Längere Öffnungszeiten ein Segen
Geschrieben von Gregor Nathanael Meyer um 18:4803 02 2007
Gerade lese ich im SPON, dass die längeren Ladenöffnungszeiten ein Flop sind. Da frage ich mich intensiv, was die Damen und Herren denn zur Hölle erwartet hatten. Andererseits drückt das genau das Missverständnis aus, weswegen auch so viele Leute der Freigabe der Öffnungszeiten kritisch gegenüber standen. Ich habe noch nie in meinem Leben verstanden, warum Ladenöffnungszeiten in Deutschland gesetzlich reglementiert werden. Dann kamen die 24 Stunden Tanken auf und die Frage wurde umso brennender. Ja haben sich die Gegner denn vorgestellt? Dass durch die Freigabe sofort alle Läden automatisch länger aufhaben müssen? Warum sollten das alle Läden machen? Die Gegenfrage ist aber viel treffender: Warum sollte man dem Handel vorschreiben, wann er Handel treibt und wann nicht? Niemand erwartet von einem Dorfnahversorger, dass man um 22 Uhr dort einkaufen kann. Aber ganz offensichtlich gibt es an verschiedenen Standorten großen Bedarf zu solchen Uhrzeiten einzukaufen.
Warum verbietet man also dem Kaufhof an der Kö und anderen Läden in der Altstadt ihr Geschäft dann zu machen, wenn da auch Leute sind. Weil die armen Verkäufer um acht ins Bett müssen? Das Argument zieht meines Erachtens ganz besonders dort nicht, wo nebenan in der Gastronomie um 20 Uhr Primetime ist. Da arbeiten übrigens auch Menschen – sogar ganz verwegen mitten in der Nacht. Eigentlich müsste man auch der Gastronomie verbieten, nach 20 Uhr zu öffnen, um die Kellner und Köche und Türsteher zu schützen. OK, lassen wir die Polemik.
Was solls also? Der Handel ist nun mal ein Gewerbe, dass seine Kunden Zeit kostet. Und wenn viele Kunden nun mal diese Zeit genau dann haben, wenn sie nicht im Büro sitzen, muss der Handel sich darauf einstellen und den Kunden die Ware auch außerhalb der Bürozeiten anbieten. Was ist denn das auch für eine Anbieter zentrierte Denke? Man muss doch vom Kunden und dessen Bedürfnissen ausgehen. Dienstleistung ist die Befriedigung der Bedürfnisse seiner Kunden, zumindest nach meinem Verständnis. Und da gesetzliche Vorschriften zu machen finde ich befremdlich, womit ich übrigens mit den Bürgern der meisten anderen Länder einer Meinung bin.
Dass durch Freigabe der Öffnungszeiten tendenziell mehr Arbeit entsteht, also entweder mehr Jobs oder längere Arbeitszeiten mit entsprechend mehr Lohn, ist sicher im Sinne einer Gesellschaft, die ein Problem mit nicht vorhandener Vollbeschäftigung hat, oder?
Was natürlich alles immer noch nicht bedeutet, dass sich alle Läden jetzt an neue Öffnungszeiten wagen müssen. Man kann das ja probieren und an den Standorten etablieren, wo sich das auch lohnt. Schön. Alle sind zufrieden, wo ist das Problem?
"Aber Du Arsch! Denk doch mal an die armen Arbeitnehmer! Wenn die Familien haben und so!" Klar kann das lästig sein, das bestreite ich nicht. Aber wenn man gesetzlich einschreitet, kann man ja auch einfach direkt am Problem ansetzen. Wenn man Arbeitnehmer schützen will (was man durchaus sollte), sollte man wirksame Gesetze installieren, die genau das tun. Es gibt dafür ganz sicher mildere Mittel, die besser wirken und deutlich weniger Kollateralschäden verursachen. Warum sollte der Kunde ausbaden, was sogar besser beim Anbieter direkt im Innenverhältnis geregelt werden kann? Mehr Geld ab acht oder Arbeit ab acht muss freiwillig sein, dann muss der Anbieter von sich aus mehr Kohle rausrücken, um einen Betrieb aufrecht erhalten zu können. Und wer sich daran nicht hält, bekommt genau so auffe Omme, wie bisher, wenn er sich nicht an den Ladenschluss gehalten hat. Ich denke mit solchen Regelungen erreicht man mehr und es sind nun wirklich alle zufrieden.
Ich bin zumindest sehr zufrieden und genieße jeden Einkauf nach acht bei Penny nebenan aus vollen Zügen. Ja, ich bin einer von denen und ich liebe es.
Tschüss.
Kategorien : Zeitgeist
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