Lustige DSL-Problemsuche: IPv6 und Speedport W 502V
Geschrieben von Gregor Nathanael Meyer um 22:5619 09 2008
Puh. Heute war ein problematischer Tag: Es fing schon doof an, weil mir der Alex dankenswerterweise Starthilfe geben musste, weil ich gestern das Licht in meinem Auto angelassen habe. Das Warnpiepsen hatte ich wohl ignoriert, ärgerlich. Dann habe ich eine Stunde an einer Telefonanlage gebastelt, weil DSL und Telefon nicht mehr liefen, nachdem ich gestern die Verkabelung angefasst hatte. Das Telefon lief schnell wieder: Eine Lötstelle war gebrochen, das hatte der Betroffene nach kurzer telefonischer Instruktion sogar selbst beheben können. Ich war beeindruckt. Aber das DSL lief trotzdem nicht, also Außeneinsatz. Auch direkt am Hausanschluss im Keller und mit getauschtem Kabel und anderem Modem gab es keine Synchronisation. Irgendwann hatte ich alle Variablen durchprobiert und rief bei der Telekom an. Ich rufe ja nicht mehr beim Provider an, bevor ich alle Variablen durchprobiert habe, siehe hier. Aha, OK, ich resette mal eben Ihren Port… geht es jetzt wieder?
Ja, läuft; na toll, hätte ich da mal früher angerufen. Aber ich hatte an dem Kabel ja rumgefummelt gestern und sowieso ist die Konstruktion da reichlich fragil, weil historisch gewachsen: Analoganschluss durch zwei Adern eines mehradrigen Kabels in einen anderen Raum in die Fritzbox, von da ISDN zurück durch ein anderes vieladriges Kabel zur Telefonanlage, die neben dem Hausanschluss hängt. Alles nur, weil der Hausherr vor vielen Jahren eben (für seine Zeit vorausschauend) nur vieladrige geschirmte Drähte gezogen hat und keine Ethernet-Verkabelung, so dass die Fritzbox in das Zimmer mit den Computern muss.
Danach gerade noch rechtzeitig zu meiner zweiten Verabredung geschafft, schon wieder DSL. Dieses mal gründlich verzögerter Wechsel von 1&1 zur Telekom mit neuem Router. Ein Speedport W 502V. Schnell angeschlossen, Zugangsdaten rein, die alten WLAN-Parameter wieder eingestellt und ab dafür. Hab ich gedacht, denn auf zwei von vier Testrechnern war der Netzzugang unfassbar zögerlich. Egal ob WLAN oder Kabel, egal ob Internet oder die Konfigurationsseite vom Router, Seitenaufrufe zögerten alle erst mal etliche Sekunden, bevor dann alles sofort da war. Keine Personal Firewall, nix. Was, außer einem Haufen Software ist auf diesen beiden Notebooks anders? Was ist ungewöhnlich? Zwei Stunden später bin dann ich auf des Rätsels Lösung gekommen: Auf beiden Rechnern war Microsoft IPv6 für Windows XP installiert. Ich weiß nicht wieso, aber es war da. Schnell mal deaktiviert und siehe da: Es fluppte wieder einwandfrei.
Mein technischer Erklärungsansatz: Der alte Router hatte mit IPv6 nichts am Hut, der neue schon und so verteilte er per DHCP auch fröhlich IPv6-Adressen und DNS-Einstellungen. An sich vorbildlich und fortschrittlich. Nur leider hat das wohl dazu geführt, dass die Browser jede DNS-Anfrage erst mal via IPv6 gestellt und erst nach einem Timeout auf IPv4 zurückgeschaltet haben. Eine recht plausible Erklärung in meinen Augen, oder bietet jemand einen besseren Ansatz?
So oder so, ich weiß schon, warum ich solche Sachen eigentlich nicht mehr anbiete und mich auf Web-Projektgeschäft und -Beratung konzentriere. Klar kitzelt es mich noch immer sehr, solche Probleme zu lösen, aber ich muss Geld verdienen. Und niemand bezahlt nach meiner Erfahrung gerne dreistellige Beträge für ein paar Stunden Knobelarbeit an kleinen Detailproblemen. Mein krassester Fall war mal ein nicht mehr startender Rechner, bei dem sich nach einem langwierigen Virenscan herausstellte, dass alle .exe-Dateien auf der Platte befallen waren. Allein diese Diagnose hat inklusive Abholen und allem drum und dran ein paar Stunden gedauert. Dann alle Daten retten, die nicht befallen waren (natürlich wie immer gaaaaaaaanz wichtige Daten und kein Backup) und das System sauber neu aufgesetzt mit möglichst allen alten Programmen und Daten. Natürlich war keine Windows XP Home OEM CD dabei (Keine Ahnung, find ich nicht, das hier ist alles, was ich hab
), also musste die auch noch besorgt bzw. per kleinem Hex-Editor-Eingriff an einem Image erstellt werden. Schon ein komisches Gefühl, aus den einschlägigen Quellen eine zur vorliegenden Seriennummer passende Windows CD zu saugen und zu modifizieren, obwohl man genug Windows XP CDs da hat, nur eben nicht für die Home-OEM-Edition. Insgesamt habe ich also über einen Arbeitstag intensiv an dem Rechner gearbeitet, dessen Wert meinen normalen Tagessatz bei weitem unterschritt. Für das Geld hätte man sich einen schicken neuen Rechner anschaffen können, also habe ich nur zwei Arbeitsstunden berechnet. Im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig darüber, aber das Problem ist ja, dass die Kosten hier in keinem Verhältnis zum Nutzen standen. Also kann ich entweder viel weniger Geld nehmen und trotzdem langen Gesichtern gegenüber stehen, was reichlich bescheuert ist, oder eben etwas machen, wo ich meine gewünschten und angesichts meiner Leistung und Expertise angemessen Stundensätze realisieren kann. Man bezahlt nun mal lieber für ein neues Bad als das gleiche Geld für die Behebung eines Rohrbruchs.
Warum ich trotzdem gelegentlich noch Computerservice für Privatleute mache, obwohl ich daran viel zu wenig oder oft auch gar nichts verdiene, bzw. sogar draufzahle, wenn man in Opportunitätskosten denkt? Weil ich ein paar alte Kontakte nicht einfach abbrechen möchte und die Leute haben ja sonst niemanden und ich hab so ein gutes Herz… Also letztlich fürs Karmakonto, denn Dankbarkeit ist eine echt schöne Währung. Und nebenbei reizen mich gelegentlich auch die kniffligen Probleme, vor allem, wenn ich sie dann gelöst bekomme und auch weil ich sie lösen kann. Come get some, bastard bugs!
Kategorien : Computer-und-Technik
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