Wer sich die aktuellen Umfragen zur Bundestagswahl anguckt, sollte stutzig werden: In der repräsentativen(?) Handelsblatt / Info GmbH Umfrage kommen die Piraten auf 2% der Stimmen. Diese Steigerung auf 2% ist eine echte Zahl, die einen klaren Positivtrend anzeigt. Darüber müssen die anderen Parteien nachdenken. Wer ist das aber, der da Piraten wählen will? Alles zauselige Nerds? Wer so denkt und deswegen die Piraten nicht ernst nimmt, wird sich noch umgucken. In der SPD übt man sich in Kleinreden und in die kriminelle Ecke stellen. Damit lügt man sich aber massiv in die Tasche, denn ein Blick auf die Unterstützer der Piraten zeigt ein anderes Bild. Vielleicht sollte man sich mal die Mühe machen und das analysieren. Nur so als Tipp. Man kann natürlich einfach so weiter machen und mit jeder Internet-Hass Aussage weitere Wähler zu den Piraten treiben. Wie einfach will man es dieser Partei denn noch machen? Die müssen nicht mal mehr was sagen, denn die etablierten Parteien reiten sich täglich weiter in die Scheiße. Echt mal. Jeder, der vom rechtsfreien Raum Internet faselt, stellt sich bequem in die falsche Ecke. Malte Welding hat das schön ausgedrückt.

Besser aber machen es die Grünen: Dort blickt man die Piraten herab und verlautbart, dass die doch nur Grüne Themen aufgreifen würden. Informationsfreiheit, Bildung, Urheberrechte, Bürgerrechte, alles Grüne Themen. Dass da eine Partei gerade sehr erfolgreich aus dem Nichts mit diesen Grünen Stammthemen auftaucht beunruhigt offiziell niemanden bei den Grünen. Wenn das doch Stammthemen sind, wieso sind die Leute dann mit der Piratenpartei d'accord und nicht mit den Grünen? Dass die Grünen gerade einen guten Teil ihrer Stammwähler an die Piraten verlieren will man da nicht wahrhaben. Zumindest zeigt man das nicht nach außen. Wie hochnäsig ist das denn bitte?

Hey Grüne, wacht auf! Vom rechtsfreien Raum Internet zu faseln ist bei Euch noch schlimmer als wenn CDU/CSU/SPD das tun. Denn so werdet ihr nicht als Alternative wahrgenommen, sondern als Kollaborateure. Same Shit here! Also mich als grünen Stammwähler habt ihr nun erst mal verloren und ich werde das Gefühl nicht los, dass ich nicht alleine bin mit dieser Meinung.

Im Wahlbarometer der Xing-Nutzer liegen die Piraten übrigens momentan bei (albernen) 73% und auch in der StudiVZ Wahlzentrale liegen die Piraten aktuell mit 28% klar in Führung. Auch haben die Piraten hier mit aktuell fast 45.000 Anhängern doppelt so viele wie CDU/CSU, SPD, Grüne und FDP, die jeweils zwischen 17.000 und 23.000 Anhänger haben. Klar sagt das nicht viel aus, aber es spricht eine klare Sprache: Wer sich unter den jüngeren Leuten für Politik interessiert, für den ist die Piratenpartei durchaus eine Erwägung wert. Trotz aller Dinge, die man den Piraten vorwirft und der Dinge, die man ihr vorwerfen kann.

Ein ganz witziges Gedankenspiel ist übrigens auszurechnen, was passiert, wenn die Piraten es schaffen, eine nennenswerte Zahl von bisherigen Nichtwählern zu motivieren. Die Piraten werden immerhin von vielen als Protestpartei wahrgenommen, was auch zu guten Stücken zutrifft. Und wer, wenn nicht eine aufstrebende Protestpartei hat das Potenzial, bisherige frustrierte Nichtwähler zu motivieren? Frustrierte Nichtwähler, die bisher zottelig und Pizza essend vor ihrem Rechner gehockt haben, überspitzt ausgedrückt. Inhaltlich die Piraten anzugreifen funktioniert übrigens aus dem gleichen Grund nicht: Eine Protestpartei inhaltlich anzugreifen ist in etwa so erfolgsversprechend, wie auf Luftgeister zu schießen. Aber macht mal weiter mit Euren Hetzkampagnen gegen die Piraten, das ist genau das, was die Piraten jetzt brauchen. Besonders, wenn Eure inhaltlichen Angriffe nicht zutreffen, was so gut wie jedem potenziellen Piratenwähler klar sein dürfte.

P.S. Nun will ich auch mal eine absurde Forderung in den Raum stellen: Ich fordere jeden CDU-Wähler aus dem Internet auszuschließen. Wer CDU wählt, findet das Internet offensichtlich auch böse und gefährlich. Was also will man dann im Netz? Jede Stimme für die CDU ist eine Klare Stimme gegen das Netz, also sollte sich das Netz wehren. Oder so… :)

P.P.S. Wieviele kriminalisierte erwachsene Gamer Killetrspieler gibt es wohl? Wieviele aktive (im Sinne von aktiver Teilnahme) Internetnutzer gibt es in Deutschland? Wieviele waren davon bisher Nichtwähler? Hat jemand Zahlen parat?

Nachtrag 19.08.2009: Bei Spreeblick das gleiche Bild, aber zur Abwechslung mal qualitativ ausgewertet.

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  • Wahlumfrage.de 
    Wahlumfragen: Piraten bei 2%
    Laut einer neuen Umfrage der info GmbH in Auftrag des Handelsblatts würde die Piratenpartei zurzeit 2% der Wählerstimmen erreichen. ... ...

4 Kommentare

Linear

  • DavidP  
    Ich für meinen Teil habe mir das Wahlprogramm der Piraten angeschaut und bin zum Schluß für mich gekommen: 80% der Aussagen sind sehr gut bis ok und vertreten einen guten Standpunkt den ich sogar teilen würde. ABER: die anderen 20% sind sowas von daneben, dass die Partei leider unwählbar für einen normalen Demokraten ist. Von dem allgemeinem Auftreten mal ganz abgesehen, dass is ja noch n Thema für sich :) Vllt wäre Horst Schlemmer + Piraten eine gute Kollaboration.
    #1
    • Gregor Nathanael Meyer  
      Hmm, irgendwie noch besser als umgekehrt. Du verstehst bestimmt, was ich meine. Aber was anderes, wo ich gerade einen von der dunklen Seite an der Strippe habe: Kannst Du guten Gewissens CDU wählen? Kannst Du guten Gewissens Mitglied sein angesichts der aktuellen wirklich eklatanten Missstände? Würdest Du Dich als "Pirat in der CDU" oder ähnlich sehen/bezeichnen? Kannst Du einen sinnvollen Grund nennen, wieso jemand bei Verstand trotz der aktuellen Situation CDU wählen sollte?
    • chris  
      Was ist denn an dem Parteiprogramm daneben? Kannst du da etwas konkreter werden? Warum machen diese 20% die Partei nicht wählbar für "normale Demokraten" ? Was sind überhaupt normale Demokraten, gibt es denn auch unnormale?
  • David P  
    Huhu, die dunkle Seite jaaa :D Also zur Mitgliedschaft selber kann ich nur sagen: Wer es gerne anders haben will - muss sich ja integrieren um es zu ändern. Also das geht mit dem Gewissen ganz gut, wenn man seinen Standpunkt zu den Sachen mit denen man nicht übereinstimmt klar macht. Parteiarbeit heißt ja nicht einer Meinung zu sein. Ich sehe mich da auch gern in der Pflicht diese politischen Amokläufer aus den eigenen Rheien auszubuhen und so gut es geht paroli zu bieten. So jetzt aber zum Knackpunkt...man muss für sich den Nenner in Form einer Partei suchen, mit dessen Grundzügen (Satzung, Wahlprogramm etc) am ehesten zustimmen kann. Und selbst mit diesen Pappnasen die sich aktuell in einer Debatte profilieren wollen, von der sie keine Ahnung haben - kann ich den Grundzügen der Partei immernoch besser zustimmen, als bei den Piraten.
    #2

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