Objektliebe Wasserkocher
Geschrieben von Gregor Nathanael Meyer um 11:0131 10 2010
Mein Leben lang hatte ich es mit schlechten Wasserkochern zu tun. Der erste Wasserkocher meiner Eltern irgendwann in den 90ern hing noch fest an seinem Kabel und hatte eine ungemein schnell verkalkende Heizspirale. Im Grunde war das nicht mehr als ein Tauchsieder mit Gefäß drumrum, der zudem in Ermangelung nennenswerter Leistung nicht viel schneller war, als ein Wassertopf mit Deckel auf dem Elektro-Kochmuldenherd. Irgendwann gab es Wasserkocher mit verdeckter Heizspirale und etwas mehr Leistung, die man von ihrem Sockel abheben konnte. Die ersten Modelle krankten an der Fummeligkeit ihres Sockels, aber ein Fortschritt war da. Meine Eltern neigen leider dazu, bei solcherlei Gerätschaften immer nur die billige Variante zu kaufen, also gab es immer wieder fehlkonstruierte Scheiß-Wasserkocher. Zuletzt war das einer, aus dessen Deckel einem beim Ausgießen heißer Dampf über die Finger der haltenden Hand schoss, wenn man das Gerät oben am Griff anfasste. Den Deckel zur Befüllen einer zweiten Runde zu öffnen, war auch gerne mal von einem Schuss heißen, sich vom Deckel lösenden Kondensats begleitet. Lustiges Gerät.
Ich hatte dann irgendwann die Schnauze voll und kaufte bei Aldi einen hübschen 3000W Wasserkocher mit 1,7l Fassungsvermögen für 18€. Der sah gut aus, kochte schnell und kostete nicht die Welt, eine super Sache. Leider hatte ich kein Glück und das Ding war undicht. Ernsthaft: Ein nagelneuer Wasserkocher war nicht dicht. Also zurück damit. Inzwischen haben meine Eltern den Nachfolger des besagten Aldi-Kochers, der gut und dicht ist. Fein, Problem gelöst.
Nun zu mir. In der WG hatte ich einen Wasserkocher angeschafft, der irgendwie ebenfalls doof und vor allem recht schnell kaputt war. Ich hatte einfach kein Glück mit Wasserkochern. Zur Einweihungsparty in der aktuellen Wohnung schenkten mir die Kollegen aus dem T3Lab dann diesen Philips-Wasserkocher. Wenn man dieses Gerät benutzt, weiß man erst, dass Wasserkocher auch Spaß machen können. Das ist der Wasserkocher für den Technikfreund. Auf den ersten Blick leuchtet eine elektronische Steuerung nicht unbedingt ein, aber der erste grüne Tee mit recht genau 80 Grad heißem Wasser führt einem klar vor Augen, dass man gerade den Durchbruch in Sachen Wasserkocher vor sich stehen hat. Das Ding hat eine Temperaturvorwahl (40, 60, 80 und 100 Grad), die ziemlich gut funktioniert und die einem die Heißwasserbereitung für grünen Tee oder Wärmflaschen immens vereinfacht. Die Warmhaltefunktion ist sicher auch manchmal praktisch, ich habe sie aber tatsächlich in anderthalb Jahren nicht einmal benutzt. Das Ding hat aber nicht nur technische Gimmicks, es sieht auch noch brauchbar aus, kocht mit 2400W schnell genug, hat ein herausnehmbares Edelstahlgeflecht als Kalkfänger und verbrüht einen nicht mit irgendwelchen Deckelfehlkonstruktionen. Dass er piepst, wenn das Wasser fertig ist, erweist sich im täglichen Gebrauch übrigens ebenfalls als äußerst nützlich, gerade in Kombination mit der Temperaturvorwahl. Der einzige Wunsch, den ich an das Ding noch hätte, wäre etwas mehr Fassungsvermögen, denn 1l reicht zwar meistens für unseren Bedarf, aber eben nicht immer.
Also noch mal mein Dank an die Schenker. Ich erfreue mich tagtäglich daran und fühle mich wasserkochertechnisch endlich angekommen.
P.S. Ach ja, noch ein Tipp zur Erhöhung der Benutzbarkeit von Wasserkochern: Benutzt einen Wasserfilter. Ich habe unseren Wasserkocher trotz häufiger Benutzung über anderthalb Jahre noch nicht einmal entkalken müssen, sogar das Edelstahlgeflecht, das Kalk fangen soll, ist blitzeblank. Wer also nicht gerade in einer Gegend mit ohnehin kalkfreiem Wasser lebt, sollte die geringe Investition in einen Wasserfilter nicht scheuen und vor allem konsequent nur gefiltertes Wasser in seinen Wasserfilter lassen. Als Lohn winkt einem ein immer sauberer Wasserkocher, der nie entkalkt werden muss und deswegen schnell wie am ersten Tag bleibt, sowie schmackhafterer Tee ohne Kalkschicht oben drauf. Ohne die Kalkschicht oben auf dem Tee bleibt übrigens auch keine hartnäckige braune Kalkschicht in der leeren Tasse zurück, oder zumindest deutlich weniger, was das Spülen ebenfalls immens erleichtert. Die Patina in der Edelstahl-Teekanne ist ohne nennenswerten Kalkanteil übrigens auch viel gleichmäßiger und nicht so abstoßend. Kampf dem Kalk. Für das Wasser hier in Düsseldorf reichen die billigen dm-Wasserfilter übrigens locker aus, in Köln aber wohl bei weitem nicht, wie ich mir habe sagen lassen. Dort kommt man wegen des unfassbaren Kalkgehaltes im Wasser wohl nicht um gute Markenfilter herum.
P.P.S. So ein Wasserkocher ist übrigens nicht zu unterschätzen, was die Leistungsaufnahme angeht. Wenn da 3000W als Nennleistung angegeben sind, nähert man sich den 16A der Hausabsicherung schon recht stark (230V*16A sind nur 3680W, die man aus einer Haushaltssteckdose ziehen darf). Also Vorsicht im Umgang mit solchen Geräten, gerade wenn sie billig waren. Vor allem Vorsicht, wenn man sie über Verlängerungskabel, billige Mehrfachsteckdosen oder parallel an einer Sicherung mit anderen starken Verbrauchern betreibt. Ein 3000W Wasserkocher und eine Mikrowelle oder ein Toaster im gleichen Mehrfachstecker sollten die Sicherung hoffentlich bereits auslösen. Aber verlassen würde ich mich da nicht drauf, gerade in Wohnungen mit fragwürdiger Elektroinstallation.
Kategorien : Persoenlichkeit-und-Ich
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