Oha, Edeka will Kaiser's Tengelmann kaufen. Da bin ich ja mal gespannt. Kaiser's ist bei mir traditionell in erster Linie mit trägen Mitarbeitern assoziiert. Es ist kaum zu fassen, wie langsam eine Kassen- oder Bedienungsthekenschlange abgearbeitet werden kann, ohne dass man einen offensichtlichen Grund dafür erkennen kann. Sobald ich einen Kaiser's betrete, stellt sich bei mir dieses Gefühl der klebrigen Entschleunigung ein. Nichts gegen Entschleunigung im richtigen Moment, aber bitte nicht in klebrig und Einkaufen ist für mich auch eher selten der richtige Moment dafür. Es sei denn, ich bin bei (Edeka) Zurheide, aber da entsteht die Entschleunigung nicht durch quälendes Warten an Kassen und Theken, sondern durch sowas wie Einkaufserlebnis, Schlendern, aussuchen; ein genussorientierter Vorgang. Ja, sogar freundliche Mitarbeiter, die auf Zack sind, ansprechbar, hilfsbereit, kompetent. All das, was ich bei Kaiser's eher selten bis nie erlebe.

Ich wohne in einem Dreieck aus Kaiser's-Filialen. Alle drei sind in den letzten Jahren mal gründlich gesäubert und dann neu ausgestattet worden. Vorher kam zu meiner Kritik noch stinkend und abgenutzt/dreckig dazu, das ist immerhin vorbei. Aber auch jetzt sind die drei Filialen ein guter Ausweis für den Umstand, dass Kaiser's nicht mithalten kann. Der REWE City hier ist kleiner, aber in allen Belangen besser. Von dem Umstand abgesehen, dass er keine Frischfleischtheke hat, was OK ist, denn das Fleisch vom Kaiser's ist auch oft irgendwie nicht so schmackhaft. Scheinbar marinieren die mit irgendeinem Gewürz, das riecht, als wäre das Fleisch nicht mehr ganz so frisch. Hoffe ich zumindest…

Aber wie man es dreht, das Problem von Kaiser's sind in meinen Augen die Mitarbeiter. Irgendwie hat sich da eine gewisse verwaltungshafte Trägheit eingeschliffen, die mich um den Verstand bringt. Die Rentner, die da vorwiegend einkaufen, scheint das nicht zu stören. Vielleicht ist das Absicht und Kaiser's bedient absichtlich dieses Marktsegment und deren Stammkunden finden das alles ganz entzückend und dann kommt Edeka und trampelt dieses Biotop alteingesessenen Lebensmittelhandels kaputt mit seinen modernen Konzepten.

In meinen Augen sind REWE und Edeka in Deutschland völlig zu Recht so dominierend, denn beide geben man sich in den letzten 15 Jahren immense Mühe, für die Kunden attraktiv zu sein. Geht mal zu irgendeinem Kaiser's und dann direkt danach zu Edeka Tschöpe in Oberbilk, der der einzige mir bekannte Edeka hier in der Gegend ist, der nicht bereits durch schiere Verkaufsfläche im Vorteil ist. Was für ein Unterschied. Und dann fahrt mal weiter mal zu Paschmann, Celik oder Zurheide, nur um zu vergleichen, wohin die Reise geht. Das ist natürlich unfair, denn Kaiser's betreibt in allererster Linie Nachbarschaftsmärkte und die sind nun mal klein und eng. Aber auch das geht besser, die Positivbeispiele sind oft nur ein paar hundert Meter weiter anzutreffen und tragen ein rotes Schild mit vier Buchstaben (und gegebenenfalls den Zusatz City).

Und klar gibt es auch schlechte REWE-Märkte (da kenne ich hier ein paar) und sicher auch doofe Edekas (da kenne ich hier keinen). Und sicher gibt es auch tolle, gut geführte Kaiser's mit angenehmen Mitarbeitern und moderner Ausstattung (da kenne ich hier ebenfalls keinen). Mein Punkt ist: REWE und Edeka rüsten permanent auf und was sie anfassen, gewinnt deutlich. Kaiser's renoviert seine Läden ja auch, aber der Gewinn hält sich in Grenzen. Das ist klassisches abgehängt werden, geradezu ein Fallbeispiel für die Lehre. Und dafür müssen wir die Einkaufs-Marktmachts-Konzentrations-Sache überhaupt nicht anfassen, die spielt aber natürlich auch ihren vermutlich dominanten Part in der Kaiser'sschen Untergangssymphonie.

Schade drum? Ich befürchte, zumindest aus meiner Sicht, eher nicht. Ob durch die Kaiser's-Filialen unter Edeka-Flagge endlich der dringend nötige Ruck geht? Warten wir es ab, aus meiner Konsumentensicht wird es jedenfalls eher nicht schlechter werden.

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