Absurde Sache: Erst jetzt auf Kinderpornos kommen.
Geschrieben von Gregor Nathanael Meyer um 11:2316 05 2009
Eins der fragwürdigsten Argumente für Netzsperren ist ja die These, dass Leute zum einen zufällig im Web über Kinderpornos stolpern und zum anderen durch diesen Kontakt irgendwie angefixt werden und dadurch erst mehr wollen.
Ad 1: Ich bin in den 12 Jahren, die ich mich jetzt im Internet bewege, selber noch nie und nimmer jemals über etwas Kinderpornos auch nur ähnliches gestolpert. Und ganz ehrlich: Ich habe im Netz schon kranke Geschichten gesehen, die man niemandem erzählen mag (1 guy 1 cup zum Beispiel, absichtlich ohne Link). Wenn man viel Pornographie konsumiert, kommt man zwangsläufig viel rum und bekommt eine erschreckende Bandbreite an sexuellen Vorlieben und Abbildungen davon zu sehen. Aber Kinderpornos eben gerade nicht, weil jedem Pornoserver die Bude sofort dicht gemacht werden würde und die Betreiber dafür im Knast und auf dem gesellschaftlichen Abstellgleis landen würden. Ich habe auch noch nie von jemandem gehört, der jemanden kennt, der zufällig Kinderpornos gefunden hätte. Und die meisten würden das zur Anzeige bringen und davon ganz empört erzählen, da bin ich mir sicher. Frau von der Leyen tut zwar so, als ob jeder Computerexperte im Grunde ein verkappter Kinderschänder ist, aber das Bild kann ich nun wirklich nicht bestätigen. Ich weiß nicht, wo die Befürworter diese Behauptung her haben, aber belastbare Zahlen legen sie dazu nicht vor, weil schlicht es keine gibt.
Ad 2: Selbst wenn jemand im Netz zufällig über Kinderpornos stolpern würde, ist es eine wirklich steile These, dass man durch solch einen zufälligen Kontakt irgendwie angefixt würde. Dazu würde ich in Ruhe mal Sexualwissenschaftler und Soziologen befragen wollen, aber nach meinem Wissen über Pädophilie wird man nicht einfach mal so pädophil, weil man Kinder in eindeutig sexueller Pose sieht. Wie kommt man überhaupt auf solche seltsamen Unterstellungen? Aber das beste an dem Argument ist, dass man es gleichsam gegen die Befürworter der Sperren ins Feld führen kann: Dadurch, dass sie das unschöne Thema populistisch ausschlachten und für den Wahlkampf missbrauchen, ziehen sie es ins Scheinwerferlicht der Gesellschaft. Wenn man also die These gelten lässt, dass Leute durch zufälligen Kontakt mit Kinderpornographie auf den Geschmack kommen, dann hat man jetzt auf einen Schlag mehr Menschen an das Thema heran geführt, als es das Web je getan hat. Herzlichen Glückwunsch. Nur gut, dass die These sowieso Unsinn ist.
Ich komme übrigens jetzt gerade darauf, weil heute morgen jemand bei Yahoo nach "kinder pornos for free" gesucht hat und von da auf diesen Artikel in meinem Blog gekommen ist. Gruselfaktor Keyword-Analyse.
Nachtrag 06.06.2009: Jemand erzählte mir glaubhaft, dass er vor wenigen Tagen unvermittelt und in unüblichem Kontext (sprich auf der Suche nach anderer wie auch immer "normaler" Pornographie) auf ein Kinderporno-Video gestoßen ist. Dieses Video war nach ca. fünf Minuten wieder verschwunden. Was lehrt uns das? Kinderporno-Angebote, die in nicht total geheimen Zirkeln kursieren, also zufällige Zuschauer finden, gibt es immer wieder. Aber sie werden auch von den Internet-Usern nicht toleriert und so schnell wie möglich gemeldet und entfernt. Vor allem heißt das, dass die nicht so lange leben, um überhaupt sinnvoll vom BKA gefiltert werden zu können. Daneben stellt sich mir die Frage, wo man solche Zufallsfunde vorzugsweise meldet? Ich denke, je nach Quelle meldet man sich beim Seitenbetreiber (in Foren, Bildertauschcommunities), dann ist das deren Problem, oder sonst direkt bei der Polizei.
Kategorien : Zeitgeist
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Aufgenommen: Aug 05, 19:31