Düsseldorf als Android-Hauptstadt. Ein Messfehler?

01 07 2011

Ich bekam gerade Sexkontakte in Frankfurt am Main angeboten. In Form von als Chatanfrage getarnter Werbung unten rechts im Browser. Und ich habe einen VDSL-Anschluss bei 1&1, die VDSL von der Telekom wiederverkaufen, also bin ich leider mittelbar Telekom Kunde. Leider, weil YouTube deswegen für mich in der Mehrzahl der Fälle so unbrauchbar war, dass ich dort nach 17:00 Uhr nur noch selten versuche, ein Video in 720p anzusehen. Vielleicht ist das inzwischen anders, aber meine Entscheidung, von der Telekom schnellstmöglich weg zu kommen, habe ich bereits getroffen.

Aber was haben die angebotenen Sexkontakte in Frankfurt am Main mit der Telekom zu tun? Nun:

1. Die Sexkontaktwerbung versucht anhand meiner aktuellen IP-Adresse zu erraten, wo ich mich befinde. Das klappt mal mehr, mal weniger gut; in dem Fall wohl weniger. Die IP-Adresse wird vom Provider vergeben. Ist ein bestimmter Adressbereich nicht mit sinnvollen Informationen in der verwendeten Ortsdatenbank verzeichnet, wird ersatzweise der Ort des Providers zurückgeliefert, so gibt es also immer wieder lustige Häufungen in den Städten, in denen die Provider ihre IP-Adressen registriert haben. So ähnlich wie die Nummernschilder von Mietwagen, falls sich mal jemand gefragt hat, wieso in ganz Deutschland so auffällig viele Fahrzeuge aus Hamburg oder Düren unterwegs sind.

2. Vor ein paar Tagen ging die Meldung um, dass auffällig viele Android-Nutzer aus Düsseldorf kommen und auffällig viele iPhone-Nutzer aus Frankfurt am Main, siehe etwa hier. Als Datenbasis dient ein Werbenetzwerk, das Ortsinformationen über die Einblendung mobiler Werbeanzeigen speichert.

3. iPhone-Nutzer sind wegen der jahrelangen Exklusivbindung signifikant häufig auch T-Mobile-Kunden.

4. Mit Vodafone und E-Plus/Base haben gleich zwei der drei anderen Netzbetreiber ihre Zentrale in Düsseldorf.

5. Apps können sich auf Smartphones das Recht einräumen, eine sehr bis mittelgenaue Ortung auf Basis von GPS, WLAN oder Mobilfunkzellen zu benutzen. Websites im Browser haben dieses Recht normalerweise nicht und müssen sich die Ortsinformationen wie beim Desktop-PC über die IP-Adresse herleiten. Hinzu kommt, dass die meisten Mobilfunk-Provider viele UMTS-Kunden hinter wenigen externen IP-Adressen verstecken und überhaupt keine IP-Adressen mit Ortsbezug vergeben. Wer mal eine Klausur bei mir geschrieben hat, sollte wissen: Aha, hier kommt das famose NAT zum Einsatz!

Wenn man nun eins und eins zusammenzählt, könnte man also auf eine naheliegende Erklärung für das Phänomen mit der auffälligen Smartphone-Ungleichverteilung kommen. Das wäre ja mal eine schöne Klausurfrage.

Disclaimer: Ich habe die zugrunde liegende Studie weder gelesen, noch mich überhaupt eingehend damit beschäftigt, also ist mein Einwurf als bloßes Postulat zu werten.



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Kommentare

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01 07 2011
#1 Manfried (Antwort)

Guter Punkt. Lohnt sich fast, das mal näher zu hinterfragen. Oder die Studie zu lesen.

Da ich dazu genauso wenig Lust habe, wie Du, fabulier ich mal mit.


Vorab: Ich hab keine Ahnung von der Art, wie Werbenetzwerke geolocation erfassen.
Noch weniger weiss ich, wo die IP-Bereiche der Provider sich lokalisieren.

Auffällig ist ja, dass die Werte der 7 anderen angegebenen Städte deutlich mit der Einwohnerzahl korrelieren.
3,4 Millionen 2.0-Hauptstädter (ca.3,1% der Deutschen) stellen dabei 3,8% Droids.
Hamburg hat ein etwas besseres Verhältnis 2,2% der Deutschen stellen 2,9% der Googlifizierten.
So geht es weiter. Bis auf die Ausreißer mit den (vermuteten) Mobil-Provider-IPS.

Du setzt voraus, dass die Studienersteller wirklich so blöde sind, für geolocation untaugliche Ip-Bereiche der mobil-Provider in die Statistik zu nehmen.

Dann bedeuten die je 7kommanochwas Prozent Android- in DUS und FRA, plus 2 Prozent München(O2), dass maximal14% des Android Datenverkehrs über die Provider gehen. (bei allen drei Städten ein den Einwohnerzahlen entsprechenden Anteil abgezogen)

86% über WLAN?
kommt mir viel vor, mag aber sein.

Probieren wir es andersrum:
Alle 10 zusammen haben etwas über 30%. der Android-Nutzer.
In den Städten dieser Top-Ten (die bis auf Essen dem Einwohnerzahlranking entspricht) wohnen ein Achtel der Deutschen (10,1 Mio) .

Wären Smartphones in Aurich genauso beliebt wie in Prenzelberg würde ich also rund 13% der Nutzer erwarten.

Ziehe ich die oben geschätzten 14% Mobiltraffic von den etwas über dreissig der Top-ten ab, wäre ich bei rund 16-17%. richtig(er) verorteten SmartPhonisten.

Gefühlt kein schlechter Wert, gemessen daran dass in Mitte und Schanzenviertel deutlich mehr Sendemasten und urbanes Smartphonevolk stehen. Passt auch zu den oben errechneten Werten.

Ich fürchte mir reichen die Indizien und ich schliesse mich Dir an. Die haben Ihre Zahlen wirklich so wenig im Griff.

Manfried
02 07 2011
#1.1 Gregor Nathanael Meyer (Antwort)

Hmm, vor allem: Der Rest muss ja nicht auf WLAN verfallen. Was, wenn das Werbenetz nur zum Teil im Browser misst und der Rest aus Apps mit aktivierter Ortung stammt? Das würde die stastistisch relevanten, absolut gesehen aber nicht gar so großen Cluster erklären. Vielleicht haben die Mobilfunkprovider auch mehrere Zugriffspunkte und lediglich gewisse Präferenzen in besagten Städten, weil die größten CIXe dort sind (DECIX F und D und ECIX D). Beides nicht völlig abwegig.

Zudem müssen die Studienvermarkter nicht zwingend zu blöd sein, das zu blicken. Die Headline wird erstens ggf. von anderen gemacht (ehemaligen Journalisten und solchen, die das anstreben). Und auch so wird eine Studie mit solch plakativer Aussage natürlich lieber zitiert. Vielleicht steht das ja sogar alles so irgendwo drin, aber den Verwurstern ist das einfach wurst. Lästige Details, die nicht interessant sind.

Vielleicht gibt es auch gar keine Messfehler und die Cluster gibt es wirklich. Die Welt ist manchmal verrückt.

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