Bionade-Biedermeier

09 06 2008

Im Kontext meines letzten Beitrags bin ich über den Begriff Gentrifizierung auf einen Artikel über eben diesen Vorgang im Prenzlauer Berg gestoßen: Bionade-Biedermeier. Karin hat ja ebenfalls ein Jahr dort gewohnt und ich war in der Zeit (2003/2004) recht häufig da. Dieser Artikel trifft voll zu, vielleicht stellt er die Sache etwas arg gehässig dar, aber genau diesen Eindruck gewinnt, wer sich etwas selbstkritisch mit diesem Biotop auseinandersetzt. Man atmet dort linksalternative Luft, fühlt sich weltoffen, aufgeschlossen, jung und soooo hip. Ist man ja auch alles irgendwie, aber eben auch schon wieder nicht mehr, weil man in eine neue (?) Form der alternativen Spießigkeit rutscht, ohne es wahrhaben zu wollen. Naja, Hauptsache alternativ…

Ist das schlimm? Negativ? Eigentlich nicht. Diese Spießigkeit ist keineswegs etwas Negatives, aber man muss dieser Öko-Heititei-Dachgeschoss-mit-Dachterrasse-Gesellschaft schon vorwerfen, dass sie sich ein (meist) gutverdienendes Akademiker-Heile-Welt-Szenario fern der gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit aufgebaut hat, um dann ach so stolz auf ihr (selbstreferenzielles) linkes Problembewusstsein zu sein. Kein Wunder, dass die wirklich coolen Typen schon wieder in Schaaren aus dem Prenzlberg verschwinden. Direkt nach nebenan in den Friedrichshain oder nach Kreuzberg, dass sich seine authentische linksalternative Klientel irgendwie bewahren konnte.

Kann man also schon nicht mehr mit stolz geschwellter Brust berichten, dass man im Prenzlberg residiert? Klar geht das! Aber um sich nicht vollends lächerlich zu machen, muss man glaube ich selbstkritisch genug sein und die eigene Spießigkeit anerkennen. Cool, jung, linksalternativ-romantisch geht eben nicht zu 100% gleichzeitig mit SUV-fahren und unbezahlbar teure Eigentumswohnungen ohne große Anstrengungen vom zweifachen Akademiker-Gehalt bezahlen können.

Und was ist mit Flingern-Nord? Dem Prenzlberg von Düsseldorf? Ja gute Frage. Ich wohne mittendrin und ja, die oben beschriebenen Tendenzen sehe ich auch hier durchaus (übrigens auch bei mir). Wird Flingern-Nord in den nächsten zehn Jahren genau so gebeutelt von der Getrifizierung wie der Prenzelberg? Wahrscheinlich ist es ein eher schleichender Prozess und vielleicht nicht derart stark, aber es kommt: Man gehe nur mal die Ackerstraße entlang und lasse die Schaufenster auf sich wirken. Und dann überlege man noch mal, ob das schicke Sushitaxi neben den nicht ganz billigen, aber sooo hippen Boutiquen nicht ein deutlicher Fingerzeig in diese Richtung ist. Man schaue sich nur mal die Dichte der coolen Orte bei Qype hier in Flingern an.

Aber wo sollen die jungen Akademiker denn auch sonst hin? Offenbar gibt es in dieser Gruppe einen gesteigerten Bedarf nach Hipness und es liegt auf der Hand, dass genau diese Klientel auf dem aufsteigenden Ast in der Gesellschaft ist. Gut verdienen passt dann auch prima zu Frühstücken im Beethovens und Bio-Produkten. Besser als ein Haus in Meerbusch oder eine Wohnung in einer Wohnanlage am Stadtrand ist das hier allemal. Denn noch sind genug Leute in Jogginghosen hier im Penny unterwegs, dass man die Erdung nicht verliert. Hoffentlich bleibt das so.

P.S. Ebenfalls empfehlenswert ist die Lektüre des entsprechenden Kapitels in "Wir nennen es Arbeit". Habt ihr noch nicht gelesen oder gehört? Dann mal los! Dreisterneliteratur!


Whiteboard-Magnettafel mit Permanent-Marker

01 03 2008
Ausschnitt aus der Anleitung

*boing* Gestern habe ich bei Penny eine Magnettafel mit Whiteboard gekauft. Mitgeliefert wird ein Marker, der mit Wischkissen und Magnet ausgestattet ist. Wie ich mit Schrecken feststellen musste allerdings auch mit einer Permanent-Marker-Tintenfüllung. Sehr witzig! Immerhin ließ sich das Zeug mit Nagellack-Entferner leicht wieder entfernen. Bin mal gespannt, wie viele von den Boards wieder zurückgegeben werden…

Apropos Penny: Penny stellt jetzt deutschlandweit auf "Grünstrom" um. Interessant, dass Ökostrom inzwischen so einen Marketing-Wert besitzt und so trendy ist. Und auch intersssant, dass Penny nicht von Ökostrom spricht, sondern konsequent von Grünstrom, also durch Zertifikate erkauften Öko-Faktor. Das ist ehrlich und sollte sich durchsetzen, dann müsste ich nicht immer von richtigem und nicht richtigem Ökostrom sprechen. So oder so, ich heiße diesen Vorstoß gut. Denn 98% Wasserkraft, 1% Biomasse und 1% Windenergie wirken zwar irgendwie feigenblättrich, aber das ist allemal ein guter Ansatz.


Bürgerentscheid "Rettet den Golzheimer Friedhof"

10 02 2008

Überall in der Stadt hängen Wahlplakate einer Bürgerinitiative "Rettet den Golzheimer Friedhof", die dafür wirbt, beim ersten (mir bekannten) Bürgerentscheid in Düsseldorf mit JA zu stimmen. Nun muss man erst mal sagen, dass ich und viele Leute, die ich dazu befragt habe, nicht wissen worum es geht. Gut, dass der Abstimmungsbenachrichtigung ein großes Faltblatt beilag, in dem alle Positionen eine eigene Seite Raum bekommen haben. Nachdem ich jetzt alle gelesen habe, stehe ich vor einer schweren Entscheidung:

  • Die Bürgerinitiative kotzt mich an mit ihrem Populismus, der keine stichhaltigen Argumente liefert und lediglich genährt ist von sentimentalromantischen Bedenken. Also NEIN.
  • Die SPD gibt zu bedenken, dass die Stadt sich aus einem konstruktiven Dialog verabschiedet hat und ist daher dafür, bleibt aber sonst cool. Die offenen Bedenken der Bürger sollen nicht einfach ignoriert und durch Schaffung von Fakten ausgehebelt werden. Gute Auffassung.
  • Die Grünen gehen vor allem auf den Friedhof als Gartendenkmal ab, der geschädigt wird und die vielen alten Bäume, die das wahrscheinlich nicht überleben werden: Schlecht fürs Mikroklima. Auch die Grünen stoßen sich am ignoranten Verhalten der Stadt, die sich durch einen Dringlichkeitsbeschluss über das Bürgerbegehren hinwegzusetzen versucht hat. Das ist in der Tat sehr unfein und schlägt in Richtung JA.
  • Die Linke geht in einem sehr langen Text voll auf den Ausverkauf der Stadt ab, die für die Schuldenfreiheit schon eine Menge stadteigener Besitztümer verkauft hat. Auch die "Lasst Euch nicht erpressen"-Argumentation kommt hier zum Einsatz. Wir sagen: Keine Stadt darf sich erpressen lassen. Wenn Konzerne mit Abwanderung drohen, müssen wir als Verbraucherinnen und Verbraucher damit drohen, die entsprechenden Produkte nicht mehr zu kaufen. Richtig gedacht und grundsätzlich sehr stichhaltig (siehe Bochum), aber leider irgendwie am Thema vorbei. Nebenbei bringt die Linke einige Informationen ins Spiel, die von den anderen Fraktionen nicht erwähnt werden. Für mich die stärkste JA-Argumentation von allen. Nachdem ich das gelesen hatte, war ich schon fast entschlossen für JA zu stimmen, trotz meiner Abneigung gegen die Bürgerinitiative und trotz des begrenzten Themenbezugs.
  • Die CDU antwortet mit Fakten und Behauptungen. Eine Stiftung für den Erhalt und die Pflege des Parks mit einem Kapital von 1 Mio. Euro (700.000 Euro von der Victoria, 300.000 Euro von der Stadt) ist eine Ansage, ebenso, wie die Abschirmung des Parks gegen die laute Fischerstraße. Auch wenn man nicht gleich euphoristisch von einer Aufwertung sprechen muss: scheiße ist anders. Der Neubau ist architektonisch angepasst worden, fällt filigraner aus und man kann durchschauen. Klingt nicht schlecht: Ein schöner gepflegter Park in ruhiger Hinterhoflage ist was feines. Andere Städte beziehen aus solchen Orten ihre Romantik. Das Parkplatzproblem ist durch die Öffnung der Tiefgarage für die Anwohner gut gelöst und bringt sogar eine Verbesserung mit sich. Einzig dem Keine-Arbeitsplätze-aufs-Spiel-setzen-Argument mag ich nur begrenzt folgen. Nicht erpressen lassen ist da schon die bessere Haltung.
  • Die FDP sagt das gleiche wie die CDU. Prägnant und stichhaltig.
  • Die Ratsgruppe Düsseldorfer Bündnis ringt sich zu einem NEIN durch und sieht letztendlich eine Aufwertung. Pro Bürgerentscheid als Institution, inhaltlich dagegen: Gute Haltung, kann ich folgen.

Also gehe ich abstimmen und stimme wohl mit NEIN. Die NEIN-Argumentation klingt plausibel in der Sache und nur JA zu stimmen, weil die Stadt sich arschig verhalten hat ist albern. Sich nicht erpressen zu lassen halte ich auch für wichtig und richtig, aber in dem Fall geht es nicht um etwas total böses für die Stadt und die Bürger, sondern um ein Projekt, dessen Potenzial ins Negative und ins Positive weisen kann. Mithin muss also das ganze nicht scheiße sein, sondern kann durchaus zu einer Win-Win-Situation werden. Davon gehe ich auch aus. Und schließlich kotzt mich diese Bürgerinitiative sowas von an. Bürgerentscheide dürfen nicht im Populismus absaufen, wie man das in der Schweiz schön beobachten kann. Allein der Titel "Rettet den Golzheimer Friedhof" geht am Problem vorbei, denn der Friedhof selbst ist nur indirekt betroffen. Es ist ja nicht so, als ob der böse Konzern (der am Standort immerhin 4000 Menschen beschäftigt) einfach rücksichtslos einen Friedhof bebauen möchte. Es geht um einen Parkplatz und darum, dass ein wahrscheinlich hübsches Bürogebäude (ich denke da an die sexy Gebäude der Stadtwerke am Höher Weg) Schatten auf diesen Friedhof wirft und ihn von der (lauten) Fischerstraße abschirmt.

Nachtrag 17.02.2008: Hier mal der besagte Parkplatz bei Google Maps.


Endlich: Hybride 3D-Beschleunigung

08 01 2008

Als verkappter Öko und Strom-Selbstzahler ist es bisher eine Tortur bei der Rechnerplanung. Wenn man auch noch Kunden beim Rechnerkauf professionell berät, ist der Gewissenskonflikt noch größer; wenigstens kann man den dann weitergeben. Wovon rede ich? Ich meine den Zwiespalt zwischen 3D-Leistung für das ein oder andere Spiel gegen Stromverbrauch. Dass eine dedizierte Grafikkarte mit ordentlicher Spielepower 100-300€ Aufpreis kostet ist noch eine leichte Entscheidung: Will man spielen, bezahlt man eben den Aufpreis, sonst eben nicht. Dass ein Rechner mit einer solchen Karte ggü. einem mit sonst ausreichender Chipsatzgrafik mal flockig mindestens die doppelte bis dreifache Stromaufnahme im Leerlauf (also fast immer im normalen Betrieb) hat, ist hingegen ein überflüssiger und wirklich ärgerlicher Nebeneffekt. Statt gemütlichen 50W ist man plötzlich bei 100-150W im Leerlauf, nur wegen einer oder zwei potenten Grafikkarte(n). Vorteil im normalen Betrieb: keiner! Und das ist dann doch eine schwere Entscheidung, wenn man nur ab und an mal ein Spiel wagt.

Doch Rettung ist in Sicht. nVidia haut Hybrid SLI raus und stattet deswegen alle neuen Chipsätze für AMD-Prozessoren (und später wohl auch die für Intel) mit Chipsatzgrafik und DVI-Ausgang aus. AMD nennt es Hybrid-Crossfire (Überraschung!) oder im Mai noch PowerXPress und macht wohl das gleiche, ebenso wie Intel, von denen mir der Markenname gerade nicht präsent ist. Der Trick besteht darin, dass man die gleiche Technik, die sonst mehrere große Grafikchips zu noch größeren Stromschluckern zusammenschaltet, auch friedlich nutzen kann: Man schaltet die "große" Grafikkarte einfach nur bei Bedarf an und überlässt die Wald-und-Wiesen-Darstellung dem armseligen Wurm von Chipsatzgrafik. Das ganze ist ein Muss in Notebooks und in meinen Augen auch auf dem Desktop längst überfällig. Auf meiner Idealisten-Wunschliste steht das jedenfalls schon länger als Grafikkarten mehr verbrauchen als Prozessoren. Also nur her damit. Ein Phenom im B3-Stepping (also ohne den unsäglichen TLB-Bug), eine ordentliche Mittelklasse-Grafik und mindestens 4GB RAM stehen auf meiner Wunschliste für einen neuen PC. Dann kann ich alles haben und auf der Netz darf ich dann die neuen Spiele mitspielen.

Randnotiz: Warum kann UT3 auf der gleichen Hardware nicht wenigstens so brauchbar laufen wie sein Vorgänger? 640x400 sind wirklich nicht spielbar, wobei selbst Counterstrike damals im Software-Rendering Modus in 320x240 sinnvoller spielbar war, nicht wahr Sebi?


Das offizielle Getränk einer besseren Welt

10 06 2007

Kennt ihr schon den neuen Slogan von Bionade: Das Offizielle Getränk einer besseren Welt? Ich kann mich für diesen Spruch total begeistern, weil er einfach der Hammer ist. Keine Ahnung, was genau daran eigentlich so geil ist. Dazu gibt es eine Initiative/Website mit dem schönen Titel stille-taten.de, die dazu aufruft, anderen anonym einfach mal was gutes zu tun. Sehr moderne und schöne Markenkommunikation, ich bin hin und weg.


Tankquittungen auswerten

27 04 2007

Puh! Endlich habe ich mal die etwa 50-60 Tankquittungen der letzten drei Jahre aus meinem Handschuhfach mitgenommen und die Werte eingetragen. Ein ganzer Berg Arbeit, der sich aber lohnt. So weiß ich jetzt, dass mein Honda Jazz über die fünf Jahre durchschnittlich 5,86l Super auf 100km verbraucht hat. Das sind bei 73600km und 3964l Super zwar rechnerisch nur 5,39l/100km, aber das liegt daran, dass ich sicher einige Tankfüllungen nicht erfasst habe.

Und das trotz Einsatz der Klimaanlage und viel Stadtverkehr und Kurzstrecken. Allerdings muss ich zugeben, dass mein Tacho selten mehr als 120km/h anzeigt. Mein durchschnittlich in den letzten fünf Jahren bezahlter Benzinpreis liegt übrigens (nicht nach Menge gewichtet) bei 1,131€/l. Gar nicht mal soo viel. Errechnet durch Summe Geld und Summe Super sind das sogar nur 1,127€/l.

Die mittlere Reichweite, bis ich die Nerven verloren habe liegt bei 531km. Auch kein schlechter Wert. 42l Tankvolumen bei 5,86l/100km Verbrauch ergeben allerdings 716km mittlere Maximalreichweite, was bin ich denn für ein Schisser? Ganz klar, die Lampe geht zu früh an!

Die mittlere Tankfüllung war 32,23l, was eine mittlere Tankquittung von 36,33€ ergibt.

Eine sehr aufschlussreiche Auswertung, die 5,7l Nominalverbrauch des Autos kann ich nur voll und ganz bestätigen, selbst wenn ich inzwischen nicht mehr ganz so sparsam fahre, wie früher.


Sorry lieber Baum

26 04 2007

Sorry mein lieber Baum, dass ich Dir fast einen Meter abschneiden musste. Es ging nicht anders. Seit Monaten nähert sich Deine Spitze bedrohlich der Decke und in den letzten Wochen hast Du Dich, wahrscheinlich um dem auszuweichen, immer weiter zur Zimmermitte geneigt. Aber lieber Baum, Du stehst in einem Topf und würdest irgendwann einfach umfallen, wenn ich dem tatenlos zu sähe. Ich habe alles versucht: Seit bald einem Jahr habe ich Dich nicht mehr gedüngt und im Winter habe ich Dich auch kaum noch gegossen, um Dein wahnsinniges Wachstum zu stoppen. Das alles konnte jedoch Deinen Streben nicht bremsen, so dass ich nun doch zur Schere greifen musste. Nur zu Deinem besten, ehrlich!

Mal im Ernst: Es macht mich wirklich irgendwie traurig, wie ich nun mit deiner Spitze in der Hand im Zimmer stehe und es nicht übers Herz bringe, sie einfach in den Müll zu werfen. Meine Herren, bin ich verweichlicht.

Nachtrag: Mein Mitbewohner hat sich der Spitze angenommen und sie prosperiert inzwischen wieder in einem neuen Topf.


Switch wieder da

12 03 2007

Juhu! ProSieben hat uns Switch wieder geholt. Und dabei nicht mal totale Scheiße gebaut, sondern genau so lustig wie früher. In Farbe, und bunt! Gut so.

Gerade in der Werbung sehe ich den neuen Astra: Wow. Die Panorama-Windschutzscheibe ist wirklich eine geile Idee. Endlich mal eine neue Auto-Designidee, die wirklich völlig vorbei am Umwelt-Trend zielt. Irgendwie erfrischend. Wer will schon weniger CO2-Ausstoß oder gar so fancy Hybrid-Antriebe, wenn er den Himmel besser sehen kann… Also nichts für ungut: Die Idee ist wirklich gut. Aber dennoch kann man doch momentan kein Auto ohne fortschrittliche Umwelttechnik auf den Markt bringen. Schade eigentlich.


Bio-Produkte Krimi

15 08 2006

Krasse Sache! Ich lese gerade beim Shopblogger über einen krassen Bio-Produkte Krimi. Liebe Leser, das ist ein Lesebefehl!

Kurz zusammen gefasst: Bio-Produkte boomen derzeit. Die großen LEH-Ketten sind mittenmang dabei und alle kaufen Bio-Produkte. Leider machen diese Ketten genau das, was Handel mit Einkaufsmacht so zu tun pflegt: Einkaufskonditionen in ihrem Sinne drücken und eigene Handelsmarken aufbauen, bei denen die Quellen beliebig getauscht werden können. So kommt es, dass Produkte (häufig aus dem EU-Ausland), die das verhältnismäßig leicht zu bekommende Biosiegel gerade so einhalten, den Markt überschwemmen und die "echten" einheimischen Bioprodukte im Vergleich sehr sehr teuer da stehen. Direkt ausgedrückt kann man von einer Zweiklassengesellschaft der Bioprodukte reden. Das wäre an sich nicht so schlimm, besser mittelmäßige Bioprodukte als gar keine Bioprodukte am Massenmarkt.

Der Shopblogger ist nach eigener Beschreibung einer der Pioniere im Vertrieb echter, fairer und einheimischer Bioprodukte mit seinem kleinen Spar-Markt in Bremen. Jetzt kommt der Krimi ins Spiel: Die Bioladen-Konkurrenz, obwohl von ihm immer partnerschaftlich angegangen, übt Druck auf die Lieferanten aus, dass sie ihn nicht mehr beliefern. Warum und wie das so ist, müsst ihr selber in der Quelle nachlesen. Ich will nur ein paar Gedanken dazu aufschreiben:

Der kleine, innovative und selbstständige Kaufmann hat ein Problem. Er hat nicht die Marktmacht im Rücken bzw. nur für das Sortiment, das ihm die Einkaufsgenossenschaft verschaffen kann. Innovative Eigenlösungen müssen auf eigene Faust beschafft werden und das macht mitunter Probleme. Nun mag man sagen, dass genau dies der Job des selbstständigen Kaufmannes ist. Gut gekontert. Aber es ist schon schade zu sehen, wie in diesem Biomarkt mit harten Bandagen gekämpft wird. Geht es denn bei Bioprodukten nicht mehr um die Sache? Um fairen und umweltverträglichen Umgang mit dem Primärsektor? Müssen dann die Hauptakteure an diesem Markt genau das Verhalten an den Tag legen, das so oft an den großen Ketten kritisiert wird? Warum muss die Einkaufsmacht beim Großhandel genutzt werden, um missliebige Konkurrenten aus dem Markt zu drängen? Weil die Margen so schön hoch sind? Denn sonst kommen die gleichen super Bioprodukte im Supermarkt zu vertretbaren Preisen? Ja, das ist eine wirklich attraktive Konkurrenz und ja, die muss man fürchten.

Also meine Schlussfolgerungen daraus: Jetzt gehe ich erst recht nicht mehr in einen dieser überteuerten Bioläden. Nichts gegen ökologisch verantwortungsvollen Anbau und alles, was hinter der Bio-Idee an sich sonst noch steckt. Gerne. Aber die überhebliche Idee des Biosupermarktes ist mir zuwider. Da wird versucht eine Bio-Elite zu schaffen, an der man sich dumm und dämlich verdienen kann. Nein, das kann nicht im Sinne der Öko-Idee sein. Im Sinne der Öko-Idee ist meiner Meinung nach, dass möglichst der gesamte Bedarf an Agrarprodukten in der Volkswirtschaft aus ökologisch verantwortungsvollem Anbau gedeckt wird, von einheimischen Bauern. Nur das kann das Ziel sein. Es soll nicht darauf hinaus laufen, dass sich ein paar Freaks als Weltretter fühlen und die anderen 90% der Verbraucher weiterhin ökologisch zweitklassige Produkte nachfragen. Also liebe Bio-Supermärkte: Regelt das im direkten Wettbewerb und nicht über Marktmacht-Methoden. Arbeitet zusammen, der Markt ist (momentan) groß genug. Für Verdrängungswettbewerb ist noch immer Zeit, wenn der Markt gesättigt ist. Bis dahin sollte gerade bei Öko-Kram die Idee im Vordergrund stehen. Für Euren Aufpreis verlangt der Kunde etwas: Ihr müsst real sein! Ihr müsst für die Idee einstehen, denn dafür verlangt ihr die satten Aufpreise.

Gute Öko-Produkte für alle! Ich kaufe also weiterhin mit gutem Gefühl und gerne die Bioprodukte bei den Ketten ein, wenn es sich ergibt. Und wenn ich dort noch bessere Öko-Produkte bekommen, kaufe ich auch die. Wenn ich die Ware mag, sonst nehme ich halt doch die Markennudeln... Mal schauen.