Warum der Pornomodus von Opera momentan nichts taugt

03 03 2010

Opera 10.50 wurde gestern veröffentlicht und bringt neben einem echten Geschwindigkeitsschub und endlich einer Windows 7 angemessenen modernen Optik auch den von mir schon lange vermissten Pornomodus mit. Nur leider ist der derart blöd eingebunden, dass er quasi wertlos ist.

Es fängt damit an, dass man den Modus dank fehlenden Tastenkürzels umständlich aus der zweiten Menüebene oder dem Kontextmenü der Tableiste hervorkramen muss. Was zur Hölle soll das? Nun gut, sicher kann man den Privatmodus an bestimmte Bookmarks binden… Kram, such, kann man nicht. Dreck. Dann hat Opera ja auch die super geniale Funktion der Seitenspezifischen Einstellungen, da kann man sicher den Privatmodus für einzelne Seiten aktivieren… Nope, auch hier nichts vom Privatmodus zu sehen. Nun gut, dann mache ich eben so einen privaten Tab auf und rufe dann die entsprechenden Bookmarks auf. Hab ich gedacht, ganz bauernschlau. Doch weit gefehlt: Das Aufrufen von Bookmarks öffnet einen neuen Tab im Standardmodus. Nicht mal das Kontextmenü von Lesezeichen im Panel bietet das Öffnen im Privatmodus an.

Zusammenfassend muss ich leider sagen, dass der Privatmodus wirklich denkbar schlecht implementiert wurde: Es ist unter keinen simplen Umständen möglich, Bookmarks im Privatmodus auszurufen und wenn der Privatmodus in der zweiten Menüebene ohne Tastenkürzel dahinschimmelt, wird ihn auch niemand regelmäßig aktivieren. Als einzige Möglichkeit bleibt, ein zweites Opera-Fenster im Privatmodus zu öffnen, in dem man dann auch Bookmarks aufrufen kann. Das geht sogar mit einem Tastenkürzel, immerhin.

Warum nur, Opera? Es ist ja nicht so, als hätten nicht alle anderen Browser bessere Implementierungen dieser Idee parat. Seid ihr zu stolz, von anderen abzugucken? Warum so halbherzig? Schaut euch mal den Firefox an, dessen Privatsphäreeinstellungen sind bestechend simpel, sogar rückwirkend kann man hier gezielt einzelne Seiten oder Zeiträume aus der History kicken. Eure Seitenspezifischen Einstellungen sind so ein großartiger und von mir oft genutzter Ansatz, warum taucht der Pornomodus hier nicht auf?

Randbemerkung: Es ist für mich kein Widerspruch, Bookmarks und Privatmodus gleichzeitig nutzen zu wollen. Ob eine detaillierte Porno-History angelegt wird, die zudem auch noch andere Seiten aus der Autovervollständigung verdrängt und vor allem auch dort auftaucht, wenn einem Leute über die Schulter sehen, oder ob man nur ein Bookmark in den Lesezeichen liegen hat, ist für mich ein zentraler Unterschied. Vor mir selber habe ich nichts zu verbergen, der Pornomodus ist also für mich lediglich eine Komfortfunktion zur History- und Cookie-Hygiene. Ich würde also erwarten, dass bei den Seitenspezifischen Einstellungen (oder im Bookmark) der Pornomodus wählbar ist, dieser in den Tabs klar gekennzeichnet ist und sich vor allem auch auf die darin verlinkten Seiten auswirkt.

Und wo wir gerade beim Thema Opera und Lästigkeiten sind:

  • Warum kann ich die Mausgeste für einen neuen Tab nicht mehr benutzen, wenn alle Tabs minimiert sind und ich den grauen Hintergrund sehe? Bisher ging das immer, jetzt muss ich hier einen Doppelklick machen. Kleine Umgewöhnung, halb so wild, aber überflüssig und inkonsistent. Ein Doppelklick in einen bestehenden öffnet ja auch keinen neuen Tab, dafür gibt es ja die Geste.
  • Lästiger ist, dass man noch immer nicht die Reihenfolge der Symbolleisten ändern kann: Ich habe die Tableiste und die Persönliche Leiste oben positioniert; das sorgt leider dafür, dass der coole neue O-Button nicht im Fensterrand hängt, sondern links von den Tabs. Ich hätte also gerne die Persönliche Leiste (Bookmarks) unter den Tabs oder wenigstens den coolen O-Button trotzdem im Fensterrand. Warum geht das nicht?
  • Warum gibt es beim neuen und an sich sehr gelungenen Standard-Skin allerlei unfassbare Farben als Farbschema, aber keine neutrale dunkle Farbe? Das System-Farbschema ist schon OK, aber grau und ein weißer Hintergrund im Schnellstarter sind keine wirklich erfreulichen Gesellen.
  • Warum gibt es keinen Feeds-Button für die Symbolleiste? Einen Lesezeichen-Button gibt es ja auch und ohne Menüleiste braucht man irgendwie einen direkten Zugang zu den Feeds. Klar, man kann sich im Netz benutzerdefinierte Buttons besorgen, so einen habe ich ja auch, aber der ist kleiner als der Lesezeichen-Button und fällt total aus dem Rahmen.
  • Der eingebaute Torrent-Client schnappt sich bei ein paar aktiven Torrents gerne mal die gesamte zur Verfügung stehende Bandbreite, so dass man parallel nicht mal mehr normale Websites aufrufen kann. Das muss man bei 50/10MBit VDSL erst mal schaffen.

So, genug gemeckert. Opera ist nämlich für mich immer noch der beste Browser von allen. Chrome gefällt mir auch sehr gut und in Zukunft will Google auch auf die eindeutige ID verzichten, wie ich gehört habe. Mit der neu hinzugekommenen Extension-Schnittstelle und seiner Smoothness ist er ein heißer Kandidat für den besten Browser. Firefox ist nachwievor (unter Windows und Linux) großartig und ich benutze ihn ebenfalls intensiv, wenn ich auch aus Gründen der Smoothness und aus Gewohnheit für das alltägliche Surfen seit nunmehr etwa 11 Jahren ununterbrochen Opera nutze. Safari ist inzwischen auch ein prima Browser, aber unter Windows eher überflüssig und vor allem gibt es ihn nicht als portable Version, was für mich als Webentwickler ziemlich bitter ist.

Nachtrag 09.03.2010: Wenn man in der Adresszeile opera:config eingibt, kommt man in einen erweiterten Config-Dialog, ähnlich wie bei Thunderbird und Firefox. Dort kann man so einige Nervigkeiten von Opera loswerden, etwa den Bandbreitenhunger für Torrents oder die Tab-Integration in der Windows 7 Taskleiste. Immerhin.


Der JMStV und der Netzzensur-Wahnsinn 2.0

16 02 2010

Sachliche Kritik ist sinnvoller als plumpe Polemik. Dennoch ist festzustellen, dass schon bei Zensursula Polemik weder geschadet hat noch Sachlichkeit irgendetwas brachte.

Dieser Satz stammt aus diesem Blogeintrag von Jörg Tauss zum JMStV und ist gleichzeitig kraftvoll und unglaublich wahr. Traurige Welt. Also zum Thema: Schon vor ein paar Wochen hatte der 1&1-Blog unter dem Titel Das Ende der freien Kommunikation im Internet? auf die drohende Zensur durch die Hintertür in Form des Jugendschutzes hingewiesen. Doch die wirkliche Resonanz blieb aus: Zu skurril und abwegig waren die Inhalte dieses Staatsvertrages. Feste Sendezeiten für Internetseiten, obligatorische Sperrung aller Websites, die den deutschen Bestimmungen zum Jugendschutz nicht entsprechen, also quasi 99,9% des Internets. Also nix mehr mit Westfernsehen und so. Auch die Haftung für Zugangsprovider für die Inhalte ihrer Kunden ist eine irre Idee, führt sie doch die Realität völlig ad absurdum. Krude Vorstellung, man lacht kurz und blättert weiter. Doch leider ist das alles ernst gemeint, die Länder sind gerade drauf und dran diesen oder einen ähnlichen Unsinn zu verabschieden. Ein wenig Aufmerksamkeit schadet da nicht. Also nicht stumpf über den (wie es aussieht) Pyrrhussieg über Zensursula freuen, sondern besser die Realität bemerken.

Ich möchte gar nicht viel zu dem Thema schreiben und habe mehrere bereits geschriebene Absätze wieder gelöscht. Der Entwurf ist so abwegig, dass ich an eine Umsetzung beim besten Willen nicht glauben mag. Trotzdem muss man das Thema im Auge behalten. Die oben verlinkten Artikel sind schon mal gute Ansatzpunkte, der AK-Zensur hat natürlich auch schon was dazu gesagt. Einfach mal lesen und staunen. Demnächst ist Landtagswahl in NRW, ich bin gespannt, wie sich die Parteien hierzu positionieren. Die SPD ist mit Beck übrigens Federführend bei dem Unsinn und die anderen Parteien halten sich bemerkenswert bedeckt zum Thema.

P.S. Auf die Piraten würde ich zur Zeit keine Hoffnung setzen, die haben zur Zeit genug Probleme u.a. mit Leuten wie Aaron König in der Parteiführung.


Oops, Rollcontainerunfall

18 01 2010

Unser Plus gegenüber wird gerade umgebaut. Wahrscheinlich wird ein Netto City daraus, wie auch aus dem Plus in der Hoffeldstraße, der dadurch ganz klar sehr gewonnen hat. Auch wenn ich Netto nicht mag, Fortschritt schadet nicht und unser Plus wird hoffentlich auch besser. Ich war übrigens, seit der Rewe vor ein paar Wochen aufgemacht hat, nur ein einziges mal bei Plus, auch wenn er inzwischen auch bis 22:00 Uhr auf hat. Das wollte ich aber gar nicht erzählen, sondern Euch folgendes Foto zeigen:

Ein Rollcontainer fiel vom Lastwagen und begrub ein Auto unter sich Oops, Rollcontainerunfall. Wär das mein Auto, wäre ich durchaus angefressen.


Arme Blockwart-Würste

05 12 2009

Fefe benutzt im Kontext der Wikipedia-Relevanz-Farce immer wieder den Begiff Blockwart, der es wirklich gut trifft. Elende Spaßbremsen, die mit irgendwelchen streng ausgelegten Regeln im Rücken gegen das Böse in Form von unerträglichen Regelverstößen kämpfen. Ein Musterbeispiel ist Knöllchen-Horst, der Querulant von Osterode, dessen Hobby es ist, Falschparker und andere Staatsfeinde anzuzeigen und der es mit einer Anzeige gegen einen falsch parkenden Rettungshubschrauber irgendwann überreizt und es damit in die überregionale Presse geschafft hat. Was für eine arme Wurst.

Schöne Story jedenfalls, die mich an ein Erlebnis vor vielen Jahren erinnert hat: Rügen, Sommerurlaub auf dem autofreien Campingplatz. Ich habe das Auto vom Parkplatz geholt und bin nahestmöglich an den Waldweg herangefahren, der vom Campingplatz kommt. Dort habe ich wenige Minuten auf meinen Vater gewartet, der aus irgendeinem Grund schlecht zu Fuß war. Nahestmöglich bedeutet, dass ich bis an das "Verbot für Fahrzeuge aller Art" herangefahren war und das Auto weiterhin am Steuer sitzend am Straßenrand abgestellt hatte. Vor mir, also hinter dem Schild stand noch ein weiteres Auto. Wenige Sekunden später hielt hinter mir ein Pick-Up, der im Gegensatz zu mir die Straßensituation jetzt doch deutlich verengte. Es stieg ein Rentner aus, zückte seine Digitalkamera und fotografierte mich, den Wagen, in dem ich saß inkl. Nummernschild und den Wagen, der vor mir stand. Dann klopfte er an meine Scheibe und wies mich eingeschränkt freundlich darauf hin, dass wir, also der andere Wagen und ich, hier nicht stehen dürften, weil da ja ein "Verbot für Fahrzeuge aller Art" Schild stünde, das wär ja wohl sonnenklar und er hätte Beweisfotos angefertigt und würde uns anzeigen, wenn wir nicht sofort verschwinden würden. Ich war etwas verdattert, guckte mich kurz um und wies ihn dann darauf hin, dass der andere Wagen, wie leicht am Nummernschild zu erkennen, offensichtlich nicht zu mir gehört. Zudem stünde ich ja auch irgendwie recht offensichtlich vor und nicht hinter dem "Verbot für Fahrzeuge aller Art" Schild und zuletzt würde ich hier im Gegensatz zu ihm gerade niemanden blockieren und falls doch, ja im Wagen sitzen, um im Zweifel Platz zu machen. Ganz offensichtlich warte ich ja hier auf jemanden, denn aus Jux und Dollerei würde ich an dieser Ecke sicher nicht rumstehen. Keine Ahnung, was ich genau gesagt habe, aber inhaltlich kommt das hin. Wie denkt ihr, hat der Typ darauf reagiert? Richtig! Er hat gebrummt, dass ich hier trotzdem nicht stehen dürfe (was ich mangels so auslegbarer Beschilderung nicht so sah) und hat sich verzogen. Meinem ersten Impuls, dem Typen hinterher zu fahren und ihn in der nächsten gefährlichen Kurve (die es dort gar nicht gibt) abzudrängen, habe ich nicht nachgegeben. Mich hätte aber schon interessiert, was das für ein Menschenschlag ist, wo und wie so jemand wohnt und all das. Sicher war der seinerzeit Stasi-Spitzel für die gesamte Nachbarschaft. Ich hätte ihn vielleicht auf ein, zwei Herrengedecke in der einzigen Kneipe am Ort einladen sollen, ein interessantes Quellengespräch führen und ihn dann wegen Fahren unter Alkoholeinflusses anzeigen sollen.

Die Moral von der Geschicht: Hilfspolizisten und Blockwarte gibt es überall und nie, absolut nie machen sie Spaß. Insgeheim träumen die sicher von spannenden Kriminalfällen, die sie wie Kalle Blomquist meisterdetektivisch aufklären können. Bis dahin zeigen sie jeden Falschparker an, nicht nur die, die wirklich asozial jemanden (oder auch mal ganze Straßenbahntrassen) blockieren. Und gehen damit jedem Sachbearbeiter und sonstwie juristisch beteiligten auf den Sack und halten sie von ihrer Arbeit ab. Ob so Typen so werden, weil sie in der Schule schon immer alle verpetzt haben und dafür angemessen gemobbt wurden? Und bei manchen wirkt das nicht heilsam, sondern bestätigt sie darin, das Richtige zu tun? Eine mögliche Erklärung liefern die Beginner.


Es muss weh tun, aber so richtig!

02 09 2009

Der Sportartikelhersteller JAKO ist plötzlich in aller Munde. Binnen 48 Stunden erlangt die Marke die traurige Berühmtheit, die dreisteste und unangemessenste Blogger-Abmahnung weit und breit verbrochen zu haben. Die Ausgangslage gibts als Kurzfassung im Wikipedia-Eintrag zu JAKO (vorsicht: Edit-War) und eine wirklich gute Zusammenfassung des Falls liefert Thomas Knüwer im Handelsblatt.

Es ging richtig los, als ein recht gut gelesener Blog die Story aufgreift und sich die Story über Twitter innerhalb weniger Stunden durch die ganze deutsche Bloglandschaft verbreitet, wie ein Lauffeuer. Blogger reagieren extrem empfindlich auf solche Storys, weil solche Willkür jederzeit auch sie treffen kann. Und diese Variante ist neu und macht einfach nur sprachlos in ihrer realitätsverneinenden Dreistigkeit. Das ist eine neue Stufe im Abmahnwahn. Natürlich solidarisiert man sich spontan, regt sich unheimlich auf. Tags drauf erreicht die Story Spiegel Online und andere Medien (etwa heise.de oder HORIZONT.NET), das Agenda Setting von Twitter und den Blogs funktioniert inzwischen recht gut. Man spricht von einem PR-GAU erster Kajüte. Und ja, das ist es allerdings, und zwar zu Recht!

Jedes Unternehmen, das meint, in einer derartigen Form auftreten zu können, muss bluten. Es muss weh tun. Es muss ein abschreckendes Beispiel abgeben, dass sich so ein Mist nicht lohnt, sondern zu einem Bumerang schrecklichen Ausmaßes wird. Ich warte auf ein Unternehmen, dessen Untergang auf so einem Scheiß basiert und dessen Fall die PR- und Unternehmensführungsliteraur schmückt. In meinem Studium kam Unternehmensethik durchaus vor und auch der Umgang mit Kritik: Nestlé war mit seinem Milchpulver-Skandal ein Beispiel und Shell mit der Brent Spar, die Sache ist also nichts neues. Wirkt sich das in der Praxis aus? Nein. Die ganzen Business Kasper müssen eingebleut bekommen, wie man sich unternehmensethisch korrekt verhält. Im Internet scheint das noch nicht bei allzu vielen angekommen zu sein. Das, was JAKO da rausgehauen hat ist derart mustergültig asozial und falsch, dass es brummt. Ich kann wirklich nur hoffen, dass JAKO diesen Skandal auch zahlenmäßig operationalisiert aufs Brot geschmiert bekommt. Nur harte Zahlen können wirklich etwas bewegen bei ahnungslosen Entscheidern.

Aus der Geschichte lassen sich zwei Forderungen ableiten: Zum einen sehe ich eine Teilschuld ganz klar beim schief hängenden Instrument der Abmahnung. Was spricht dagegen, wie in England eine vorherige kostenfreie Anfrage bezüglich der Entfernung des Abmahngegenstandes vorzuschreiben? Ein einfacher Anruf oder eine simple E-Mail würde reichen, um die meisten Streitereien im Keim zu ersticken, schnell und unbürokratisch. Eine Abmahnung kann man immer noch raushauen, wenn das nicht fruchtet. Die zweite Forderung kommt ins Spiel, wenn die Rechtslage so bleibt: Es gibt Bedarf für ein allgemeines Verzeichnis zu Unrecht oder übertrieben abmahnender Unternehmen. Ein Zentralregister für Rechtsmittelmissbrauch quasi. Das Instrument Abmahnung ist ja mit Absicht so aufgebaut, wie es ist. Dass es derart massenhaft und haarsträubend missbraucht wird, ist ein recht neues Problem und ist mit dem Internet ins Spiel gekommen. Und das funktioniert nur, weil plötzlich Unternehmen mit Rechtsabteilung gegen leicht einzuschüchterne Bürger antreten. Da ist viel zu holen. Ein prima Thema also für die Piratenpartei, denn die etablierten Parteien kümmern sich schon seit Jahren nur halbherzig oder gar nicht um das Thema.

P.S. Natürlich hat JAKO sich auch noch einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt für seine Aktion ausgesucht: Die Netzaktivistenszene hat sich gerade erst schlagfertig aufgebaut für einen Kampf gegen all diesen Mist, die Stimmung ist nicht zuletzt wegen des Wahlkampfes extrem aufgeheizt, die Multiplikatormaschine läuft auf Hochtouren. Und dann kommt da so ein Unternehmen angestolpert, gerät volles Rohr in diese Maschine und bekommt all den grassierenden Unmut stellvertretend für die CDU volle Breitseite ab. Gegen einen deutlichen Wahlsieg der Internetausdrucker wird man nicht viel ausrichten können, aber die dafür in Stellung gebrachte Kampfkraft kann man ja mal am nächstbesten Unternehmen ausprobieren, das es sich verdient hat. Hätte JAKO die Nummer vor einem Jahr gebracht, wäre die Sache sicher anders ausgegangen.

Nachtrag 03.09.2009: Im Wikipedia-Eintrag herrscht gerade ein Edit-War über den Eintrag, deswegen gibts die schöne Kurzfassung vielleicht gerade nicht. Langfristig wird sie aber drin stehen, deswegen bleibt der Link.

Nachtrag 04.09.2009: JAKO hat inzwischen eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der man einräumt überreagiert zu haben. Kein Wort zur haarsträubenden Rechtsauffassung, die im Anwaltsschreiben sehr klar formuliert war (siehe Urprungseintrag auf allesaussersport.de), weiter spricht man in scheinbar leicht beleidigtem Ton:

Ohne die endgültige Klärung des Sachverhalts unter den Rechtsanwälten abzuwarten, alarmierte Baade daraufhin die Bloggerszene.[…]

Wir haben uns rein rechtlich überhaupt nichts vorzuwerfen, betont Rudi Sprügel, aber rückblickend betrachtet, wäre es viel besser gewesen, wir hätten mit Herrn Baade persönlich Kontakt aufgenommen und die Sache mit ihm direkt geklärt. Sprügel bedauert, dass sich die Auseinandersetzung unnötigerweise so aufgeschaukelt hat.

Ein echtes Mea Culpa sieht anders aus, aber was will man von einer Pressemitteilung anderes erwarten. Der ganze Text versucht krampfhaft, JAKO in der Sache noch halbwegs gut aussehen zu lassen. Wo ist das Signal, dass Jako und seine Rechtsberater in Zukunft vorher nachdenken und nicht nachher? Ich bin mir sicher, dass beide Seiten aus dieser unerfreulichen Geschichte gelernt haben. ist zu schwammig. Was hat JAKO aus der Sache gelernt? Sieht man ein, dass Abmahnungen der falsche Weg sind, mit Kritik umzugehen? Dass man sich einfach melden könnte und solche Sachen gütlich klären oder eben auch mal Kritik, auch unsachliche, einfach hinnehmen? Immerhin räumt man ein, dass die zweite Eskalationsstufe überreagiert war. Der Chef will sich zudem dafür einsetzen (nur einsetzen?), dass Trainer Baade keine finanziellen Nachteile erwachsen und lädt ihn zu einem Gespräch in die Firmenzentrale ein. Mir reicht das nicht für eine volle Rehabilitation. Diese Reaktion ist wirklich nur das mindeste, was JAKO tun konnte, damit es nicht noch schlimmer wird; um das Image zu reparieren, wäre aber mehr nötig. In der Uni lernt man zum Thema Krisen-PR recht klare Anweisungen, daran sollte sich auch JAKO halten. Kurz gesagt: Man geht offen auf die Kritiker zu, redet Klartext, räumt berechtigte Kritik in vollem Umfang ein, verspricht für die Zukunft Besserung im Sinne von Besserung und nicht nur "kommt nicht nochmal vor, ihr Spackos". Welche konkreten Maßnahmen hat das Unternehmen eingeleitet, um den Dialog mit den Kunden zu verbessern? Vielleicht verspricht man sogar, in Zukunft an der Diskussion teilzunehmen statt sie unterdrücken zu wollen. Und vielleicht tut man das sogar auch noch und stellt einen Community-Manager ein, der kein PRler ist, sondern eben ein Community-Manager. So kann man den Vorfall sogar ins Positive drehen, das geläuterte Unternehmen. Nur muss man das auch tun und nicht nur versprechen, sonst wird jemand garantiert die Aussagen in einem Jahr noch mal auf den Tisch holen und überprüfen. Im Übrigen ist ein Community-Manager sowieso keine schlechte Idee, auch ohne Krise. Der Community-Manager sucht Diskussionen über JAKO im Netz und klinkt sich ein, wo Kritik oder Wünsche geäußert werden. Das tut er offen als Firmenmitarbeiter und bietet Lösungen auf dem kleinen Dienstweg an. Fußballclubs haben selbstverständlich Fanbetreuer, der Community-Manager ist sowas ähnliches, nur eben für die Kunden und im Internet.


Ein gutes Beispiel, warum die Zeit von Windows Mobile vorbei ist

21 08 2009

Screenshot Wecker Windows Mobile 6.1 Vor ein paar Wochen habe ich schonmal einen Beitrag geschrieben, warum die Zeit von Windows Mobile und Symbian OS abgelaufen ist, heute liefere ich einen Screenshot nach, der das sehr schön bildlich unterstreicht: Es handelt sich um das Wecker-Einstellungsmenü von Windows Mobile 6.1 auf meinem HTC Touch HD, der einen riesigen Bildschirm mit einer Auflösung von 800x480 Pixeln besitzt. Eigentlich also genug Platz für hübsche Bedienelemente, die man mit dem Finger nutzen kann. HTC hat viele eigene Menüs, auf die das zutrifft, hat aber eben nicht alle Funktionen durch eigene Menüs ergänzt. Die Zeiger der Uhr kann man übrigens mit dem Stift oder mit viel Geduld und Geschick auf mit dem Finger verdrehen, was an sich cool wäre, mäße die Uhr nicht lediglich 2cm im Durchmesser (und sogar nur 1,7cm bei meinem XDA Orbit 2). Aber das I-Tüpfelchen ist für mich, dass die Zeiger nicht mal geglättet dargestellt werden, sondern sich in unfassbarer Pixeligkeit präsentieren. Das Ding scheint seit der ersten Version von Windows Mobile vor etwa 10 Jahren nicht angefasst worden zu sein.

Ach ja, bevor Missverständnisse aufkommen: Der HTC Touch HD erschien Ende 2008 und hat die zur Zeit aktuelle Windows Mobile Version 6.1 installiert. Microsoft hat also eine Menge Arbeit vor sich, bevor Windows Mobile auch nur ansatzweise zum Wettbewerb aufschließen kann.


Liebe Spammer, Adressraten ist scheiße

12 07 2009

Lieber Spammer vom EuroClubCasino (und andere), ich schalte mit sofortiger Wirkung mein CatchAll für E-Mail Adressen auf meiner Domain spackmat.de ab. Ich weiß nicht, wie ihr es geschafft habt, eine E-Mail an alle diese 14 durchgeratenen E-Mail Adressen an meinem scharfen Spamfilter vorbeizudrängeln, aber hurra, es hat geklappt. Eine kleine Portion Respekt dafür. Nun aber die Information: Die Adressen sind teilweise gut geraten und offenbar habe ich auch mit Michael Fredrichs (den ich in der Sidebar verlinkt habe) einen direkten Leidensgenossen; allerdings hat der Herr keine E-Mail Adresse unter meiner Domain, wirklich nicht. Die anderen Adressen gibt es auch nicht. Wenn ihr mich vollspammen möchtet, findet ihr meine gültige Adresse (mit dem gleichen, sonst sehr zuverlässigen Spamfilter geschützt) auf meiner Kontaktseite, völlig unmaskiert und mit mailto:-Link vesehen. Warum einfach, wenn man auch Adressen raten kann?

  • fredrichs@spackmat.de,
  • mfredrichs@spackmat.de,
  • wunschliste@spackmat.de,
  • amazonwunschliste@spackmat.de,
  • amazon.wunschliste@spackmat.de,
  • michael@spackmat.de,
  • m.fredrichs@spackmat.de,
  • gregor.nathanael@spackmat.de,
  • a.wunschliste@spackmat.de,
  • awunschliste@spackmat.de,
  • aw@spackmat.de,
  • amazon@spackmat.de,
  • gnathanael@spackmat.de,
  • g.nathanael@spackmat.de

Interessant finde ich die Trickserei mit Amazon und deren Wunschliste. Sind das viele Leute, die dafür eine extra Adresse benutzen? Wie auch immer, das Mail-CaatchAll ist jetzt deaktiviert und ich wusste bis jetzt gar nicht, dass es überhaupt noch aktiviert war.


Rainbow Six Vegas

07 05 2009

Rainbow Six Vegas ist ein Shooter nach meinem Geschmack: Simple lineare Story, spannender Spielablauf und vor allem die Funktion, in Deckung zu gehen ist genial gelöst. Nicht zu vergessen auch die Coolness, wenn man kopfüber am Seil hängend durch Fenster schießt. Was aber eine schiere Unverschämtheit ist, ist das Spawnverhalten der Computerspieler. Es gibt unsichtbare Schalter, die neue Gegner erscheinen lassen, was schon lästig genug ist. Die Krone war aber folgender Spawnfehler: Ich habe eine geschlossene und überschaubare Fläche gesäubert und das Team Deckung für Deckung weiter geschickt, während ich das Gelände aus erhöhter Position weiter im Auge behalten habe. Dann bin ich hinterher gegangen und wurde völlig von einem Gegner überrascht, der genau an der Stelle stand, wo mein Team ca. 10 Sekunden zuvor entlang gegangen ist. Das Team löst diese Schalter offenbar nicht aus und an dieser Stelle spwant der Gegner tatsächlich aus dem Nichts mitten ins Gelände. Sonst löst man wenigstens nur durch irgendwelche Türen hereinstürmende Truppen aus. Es trübt des Spielspaß bei einem solchen Shooter doch immens, wenn man wegen solcher Ungereimtheiten kein taktisch kluges Spiel machen kann. Auch dass die Teammitglieder ständig hohl in schweren Beschuss reinlaufen und dann gerettet werden müssen, nervt. Wie oft stirbt man selber, weil man seinen Kollegen aufhelfen muss. Die meiste Zeit weise ich die Teammitglieder an, sich irgendwo hinzustellen und mir im Zweifel den Rücken frei zu halten. Erst wenn ich dann den Raum gesäubert habe, lasse ich sie nachkommen. Überschaubare Räume, in denen sich nur zwei bis vier Gegner befinden, räumen die beiden aber äußerst zuverlässig und effektiv auf. Ein Spaß, das mit der Snake-Cam durch eine andere Tür zu beobachten.

Ebenfalls eher tumb als realistisch sind die Computergegner: Da unterhalten sich zwei und stehen direkt nebeneinander, man tötet einen von ihnen und nur weil der andere einen nicht gesehen hat, passiert nichts weiter. Wenn der andere noch "Ich hab was gehört" ruft, ist das schon gut, reagieren tut er nicht. Schalldämpfer kann man sich sowieso komplett sparen: Es macht keinen Unterschied. Wichtig für die Reaktion der Gegner ist lediglich, ob man sie sehen konnte, während man geschossen hat; selbst wenn man aus hunderten von Metern mit einem schallgedämpften Scharfschützengewehr gearbeitet hat, wissen sie, woher der Schuss kam. Aber nur, solange sie im Sichtfeld waren, sonst interessieren sie sich überhaupt nicht dafür.

Ich hätte also gerne einen Shooter mit dem Movement und dem Setting von Vegas, aber mit halbwegs kluger KI, so dass das eigene Verhalten einen Unterschied ausmacht. Wenn ich schleiche und Schalldämpfer benutze, sollte etwas anderes passieren, als wenn ich mit ratterndem MG durch die Gänge renne. Und vielleicht sollten die Gegner in einem Level gar nicht spawnen, sondern sich bereits beim Betreten alle irgendwo aufhalten und auch bewegen. Momentan ist es jedenfalls recht verlässlich vorauszusagen, wo man mit Gegnern rechnen kann. Teilweise wirft man Granaten um Ecken, weil da immer zwei Typen stehen, die erst loslaufen, wenn man um die Ecke kommt. Oder man geht voll gezoomt an einer Stelle lang, um den genau dann erscheinenden Scharfschützen auf dem Dach zu erwischen, muss dann aber ganz schnell hinter eine Deckung zurücklaufen, um die aus der Tür kommenden drei Gegner zu erwischen, bevor die ihre Deckungen erreicht haben. Dann fünf Sekunden warten und den Lastwagen im Auge behalten, hinter dem gleich zwei weitere Gegner hervorkommen, während man mögliche Treffer von den jetzt erst auf der eigentlich schon kontrollierten Galerie gespawnten Gegner einsteckt. So studiert man an manchen Stellen – besonders wenn man viele Versuche benötigt – eine regelrecht ausgefuchste Choreographie ein.


Twitter in der Sidebar = Suchmaschinenproblem

16 02 2009

Scheiße. Ich binde in der Sidebar u.a. meine letzten identi.ca Dents ein, was an sich ne schöne Sache ist. Ich tue das nicht beim Nutzer mit einem JavaScript, sondern hole die bei Bedarf alle zehn Minuten aktualisiert mit PHP ab und binde sie direkt in meine Seite ein. Soweit so gut, alle wären zufrieden, wenn nicht… ja wenn ich nicht plötzlich in unpassenden Google-Treffern ertrinken würde. Was ist hier passiert?

Google indiziert gelegentlich mein Blog und nimmt alle vorgefundenen Inhalte (ausgenommen die in der robots.txt ausgeschlossenen Kategorien- und Tagseiten) in seinen Index auf. Leider passiert das auch mit den Inhalten in der Sidebar und besonders lästig, passiert das mit meinen dort nur temporär zu findenden identi.ca Dents. Dumm ist jetzt, dass jemand bei Google etwas sucht, was dort zu finden ist und Google zeigt auf einen zufälligen Artikel in meinem Blog, wo der gesuchte Content aber sehr wahrscheinlich durch die aktuellen Dents ersetzt wurde, also nicht mehr da ist. Das will niemand, wie kann man das also lösen?

Der naheliegendste Ansatz ist simpel: Ich binde die Inhalte nicht mehr via PHP Serverseitig ein, sondern liefere ein Script, auf dass sich der Browser des Besuchers die Dents selber hole und einbaue. Google sieht keine Dents mehr, alles ist geritzt. Allerdings mag ich solche JavaScript-Lösungen gar nicht, erzeugen sie doch einen nicht geringen und überflüssigen Overhead bei identi.ca und bei meinen Besuchern.

Die nächste Idee liegt ebenfalls nahe: Das ist eigentlich nur indirekt mein Problem, viel mehr ist es eine Unzulänglichkeit von Google, relevanten Inhalt auf meinem Blog zu finden. Wie kann man Google (immer stellvertretend für alle Suchmaschinen) also dabei helfen? Zwei Wege fallen mir da ein, die aber beide bisher noch nicht (ist das so?) unterstützt werden:

  1. HTML5 bietet die praktische semantische Auszeichnung <aside>, mit der man nicht inhaltsrelevante Dinge wie die Sidebar auszeichnet. Allerdings klingt die Spezifikation eher so, dass dort Inhalte einer Randspalte hinein gehören, wie man sie etwa in Büchern findet, also durchaus relevanter Content. Semantisch hat man also nur vielleicht seine Hausaufgaben gemacht. Schaden tut es auch nicht, also werde ich das demnächst benutzen.
  2. Das Mkroformat "Robot Exclusion Profile" könnte die Lösung sein. Hierbei werden Tags analog zu den ROBOTS Meta-Angaben mit entsprechenden Klassen versehen, die Hinweise auf die Verarbeitung durch Suchmaschinen liefern. Das scheint mir der richtige Weg zu sein, allerdings unterstützt meines bisherigen Wissens auf Basis einer zehnminütigen Recherche nach noch keine Suchmaschine dieses Mikroformat (seit 2005 im Entwurfsstatus). Zu allem Unglück hat Yahoo eine abweichende Variante implementiert: class="robots-nocontent". Na vielen Dank, zwei voneinander abweichende Methoden… Und Google? Ich konnte keine Infos dazu finden und dank der zwei möglichen Methoden weiß ich jetzt nicht, welche ich vorgreifend für die Zukunft schon mal einsetzen soll. Yahoo ist bei mir ein eher seltener Referrer und ehrlich gesagt ist mir auch egal, was Yahoo so an Alleingängen macht. So hehr das Ziel von Yahoo auch ist, sind sie (zumindest in Deutschland) nicht in der Marktposition, eine neue Technik zu etablieren. Google muss das unterstützen, dann wird es praktisch relevant. Von Live Search brauche ich gar nicht zu reden, auch wenn ich von dort deutlich mehr (zumeist unpassende) Suchtreffer bekomme als von Yahoo.

Also Fazit: Außer meine Dents/Tweets per JavaScript einzubinden oder sie ganz aus meiner globalen Sidebar wegzulassen, ist mir aktuell keine praktisch relevante Möglichkeit bekannt, hierfür Google Hinweise für sinnvolle Suchtreffer zu geben und ich werde wohl weiterhin Scharen von enttäuschten Besuchern von Google bekommen.

Oder hat jemand eine gute Anregung parat?


Dreisatz-Querelen

24 01 2009

Karin warf folgende Frage auf, die ich nicht zu beantworten im Stande bin: Wenn bei Oebel fünf Spitzbrötchen (das sind da die normalen Brötchen) während der stets verfügbaren Aktionswochen 1€ kosten, ein einzelnes Spitzbrötchen aber 27¢ kostet, wieviel kosten dann vier Spitzbrötchen? Ich vermute fast, die würden einem fünf Brötchen ans Herz legen, aber wenn man tatsächlich nur vier wollte, würden die einem 1,08€ berechnen. Das Kassensystem und die Verkaufsregeln in der Verkaufsstelle sehen bestimmt nicht vor, dass man vier Brötchen zum Preis von fünf bekommt. Ich frag aber lieber nicht nach, sonst entsteht noch ein Loch im Raum-Zeit-Kontinuum…

Nachtrag 23.02.2009: Ich habe neulich doch mal nachgefragt und tatsächlich lautete die Antwort völlig selbstverständlich, dass vier Brötchen natürlich 1,08€ kosten. Die Verkäuferin war ganz fasziniert, dass das trotzdem einige Leute machen: Man könnte die Brötchen doch auch am nächsten Tag noch gut essen.


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