Musikalische Jugendsünden der 90er

12 11 2008

Im Spreeblick verreißt Malte Welding sehr treffend und lesenswert die schrecklichsten Lieder der 90er (bringt etwas Zeit mit für die Videos). Das schlimme an der Auswahl ist ja, dass ich auf etliche dieser Lieder total abgegangen bin, alleine in meinem Zimmer tanzend mit nicht wirklich funktionierender Lichtorgel und einer am Anschlag aufgedrehten Kompaktanlage etliche der Lieder hoch und runter gehört habe. Warum nur? Warum habe ich einen jahrelangen pubertären Ausflug in die Gruselmusik hinter mir, nach dem meine Musikhörkarriere doch so vielversprechend angefangen hatte. Immerhin waren meine ersten CDs (und damit meine ersten eigenen Tonträger) ein paar Kraftwerk-Alben und die großartige 4 Gewinnt von den Fantastischen Vier. Die Fantastischen Vier, genau… Diese Platte legte auch den Grundstein für meinen mich selbst heute noch immer wieder erstaunenden Hip-Hop-Zitate-Assoziations-Wahnsinn. Zurück zum Thema: Für die meisten Lieder auf meinen Bravo Hits 6 bis Anfang 20 schäme ich mich heute angemessen. Zu meiner Entschuldigung wende ich ein, dass ich da 12 bis ca. 17 war (hoffe ich zumindest) und somit die Pubertäts-Ausreden-Karte spielen darf. Andere Lieder von Maltes Liste finde ich allerdings auch heute noch gar nicht so sehr schlimm. Die schlimmen Lieder aus Maltes 80er-Schlimme-Lieder-Liste fand ich um Welten grauenvoller.

Natürlich hab ich einen passenden großartigen deutschen Hip-Hop-Song zum Thema auf Lager: Jugendsünden von Mutter Natur (Nico Suave, Dendemann, Majubiese) auf Nico Suaves Album Suave passt hervorragend, gibts aber nicht bei Youtube. Die Hookline geht so (ganzer Text hier):

Was war, das war! Ja, so war das, Leute! Heute lach' ich über gestern, morgen lach' ich über heute!

Wer mal hier ist und ganz lieb fragt, dem zeige ich auch das Video, wo wir zu viert eine eigene Choreografie auf "Baby come back" von Worlds Apart getanzt haben, in Behns Keller. Ich weiß heute gar nicht mehr, wie ironisch wir das gemacht haben, ich befürchte allerdings zu wenig. Das gilt auch für mein von Kelly Family Postern zugehangenes Zimmer damals, was irgendwie ein zu halbherziger Protest gegen den Kelly-Family-hassenden Mainstream war. Aber auch dafür habe ein paar gute Entschuldigungen parat: Erstens war meine erste Freundin (wenn man das so nennen kann, wir waren 13 und das war primär pubertär bedingt, aber das ist ein anderer Beitrag) Kelly Fan. Zweitens findet meine Mr. Hyde Seite auch heute noch einige der Lieder schön und drittens hatte ich schon damals ein Faible für Maite Kelly. Darf man sowas zugeben? Egal, auch das gehört in einen anderen Beitrag.

P.S. während ich diese Zeilen schreibe, lausche ich schlimm-großartigen Spären- und Flötenklängen auf sky.fm New Age.



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Kommentare

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12 11 2008
#1 Manfried (Antwort)

Das Video will ich sehen, das hast Du früher verheimlicht.

Deine Zimmergestaltung und vor allem die Musiksammlung war allerdings markant.

Als großer Bruder frage ich mich heute, wäre es meine Pflicht gewesen, einzuschreiten?

Oder war unser Schweigen ein Ausdruck weltläufiger kultureller Toleranz?

Oder haben wir gar nicht geschwiegen, und unsere Hänseleien haben Dich erst in die Arme der Kinder-Kompilationen getrieben?

Ich weiß nur noch, dass ich über Deinen CD-Wechsel-Kompakt-Turm geschmutzt habe. Viel Funktionen, wenig Klang.

egal schick mir das Video - ach ja, ich soll lieb fragen - bitte

mam, mit eigenen Peinlichkeiten aus anderer Dekade
12 11 2008
#1.1 Gregor Nathanael Meyer (Antwort)

Hey! Mein CD-Wechsel-Kompakt-Turm (in Wirklichkeit ist das Ding ja eine sogenannte Midi-Anlage) klang und klingt zum einen auch heute noch gar nicht schlecht und zum anderen habe ich tatsächlich alle Funktionen intensiv genutzt, inkl. der programmierbaren automatischen Überspielung von bis zu drei CDs auf Kassette. Auch der automatische Liedersuchlauf des Kassettendecks war genial.

Allerdings hattest Du Recht mit der Haltbarkeit: Der CD-Wechsler ist nach jahrelanger intensivstbenutzung irgendwann kaputt gegangen.

Und nein, Du hättest nicht einschreiten müssen, im Gegenteil musste ich erst so viel von dem Danceflorr-Scheiß hören, um meine musikalische Identität zu schärfen und später aus meinem Kokon zu schlüpfen. Man muss da halt durch.

Das Video gebe ich nicht aus der Hand, kannst aber vorbei kommen und es sehen, es gibt auch noch mehr (lustige) Musikvideos von damals. Meine jetzige Frisur ist übrigens von diesem Video inspiriert, weil ich dachte: Wow, was für eine coole Frisur ich damals hatte.
12 11 2008
#2 Sebi (Antwort)

Hey wie geil!! Gibt es das Video etwa noch? Als ehemaliges Boygroup-Mitglied unseres Quartetts will ich das natürlich auch haben!!

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