Duisburg

05 05 2012

Es ist wirklich reiner Zufall, dass ich ausgerechnet heute einen Artikel über Duisburg schreibe, wo doch morgen ein schicksalhaftes Spiel zwischen Fortuna Düsseldorf und dem MSV Duisburg stattfindet. In der Tat wollte ich schon eine ganze Weile mal einige Gedanken zur Stadt Duisburg niederschreiben, also los:

Wenn man in Düsseldorf aufwächst, lernt man nach und nach die Nachbarstädte kennen, wenn es einen Grund gibt, sie zu besuchen. Duisburg kennen die weitaus meisten Düsseldorfer aus zwei Gründen: Man besucht erstens, meist bereits im Kindergarten, den Duisburger Zoo und später, wann immer man auf der A3 mitten durch den Zoo fährt, erinnert man sich daran; nicht zuletzt wegen den drei Heckenbuchstaben ZOO, die auf der Autobahnbrücke zurechtgeschnitten stehen. Zweitens hält man mit dem Zug im merkwürdig runtergekommenen Duisburger Hauptbahnhof, wenn man irgendwo hin möchte, wo es interessanter ist. Weitere Gründe, warum man mal in Duisburg gewesen sein sollte? Nach Zoo und Bahnhofshalt kommt seeehr lange nichts, dann folgen die Unfallklinik, der fantastische und unterschätzte Landschaftspark Nord, das Delta (eine Großraumdisco), der größte Binnenhafen Europas (samt Hafenrundfahrt, an die ich mich aber genau gar nicht erinnere, was auch sicher seinen Grund hat) und für Fußballfreunde das Stadion des MSV Duisburg. Dann kommt wieder lange nichts und dabei bleibt es dann auch meistens. Ach ja, da ist ja noch die Love Parade mit 17(!) Todesopfern, daran erinnert sich aber niemand gerne. Der Innenhafen ist ganz nett, zählt aber nicht im Vergleich zum Düsseldorfer Medienhafen, tut mir leid.

Meine maßlos übertriebene These ist ja, dass Duisburg dermaßen egal ist, dass es niemandem auffiele, wenn es weg wäre, am wenigsten denen, die dort wohnen. Warum? Was kommt hinter Duisburg? Oberhausen, Essen, Mülheim und der Rest vom Pott, überall ist man häufiger und lieber als in Duisburg. Aber warum eigentlich? Was macht diese Stadt so egal? Für mich ist Duisburg zu wenig pottig, hat also zu wenig vom charmanten Ruhrpott-Charme abbekommen. Möglicherweise hat Duisburg zu viel vom Niederrhein. Andererseits finde ich selbst Krefeld interessanter als Duisburg. Was macht Duisburg so uninteressant, dass man mit dem Zug ständig durchfährt, aber nie aussteigt? Von allen großen Städten im direkten Einzugsbereich von Düsseldorf ist nur Mönchengladbach noch uninteressanter. Ist von Euch Lesern mal jemand aus eigenem Antrieb nach Mönchengladbach gefahren? Nicht? Warum auch? Klar, manchmal leben dort (Bums-)Bekanntschaften oder man hat beruflich dort zu tun. Aber zum Einkaufen oder um eine Sehenswürdigkeit zu besuchen? Klar, was soll man dort auch? Ich war kürzlich mal da und habe nicht einen nennenswerten Aspekt in Erinnerung behalten.

Zurück zu Duisburg: Ein großartiges Beispiel für die Egalheit von Duisburg ist ja die Landmarke "Magic Mountain Tiger & Turtle". Bei Qype habe ich folgendes darüber geschrieben, was mich auch zu diesem Blogeintrag inspiriert hat:

Falls Ihr ein diffuses Bild von dem Ding habt, durch Zeitungsberichte oder von Fotos, weil die Skulptur interessant aussieht oder Euch der Name fasziniert, und deswegen in irgendeiner Erwartung dort hin fahren wollt: Lasst es. Wobei es gerade diese deplatzierte Sinnlosigkeit ist, die dem ganzen Ding überhaupt irgendeinen Wert gibt. Ich meine: What? Was soll das? Eine merkwürdig niederwüchsig bepflanzte Halde die man auf einem Spiralweg emporspaziert, oben drauf eine merkwürdige Acherbahn-Skulptur, deren Begehbarkeit beidseitig am Looping endet und von der man eine Aussicht genießen kann, deren Egalheit schwer zu toppen sein dürfte. Noch mal: What?

Es tut mir ein wenig Leid, das so sagen zu müssen, aber dieses Ensemble drückt für mich all das aus, was Duisburg vom Rest des Potts unterscheidet: Die Egalheit. Wobei, Gegenbeispiel: Der Landschaftspark Nord auf der anderen Seite der Stadt ist im grotesken Kontrast zu dieser seltsamen Landmarke einer der großartigsten Orte im Ruhrgebiet, so faszinierend. Am Magic Mountain Tiger & Turtle ist nur der Name faszinierend und die Deplatziertheit seiner gesamten Existenz. Wobei das auch schon wieder drei Sterne wert ist. Aber bitte, fahrt bitte nicht in einer nur zu enttäuschenden Erwartung dort hin. Und wenn, dann wenigstens Nachts, die Nachtfotos von MrDuD geben dem Ganzen einen ganz anderen Spin.

Wenn ich nun so darüber nachdenke, ist diese Landmarke eigentlich erst recht einen Besuch wert, denn allein die unspektakulärste Aussicht weit und breit ist schon wieder sehenswert: Kläranlage, niedrige Wohnbebauung, Sportplatz, Straße, unspektakuläre Industrieanlage, unspektakuläre Hafenanlage und ein Fitzelchen vom Rhein kann man von der Skulptur aus sehen. Das ist für mich Duisburg. Wobei ich einräumen muss, dass ich mir beim Lesen der anderen Bewertungen bei Qype einigermaßen ertappt vorkomme, diese Haldenskulptur und ihren Bezug zum Standort auf reiner Düsseldorfer-Hochnäsigkeit zu verkennen. Schlimm, wenn einem auffällt, dass man gerade in seiner Herablassung als typisch Düsseldorfer rüber kommt. Ging mir in England neulich auch so, also dass ich als typischer Deutscher auffalle, das ist einem zu Hause gar nicht so bewusst.

Dabei ist Duisburg eigentlich gar nicht so uninteressant, wenn man genauer hinsieht. Dass man vom Rhein nichts hat, weil fast die gesamte Rheinfront mit Industrie- und Hafenanlagen zugepflastert ist, ist unschön, kann man Duisburg aber nicht vorwerfen: Das wäre reichlich undankbar gemessen an der industriellen Leistung für die Region und das ganze Land. Zudem hat es Duisburg im Mittelalter mal bitter getroffen, als sich der Rhein nach einem Hochwasser mehrere Kilometer von der Innenstadt entfernt ein neues Bett gesucht hat. Das klingt zwar witzig, war es aber sicherlich nicht.

Aber Duisburg hat ein Highlight, das jeder mal besucht haben sollte: Den Landschaftspark Nord, eine alte Hochofenanlage, die komplett begehbar da steht und langsam von der Natur zurückerobert wird. Ich bekomme mich gar nicht ein vor Begeisterung über dieses Juwel der Industriekultur, das Dingen ist einen eigenen Artikel wert, erinnert mich mal dran. Der Zoo gehört auch zu den besten Zoos, die man von Düsseldorf aus als Tagesausflug erreichen kann. Und demnächst werde ich mir auch mal die Sechs-Seen-Platte genauer ansehen, soll auch nett sein.

Gemessen an den ganzen zweifelsohne charmanten Aspekten Duisburgs frage ich mich gerade, wieso mir diese Stadt trotzdem so egal vorkommt. Warum finde ich etwa Oberhausen interessanter? Nur wegen dem Centro und dem großartigen Gasometer (unbedingt mal besuchen!)? Das ist zahlenmäßig weniger als Duisburg zu bieten hat, aber trotzdem habe ich ein besseres Bild von Oberhausen; es spiegelt für mich wohl einfach konsequenter das wieder, was ich am Pott so schätze: Industriekultur und Strukturwandel in einem spannenden Spannungsverhältnis und die Art und Einstellung der Leute. Ich mag die Leute aus dem Pott einfach unheimlich gerne, hingegen kann ich mit den Leuten vom Niederrhein meist eher weniger anfangen. Und wie gesagt: Duisburg hat mir schon zu viel vom Niederrhein.

Trotzdem habe ich gerade beim Schreiben dieses Artikels beschlossen, Duisburg ab sofort gleichberechtigt zu den anderen Städten aus dem Pott zu mögen. Dumm für Krefeld, das nimmt jetzt Duisburgs alten Platz bei mir ein.

P.S. Auch irgendwie fragwürdig, das Spannungsverhältnis zwischen Industriekultur und Strukturwandel spannend zu nennen. Das können echt nur Leute, die da nicht selbst drin stecken, die nicht ständig gegen den allgegenwärtigen Verfall in ihrer Umgebung ankämpfen müssen, Bildungsbürger. Käme ich aus dem Pott, ich würde wohl über jeden Euro kotzen, der in die neuen Bundesländer fließt, während meine Stadt und alles drumherum vor sich verfällt, vergessen wird, abgeschrieben ist. Mir würde das so unglaublich undankbar vorkommen, ich käme mir so benutzt und ausgespuckt vor, wie jemand, der nach 45 Jahren Maloche in der Rente verarmt, ohne das Gefühl, das ihm irgendjemand angemessen dankt für den volkswirtschaftlichen Wohlstand, an dem er mitgewirkt hat, allein gelassen mit seinen daraus erwachsenen Problemen. Und dabei geht es nicht nur um Geld, sondern vor allem um die Herablassung, die einem entgegengebracht wird, weil man verlebt und etwas dreckig daherkommt. Wenigstens eine eingehende Beschäftigung mit der Industrievergangenheit sind wir alle dem Pott schuldig. Wieso ist das in der Schule eigentlich nur so ein Randthema? Was für ein Skandal.


Ein Buch schreiben

30 04 2012

Vor ein paar Tagen habe ich die Medienradio-Folge über E-Book-Self-Publishing gehört und seitdem lässt mich die Idee nicht los, bei Gelegenheit mal ein Buch zu schreiben. Frage an meine Leser:

Würde Euch grundsätzlich ein von mir geschriebenes Buch interessieren?

Also erst mal ganz unabhängig von den sich daraus ergebenen Fragen wie E-Book oder Druck? Oder welche Inhalte? Besteht da irgendwie Interesse? Hintergrund ist, dass ich gerne schreibe und einige Leute mein Geschreibe auch ganz gerne lesen. Da liegt es also nahe, sowas mal als Buch zu bündeln.

So, Hirn frei und Frage beantwortet? Gerne per Kommentar, Mail, Twitter, Google+, Telefon oder persönlich. Dann geht es weiter:

E-Book oder Druck? Lest ihr E-Books? Ich würde keine 1000 Seiten schreiben und gedruckte Bücher sind mir suspekt, deshalb im Grunde ein kurzweiliges 99 Cent E-Book. Aber liest das dann noch jemand von meinen paar Lesern?

Und nicht zuletzt: Welche Inhalte würdet Ihr lesen wollen? Der ein oder andere Schwank aus meiner Jugend? Eine stark überarbeitete Auswahl besserer Blogtexte über dies und das? Ein festes Thema? Ein Sachbuch gar? Fiktionale Belletristik ist wohl eher nicht so mein Metier, aber die ein oder andere vielleicht Horizont öffnende Erörterung zum gemischten Themen? Interesse?

Ich frage das alles ganz offen und bin nicht geknickt, wenn das keiner hören will. Aber warum nicht mal reinhören?


Meine aktuelle Verteilung zwischen Google+, Twitter und Blog

22 03 2012

Falls sich jemand, wundert, dass ich seit geraumer Zeit deutlich weniger blogge als früher und auch weniger Twittere: Das liegt an Google+. Dort landet alles, was für Twitter zu lang ist, aber schnell runtergeschrieben werden will, so nebenbei. Im Blog landen nur noch längere Sachen und solche, die ich langfristig konserviert sehen will. Im Schnitt schreibe ich ca. 45 Minuten an einem Blogbeitrag, weil ich mir Zeit nehme und Dinge etwas weiter durchdenke. Also landet tatsächlich das meiste halbgare und schnelle und manches andere in meinem Google+Stream. Dort könnt ihr mir gerne folgen oder – wichtig für mich – den öffentlichen Kram auch ohne Anmeldung lesen.

Google+ hat aber noch andere Vorzüge für mich: Das mit den Bildern ist simpel und schnell, die Kommentare sind frei von Spam und nicht anonym und gut sichtbar, mithin von erfreulicher Diskussionsqualität. Das ist besonders bei halbgaren Gedanken spannend. Und nicht zuletzt bietet Google+ eine einfache und intuitive Möglichkeit, die Reichweite von Posts zu beschränken. Gedanken sind frei, also bilde ich mir nicht ein, dass da irgendwas geheim bleibt. Aber: Es gibt Dinge, die möchte ich aus sehr verschiedenen Gründen nicht unmittelbar mit jedem teilen, auch wenn es halb so wild wäre, würde jemand davon erfahren. Genau da ist Google+ eine fantastische Plattform. Zudem kann man dort wie bei Twitter Leute erwähnen, die das dann unmittelbar mitbekommen und in die Diskussion einsteigen können. Das nutze ich selten, aber es ist ein wichtiges Feature gegenüber meinem Blog, das ja von den meisten Leuten, die ich erreichen will, nicht so wahnsinnig regelmäßig gelesen wird.

Also gebt Google+ mal eine Chance, ich schätze es als fantastischen Lückenfüller zwischen Twitter und Blog. Facebook besuche ich übrigens nur noch, wenn mich jemand direkt anspricht, was erfreulicherweise selten passiert. Facebook ist für mich Gossip, Google+ hingegen eine Plattform mit wirklich interessanten Inhalten. Für Gossip habe ich Twitter und dann gibt es da noch Tumblr und Pinterest für eher bebilderte Bespaßung. Ne, Facebook mochte ich noch nie und ich glaube auch, dass Facebook seinen Zenit in Sachen Bedeutung der Inhalte bereits überschritten hat. Ich glaube, Facebook wird mehr und mehr zur Markenbotschafts-Müllhalde, während wirklich spannende Inhalte dort immer weniger werden. Facebook geht nicht so schnell in Gänze unter, das meine ich nicht, aber die Bedeutung als Lieferant spannender Inhalte sinkt in meinen Augen. Vielleicht ist das auch rein subjektiv aus meiner Filterblase heraus betrachtet und in Wirklichkeit sieht es ganz anders aus.


Das Hochzeits-Dilemma

13 12 2011

Ich wäre längst verheiratet, wenn das mit der Feier nicht so ein Dilemma wäre: Man kann es einfach nicht allen recht machen. Aber fangen wir mal an, wieso man überhaupt heiraten will:

  1. Aus Liebe. Das ist romantisch, aber heutzutage irgendwie auch ziemlich überflüssig, denn an der Liebe wird sich durch so eine Trauung eher nichts verändern, jedenfalls nicht zum Positiven.
  2. Um der Beziehung einen legalen Rahmen zu geben. Sei es, weil man nicht unverheiratet Kinder in Welt setzen will, weil man als Mann dann im Zweifel ziemlich gebumstrechtelos ist. Sei es, weil man endlich von meiner Frau bzw. meinem Mann sprechen möchte, ohne Irritationen hervorzurufen. Es gibt etliche solcher kleinen Gründe und zusammengenommen sind sie für mich der Hauptgrund für eine Heirat.
  3. Wegen der Party. Ernsthaft: Auf eine schöne Hochzeit freuen sich viele ihr ganzes Leben lang, ich zumindest. Punkt.
  4. Aus Steuergründen. Da ich das Thema Steuern so weit von mir weg wie nur möglich schiebe, denke ich daran immer erst zuletzt. Außerdem gibt es echt nichts unromantischeres als wegen Steuern zu heiraten. Das schenkt denen nur Aufmerksamkeit, die sie nicht verdienen, die Steuern. Ein realistischer Blick aufs Konto oder ein Gespräch mit dem Steuerberater macht diesen Grund allerdings zum praktisch wichtigsten von allen. Eigentlich Grund genug, schon aus Trotz gar nicht zu heiraten.

Wenn ich all diese Gründe aufsummiere, will ich eigentlich lieber heute als irgendwannmal™ heiraten. Der einzige Grund, der mich bisher davon abgehalten hat, ist die Schwierigkeit, das angemessene Ausmaß der Feier zu finden. Im Grunde kann man da nur verlieren, wenn man nicht der erste ist, der aus dem näheren Umfeld heiratet. Man hat etwa fünf grundsätzliche Optionen:

  1. Man lädt alle ein, die man irgendwie kennt. Da kommt schnell eine nicht ganz kleine dreistellige Zahl an Leuten zusammen, was so eine Hochzeit in organisatorische und vor allem finanzielle Dimensionen katapultiert, dass es einem den Magen umdreht. Vorteil ist ganz klar, dass niemand beleidigt ist, nicht eingeladen worden zu sein. Die Türken machen das angeblich so, aber bei denen ist jeder Gast traditionell ein Plusgeschäft, weil ein Hochzeitsgeschenk als Starthilfe fürs Leben gesehen wird und entsprechend ein ordentlicher Geldbetrag zusammen kommt.
  2. Man streicht so lange Leute heraus, mit denen man eigentlich gar nicht so viel zu tun hat, bis man bei ca. 70 Leuten ist. Damit wird man schon einer unangenehm großen Zahl an Leuten vor den Kopf stoßen, es ist trotzdem noch ziemlich teuer, aber wenigstens organisatorisch realistisch zu stemmen. Als Kompromiss die von den meisten Leuten in meinem Umfeld gewählte Variante.
  3. Man baut eine rigide Positivliste: (Nähere) Familie rein, nur enge Freunde rein, alle anderen raus. Da wird man auf unter 40 Leute kommen und kann vor allem zeigen nicht eingeladene Leute hier mehr Verständnis, weil die Abgrenzung klarer ist. Trotzdem sind es gerade die nur knapp herausgefallenen, die einem das dann besonders übel nehmen, vor allem, wenn man zuvor schon auf deren Hochzeit getanzt hat. Das Problem verschlimmert sich also mit jeder Hochzeit, auf die man eingeladen war, also bei Bildungsbürgern ab Ende 20 rapide. Ein echt guter Grund, lieber früher als später zu heiraten.
  4. Man macht gar keine Party, sondern lädt nur die nähere Familie und allerbeste Freunde ins Standesamt und danach in irgendein nahe gelegenes Restaurant ein. Das wird zwar lange Gesichter beim allen auslösen, auf deren Hochzeit man schon eingeladen war (Aha, Kleinsparer!), aber es ist eine günstige und saubere Lösung. Nachteil: Keine Party. Wenn man sich sein Leben auf die eigene Frau im Brautkleid gefreut hat, ist das ein bitterer Abstrich. Das Vorhaben, die Party irgendwann nachzuholen, zieht man als Atheist mangels Gelegenheit frühestens mit Anfang 50 durch, wenn einem das wieder einfällt, weil die Kinder aus dem Haus sind.
  5. Man heiratet heimlich. Das Äquivalent zur anonymen Bestattung als Asche unterm Baum oder auf hoher See. Irgendwie unbefriedigend und auch etwas feige aus der Affäre gezogen. Trotzdem denke ich ernsthaft darüber nach, denn wenn es eh schon keine Party gibt, kann man auch gleich heimlich heiraten. Billig, schnell und man stößt allen vor den Kopf, so dass sich exakt niemand zurückgesetzt fühlen kann. Andererseits will man das freudige Erlebnis ja schon mit irgendwem teilen können.
  6. Man kann auch Sonderformen wählen: Viele Gäste und alle bringen was zu Essen oder zu Trinken mit und der Raum ist günstig. Das ist ein Modell, das wenigstens das finanzielle Problem löst, allerdings den bisher noch gar nicht angesprochenen Stressfaktor noch etwas erhöht und zudem schnell mal einen muffigen Kalter-Hund-Charme versprüht.

Was also tun? Die Erwartungshaltungen sind kaum unter einen Hut zu bringen, ich kann also jeden verstehen, der davor kapituliert und einfach gar nicht heiratet. Ein attraktiver Ausweg. Andererseits bleibt das dauerhaft schale Gefühl, der halben Sachen. Nichts für mich, und schon mal gar nicht, wenn Kinder ins Spiel kommen. Darüber könnte ich noch mal so einen Text schreiben, irgendwannmal.

Ich tendiere ja zur nur-Familie-ins-Standesamt-mitnehmen-Lösung, das sind ja auch schon über 20 Leute, wenn es nur um Großeltern, Eltern, Geschwister und deren Kinder geht. Was schickes anziehen, Hochzeit durchziehen, lecker Essen gehen, Feierthema offen lassen, möglichst wenig Stress. Reicht eigentlich. Mehr Feier kann ich mir realistisch betrachtet auch auf mittlere Sicht sowieso nicht leisten, weil ich nicht das Glück habe, dass die Brauteltern die Hochzeit ausrichten. Und wenn man doch mal zu Geld kommt, kann man eine ordentliche Feier immer noch nachholen. Trotzdem schade, die Freunde von der eigenen Hochzeit auszuschließen. Und auch irgendwie schade um meine Jahre gereiften Ideen für eine Feier nach meinem Geschmack, also schade um die Cheeseburgerpyramide als Buffethöhepunkt. Und schade um den Kitsch, denn ein wenig gezielt dem Kitsch aussetzen ist erfrischend wie ein Eimer Eiswasser nach dem Saunabesuch. Ach alles scheiße…


Überraschung: Ein Aufruf pro Hausaufgaben

06 11 2011

Ich habe Hausaufgaben gehasst, von der ersten Klasse an, egal wir schnell erledigt, egal wie spaßig an sich gedacht. Dass man jeden Tag in die Schule muss und wenn man schon mal da ist halt auch das beste draus macht, konnte ich einsehen. Was heißt einsehen? Akzeptieren trifft es besser. Aber um 13:30 Uhr war dieser Teil des Tages für mich abgehakt und ich konnte mich Dingen widmen, die mich tatsächlich und ureigen interessiert haben. Hausaufgaben habe ich folglich immer als dreisten Übergriff des Schulaspekts im Leben wahrgenommen, den es unter allen Umständen zu vermeiden gilt. Das könnte damit zusammenhängen, dass ich während der Präsenzzeit in der Schule immer gut zugehört und mitgedacht habe und der Auffassung war, dass Hausaufgaben eine Strafe für die Typen wäre, die – warum auch immer – ihr Hirn in der Schule nicht einschalten können oder wollen und das folglich zu Hause nachholen müssen.

Hausaufgaben gingen mir also total am Arsch vorbei. Mit zwei Ausnahmen: Im Physik LK habe ich fast immer meine Hausaufgaben selbst gemacht, weil mir der Nutzwert der wirklich dringend nötigen Übung sonnenklar war (ansonsten hätte es zu einer 1 nicht gereicht, Ehrgeiz und so). Und weil der Lehrer mit Schülern schlimme Dinge angestellt hat, die keine Hausaufgaben gemacht oder wenigstens abgeschrieben hatten. Man musste etwa an die Tafel und die Aufgabe dort vor dem ganzen Kurs in Echtzeit nachholen. Wollte man definitiv nicht, glaubt es mir einfach.

Die andere Ausnahme war der Lateinunterricht in der 11. Klasse: Ich habe die Übersetzungs-Hausaufgaben immer mit einem Kumpel per Brute-Force-Attacke gelöst. Wir haben uns Montag nach der Schule getroffen, alle Vokabeln des Textes in drei Wörterbüchern nachgeschlagen, in eine Liste geschrieben und dann die Sätze nach wahrscheinlichster Sinnhaftigkeit zusammengesetzt. Das hat deswegen Spaß gemacht, weil wir zu zweit waren und immer möglichst absurde, aber eben noch irgendwie belegbare Übersetzungen ersonnen haben. Highlight: Wir haben mal die Milch männlicher Fische in einem Text verwendet, weil das tatsächlich in einem der drei Wörterbücher stand. Nebeneffekt 1 war, dass ich mein Latinum bei einem gestrengen Lehrer immerhin mit einer sauberen 3 abschließen konnte, was einer 1- in anderen Fächern gleich kam. Nebeneffekt 2 war aber auch nicht zu verachten: In der Oberstufe hatten wir einen ungeschriebenen Kodex, dass wir uns alle gegenseitig bestmöglich unterstützen. Und unsere freiwilligen Meldungen bei der Verlesung der Hausaufgaben hat für alle anderen im Kurs das Anfertigen der Hausaufgaben optional gemacht, denn es wurde niemand dran genommen, solange es Freiwillige gab. Gut fürs Kurs- und Stufenklima.

Darauf wollte ich aber gar nicht hinaus. Hausaufgaben habe ich also fast durchweg abgelehnt und tue es auch weitgehend heute noch. Einziger Zweck ist fast immer, Leuten eine zweite Chance einzuräumen, die im Unterricht nicht mitgedacht haben, also für die mit der richtigen Einstellung eine pure Schikane. Insgesamt also für im Unterricht fleißige Schüler wie mich rundweg abzulehnen. Anlässlich mehrerer Träume in Folge, die in der Schule spielten, habe ich aber noch mal darüber nachgedacht. Spannende Frage: Was wäre, wenn ich in der Schule keine Hausaufgaben gehabt hätte? Was wäre die Auswirkung gewesen?

Ohne Hausaufgaben hätte ich die lebenswichtige Fähigkeit nicht erlernt, lästige Aufgaben nur genau so weit zu erledigen, dass man nicht negativ auffällt. Diese Fähigkeit kann man gar nicht wichtig genug nehmen: Die Grundlast gut verteilen und möglichst unauffällig und wiederum arbeitsarm abzuschreiben, ein Gespür dafür entwickeln, wann ein vollständiges Ignorieren möglich ist. Dann aber wiederum bemerken wenn es drauf ankommt und im richtigen Moment das richtige Maß an Arbeit investieren. So in etwa lautet das Rezept für Hausaufgaben und das lässt sich im späteren Leben erstaunlich häufig anwenden, auch wenn es gar keine Hausaufgaben mehr gibt.

Ohne ständige Hausaufgaben, denen es aus dem Weg zu gehen gilt, hat man es später doppelt schwer. Also sind Hausaufgaben gar nicht durchweg scheiße, sondern im Gegenteil ein wichtiger Teil der Vorbereitung auf ein gutes Leben. So hatte ich das noch nie gesehen. Und dann gibt es in machen Fächern tatsächlich noch einen messbaren Übungseffekt. So schwer es mir also fällt, muss ich meine bisherige Einstellung widerrufen, ja gar fordern, dass Hausaufgaben aufgegeben werden. Sowas…


Keine Webcam

12 07 2011

Zuletzt angesichts von Google+Hangout frage ich mich immer wieder die gleiche Frage: Wieso habe ich eigentlich keine Webcam? Genau genommen habe ich ja eine Webcam, eine Phillips ToUCam aus den 90ern, die damals teuer war, weil sie Bewegtbild mit 640x480 verarbeiten konnte. Die liegt als Dauerleihgabe irgendwo rum, denn die produzierten Bilder sind derart schlecht, dass ich das wirklich niemandem zumuten mag.

Weil ich aber theoretisch eine Webcam habe und auch irgendwie nur sehr vereinzelt mal ernsthaft Bedarf für Webcam-Sex (oder was man sonst so mit Webcams macht) hatte, habe ich tatsächlich in den vergangenen 13 Jahren nie eine gute Webcam gekauft. Und ebenfalls seit 13 Jahren denke ich immer wieder, dass ich doch mal eine ordentliche Webcam kaufen sollte, vielleicht kommt der Appetit ja beim Essen oder so. Nur was für eine? Ich bin kein Freund von billigem Scheiß und will immer alle Features haben, aber 50-100€ für etwas ausgeben, das man eigentlich nicht braucht, ist dann auch etwas viel. Und dann ist auch noch die Auswahl groß. Was für ein Dilemma.


Von einem verkackten Schwimmbadbesuch

16 02 2011

Dienstag zur Feierabendzeit schwimmen gehen zu wollen, scheint grundsätzlich keine gute Idee zu sein, auf jeden Fall aber außerhalb der Schulferien im städtischen Hallenfreibad zu Benrath. Trotzdem sagte ich einer solchen Verabredung wider besserer Vorahnung zu. Das Unheil beginnt schon in der Herren-Sammelumkleide, die ich immer benutze, weil man sich in den Kabinen nicht mal umdrehen kann und ich zudem Ostseestrand-erprobt kein Problem mit Nacktheit habe. Doch diesmal werde ich dort mit der Anwesenheit eines Mädchens im Kindergartenalter konfrontiert. Was nun? In der Nähe von fremden kleinen Mädchen nackt zu sein, ist abseits von FKK-Ständen und -Vereinen zumeist mindestens unangemessen, zumindest fühle ich mich so nicht sonderlich wohl. Nackt in der Nähe von fremden kleinen Mädchen ohne erwachsene Begleitung angetroffen zu werden, denke ich spontan, bringt einen aber schon mal schnell in den Knast oder zumindest auf die Titelseiten der Boulevardzeitungen. Vielleicht auch nicht,sehr peinliche grundlegende situative Missverständnisse muss man ja nicht mutwillig herausfordern. Möglicherweise ist mein paranoides Verhalten übertrieben, aber das Ergebnis bleibt: Das Mädel treibt sich zwar in meiner Sammelumkleide rum und nicht umgekehrt, ich ziehe mich notgedrungen aber trotzdem in einer der wirklich beeindruckend engen Kabinen um und überlege eine Weile, ob meine überraschte Frage mit dem ungefähren Wortlaut Huch? So alleine? objektiv auch anders zu verstehen ist, als schokoladenonkelig. Dreck, ich muss diese Paranoia, allein mit fremden Kindern zu sein und damit verhängnisvolle Missverständnisse hervorzurufen, wirklich mal los werden. Woher das wohl kommt? Das war schon mit 14, als ich die Kindergruppe geleitet habe, sehr unangenehm und hat sich über die Jahre noch verschärft. Hoffentlich geht mir das nicht später mit eigenen Kindern auch so und ich werde so ein eigentümlich distanzierter Papa.

Diese Hürde genommen gelange ich in den Schwimmbereich, wo sich herausstellt, dass von den fünf Bahnen zwei für Kurse gesperrt sind und sich auf den restlichen drei Bahnen des 25m-Beckens satte 16 Schwimmer drängeln. Tendenz steigend, denn ich bin selbst mit dreieinhalb Schwimmern hier. Ich versuche mich mutig an vier Bahnen, gebe aber entnervt auf, weil ich keine drei Züge geradeaus oder wenigstens ohne Feindberührung schwimmen kann. Bis sich das legt, könnte ich mich im Springen üben, doch die Sprungbretter sind gesperrt und meine Badehose hat auch keine Kordel mehr. Ich könnte auch eine gemütliche Runde mit einem Elternteil samt mitgebrachtem Kleinkind im Pissbecken drehen, doch da ist die Hölle los. Kinder-Schwimmkurs. Der moderate Aufpreis für das Solebecken im Außenbereich lohnt sich auch nicht, weil es dunkel ist, kalt und regnerisch. Bleibt noch, frierend und sinnlos umher zu spazieren oder meine c't aus der Umkleide zu holen, auf den beheizten Bänken am Sportbecken einsam ein wenig zu lesen und zu hoffen, dass sich der Stau im Becken auflöst. Hatte ich erwähnt, dass ich ohnehin meine Schwimmbrille vergessen habe? Ich entscheide mich also für gehen.

So sieht also ein total verkackter Feierabend aus. Die 3,40€ für eine warme Dusche sind dabei nur moderat ärgerlich, die verballerte Zeit ist hingegen wirklich schmerzlich. Was hätte ich in der Zeit alles tun können? Ich hätte etwa zu einem möglicherweise fürs Geschäft interessanten Vortrag gehen können. Immerhin hatte ich so Zeit und Muße, einen kompletten Blogeintrag auf dem Handy zu verfassen und nur etwa die Hälfte des Textes in der Akku-Leer-Panik abzuspeichern.


Objektliebe Wasserkocher

31 10 2010

Mein Leben lang hatte ich es mit schlechten Wasserkochern zu tun. Der erste Wasserkocher meiner Eltern irgendwann in den 90ern hing noch fest an seinem Kabel und hatte eine ungemein schnell verkalkende Heizspirale. Im Grunde war das nicht mehr als ein Tauchsieder mit Gefäß drumrum, der zudem in Ermangelung nennenswerter Leistung nicht viel schneller war, als ein Wassertopf mit Deckel auf dem Elektro-Kochmuldenherd. Irgendwann gab es Wasserkocher mit verdeckter Heizspirale und etwas mehr Leistung, die man von ihrem Sockel abheben konnte. Die ersten Modelle krankten an der Fummeligkeit ihres Sockels, aber ein Fortschritt war da. Meine Eltern neigen leider dazu, bei solcherlei Gerätschaften immer nur die billige Variante zu kaufen, also gab es immer wieder fehlkonstruierte Scheiß-Wasserkocher. Zuletzt war das einer, aus dessen Deckel einem beim Ausgießen heißer Dampf über die Finger der haltenden Hand schoss, wenn man das Gerät oben am Griff anfasste. Den Deckel zur Befüllen einer zweiten Runde zu öffnen, war auch gerne mal von einem Schuss heißen, sich vom Deckel lösenden Kondensats begleitet. Lustiges Gerät.

Ich hatte dann irgendwann die Schnauze voll und kaufte bei Aldi einen hübschen 3000W Wasserkocher mit 1,7l Fassungsvermögen für 18€. Der sah gut aus, kochte schnell und kostete nicht die Welt, eine super Sache. Leider hatte ich kein Glück und das Ding war undicht. Ernsthaft: Ein nagelneuer Wasserkocher war nicht dicht. Also zurück damit. Inzwischen haben meine Eltern den Nachfolger des besagten Aldi-Kochers, der gut und dicht ist. Fein, Problem gelöst.

Nun zu mir. In der WG hatte ich einen Wasserkocher angeschafft, der irgendwie ebenfalls doof und vor allem recht schnell kaputt war. Ich hatte einfach kein Glück mit Wasserkochern. Zur Einweihungsparty in der aktuellen Wohnung schenkten mir die Kollegen aus dem T3Lab dann diesen Philips-Wasserkocher. Wenn man dieses Gerät benutzt, weiß man erst, dass Wasserkocher auch Spaß machen können. Das ist der Wasserkocher für den Technikfreund. Auf den ersten Blick leuchtet eine elektronische Steuerung nicht unbedingt ein, aber der erste grüne Tee mit recht genau 80 Grad heißem Wasser führt einem klar vor Augen, dass man gerade den Durchbruch in Sachen Wasserkocher vor sich stehen hat. Das Ding hat eine Temperaturvorwahl (40, 60, 80 und 100 Grad), die ziemlich gut funktioniert und die einem die Heißwasserbereitung für grünen Tee oder Wärmflaschen immens vereinfacht. Die Warmhaltefunktion ist sicher auch manchmal praktisch, ich habe sie aber tatsächlich in anderthalb Jahren nicht einmal benutzt. Das Ding hat aber nicht nur technische Gimmicks, es sieht auch noch brauchbar aus, kocht mit 2400W schnell genug, hat ein herausnehmbares Edelstahlgeflecht als Kalkfänger und verbrüht einen nicht mit irgendwelchen Deckelfehlkonstruktionen. Dass er piepst, wenn das Wasser fertig ist, erweist sich im täglichen Gebrauch übrigens ebenfalls als äußerst nützlich, gerade in Kombination mit der Temperaturvorwahl. Der einzige Wunsch, den ich an das Ding noch hätte, wäre etwas mehr Fassungsvermögen, denn 1l reicht zwar meistens für unseren Bedarf, aber eben nicht immer.

Also noch mal mein Dank an die Schenker. Ich erfreue mich tagtäglich daran und fühle mich wasserkochertechnisch endlich angekommen.

P.S. Ach ja, noch ein Tipp zur Erhöhung der Benutzbarkeit von Wasserkochern: Benutzt einen Wasserfilter. Ich habe unseren Wasserkocher trotz häufiger Benutzung über anderthalb Jahre noch nicht einmal entkalken müssen, sogar das Edelstahlgeflecht, das Kalk fangen soll, ist blitzeblank. Wer also nicht gerade in einer Gegend mit ohnehin kalkfreiem Wasser lebt, sollte die geringe Investition in einen Wasserfilter nicht scheuen und vor allem konsequent nur gefiltertes Wasser in seinen Wasserfilter lassen. Als Lohn winkt einem ein immer sauberer Wasserkocher, der nie entkalkt werden muss und deswegen schnell wie am ersten Tag bleibt, sowie schmackhafterer Tee ohne Kalkschicht oben drauf. Ohne die Kalkschicht oben auf dem Tee bleibt übrigens auch keine hartnäckige braune Kalkschicht in der leeren Tasse zurück, oder zumindest deutlich weniger, was das Spülen ebenfalls immens erleichtert. Die Patina in der Edelstahl-Teekanne ist ohne nennenswerten Kalkanteil übrigens auch viel gleichmäßiger und nicht so abstoßend. Kampf dem Kalk. Für das Wasser hier in Düsseldorf reichen die billigen dm-Wasserfilter übrigens locker aus, in Köln aber wohl bei weitem nicht, wie ich mir habe sagen lassen. Dort kommt man wegen des unfassbaren Kalkgehaltes im Wasser wohl nicht um gute Markenfilter herum.

P.P.S. So ein Wasserkocher ist übrigens nicht zu unterschätzen, was die Leistungsaufnahme angeht. Wenn da 3000W als Nennleistung angegeben sind, nähert man sich den 16A der Hausabsicherung schon recht stark (230V*16A sind nur 3680W, die man aus einer Haushaltssteckdose ziehen darf). Also Vorsicht im Umgang mit solchen Geräten, gerade wenn sie billig waren. Vor allem Vorsicht, wenn man sie über Verlängerungskabel, billige Mehrfachsteckdosen oder parallel an einer Sicherung mit anderen starken Verbrauchern betreibt. Ein 3000W Wasserkocher und eine Mikrowelle oder ein Toaster im gleichen Mehrfachstecker sollten die Sicherung hoffentlich bereits auslösen. Aber verlassen würde ich mich da nicht drauf, gerade in Wohnungen mit fragwürdiger Elektroinstallation.


100.000km Honda Jazz

17 03 2010

Mein eisblau-metallic-farbener Honda Jazz wird dieses Jahr 8 Jahre alt und hat gerade 100.000km hinter sich gebracht, Zeit also für ein kleines Resumé. Die Tankauswertung von 2007 stimmt in etwa auch weiterhin, die aktuellen Zahlen sind folgende: 5,8l/100km (ungewichtet gemittelter vom Bordcomputer abgelesener) Durchschnittsverbrauch bei überwiegend Kurzstrecken und Stadtverkehr, 90-120km/h auf der Autobahn, allgemein niedertouriger Fahrweise und bei etwa 20-30% Klimaanlageneinsatz. 7% der Laufleistung habe ich nicht vollständig erfasst, der Fehler ist aber geringer, weil ich häufig nur die gefahrenen Kilometer nicht erfasst habe, den Tankwert aber schon. Das Versprechen von 5,7l auf 100km wurde also durchaus eingehalten, gute Verbrauchwerte also.

Schäden hatte ich in all den Jahren lediglich einen: Der Kabelzug der Heizungsregelung war irgendwann einmal abgesprungen und musste für ein paar Euro neu eingehängt und justiert werden. Dann hat mir der Honda-Techniker vor anderthalb Jahren bei der Inspektion gesagt, dass der Kompressor der Klimaanlage ungesunde Geräusche macht und wohl demnächst ausfallen würde. Ein Austausch kostet zwischen 1000 und 1300€, also bin ich ganz froh, dass der Ausfall noch immer auf sich warten lässt. Dann leuchtete irgendwann einmal die Motorkontrolleuchte, was sofort mit einem Diagnosecomputer ausgelesen und abgeschaltet und bei der nächsten Inspektion ein paar Wochen später durch Justage der Motorsteuerung gefixt wurde. Das war wohl auch die Ursache für das Stottern bei niedrigen Drehzahlen unter wenig Last gewesen, das danach verschwunden war. Ansonsten ist der Wagen einmal jährlich bei der Inspektion gewesen, wo nach Bedarf TÜV/ASU gemacht wird und Bremsklötze, Öl und andere Flüssigkeiten, sowie der Pollenfilter der Klimaanlage und andere Verschleißteile gewechselt werden; das kostet so zwischen 150 und 300€. Zusammen mit einem Satz Reifen für 330€ vor ein paar Jahren sind das erfreulich geringe Betriebskosten und vor allem wenig Sorgen und Probleme gewesen. Mein Honda-Händler ist zudem sehr nett und bemerkenswert problemfrei. Sehr gut.

Die Fahrleistungen sind mit 83PS durchaus ausreichend, man kommt sich fast nie untermotorisiert vor. Also vollbepackt und mit Klimaanlage muss man den Jazz durchaus auch mal etwas hochtouriger fahren und Ampelrennen wird man auch eher selten gewinnen. Aber wie mit einem Opel Corsa auf Teneriffa im ersten Gang die Berge hochschleichen muss man mit dem Jazz wirklich nicht und im vierten Gang auf der Autobahn wird man Jazz-Fahrer auch eher selten antreffen.

Der Fahrkomfort ist einem Kleinwagen durchaus angemessen. Mein Jazz stammt aus der ersten nach Deutschland gelieferten Serie von 2002, die noch reichlich hart abgestimmt war und angeblich ein Rostproblem hat. Von Rost ist bei mir keine Spur und die harte Abstimmung finde ich durchaus sportlich. Neuere Baujahre ab 2003 sind wohl deutlich komfortabler gefedert, die neuen Modelle haben als Ausgleich auch ESP an Bord. Meiner hat das nicht, fährt sich aber auch völlig unkritisch. Die geringe Länge von 3,83m (deutlich weniger als ein Polo von 2002) ist trotz kleinem Wendekreis beim Einparken aber nicht wirklich vorteilhaft nutzbar, weil man den Wagen überhaupt nicht einschätzen kann; hinten nicht, aber auch vorne nicht, weil die Schnauze unglaublich kurz ist. Sowieso fühlt man sich innen wie in einem um ein paar Plätze geschrumpften Familienvan. Die Einparkhilfe bei neuen Modellen gibt es leider nur für hinten und nur bei teureren Modellen, trotzdem ein wichtiges Extra.

Apropos Kosten: Für einen Kleinwagen ist der Jazz auf den ersten Blick reichlich teuer. Die 10.000€ Basisversion ist sehr dürftig ausgestattet, mit allen Extras landet man bequem bei 20.000 und mehr Euro. Das klingt teuer, aber gemessen an der Ausstattung und an vergleichbaren Autos ist das gar nicht mal so viel. Man kann einen Jazz eben nicht mit einem Opel Corsa, einem Peugeot 207, einem Daihatsu oder ähnlichen Fahrzeugen vergleichen, sondern eher mit einem VW Polo. Ein klassischer Kleinwagen ist der Jazz wirklich nicht, die Geräumigkeit im Innenraum spielt locker in der Kompaktklasse von Golf und Co. mit, der Kofferraum ist sogar größer als im aktuellen Golf. Und das Killerfeature ist sogar auch nach acht Jahren noch einzigartig: Die genial simple und unfassbar praktische Rückbank ist der Hammer. Ich bin immer noch geflasht, wenn ich mit zwei Handgriffen mit nur einer Hand die Rückbank versenke und einen unglaublichen Laderaum hervorzaubere. Auch die Möglichkeit, kleinere Gepäckstücke unter den Rücksitzen zu platzieren hat uns schon den ein oder anderen Urlaub vereinfacht. Man kann also durchaus bequem zu viert unterwegs sein, wobei hier ganz klar hintere Boxen eingebaut werden sollten. Mit 160€ ist das nicht wirklich teuer und ich frage mich, wieso ich das erst nach fast acht Jahren habe machen lassen. An dem gemessen, was man für sein Geld bekommt und gemessen an den insgesamt über die Jahre angefallenen Betriebskosten, ist der Jazz alles andere als teuer, was auch den geradezu unfassbar hohen Preis auf dem Gebrauchtmarkt erklärt.

Kurzum: Der Honda Jazz ist insgesamt ein geniales Auto und verkauft sich laut meinem Honda-Händler fast von selbst. Werben muss Honda jedenfalls fast nicht und für den Seltenheitswert der Marke Honda auf deutschen Straßen sieht man erstaunlich viele Jazz herumfahren. Leider sind gefühlte 80% dieser Fahrzeuge in der Farbe Eisblau-metallic verkauft worden, was das Wiederfinden des eigenen Fahrzeugs im Parkgewirr nicht gerade leichter macht. Apropos Äußerlichkeiten: Ich finde den Jazz nicht wirklich schön, das aktuelle Modell erst recht nicht; aber er ist auch nicht hässlich, immerhin. Wer ein wirklich schönes Auto haben will, muss etwas anderes kaufen oder zumindest eine schönere Farbe wählen: In Schwarz etwa sieht der Jazz sogar wirklich fesch aus.

Ich vermisse übrigens auch etwas an meinem Jazz: Für das alte Modell gab es kein Tempomat, was ich wirklich bitter finde, hätte ich sowas doch wirklich gerne gehabt. Das Radio meines Modells bot leider auch keine Möglichkeit, Musik aus externen Quellen zu beziehen. Mit dem Klang war ich immer zufrieden, aber immer Audio-CDs brennen zu müssen oder den rauschenden FM-Transmitter von meinem TomTom zu benutzen, hat mich immer sehr gestört. Das neue Modell gibt es mit MP3-Wiedergabe, USB-Anschluss und Bluetooth-Freisprechen, das Problem ist also inzwischen behoben. Ich habe meinem Jazz gestern zum 100.000km Jubiläum ein neues Radio von Alpine mit Bluetooth-Freispreche und Bluetooth-Audioübertragung spendiert. Dafür musste erst ein DIN-Schacht besorgt und eingebaut werden, was den Umbau immens verteuert hat: 480€ für alles ist ein happiger Preis, aber der Gewinn beim Sound ist wirklich großartig. Das hätte ich gar nicht gedacht, weil ich die Boxen gar nicht ausgetauscht habe und das eingebaute Radio nie für so schlecht gehalten hatte. Weit gefehlt, der Car-Audio-Spezialist hat mir nicht zu viel versprochen: Ein Alpine-Radio holt auch aus mäßigen Boxen noch einiges raus und der Bluetooth-Kram funktionierte auf Anhieb inkl. Zugriff auf das Telefonbuch meines Windows-Mobile Handys. Wow.

Ach ja: Der Test des aktuellen Modells in der F.A.Z. ist übrigens durchaus lesenswert. Wobei ich mich über deren horrenden Benzinverbrauch wundere.


Oops, Rollcontainerunfall

18 01 2010

Unser Plus gegenüber wird gerade umgebaut. Wahrscheinlich wird ein Netto City daraus, wie auch aus dem Plus in der Hoffeldstraße, der dadurch ganz klar sehr gewonnen hat. Auch wenn ich Netto nicht mag, Fortschritt schadet nicht und unser Plus wird hoffentlich auch besser. Ich war übrigens, seit der Rewe vor ein paar Wochen aufgemacht hat, nur ein einziges mal bei Plus, auch wenn er inzwischen auch bis 22:00 Uhr auf hat. Das wollte ich aber gar nicht erzählen, sondern Euch folgendes Foto zeigen:

Ein Rollcontainer fiel vom Lastwagen und begrub ein Auto unter sich Oops, Rollcontainerunfall. Wär das mein Auto, wäre ich durchaus angefressen.