Kaputte Prügelpolizisten
Geschrieben von Gregor Nathanael Meyer um 23:3220 06 2011
Gerade lese ich die Headline Stuttgart 21: Polizist brutal zusammengeschlagen und stelle spontan wenig Mitgefühl bei mir fest. Wieso eigentlich? Halte ich es für zu rechtfertigen, einen Beamten in Zivil mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus zu befördern? Natürlich nicht, aber wieso bleibt dann trotzdem mein Mitleid weitgehend aus? Nun, ich habe die Bilder vom 30.09.2010 noch recht präsent in Erinnerung, obwohl ich nicht mal dabei war. Dass die Polizei sich dadurch nachhaltig als klares Feindbild bei den Demonstranten etabliert hat, sollte nachvollziehbar sein. Wer in solch unangemessener Härte (auch das sollte nicht strittig sein) gegen Kastanien werfende Demonstranten und Schüler vorgeht, braucht sich in der gleichen Sache auch neun Monate später nun wirklich nicht über eine aggressive bis feindselige Grundstimmung
gegenüber den Beamten zu beklagen. Oder um mal die übertriebende Rhetorik der damaligen Berichterstattung aufzugreifen: Mit dem Bürgerkrieg haben nicht die Demonstranten angefangen.
Wobei wir damit bei der spannenden Frage angekommen sind, wer wieviel dafür kann. Klar sollte sein, dass die Polizei hier in erster Linie Befehlsempfänger einer Politik war, die ihre Quittung bereits bekommen hat. Andererseits kann man es sich so bequem nun auch nicht machen, denn der Einsatzbefehl wird wahrscheinlich eher nicht Haut den scheiß Hippes und wer da halt sonst so rumsteht mal so richtig auf die Fresse und lasst es ordentlich krachen
gelautet haben. Womit wir wieder bei der Eingangsfrage wären: Wundert sich jemand ernsthaft darüber, dass man als einzelner Beamter vor diesem Hintergrund nicht gerade mit offenen Armen empfangen wird? Natürlich entschuldigt das keine schwere Körperverletzung, erst recht nicht durch einen tobenden Mob. Andererseits frage wahrscheinlich nicht nur ich mich, was das für Typen sind, die schwer gepanzert einen derartigen Gewaltexzess gegen ganz normale Schwaben durchziehen. Ist ja nicht so, als wären da hunderte erlebnisorientierte Jugendliche mit Stein und Molli zugegen gewesen.
Die Situation ist jedenfalls scheiße und verfahren, aber die eklatante Zäsur im Verhältnis Schwabe-Polizei haben sich Polizei und CDU zuzuschreiben; beide stehen vor der großen Aufgabe, das in nur wenigen Tagen (und nicht zu vergessen einem längeren, sehr peinlichen Herumlavieren) so gründlich verspielte Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen. Einfach unbeirrt die Abriss- und Bauarbeiten weiter führen zu lassen ist in diesem Sinne jedenfalls sicher nicht die beste Idee. Es geht ja längst nur noch am Rande um den blöden Bahnhof, sondern um die Art, wie Entscheidungen auf herbeigelogener Argumentation herbeigeführt und dann mit beeindruckendem Gewalteinsatz gegen einen erkleckerlichen Teil der eigenen Bürger durchgesetzt werden. Überraschung, dass der Bürger das zur Abwechslung mal nicht mit sich machen lässt.
So oder so, mit schweren Kopfverletzungen sollte dabei niemand im Krankenhaus landen. Auch wenn Innenminister das immer wieder propagieren, Auge um Auge sollte immer noch der Vergangenheit angehören.
Spannender Nachtrag 22.06.2011: Fefe weist auf interessante Umstände hin:
Das wird euch jetzt sicher genau so schockieren wie mich: der "schwerverletzte Polizist" bei S21 war ein Undercover-Provokateur. Es gibt Videos von seinem Handgemenge mit den Demonstranten, und da sieht man von dem angeblichen versuchten Totschlag ... gar nichts. So läuft das also heute, ja? Wenn man die Demonstranten nicht zu Straftaten provoziert kriegt, dann verprügeln sich die Provokateure eben gegenseitig und man schiebt es am Ende den Demonstranten in die Schuhe.
Kategorien : Zeitgeist
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