Makler Wut

18 07 2008

Nachtrag 21.07.2008: Man beachte die aufschlussreichen Kommentare von "derherold", Beitrag grob überarbeitet.

Was denken sich eigentlich diese miesen Maklerkapitalistenschweineunprofessionellen Wald und Wiesen Makler dabei, 2,38 Monatsmieten Courtage einzusacken für eine Wohnung, von der sie wenn es hoch kommt zwei miese und verwackelte Handyfotos einstellen? Wenn denn wenigstens die Beschreibung aussagekräftig wäre… Und was ist aus der schönen Angewohnheit geworden, einen Grundriss oder wenigstens aussagekräftige Fotos von allen Räumen zu schießen? Was ist eigentlich der Job eines Maklers, wenn nicht genau das? Da lobe ich mir manche Eigentümer und auch Wohnungsbaugesellschaften, die attraktive und manchmal sogar aussagekräftige Bilder einstellen, gelegentlich sogar einen Grundriss und die genaue Adresse angeben und die Wohnung sinnvoll beschreiben – ohne Courtage natürlich. Nachtrag: Aus dem Düsseldorfer Wohnungsmarkt scheinen sich die meisten professionell arbeitenden Maklerunternehmen verabschiedet zu haben, das würde einiges erklären, (siehe Kommentar #3).

Apropos Adresse: Da sind Wohnungen im Immobilienscout drin, da steht als genaueste Ortsangabe Oberbilk, Uninähe. Reife Leistung, das sind ja nur 4,38 Quadratkilometer und uninah würde ich Oberbilk nicht unbedingt nennen. In dem Fall war die Wohnung am Oberbilker Markt und damit über 3km Luftlinie und fast 5km mit dem Auto von der Uni entfernt. Was soll das? Da hilft es normalerweise auch nicht mehr, auf den Bildern die Nachbarhäuser oder besondere Merkmale zu identifizieren und mit Google-Earth detektivisch zu schen. So mache ich das nämlich meistens, wenn nur eine (lange) Straße angegeben ist.

Überhaupt ist die Qualität der Wohnungsanzeigen erschreckend schlecht. Die meisten Wohnungen werden so unattraktiv beschrieben und bebildert, dass man direkt weiterklicken möchte. Schön sind auch Außenbilder von runtergekommenen Fassaden oder Bildnisse von 6qm weißer Wandfläche plus ein halbes Fenster in irgendeiner Zimmerecke – als jeweils einzige Bilder natürlich, nicht als verunglückte Zusatzinformationen. Wo ist das Problem ganz herauszuzoomen und sich in die andere Zimmerecke zu stellen? Und was spricht dagegen, wenigstens irgendetwas zur Wohnung selbst zu sagen? Manche beschreiben immerhin wortreich den Stadtteil, das bringt einen als Ortsansässigen zwar nicht weiter, ist aber mehr als lediglich ein lapidares Weitere Informationen erhalten Sie unter HANDYNUMMER werktags zwischen 09:00 und 12:00 Uhr. Muss man Wohnungen nicht erst vermitteln, bevor man die Provision einstreicht? Ach ich könnte mich noch Stunden weiter aufregen. Über dreist teure Bruchbuden in schlechter bis mieser Lage zum Beispiel, mit denen vor allem die Immoscout-Konkurrenten geflutet sind (bzw. können die diese Flut mit nur wenigen bis keinen guten Angeboten kompensieren).

Oder bin ich da zu anspruchsvoll?



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Kommentare

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18 07 2008
#1 Sebastian D. (Antwort)

Hi Gregor,

habe jetzt 3 mal eine Wohnung trotz angekündigter Courtage in der genannten Höhe bezogen.
Allerdings habe ich die nie bezahlt. Habe dem Makler erklärt, dass ich die Wohnung auf jeden Fall langfristig mieten möchte, aber auf keinen Fall die Courtage zahle. Er solle sie sich beim Vermieter abholen, der ja schließlich möchte, dass die Wohnung vermietet wird. Hat geklappt.
Allerdings denke ich auch, dass ich Glück hatte.
Dennoch solltest du dich nicht grundsätzlich abschrecken lassen.
Mach denen einfach klar, dass du die "Hammer" - Wohnung wegen der Courtage dann halt nicht doch nicht nimmst.
Dann kann man anfangen, zu verhandeln.
Gruß,
D****r
18 07 2008
#2 derherold (Antwort)

Man kann natürlich viel in´s Internet schreiben aber andererseits will man sich ja auch nicht in der lesenden Öffentlichkeit blamieren.

Daß Makler dumm sind, will ich gerne bestätigen aber offenbar sind auch Vermieter dumm, weil sie "langfristig mieten" offenbar nicht in den Mietvertrag aufgenommen haben - sonst könnte @Sebastian ja nicht (angeblich) schon dreimal mit diesem Argument seine Wohnung gewechselt haben (es sei denn, er ist 65 und redet von seinen Erfahrungen seit den 70igern).

Verhandeln kann man immer.
Da aber schon 1848 Immobilienmakler auf die Idee gekommen sind, daß es absatzfördernd ist, nur von Vermietern Provision zu erheben, kann man davon ausgehen, daß im konkreten Fall "mgl.weise" die Vermieter davon nicht erbaut sind.
Wenn also ein Makler auf sog. Außenprovision (vom Mietinteressenten) verzichtet, dann nur, wenn er dem Vermieter klar machen kann, daß kein Anderer als @Sebastian die Wohnung haben will. Was "mgl.weise" etwas über die Attraktivität (Preis, Lage, Zustand) der Wohnung aussagt. ;-)

Kleine Hilfestellung:
Wohnungsgesellschaften veröffentlichen nicht ausführliches Material UND die Adresse, "obwohl" sie keine Provision erhalten, sondern "weil" sie keine bekommen - da Makler nur im Erfolgsfall Courtage erhalten, müssen sie zunächst eine Vermittlung nachweisen, was bei Freigabe der Adresse "mgl.weise" schwer fällt.

... im übrigen werden Wohnungsgenossen- und -gesellschaften auf verschiedene Weise subventioniert und jede Vermietung einer Wohnung dürfte angesichts des vgl.weise gigantischen Personaleinsatzes "die Gesellschaft" etwas mehr kosten als Maklercourtage.

Im Kapitalismus, insbesondere was Makler betrifft, gibt es keine Kontrahierungspflicht.Niemand muß die Dienste eines Maklers in Anspruch; wenn er es tut, zahlt er er - eigentlich ganz einfach. Im übrigen finde ich es auch schade, daß der Sozialismus nicht mehr hochwertige 200qm-Lofts der Arbeiterklasse zur Verfügung gestellt hat. :-)
18 07 2008
#2.1 Gregor Nathanael Meyer (Antwort)

Das mit dem "weil" statt "obwohl" stimmt natürlich. Das ist mir schon klar. Grundsätzlich habe ich dafür auch Verständnis. Nur aus Sicht eines Wohnungssuchenden ist das lästig und eine Wohnung mit Adresse ist nun mal attraktiver als eine Katze im Sack, wo man erst am Telefon erfährt, ob sie überhaupt in Frage käme.

Zur Bezahlungsfrage: In meinen Augen hat der Vermieter den Makler hinzugezogen, also sollte auch der Vermieter die Gebühren übernehmen. Ich bezahle einen Makler gerne, wenn ich ihn beauftragt habe, eine passende Wohnung für mich zu finden. Wenn allerdings der Vermieter den Makler ins Spiel bringt, sehe ich keinen vernünftigen Grund, warum ich als Mieter das bezahlen sollte. Für mich gilt: Eine Wohnung muss schon seeehr attraktiv sein, damit ich bereit bin, die Maklerprovisionskröte zu schlucken. Also im Zweifel schneidet sich der Vermieter damit selbst ins Fleisch (wenn der Wohnungsmarkt halbwegs gesättigt ist).

Zum Thema Kapitalistenschweine: Meine Hauptkritik bezog sich auf die für mich sichtbare Leistung des zu oft zu lieblosen Einstellens einer Wohnung in einschlägigen Internetbörsen. Dass der Makler auch Besichtigungen macht und so weiter ist mir durchaus bewusst. Trotzdem gehört eine attraktive Beschreibung des Objekts zu den zentralen Makleraufgaben und da hapert es leider viel zu oft.
18 07 2008
#3 derherold (Antwort)

Mit der "Sättigung" hast Du das schon richtig beschrieben.

In Regionen, in denen "gefühlt" ein Überhang an Angebot besteht, gibt es in der Masse "provisonsfreie" Angebote (von privaten Vermietern !).
Seit Ende der 90iger ist das in Ostdeutschland und auch bei vielen Angeboten im Ruhrgebiet der Fall - ich gehe davon aus, daß es im Saarland, Rheinland-Pfalz und versch. "Teil-Märkten" Niedersachsens genauso ist.

Dort, wo "gefühlt" ein Mangel an "schönen" oder "preiswerten" Wohnungen besteht, wo es attraktive Universitäten gibt (Anti-Ost-Beispiele: Weimar und Jena !) wälzen die Vermieter via "Marktmacht" ihre Transaktionskosten auf den Mietinteressenten weiter.

Besonders deutlich wird das in Hamburg, München, Frankfurt; in NRW vor allem in zahlreichen Wohngegenden von Düsseldorf, Aachen, Ratingen, Bonn, Münster.

Anhand einer Deutschland-Karte mit Kaufkraft und Wanderungsbewegungen könnte ich mit einer hohen Trefferquote sagen, wo in der Mehrzahl (für Mieter) provisonsfreie und -pflichtige Angebote auftreten.

Auch Makler würden lieber für Mietinteressenten provisionsfrei anbieten.Da dies nicht immer möglich ist, haben sich viele größere Maklerunternehmen aus dem Vermietungsgeschäft zurückgezogen. Die Folge ist, daß eben "die Kleinen" sich dort tummeln - was nicht zur Verbesserung der Qualität (Beratung, Präsentation) beiträgt.
18 07 2008
#3.1 Gregor Nathanael Meyer (Antwort)

Schöne schlüssige Erklärung, danke. Die schlechten Exposés sind tatsächlich fast alle von fragwürdigen kleinen Maklerbüros erstellt worden. Man muss sich alleine nur deren Homepages ansehen, dann weiß man Bescheid.
22 08 2008
#4 Claudia (Antwort)

Wir hatten in dieser Hinsicht Glück, der Makler hat tolle Fotos zur Verfügung gestellt, für uns in allen Dingen mit dem Vermieter verhandelt, er ließ beim Übernahmeprotokoll mit sich reden und trotzdem mussten wir keine Provsion zahlen.
Es gibt also noch gute Makler.

In Meerbusch haben wir aber das gleiche erlebt wie Gregor. Nun ja, man muss auch nicht direkt neben Familie Pooth wohnen ;)

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