube-Video zu langsam laden, nach ein paar Reloads würde es aber immer irgendwann kommen. In der Tat kommt es auch bei mir stark aufs Glück an. Es gibt Situationen (vor allem nachts), da kann ich ohne Stottern ein YouTube-Video nach dem anderen auch in HD angucken. Dann gibt es aber auch Situationen, da lädt gar kein YouTube-Video sauber durch, das passiert vor allem am Abend. Bei meinen Eltern bin ich meistens Sonntags Mittags, da lädt über DSL6000 traditionell praktisch kein einziges YouTube-Video in auch nur ansatzweise Echtzeit. Allerdings weiß ich nicht, ob das hier zu anderen Zeiten besser ist.

Eine Zeit lang hatte ich den Eindruck, dass YouTube ab 17:00 Uhr ganz düster wird, während es bis 16:59 Uhr locker flockig durch die Leitung plätschert. Aber der Eindruck ließ sich nicht halten. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass die Stotterei tatsächlich je nach Netzlast mal mehr mal weniger auftritt. Das würde die Telekom-Darstellung der Engpässe beim Peering stützen. Die Frage bleibt, warum das in dem Moment dann immer nur YouTube betrifft, während ich mit Vollgas von Sharehostern und anderen Videoplattformen saugen kann? Meine Vermutung bleibt, dass hier eine Priorisierung zu Ungunsten von YouTube-Traffic vorgenommen wird. Das ist irgendwo verständlich, macht YouTube doch einen Großteil des Traffics aus. Aber: Ich als Endkunde habe dafür absolut keinerlei Verständnis. Ich bezahle der Telekom Premium-Kohle dafür, dass sie mir das schnellstmögliche Internet klar macht. Wenn es da Traffic-Engpässe gibt, die andere Provider nicht haben, ist das ein schnellstmöglich seitens der Telekom aus der Welt zu schaffendes Problem. Wenn die Telekom nicht an allgemeinen Peering-Punkten teilnehmen möchte und lieber eigene Peering-Punkte betreibt, dann ist es eben auch ihre Aufgabe, für eine vergleichbare Dienstequalität zu sorgen.

Wir haben alles getan liest sich aber angesichts fortbestehender Probleme wie leckt uns am Arsch, liebe Kunden, wir werden nicht dafür sorgen, dass ihr Euer schnelles Internet auch für YouTube benutzen könnt, solange Google uns nicht noch mal Extra-Peering-Gebühren abdrückt. Dann verdienen wir zwar doppelt, aber hey, da muss man ja trotzdem nicht gleich von Wegelagerei sprechen… Überhaupt wird bei der ganzen Debatte um die Netzneutralität von den Providern reichlich dreist unterschlagen, dass sie ihre Kosten traditionell über die Gebühren der angeschlossenen Kunden decken. Wenn das wegen eines ruinösen Preiskampfes und sprunghaft angestiegenem Traffic nicht mehr reicht, muss man die Gebühren halt wieder anheben. Wenn man sich den Wettbewerb so anschaut, scheint das aber gar nicht nötig zu sein, denn bei den billigeren Providern (also fast allen) funktioniert ja auch YouTube einwandfrei.