Im letzten halben Jahr ist bei mir das SPAM-Aufkommen kaum mehr gestiegen (ich markiere SPAM aus Angst vor dem Verlust wichtiger Mails lediglich), aber der Anteil der SPAM-Nachrichten an meinem gesamten Mailaufkommen ist immens auf weit über 90% gestiegen: Ich bekomme kaum noch erwünschte E-Mails, so dass die 50-100 SPAMs pro Tag sich an Tagen mit keiner bis ein oder zwei relevanten Nachrichten der 100% nähern (und Newsletter zähle ich noch zu den relevanten Nachrichten). Was ich damit ausdrücken will: E-Mail ist tot. Zumindest für die tägliche private Kommunikation. Fast alle Kommunikation läuft bei mir – und sicher auch bei anderen – inzwischen fast nur in verschiedenen Kanälen wie Instant Messaging, Telefon, SMS, StudiVZ und andere soziale Netze, PNs in Foren und natürlich von Angesicht zu Angesicht. Wirklich wichtige Informationen kommuniziere ich kaum noch via E-Mail, ein persönliches Gespräch und IM sind da deutlich im Vorteil. Eine E-Mail kommt da höchstens noch als Ersatz (Kontakt momentan oder gar nicht anders erreichbar) oder ergänzend vor. Das Medium E-Mail ereilt momentan also das gleiche Schicksal, wie schon der Briefpost zuvor: Die Relevanz für private Kommunikation sinkt, für professionelle Kommunikation bleibt es aber quasi verpflichtend als Basisdienst verfügbar. Für Anmeldungen, Bestellbestätigungen, Newsletter, Supportanfragen etc. und natürlich firmenintern muss jeder weiterhin ein E-Mail-Postfach vorhalten. Nur kann man sich schon heute kaum noch darauf verlassen, eine zuverlässig funktionierende E-Mail-Adresse von jemandem zu bekommen, bzw. dass E-Mails dort auch alle ankommen und rechtzeitig gelesen werden. Viele Leute verzichten inzwischen sogar ganz ein E-Mail-Programm und lesen nur noch im Webinterface ihres Anbieters.

Was ist aber so schlimm an E-Mail? Für die private Kommunikation mangelt es dem Medium in meinen Augen vor allem an zwei Dingen: Es gibt kein Feedback, ob die Kommunikation geklappt hat und es gibt keinen Echtheitsnachweis (von Signaturen mal abgesehen) und dadurch ein massives Spamproblem. Bei IM kann man davon ausgehen, dass das Gegenüber die Nachricht gelesen hat, wenn er/sie online ist; auch kommt oft prompt eine Antwort. Telefon ist sowieso synchron, bei SMS kann man eine Empfangsbestätigung anfordern und in sozialen Netzen und Foren sieht man direkt, ob jemand eine Nachricht gelesen hat. Und man sieht überall zuverlässig, von wem eine Nachricht stammt. Auch pflegen IM-Systeme und soziale Netze systemimmanent eine Whitelist mit bestätigten Kontakten, so dass es kein so nennenswertes Spamproblem geben kann.

Einige kluge Leute haben schon 2007 als Todesjahr für E-Mail vorausgesagt und gewissermaßen haben sie Recht behalten. Aber wie geht es jetzt weiter? Können sich jetzt Signaturen und Absendernachweise durchsetzen? Quasi E-Mail 2.0? Bisher sind die an der Unbequemlichkeit für private Nutzung gescheitert. Aber wenn Privatnutzer dem Medium den Rücken kehren, ist das durchaus eine Chance für einen Reboot. Jetzt ist die Zeit gekommen, flächendeckend digitale Signaturen zu nutzen und Mailservern nur zu vertrauen, wenn sie sich als zuständig für eine Domain ausweisen. Ich glaube daran und ich bin gespannt, was die c't in ihrer heute gekommenen aktuellen Ausgabe dazu zu sagen hat, gelesen habe ich es noch nicht.

Die E-Mail ist tot, es lebe die E-Mail.

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