Online-Backup im Jahr 2010

26 08 2010

Online-Backup ist eine unglaublich naheliegende Idee, wenn es um die aushäusige Datensicherung geht. Als man noch 30MB Webspace hatte und ein analoges Modem, war das nicht so recht praktikabel. Auch die 256kBit/s, die ein Gros der DSL-Anschlüsse in Deutschland als Geschwindigkeit nach außen anbieten, sind nicht so viel, dass man seine Daten darüber gerne sichert. Über den Daumen gerechnet sind das nämlich nur 2,7GB in 24 Stunden oder magere 112,5MB pro Stunde. Damit wird man seine Bildersammlung und die eigenen Dateien nur unter Blut und Schweiß in ein Online-Backup bekommen. Bei 1MBit/s Upload wird es langsam interessant, das ist der übliche Wert bei DSL-Anschlüssen mit 16MBit/s. Das sind schon 450MB pro Stunde und über 10GB pro Tag. Mein VDSL50-Anschluss transportiert 10MBit/s ins Netz und würde 100GB in einem Tag schaffen. Damit erreichen wir recht klar die Zone der Praktikabilität für den Alltag.

Meine Eigenen Dateien (inkl. Fotos) nehmen ca. 12GB ein, nachdem ich dort mal gründlich aufgeräumt habe und die TomTom Kartenbackups mit inzwischen 8GB ausklammere. Meine Musik liegt zur Zeit bei 70GB und wächst gelegentlich. Mit 100GB käme ich also für meine wichtigsten Daten durchaus hin, aber Luft nach oben schadet nicht. Manche Leute haben deutlich mehr Musik, andere weniger, wiederum andere würden auch gerne ihr Videoarchiv sichern und dann sind da noch die, die ihren Rechner nicht aufräumen und deswegen im Terabyte-Bereich unterwegs sind.

Backup muss sein, darüber brauchen wir hoffentlich nicht reden. Leider kenne ich zu viele Leute bei denen ein Ausfall der Festplatte oder der Verlust ihres Laptops sich eher tragisch auswirken würde. Offensichtlich machen sich zu wenige Leute klar, dass da ihre gesamte Fotosammlung der letzten Jahre schlummert, ihre (bezahlte oder wenigstens mühsam zusammengesammelte) Musik, ihre digitale Identität. Eine externe Festplatte ist aber wenigstens einem Großteil als Backup-Medium bekannt und einige Leute machen sogar gelegentlich, vielleicht einmal im Jahr ein Backup ihrer nötigsten Daten. Immerhin.

Doch was wenn es brennt (man denke auch an Löschwasser vom brennenden Dachgeschoss)? Wenn eingebrochen wird? Oder eine Hausdurchsuchung einem die gesamte IT-Infrastruktur aus der Wohnung trägt (ob berechtigt oder nicht)? Es führt kein Weg dran vorbei, man muss ein Backup seiner Daten auch außerhalb der Wohnung bzw. des Büros aufbewahren. Fein raus, wer seine Daten aus dem Büro auf Festplatten mit nach Hause nehmen kann, um sie dort zu archivieren. Dann kann einem wirklich nur noch eine Hausdurchsuchung in die Suppe spucken, die gerne mal in Büro und Privaträumen räubert. Oder eine Atombombe, aber dann hat man ganz andere Probleme am Hals. Aber nicht jeder hat ein Büro oder einen vetrauenswürdigen Lebenspartner in separater Wohnung.

Zudem ist es eine feine Sache, wenn man selbst oder auch andere uf Einladung auch von unterwegs via Notebook an die eigenen Daten herankäme. Auftritt Online-Backup. Das Kernproblem hier ist das Vertrauen in den Betreiber des Cloudspeichers. Mitunter hat man sensible Daten auf der Festplatte, sei es die Privatpornosammlung, Daten von Kunden oder was auch immer man als sensibel einstuft. Ohne eigene Verschlüsselung muss man dem Betreiber des Cloud-Speichers einiges an Vertrauen entgegenbringen. Immerhin arbeiten da Menschen, die 1. naturgemäß Zugriff auf die Daten haben und 2. Menschen sind und somit gelegentlich böse sind oder auch mal Fehler machen. Da kann noch so schön der Transport verschlüsselt laufen, die Daten verschlüsselt abgelegt sein, wenn man sich nicht selbst darum kümmert, wird es Dritte geben, die Zugriff auf die Daten haben. Und sei es ein Einbrecher im Rechenzentrum oder ein geschickter Hacker. Also bleiben einem vier Lösungen:

Man natürlich den großen roten Ignore-Button drücken und dem Anbieter vertrauen. Wenn man jemandem Geld bezahlt, mag das durchaus eine praktikable Lösung sein, für paranoide Menschen wie mich aber nicht. Alternativ kann man Online-Backup ganz bleiben lassen, verzichtet aber auf die Vorteile. Die dritte Lösung ist für Pragmatiker: Geht es um Musik und je nach Privatheitsanspruch um die Fotosammlung, jedenfalls um wenig sensible Daten, spricht nichts gegen irgendeinen dahergelaufenen Cloud-Anbieter. Doch was ist, wenn sensible Daten gesichert werden müssen, etwa Daten von Kundenprojekten? Als vierte Lösung bleibt einem die Verschlüsselung in Eigenregie.

TrueCrypt zum Beispiel ist eine hervorragende Lösung, um einen verschlüsselten Dateicontainer als Laufwerksbuchstaben ins System einzubinden. Leider hat diese Lösung zwei ganz dicke Pferdefüße: Zum einen muss man sich bei der Erstellung des Containers für eine Größe entscheiden, klein anfangen und mitwachsen ist nicht. Die Ersteinrichtung des Online-Backups wird also in jedem Fall ab einer gewissen Menge der zu speichernden Daten zum Problem, für dass es nur halbwegs gute Lösungen gibt. Zum anderen aber braucht man einen Online-Speicher, der sich als Blockdevice einbinden lässt. Das bedeutet, dass man wahlfrei auf einzelne Teile einer Datei zugreifen kann, um nicht bei jedem Zugriff die gesamte Datei übertragen zu müssen. Eine kleine Änderung einer 100GB Containerdatei sollte nicht dazu führen, dass ein VDSL50-Anschluss 24 Stunden beschäftigt ist. Das trifft leider auf die wenigsten Cloud-Speicher zu, so dass die Auswahl deutlich eingeschränkt wird.

Sowieso ist der Zugriff auf den Cloud-Speicher ein Problem. Viele Anbieter (wie 1&1) bieten lediglich über das WebDAV-Protokoll Zugriff auf die Dateien, was unter Windows die praktisch handhabbare Dateigräße auf ca. 50MB beschränkt, mit Tricks oder speziellen Programmen sind auch mehr drin, bei 1&1 ist etwa bei 512MB Schluss. Hier habe ich mich mal ausführlich über die Beschränkungen bei 1&1 ausgelassen. WebDAV, FTP und Konsorten sind kein Blockdevice, also fällt ein großer TrueCrypt-Container als Lösung auf solchen Cloud-Speichern flach.

Die zur Zeit attraktivste Lösung in dieser Hinsicht bietet zur Zeit ausgerechnet Strato, bei deren Namen ich und viele Bekannte noch heute (über 10 Jahre seit dem letzten Kontakt) kurz schaudern. Strato war damals so unglaublich scheiße, das lässt sich kaum in Worte fassen. Im Jahr 2010 könnte man darüber mal hinwegkommen, denn das Produkt HiDrive klingt äußerst attraktiv: 100GB für 3,90€ pro Monat, 500GB für 9,90€, 1TB für 39,90€, bis hin zu 5TB für 149€. Das ist überschaubar, auch im professionellen Kontext. Zum Vergleich: Bei Amazon S3 kostet jedes GB 15 US¢ pro Monat zuzüglich Traffic (150€ für 1TB). Strato bietet dabei Zugriff via Windows-Netzwerkfreigabe (über sicheres OpenVPN) mit voller TrueCrypt Unterstützung. In der c't stand, dass man sogar eine Festplatte per Post ins Rechenzentrum schicken kann, die dann eingespielt wird. Wenn das stimmt, würde das sogar die lästige Ersteinrichtung praktikabel machen. Einen 1TB TrueCrypt-Container übers Netz zu schicken, dauert auch bei VDSL50 10 Tage und würde auch alle 24 Stunden durch die Zwangstrennung unterbrochen. Da ist der Postweg doch irgendwie angemessener.

Ich habe jetzt einen kostenlosen 90-Tage-Testaccoung bei Strato bestellt und werde über meine Erfahrungen berichten. Vielleicht werde ich auch genaueres über Alternativen schreiben.


Das 1&1 SmartDrive ist eher enttäuschend

10 04 2010

Ich bin jetzt bald sechs Monate 1&1-Kunde und wollte die famosen 1000GB Onlinespeicher immer mal ausprobieren. 1TB Onlinespeicher klingt erst mal attraktiv und war sicher auch mitverantwortlich für meine Entscheidung für VDSL von 1&1, obwohl ich von Anfang an skeptisch war: Wie sich das wohl in der Praxis ausnimmt? Um es vorweg zu nehmen: Es ist weitgehend unbrauchbar für den von mir anvisierten Zweck. Hier ein paar Gründe, die mir sofort aufgefallen sind:

  • Die maximale Dateigröße beträgt 512 MB. Eigentlich könnte ich jetzt mit dem Schreiben aufhören, denn diese Limitierung disqualifiziert das 1&1 SmartDrive für fast alle Datensicherungszwecke. Schlimmer noch: Über den 1&1 Upload-Manager, der einen Windows-Laufwerksbuchstaben mit dem Onlinespeicher verbindet, bekommt man keine Warnmeldung, wenn man größere Dateien hochladen möchte. Erst, wenn alles hochgeladen ist, bricht der Upload mit einer wenig sagenden Fehlermeldung ab.
  • Der Upload ist auf ca. 0,3MB/s limitiert, das macht den Zugang eher träge. Den Speicher vollzumachen dauert bei dieser Uploadrate über einen ganzen Monat. Mein VDSL-Anschluss würde locker mehr als 1MB/s hergeben, es fragt sich also, wieso die Uploadrate derart limitiert ist. Vielleicht liegt es an meiner Fritz!Box, wer weiß, aber die stammt immerhin auch von 1&1.
  • Neue Ordner dürfen im Webinterface nur mit maximal 30 Zeichen Länge angelegt werden, über den Upload-Manager werden aber auch längere Ordnernamen angenommen. Solche Inkonsistenzen erschüttern mein Vertrauen in das System zutiefst: Wo lauern weitere überraschende Limitierungen? Werden meine Daten zuverlässig gespeichert oder scheitert es an Späßen wie Umlauten im Dateinamen oder maximalen Ordnertiefen?
  • WebDAV ist als Netzwerk-Dateisystem nur mäßig geeignet, scheint aber neben dem Webinterface der einzige Zugang zum Onlinespeicher zu sein. WebDAV kann meines Wissens nach beispielsweise keine Änderungen in Dateien übertragen, so dass veränderte Dateien stets komplett neu hochgeladen werden müssen. In diesem Lichte erscheinen die 512MB Maximalgröße pro Datei noch recht groß.

Mit all diesen Limitierungen – und ich vermute noch mehr davon – stellt sich mir die Frage nach möglichen Einsatzszenarien. Backup fällt schon mal weg. 512MB maximale Dateigröße ist hierfür einfach zu klein, da passt schon ein CD-Image nicht rein. Hinzu kommt die Frage der Privatheit der Daten: Man muss 1&1 vertrauen, dass die Daten vor Zugriffen geschützt sind. Das gilt generell bei Cloud-Computing, aber bei anderen Diensten lassen sich verschlüsselte Containerdateien ablegen, bei denen man sich selbst um die Verschlüsselung kümmert. Legt man aber auf dem Netzlaufwerk des Upload-Managers eine solche Datei ab und bindet sie ein, sorgt jede kleine Änderung dafür, dass die Datei spätestens beim Herunterfahren des Rechners (das Programm speichert Änderungen zwischen) komplett neu hochgeladen werden muss. Das ist schlicht unpraktikabel, so dass die Dateigrößenlimitierung dann auch egal ist.

Und sonst? Man kann ein paar Tage darauf verwenden, seine MP3-Sammlung hochzuladen und diese seinen Bekannten freigeben. Das ist OK. Wenn man eine ausreichend große Festplatte an die Fritz!Box hängt, übernimmt diese den Upload und cached die Dateien solange auf der Platte zwischen; cool an sich, hebt aber die Einschränkungen nicht wirklich auf. Und 1000GB sind reine Augenwischerei angesichts der Einschränkungen. Bei Amazon kostet übrigens jedes GB pro Monat 15US¢, 1TB würde also 150US$ pro Monat kosten und Amazon ist nicht als wirklich teuer bekannt. 1&1 rechnet also scheinbar nicht damit, dass auch nur ein geringer Teil der Kunden den Onlinespeicher auch nur ansatzweise ausreizt.

Sehr enttäuschend das Ganze, ab in die Tonne damit.


Der JMStV und der Netzzensur-Wahnsinn 2.0

16 02 2010

Sachliche Kritik ist sinnvoller als plumpe Polemik. Dennoch ist festzustellen, dass schon bei Zensursula Polemik weder geschadet hat noch Sachlichkeit irgendetwas brachte.

Dieser Satz stammt aus diesem Blogeintrag von Jörg Tauss zum JMStV und ist gleichzeitig kraftvoll und unglaublich wahr. Traurige Welt. Also zum Thema: Schon vor ein paar Wochen hatte der 1&1-Blog unter dem Titel Das Ende der freien Kommunikation im Internet? auf die drohende Zensur durch die Hintertür in Form des Jugendschutzes hingewiesen. Doch die wirkliche Resonanz blieb aus: Zu skurril und abwegig waren die Inhalte dieses Staatsvertrages. Feste Sendezeiten für Internetseiten, obligatorische Sperrung aller Websites, die den deutschen Bestimmungen zum Jugendschutz nicht entsprechen, also quasi 99,9% des Internets. Also nix mehr mit Westfernsehen und so. Auch die Haftung für Zugangsprovider für die Inhalte ihrer Kunden ist eine irre Idee, führt sie doch die Realität völlig ad absurdum. Krude Vorstellung, man lacht kurz und blättert weiter. Doch leider ist das alles ernst gemeint, die Länder sind gerade drauf und dran diesen oder einen ähnlichen Unsinn zu verabschieden. Ein wenig Aufmerksamkeit schadet da nicht. Also nicht stumpf über den (wie es aussieht) Pyrrhussieg über Zensursula freuen, sondern besser die Realität bemerken.

Ich möchte gar nicht viel zu dem Thema schreiben und habe mehrere bereits geschriebene Absätze wieder gelöscht. Der Entwurf ist so abwegig, dass ich an eine Umsetzung beim besten Willen nicht glauben mag. Trotzdem muss man das Thema im Auge behalten. Die oben verlinkten Artikel sind schon mal gute Ansatzpunkte, der AK-Zensur hat natürlich auch schon was dazu gesagt. Einfach mal lesen und staunen. Demnächst ist Landtagswahl in NRW, ich bin gespannt, wie sich die Parteien hierzu positionieren. Die SPD ist mit Beck übrigens Federführend bei dem Unsinn und die anderen Parteien halten sich bemerkenswert bedeckt zum Thema.

P.S. Auf die Piraten würde ich zur Zeit keine Hoffnung setzen, die haben zur Zeit genug Probleme u.a. mit Leuten wie Aaron König in der Parteiführung.


Tschüss Alice, hallo 1&1

04 11 2009

Hier und hier hatte ich schon über das VDSL-Angebot von 1&1 im Vergleich zu T-Home geschrieben. Ich hätte damals bereits fast kurzerhand bestellt, aber 24 Monate Vertragsbindung hasse ich einfach zu sehr, so dass ich noch abwarten wollte, was Alice zum Thema VDSL zu sagen hat. Nun hat Alice seine eigenen VDSl-Tarife gestartet und sie sind leider nicht wirklich attraktiv:

Für sich genommen sind 45€ im Monat für VDSL 50 und Telefonflat kein schlechter Tarif, 10€ Aufpreis für eine Premium-Hotline und einen echten ISDN-Anschluss sind auch fair. Wer keine Vertragsbindung wünscht, zahlt 100€ Einrichtung. Ein VDSL-WLAN-Router ungenannten Typs wird gestellt. Ich könnte mit wenigen Klicks umstellen und ich habe Alice als Provider in den letzten zweieinhalb Jahren zu schätzen gelernt. Es gab Höhen und Tiefen, aber insgesamt gehe ich im Guten aus der Sache raus.

1&1 auf der anderen Seite mochte ich noch nie so wirklich leiden. Aber VDSL 50 (über die volle Mindestvertragslaufzeit) mit Telefonflat für 40€ im Monat, dazu eine Fritz!Box 7390 für lau und keine Einrichtungsgebühr sind über zwei Jahre gerechnet einfach mal etwa 400€ Abstand zu Alice. Dazu kommen gutes Zubehör für günstig (Fritz!Fon MT-D 40€, Fritz!Stick WLAN N 30€, ein HSDPA-Stick für quasi lau mit 3 Monaten UMTS-Flat), 1TB Online-Speicher zum rumprobieren und eine kostenlose Hotline. Die kostenlose Handyflat ins Festnetz interessiert mich nicht und die Maxdome-Online-Videothek werde ich mir mal ansehen, erwarte aber nichts tolles. Für machen mögen die beiden Features aber ebenfalls praktisch sein. Insgesamt hat 1&1 zur Zeit das mit Abstand attraktivste VDSL-Angebot am Markt.

Ich bin also käuflich, mein Preis ist nicht ganz billig, aber das sind um die 400€: 45€*24 plus 100€ Einrichtung sind bei Alice in zwei Jahren 1180€, 40€*24 abzüglich geschätzter 200€ für die Fritz!Box 7390 ergeben bei 1&1 760€, die ganzen anderen Zugaben nicht mal mit eingerechnet. Von der Telekom rede ich lieber mal gar nicht, hier ist der Grundpreis schon für VDSL 25 teurer, es fällt eine Einrichtungsgebühr trotz 24-Monats-Bindung an, VDSL 50 wird (ohne Fernsehen aka Entertain) gar nicht mal mehr beworben und seine Hardware muss man gar selber kaufen oder ab 3€ im Monat mieten. Hatte ich schon die Drosselung nach 100GB (bzw. 200GB bei VDSL 50) im Monat erwähnt? Hier braucht man keinen allzu spitzen Bleistift und auch keine der einschlägigen negativen Erfahrungen mit dem berühmten Telekom-Kundenumgang, um das Angebot doch lieber zu ignorieren. Hoffen wir nur mal, dass ich mit 1&1 nicht in der Vorsicht-Kunde-Rubrik in der c't lande.

Das beruhigende übrigens ist folgendes: Es sieht momentan so aus, als würde 1&1 mir einen Techniker ins Haus schicken, der eine zweite TAE-Dose installiert, über die dann das VDSL geschaltet wird, bevor ich Alice kündige. Wenn das stimmt – und der Mann an der Hotline hat mir das noch mal bestätigt, worauf man zwar nichts geben sollte, aber immerhin – dann muss ich nicht mal Angst haben, ohne DSL dazustehen. Das wäre schlicht großartig, denn beim Wechsel des Anschlusses passieren die meisten gravierenden Fehler. Und maximal zwei Monate die 25€ für den bisherigen Alice-Anschluss zu viel zu bezahlen, geht schon klar.

P.S. In einem mir bekannten Fall (ein Einfamilienhaus in Eller, also mitten im Stadtgebiet) gibt es kein Vodafone UMTS-Netz und das GSM/EDGE-Netz ist dort auch derart langsam, dass die tolle UMTS-Überbrückungsflat von 1&1 leider nicht nutzbar ist. So viel zum Thema, Vodafone hätte so ein tolles Netz. Immerhin bekommt man einen UMTS-Stick faktisch für lau, in den man seine O2-Multicard stecken kann, deren HSDPA-Empfang auch besser sein könne, aber der wenigstens eine halbwegs würdige Nutzung erlaubt. Die Wohnung meiner Eltern befindet sich übrigens Luftlinie etwa 5 Meter (etwa auf gleicher Höhe) von einer O2-UMTS-Basisstation entfernt, was die paradoxe Situation erlaubt, dass man hier mit UMTS wesentlich stabiler und schneller unterwegs ist, als mit dem einen unter 25-30 weiteren (auffindbaren) WLAN-Netzen im 2,4GHz Band. Wir sind hier ja im P.S., da wollte ich das nur mal erwähnen.

Nachtrag 27.11.2009: Vorab schon mal ganz wichtige Neuerungen an der Front, bevor ich mich irgendwann mal zu einem eigenen Beitrag durchringe: Eine zweite TAE-Dose bekommt man von 1&1 nicht, das ist trotz anderslautender Aussage der Bestellhotline und so zu verstehender Option im Bestellprozess ganz und gar nicht vorgesehen, wir mir in mehreren Stunden Hotline-Gesprächen klipp und klar gesagt wurde. Stattdessen kommt scheinbar systematisch gar kein Techniker zum vereinbarten Schaltungstermin und man steht in den meisten Fällen wohl einfach ohne Anschluss da, bis man die Hotline überredet hat, doch mal (wie versprochen) einen dringend benötigten Techniker zu schicken. In der Zwischenzeit schlug man mir allerlei dreiste Dinge vor, mein Liebling war aber, dass ich selbst einen Techniker besorgen soll (oder es gar selbst mache), der illegaler Weise am Hausanschluss der Telekom rumfummeln sollte. Insgesamt kann ich von 1&1 nach diesen Erfahrungen nur allerdingendst abraten, wenn man nicht Lust auf ein sehr ermüdendes und ernüchterndes Spiel beim Anschluss hat. Auf jeden Fall verzichten sollte man auf die vorausgewählte Option, dass sich der 1&1-Anschluss mit dem bestehenden Anschluss überschneidet, denn hier scheint die Wurzel allen Übels zu liegen. Die problemlose und freundlich und sofort bearbeitete telefonische Kündigung bei Alice hat mir dann den Service-Unterschied der beiden Firmen noch mal drastisch in Erinnerung gerufen. Ich hätte bei Alice bleiben sollen.


Telekom VDSL ohne Fernsehen mehr als unattraktiv

08 09 2009

Gerade lese ich die News zu den neuen Telekom VDSL-Tarifen ohne Fernsehen. Was soll man dazu sagen? Gestern habe ich den immens verführerischen 1&1 VDSL Tarif vorgestellt und heute kommt die Telekom mit einem im Vergleich derart unattraktiven Tarif daher, dass man sich nur wundern kann. Also im Detail:

25/5Mbit/s kosten 55€ und 50/10Mbit/s 60€ pro Monat, ISDN kostet 4€ Aufpreis. Wer noch im September bucht, zahlt 10€ weniger und kommt damit immerhin in die Liga von 1&1. Hinzu kommen 60€ Einrichtungsgebühr für den Telefonanschluss und ab 01.10.2009 nochmal 100€ für den DSL-Anschluss, wenn man die nicht vorher schon hatte. Geräte gibt es keine dazu, die muss man entweder teuer kaufen oder ab 3€ im Monat mieten. Aber das ist noch nicht alles, denn die Leistungsbeschreibung, also das ausgelagerte Kleingedrukte zaubert noch eine weitere Überraschung für den geneigten Interessenten aus dem Hut: Ab 100 bzw. 200GB Traffic im Monat wird auf 6/0,6Mbit/s gedrosselt. Selbstverstädlich bindet man sich auch hier 2 volle Jahre.

Also vergleichen wir mal: 1&1 kostet 50€ im Monat für 50/10Mbit/s, bietet einiges an Zusatzfeatures, 10 Rufnummern (allerdings nur als VoIP Anschluss) und man bekommt ohne Einrichtungsgebühr 220€ Gutschrift und eine fette Fritz!Box 7390 für lediglich Versandkosten und verschiedene andere Geräte für wenig Geld in die Hand gedrückt. Das vergleichbare Telekom Produkt kostet ab Oktober im Monat ab 64€ zuzüglich Hardware und bis zu 160€ Einrichtungsgebühr und bringt eine versteckte Datendrosselung mit. Einziger echter Vorteil ist der richtige ISDN-Telefonanschluss. Krasser Unterschied.

Trotzdem habe ich gerade einen Kunden (Telekom Business Bestandskunde) überredet, auf VDSL umgestellt. Er bezahlt das gleiche, wie zuvor (Call and Surf Comfort VDSL Universal mit 50MBit statt zuvor Call and Surf Comfort Plus Universal mit 16MBit), verzichtet auf die Hotspot-Flatrate und günstige Mobilgespräche (nun 19ct/min statt 12,9ct/min), bekommt aber ultra schnelles VDSL. Keine Einrichtungsgebühr, Umstellung laut Hotline binnen sechs Tagen und ein Speedport W920V für 50, 60 oder 70€ (wusste die Hotline-Frau gerade nicht genau zu sagen) dazu. Für kurzentschlossene Bestandskunden ist das Telekom-Paket also gar nicht soo schlecht, vor allem, wenn man dem VoIP Anschluss nicht traut oder sonstwie unbedingt bei der Telekom bleiben will und wenn man an die 200GB im Monat garantiert nicht dran kommt. Übrigens ist der Speedport W920V im Grunde eine Fritz!Box 7270 plus VDSL-Modem im Telekom Kleid und kann sogar mit AVM Firmware ausgestattet werden. Keine 7390, aber immerhin.

So, wie 1&1 und Telekom auf die Tube drücken, müssen sich Alice und Vodafone jetzt mal schleunigst konkret zum Thema VDSL äußern. Die Sonderaktion der Telekom, dass man nur jetzt im September konkurrenzfähige Preise bezahlt, bewirkt eine schnelle Bindung so einiger Kunden an die Telekom für zwei Jahre, also müssen die beiden noch im September mit attraktiven Angeboten kommen. 1&1 hat ja schon mal ordentlich vorgelegt.


VDSL kommt so langsam in Fahrt

06 09 2009

VDSL mit 50Mbit/s Downstram und vor allem viel wichtiger 10Mbit/s Upstream gibt es hier in Düsseldorf schon eine ganze Weile, aber bisher waren die Konditionen vom alleinigen Anbieter T-Home erstens extrem unübersichtlich und zweitens mit mindestens 60€/Monat dank Zwangsbindung an den Fernsehempfang reichlich teuer. Zudem muss man sich 24 Monate binden, muss 60€ Einrichtung für den Telefonanschluss bezahlen, bekommt keinerlei Geräte gestellt (die kann man für sattes Geld mieten oder selber kaufen) und kann als Konkurrenzkunde nicht mal vorab prüfen, ob VDSL überhaupt verfügbar ist. Man muss bestellen, um das herauszufinden und wenn nicht, bekommt man nur maximal 16Mbit/s ADSL, ist aber trotzdem 24 Monate gefangen. Alles in allem kein wirklich attraktives Angebot für jemanden, der zur Zeit 25€/Monat für eine 16Mbit/s ADSL-Leitung ohne Schnickschnack und vor allem ohne Zwangsbindung bezahlt.

Nun kommt Bewegung in die Sache: T-Home hat angekündigt, VDSL auch irgendwann mal ohne Fernsehen für etwas weniger Geld anzubieten, aber bisher ist daraus nichts konkretes erwachsen. Konkret geworden ist nur die IFA-Ankündigung, DSL-Fernsehen auch ohne Internetzugang, dafür nur mit Telefonanschluss ab 30€/Monat anzubieten. Verschiedene Anbieter bauen in verschiedenen Städten an einem Glasfaser bis ins Haus Netz und bieten damit 100Mbit/s (angeblich sogar symmetrisch) an, etwa Netcologne in Köln. Schön, beneidenswert, aber nur mit Pilotcharakter.

Nun bietet die T-Home ihren Konkurrenten aber auch Zugang zum VDSL-Netz an und Vodafone und 1&1 springen bereits auf, 1&1 hat die Pakete sogar schon buchbar am Start. Und was ich da an Konditionen sehe ist wahrlich nicht unattraktiv: 50Mbit/s VDSL mit (VoIP) Telefonflat, 1TB Online-Speicher und verschiedene mehr oder weniger nützliche Zusatzleistungen, dazu eine nigelnagelneue Fritz!Box 7390 für 9,60€ Versand, optional ein UMTS-Stick für 9,60€ und drei Monaten kostenlosem UMTS-Datenzugang und als Hammer noch 220€ Gutschrift oben drauf. Das ganze Paket gibt es dann für 50€/Monat. Meine Herren, da kann man schon schwach werden und sowohl seine Aversion gegen 1&1 überwinden, als auch sich die 24 monatige Vertragsbindung schönsaufen schönrechnen: Wenn man für die Fritz!Box 200€ Straßenpreis annimmt (sie ist noch gar nicht gelistet) und den Bonus von 220€ dazu addiert, drückt einem 1&1 420€ in die Hand, den Gegenwert des vergünstigten UMTS-Sticks noch nicht eingerechnet. Gegenüber unseren jetzigen Ausgaben von 25€/Monat schrumpfen die 600€ Mehrkosten über 24 Monate dann plötzlich auf effektive 180€ zusammen, das sind 7,50€/Monat mehr für VDSL mit 50/10Mbit/s statt 16/1Mbit/s und eine Telefonflat ins deutsche Festnetz statt gar keinem Telefonanschluss. Uff. Da muss ich noch mal in mich gehen.

Die Fragen sind folgende: Was passiert nach 24 Monaten? Ist ein Wechsel von 1&1 zu einem anderen Anbieter dann reibungslos machbar oder steht man wochenlang ohne Internet da? Bietet 1&1 dann attraktive Nachfolgekonditionen für Nichtwechsler an? OK, das war eine rhetorische Frage. Wie sehen die Angebote der Konkurrenz in der näheren Zukunft aus? Bietet gar Alice schnelleres Internet an? Ich würde immerhin gerne bei Alice bleiben und den 1&1 Schnickschnak brauche und mag ich eigentlich nicht wirklich. Zudem: Wie sieht der Service bei 1&1 aus? Wird mir da geholfen oder muss ich zwei Jahre meines Lebens mit latenter Service-Wut im Bauch verbringen? Kann ich eine unserer Festznetz-Nummern reibungslos von Sipgate nach 1&1 portieren? Und zuletzt: Fühle ich mich wohl als 1&1 Kunde? Steht mir dieser Anbieter? Bitte Feedback, Freunde.

Ich schlafe noch mal eine Nacht und rufe da morgen mal an. Vielleicht kann mir die Verkaufshotline einige meiner Fragen schon beantworten und das vor allem auch verbindlich zusichern.

Nachtrag 07.09.2009: Ich habe mich gerade von 1&1 zurückrufen lassen und die Dame konnte mir einige Fragen beantworten, also der Reihe nach. Nach 24 Monaten verlängert sich der Vertrag automatisch um jeweils ein weiteres Jahr, nach Sonderkonditionen für Nichtwechsler habe ich gar nicht erst gefragt. Der VDSL-Anschluss ist ein komplett neuer Anschluss, mit etwas Glück kann man eine Überlappung von Alice und 1&1 hinbekommen, auf jeden Fall muss ich Alice selber kündigen. Ein ordentliches Vabanque-Spiel, da die Schaltungszeiten für VDSL aktuell bei etwa acht Wochen liegen, vielleicht auch mehr. Damit man nicht ohne Internet dasteht, bekommt man von 1&1 einen UMTS-Stick und eine SIM-Karte fürs D2-Netz, mit dem man 3 Monate kostenlos über UMTS ins Netz kommt. Das wäre OK, ein garantiert reibungsloser Wechsel oder sogar eine zugesicherte Überlappung wäre mir aber lieber. Die Störungshotline ist eine 0800er Nummer, also auch vom Handy aus ohne Kosten erreichbar, das ist gut und war durchaus auch mal anders. Bis hierher ein überlegenswertes Angebot. Allein der letzte Punkt macht mir Sorgen und hat mich von einer sofortigen Bestellung abgehalten: 1&1 portiert Rufnummern nur von der Telekom zu sich herüber, unsere Sipgate-Nummer(n) werden also nicht übernommen. Das schmerzt, denn ich möchte wirklich nicht alle Freunde mit noch einer Absendernummer nerven. Leider habe ich nicht gefragt, ob man bei 1&1 eine beliebige Absendernummer eintragen kann, so wie das bei Sipgate möglich ist. Fazit also: Die fehlende Rufnummernportierung von allen Anbietern außer den Telekom ist momentan der Showstopper für mich und in Anbetracht der langen Wartezeiten von momentan acht Wochen habe ich genug Zeit, mir die Marktentwicklung noch mal genauer anzusehen.

Nachtrag 2 07.09.2009: Gerade habe ich mal nachgelesen, Alice führt aktuell Gespräche mit der Telekom und will in den nächsten Wochen auch mit einem VDSL um die Ecke kommen.