Zeitungen, junge Leute und die Frage nach dem Leitmedium

18 09 2007

Mal wieder schreibe ich etwas zum beliebten Thema "Zeitungen, junge Leute und die Frage nach dem Leitmedium". Anlass ist dieses mal ein Artikel auf heise.de, der die Quintessenz des Deutschen Zeitungskongresses wiedergibt, Titel: Verlegerverband: Tageszeitung ist auch bei jungen Menschen beliebt.

Die Tageszeitung sei auch bei Heranwachsenden beliebt, sie habe eine unverändert große Bedeutung. Nötig seien jedoch veränderte Formen.

Huch? Ist das so? Sagt jedenfalls BDZV-Präsident Helmut Heinen. Dass veränderte Formen nötig sind sollte klar sein. Weiter wird er mit folgenden Worten wiedergegeben:

Nach seinen Angaben lesen in der Altersgruppe der 14- bis 19-Jährigen 48 Prozent eine Tageszeitung. Bei den 20- bis 29-Jährigen seien es 59 Prozent.

Mich würde stark interessieren, wo diese Zahlen her kommen und wie verlässlich sie sind. Was heißt lesen? Einmal im letzten Monat ein paar Wörter in einer Zeitung gelesen? Die Überschriften der Bild am Kiosk? Oder ist es bereits Zeitung lesen, wenn man die Online-Angebote der Zeitungen liest? Wie steht das Verhältnis zu anderen Medienkonsumformen? Ich zweifel einen Wert von 59% Zeitungslesern in der Gruppe der 20- bis 29-Jährigen massiv an, wenn es um regelmäßiges und damit ernsthaft meinungsbildendes lesen geht. René Obermanns 13-jährige Tochter liest morgens Zeitung und surft nachmittags durchs Internet. Eine typische 13-jährige eben… Aber es geht noch weiter. Der Frankfurter Marketing-Experte Lothar S. Leonhard lässt sich zu folgender Aussage hinreißen:

"In der Rolle als meinungsbildendes Medien hat die Tageszeitung ein Monopol."

Huch? Ein Monopol auf Meinungsbildung? Bei wem? Bei den 59% Zeitungslesern zwischen 20 und 29? Auch wenn mir die 59% reichlich hoch gegriffen vorkommen, was ist dann mit den restlichen mindestens 41%? Von einem Monopol würde ich nicht gerade sprechen, wenn etwas für mindestens 41% der betrachteten Masse gänzlich irrelevant ist. Sei es drum, der Tenor des Artikels war ja gerade, dass die Tageszeitungshäuser viel stärker in den Online-Markt müssen und da stimme ich voll zu. Ich störe mich nur an der in meinen Augen hochnäsigen Alleinherrscherdenke der Zeitungen.



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