Kurztest: Smartbook Surfer

18 08 2010

Vor zwei Wochen ging im Netz die Nachricht um, Marktkauf biete für 179€ das 7" Android-Tablet Smartbook Surfer an. Sogar bis in die News von heise.de hat es das Gerät geschafft. Es war im Online-Shop sofort ausverkauft und der nächste Marktkauf von hier ist in Gelsenkirchen, also legte ich den Gedanken erst mal ad acta. So ein Gerät reizt mich grundsätzlich aber schon, vor allem, weil ich mit Android rumspielen und vor allem ausloten möchte, wofür man sowas produktiv einsetzen könnte. Letzten Donnerstag war im Online-Shop von Marktkauf dann eine kleine Charge verfügbar, also habe ich direkt mal so ein Ding bestellt.

Die übergreifende Fragestellung lautet dabei: Was taugt ein Tablett für 180€? Ich vermutete nichts gutes und um das vorweg zu nehmen: Es taugt wirklich nichts. Ein paar lose Punkte:

  • Das Ding ist unglaublich träge. Alles fühlt sich langsam an, sehr unerquicklich. Ein Leistungsstarker Arbeitsprozessor mit 800MHz soll da laut Packung drin stecken, auf der Website steht Telechips TTC8902 720MHz Prozessor. So oder so, das Ding ist quälend langsam.
  • Der resistive Touchscreen ist eine Unverschämtheit. Davon abgesehen, dass man mitunter sehr viel Druck ausüben muss, um eine Reaktion hervorzurufen, schwankt der nötige Druck auch noch ständig. Manchmal reicht ein jovialer Tipper mit der Fingerkuppe (wie bei meinem HTC Touch HD), manchmal muss man aber wirklich mehrmals so kräftig auf das Display eindrücken, dass man Angst bekommt, seinen Finger auf der anderen Seite wieder zu sehen. Wischen (also vor allem scrollen) wird so zum Glücksspiel, selbst mit dem billig wirkenden und sehr fest im Gehäuse steckenden Plastikstift.
  • Lahmer Prozessor plus hakeliger Touchscreen sind eine schlimme Kombination, die sich vor allem bei der virtuellen Tastatur auswirkt: Es ist unmöglich, auf dem Ding auch nur halbwegs flüssig zu tippen. In den Einstellungenm lässt sich ein leiser Tastenquittungsklick einschalten, der aber genau so unzuverlässig abgespielt wird, wie die Tastendrücke angenommen werden. Um eine Twiter-Nachricht in der TweetDeck Beta zu tippen, brauche ich über eine Minute. Die Texteingabe ist also völlig unbrauchbar. Hatte ich erwähnt, dass man trotz ca. 6mm hoher Tasten und spitzem Eingabestift ständig Tasten aus einer Reihe weiter oben auslöst? Setzen, sechs!
  • Aber das reicht noch nicht an Unpraktikabilität: Die Android-Tasten Menü, Suche, Home und Zurück liegen auf der Rückseite. Das ist OK, wenn man das Ding in der Hand hält, aber selbst dann sind die kleinen Tasten fummelig zu bedienen und man muss sich die Reihenfolge merken. Liegt das Ding auf dem Tisch oder hält man es irgendwie anders, muss man für jeden Klick auf eine der Tasten erst mal fummelig suchen gehen. Super lästig, vor allem, weil man diese Tasten bei Android ständig braucht. Aber auch das reicht noch nicht, denn die schwergängigen Tasten wollen mit viel Gefühl gedrückt werden, was aber auch dann nicht immer auf Anhieb angenommen wird. Fast noch schlimmer als der Touchscreen. Und weil das Ding so träge ist, bemerkt man das Ignorieren den deutlich hörbaren Tastendrucks erst eine Bedenksekunde später.
  • Der dämlichste Designfehler kommt aber noch: Das Gerät lädt nicht über USB, sondern nur mit dem beiliegenden Netzteil m(. Was soll man dazu noch sagen?

Das sind meine Hauptkritikpunkte, aber auch sonst glänzt das Ding nicht sonderlich:

  • Die Verarbeitung ist mäßig, aber für den Preis OK.
  • Die Webcam macht grausige Bilder, das Mikrofon funktionierte in Zusammenhang mit der Fritz!App Fon nicht.
  • Das Display zeigt ein immerhin brauchbares Bild.
  • Die vorinstallierte Skype-Betaversion ist ein schlechter Witz und nutzt zudem nur einen Bruchteil des Bildschirms (wahrscheinlich 320x240 im Querformat oben in der Mitte des 800x480er Displays).
  • Der Audio-Ausgang ist eine 2,5mm Klinke, ohne, dass dafür ein Grund ersichtlich wäre.

Alles in allem ist das Tablet-Computing zum abgewöhnen. Man kann nur hoffen, dass es ein offizielles oder zumindest inoffizielles Android 2.2-Update geben wird, damit zumindest die Geschwindigkeit etwas erhöht wird. Ich glaube aber nicht daran. Immerhin kann das Ding angeblich 1080p-Videos dekodieren und sogar über seinen Mini-HDMI-Ausgang ausgeben. Das wär ja was. GPS gibt es übrigens keins, Lagesensor und Kompass scheinbar ebenfalls nicht.

Fazit: Finger weg vom Smartbook Surfer! Und generell von Android-Tablets mit resistivem Touchscreen und fragwürdigen Prozessoren: Es macht keinen Spaß und ist rausgeschmissenes Geld. Mal schauen, ob ich einen sinnvollen Platz dafür finde.

Dass der Android-Market seit ich das Gerät habe nicht funktioniert ist ärgerlich, aber dafür kann das Gerät wahrscheinlich nichts. Angeblich soll der inzwischen wieder laufen, bei mir ist davon noch nichts zu sehen: Ich starre weiterhin auf ein meine lustigen "Download wird gestartet" Meldungen. Möglicherweise funktioniert der Market auch einfach wegen Nichterfüllung der Hardwareanforderungen (kein Lagesensor, kein Kompass, kein GPS, kein Mobilfunk) gar nicht, das wäre aber sehr komisch, denn er ist installiert und liegt als Verknüpfung auf dem Startbildschirm.

Nachtrag 18.08.2010: Der Android-Market funktioniert bei mir weiterhin nicht. Ich wollte mein Google-Konto entfernen und neu eintragen, vielleicht hilft ja da. Aber dazu müsste man das ganze Gerät in den Auslieferungszustand zurücksetzen, was alle installierten Programme (unklar, ob nur über den Market oder auch direkt installierte) und Einstellungen entfernt. Da ich noch nicht viel gemacht habe und man ohne Market keinen Spaß haben wird, habe ich das in den Datenschutzeinstellungen versucht. Und siehe da: Nicht mal das klappt. Sprich: ich kann die Einstellungen und mein verknüpftes Google-Konto nicht mal loswerden, weil diese essentielle Funktion beim Smartbook Surfer schlicht nicht funktioniert. Aaaaah!

Noch ein Nachtrag vom 18.08.2010: Der Zugang zum Android Market funktioniert tatsächlich schlicht nicht, obwohl er vorinstalliert ist. Man kann den Zugang mit Tricks freischalten, aber Spaß ist anders. Eine tolle Quelle für solcherlei Informationen findet sich hier.. Dort steht auch, dass der Prozessor nur mit 600MHz arbeitet.


100.000km Honda Jazz

17 03 2010

Mein eisblau-metallic-farbener Honda Jazz wird dieses Jahr 8 Jahre alt und hat gerade 100.000km hinter sich gebracht, Zeit also für ein kleines Resumé. Die Tankauswertung von 2007 stimmt in etwa auch weiterhin, die aktuellen Zahlen sind folgende: 5,8l/100km (ungewichtet gemittelter vom Bordcomputer abgelesener) Durchschnittsverbrauch bei überwiegend Kurzstrecken und Stadtverkehr, 90-120km/h auf der Autobahn, allgemein niedertouriger Fahrweise und bei etwa 20-30% Klimaanlageneinsatz. 7% der Laufleistung habe ich nicht vollständig erfasst, der Fehler ist aber geringer, weil ich häufig nur die gefahrenen Kilometer nicht erfasst habe, den Tankwert aber schon. Das Versprechen von 5,7l auf 100km wurde also durchaus eingehalten, gute Verbrauchwerte also.

Schäden hatte ich in all den Jahren lediglich einen: Der Kabelzug der Heizungsregelung war irgendwann einmal abgesprungen und musste für ein paar Euro neu eingehängt und justiert werden. Dann hat mir der Honda-Techniker vor anderthalb Jahren bei der Inspektion gesagt, dass der Kompressor der Klimaanlage ungesunde Geräusche macht und wohl demnächst ausfallen würde. Ein Austausch kostet zwischen 1000 und 1300€, also bin ich ganz froh, dass der Ausfall noch immer auf sich warten lässt. Dann leuchtete irgendwann einmal die Motorkontrolleuchte, was sofort mit einem Diagnosecomputer ausgelesen und abgeschaltet und bei der nächsten Inspektion ein paar Wochen später durch Justage der Motorsteuerung gefixt wurde. Das war wohl auch die Ursache für das Stottern bei niedrigen Drehzahlen unter wenig Last gewesen, das danach verschwunden war. Ansonsten ist der Wagen einmal jährlich bei der Inspektion gewesen, wo nach Bedarf TÜV/ASU gemacht wird und Bremsklötze, Öl und andere Flüssigkeiten, sowie der Pollenfilter der Klimaanlage und andere Verschleißteile gewechselt werden; das kostet so zwischen 150 und 300€. Zusammen mit einem Satz Reifen für 330€ vor ein paar Jahren sind das erfreulich geringe Betriebskosten und vor allem wenig Sorgen und Probleme gewesen. Mein Honda-Händler ist zudem sehr nett und bemerkenswert problemfrei. Sehr gut.

Die Fahrleistungen sind mit 83PS durchaus ausreichend, man kommt sich fast nie untermotorisiert vor. Also vollbepackt und mit Klimaanlage muss man den Jazz durchaus auch mal etwas hochtouriger fahren und Ampelrennen wird man auch eher selten gewinnen. Aber wie mit einem Opel Corsa auf Teneriffa im ersten Gang die Berge hochschleichen muss man mit dem Jazz wirklich nicht und im vierten Gang auf der Autobahn wird man Jazz-Fahrer auch eher selten antreffen.

Der Fahrkomfort ist einem Kleinwagen durchaus angemessen. Mein Jazz stammt aus der ersten nach Deutschland gelieferten Serie von 2002, die noch reichlich hart abgestimmt war und angeblich ein Rostproblem hat. Von Rost ist bei mir keine Spur und die harte Abstimmung finde ich durchaus sportlich. Neuere Baujahre ab 2003 sind wohl deutlich komfortabler gefedert, die neuen Modelle haben als Ausgleich auch ESP an Bord. Meiner hat das nicht, fährt sich aber auch völlig unkritisch. Die geringe Länge von 3,83m (deutlich weniger als ein Polo von 2002) ist trotz kleinem Wendekreis beim Einparken aber nicht wirklich vorteilhaft nutzbar, weil man den Wagen überhaupt nicht einschätzen kann; hinten nicht, aber auch vorne nicht, weil die Schnauze unglaublich kurz ist. Sowieso fühlt man sich innen wie in einem um ein paar Plätze geschrumpften Familienvan. Die Einparkhilfe bei neuen Modellen gibt es leider nur für hinten und nur bei teureren Modellen, trotzdem ein wichtiges Extra.

Apropos Kosten: Für einen Kleinwagen ist der Jazz auf den ersten Blick reichlich teuer. Die 10.000€ Basisversion ist sehr dürftig ausgestattet, mit allen Extras landet man bequem bei 20.000 und mehr Euro. Das klingt teuer, aber gemessen an der Ausstattung und an vergleichbaren Autos ist das gar nicht mal so viel. Man kann einen Jazz eben nicht mit einem Opel Corsa, einem Peugeot 207, einem Daihatsu oder ähnlichen Fahrzeugen vergleichen, sondern eher mit einem VW Polo. Ein klassischer Kleinwagen ist der Jazz wirklich nicht, die Geräumigkeit im Innenraum spielt locker in der Kompaktklasse von Golf und Co. mit, der Kofferraum ist sogar größer als im aktuellen Golf. Und das Killerfeature ist sogar auch nach acht Jahren noch einzigartig: Die genial simple und unfassbar praktische Rückbank ist der Hammer. Ich bin immer noch geflasht, wenn ich mit zwei Handgriffen mit nur einer Hand die Rückbank versenke und einen unglaublichen Laderaum hervorzaubere. Auch die Möglichkeit, kleinere Gepäckstücke unter den Rücksitzen zu platzieren hat uns schon den ein oder anderen Urlaub vereinfacht. Man kann also durchaus bequem zu viert unterwegs sein, wobei hier ganz klar hintere Boxen eingebaut werden sollten. Mit 160€ ist das nicht wirklich teuer und ich frage mich, wieso ich das erst nach fast acht Jahren habe machen lassen. An dem gemessen, was man für sein Geld bekommt und gemessen an den insgesamt über die Jahre angefallenen Betriebskosten, ist der Jazz alles andere als teuer, was auch den geradezu unfassbar hohen Preis auf dem Gebrauchtmarkt erklärt.

Kurzum: Der Honda Jazz ist insgesamt ein geniales Auto und verkauft sich laut meinem Honda-Händler fast von selbst. Werben muss Honda jedenfalls fast nicht und für den Seltenheitswert der Marke Honda auf deutschen Straßen sieht man erstaunlich viele Jazz herumfahren. Leider sind gefühlte 80% dieser Fahrzeuge in der Farbe Eisblau-metallic verkauft worden, was das Wiederfinden des eigenen Fahrzeugs im Parkgewirr nicht gerade leichter macht. Apropos Äußerlichkeiten: Ich finde den Jazz nicht wirklich schön, das aktuelle Modell erst recht nicht; aber er ist auch nicht hässlich, immerhin. Wer ein wirklich schönes Auto haben will, muss etwas anderes kaufen oder zumindest eine schönere Farbe wählen: In Schwarz etwa sieht der Jazz sogar wirklich fesch aus.

Ich vermisse übrigens auch etwas an meinem Jazz: Für das alte Modell gab es kein Tempomat, was ich wirklich bitter finde, hätte ich sowas doch wirklich gerne gehabt. Das Radio meines Modells bot leider auch keine Möglichkeit, Musik aus externen Quellen zu beziehen. Mit dem Klang war ich immer zufrieden, aber immer Audio-CDs brennen zu müssen oder den rauschenden FM-Transmitter von meinem TomTom zu benutzen, hat mich immer sehr gestört. Das neue Modell gibt es mit MP3-Wiedergabe, USB-Anschluss und Bluetooth-Freisprechen, das Problem ist also inzwischen behoben. Ich habe meinem Jazz gestern zum 100.000km Jubiläum ein neues Radio von Alpine mit Bluetooth-Freispreche und Bluetooth-Audioübertragung spendiert. Dafür musste erst ein DIN-Schacht besorgt und eingebaut werden, was den Umbau immens verteuert hat: 480€ für alles ist ein happiger Preis, aber der Gewinn beim Sound ist wirklich großartig. Das hätte ich gar nicht gedacht, weil ich die Boxen gar nicht ausgetauscht habe und das eingebaute Radio nie für so schlecht gehalten hatte. Weit gefehlt, der Car-Audio-Spezialist hat mir nicht zu viel versprochen: Ein Alpine-Radio holt auch aus mäßigen Boxen noch einiges raus und der Bluetooth-Kram funktionierte auf Anhieb inkl. Zugriff auf das Telefonbuch meines Windows-Mobile Handys. Wow.

Ach ja: Der Test des aktuellen Modells in der F.A.Z. ist übrigens durchaus lesenswert. Wobei ich mich über deren horrenden Benzinverbrauch wundere.


Tischtelefon gesucht

05 03 2010

Ich bin seit 20 Jahren latent auf der Suche nach einem guten Tischtelefon. Alles fing mit dem neuen Diensttelefon in meinem Elternhaus gegen Ende der 80er an: Das Ding war schick und konnte quasi alles, was man sich vorstellen konnte und noch mehr, bediente sich aber derart kryptisch, dass ich mir die Bedienung auch nach mehrmaligem Durchlesen des Handbuchs absolut nicht einprägen konnte. Ja, ich war ein Geek-Kind, das alle Anleitungen gelesen und alles ausprobiert hat, um zu verstehen, wie Geräte funktionieren. Das Ding war angesichts unseres privaten Wählscheibentelefons zwar faszinierend, aber irgendwann verlor ich das Interesse, vor allem, weil es im Arbeitszimmer stand und zudem nicht am Familienanschluss angeschlossen war. Ganz davon abgesehen, dass es im Grunde gar nicht benutzt wurde, weil kaum jemals jemand auf der Dienstnummer anrief. Es muss zu dem Telefon auch irgendwo eine Telefonanlage gegeben haben, weil man interne Kurzwahlen zu den anderen Telefonen in dem Gebäudekomplex hätte benutzen können (Küche, Küster, Kindergarten und Sakristei, wenn ich das recht in Erinnerung habe). Die internen Nummern wurden aber nie benutzt, weil man sowieso selten jemanden am anderen Ende erreicht hätte.

Zurück zum telefon selbst: So erging es mir in des folgenden 20 Jahren leider mit jedem Telefon, das ich in die Finger bekam, anfangs auch mit Handys. Handys haben es mittlerweile geschafft, dass man Grundfunktionen wie Makeln und Konferenzen halbwegs verlässlich über die Bühne bringt und Adressbuchsynchronisation klappte dann auch irgendwann durchaus praxistauglich. Das iPhone schafft im T-Mobile-Netz sogar das Kunststück, die ätzenden Voice-Menüs von Mailboxen mit seiner Visual-Voicemail richtig erfreulich bedienbar zu ersetzen, großartig.

Und was ist mit Tischtelefonen im Jahre 2010? Immerhin hat sich SIP als VoIP-Protokoll auf breiter Front durchgesetzt und es gibt eine erkleckliche Auswahl an hübschen und ausgereiften Telefonen, mit Asterisk steht eine hervorragende VoIP-Telefonanlagensoftware aus dem Open-Source-Lager zur Verfügung, gute Heimrouter wie die Fritz!Box haben für den Hausgebrauch völlig ausreichende und gut bedienbare Telefonanlagenfunktionen und es läuft notfalls auch ein ganzer Asterisk darauf. Und die Telefone dazu? Immer noch so kompliziert, dass der eigens dafür bestehende Beruf Telefonanlagenbauer noch lange nicht überflüssig wird. Wieso gibt es auch gegen viel Geld kein Killer-Telefon für den Hausgebrauch? Wieso wird der SOHO-Bereich mit (bei fehlender Anlagenunterstützung) funktional beschnittenen Scheißtelefonen abgespeist? Ist da so wenig Geld zu verdienen? Ich weiß es nicht, aber ich skizziere jetzt einfach mal ein für mich perfektes Tischtelefon für den Einsatz im Kleinbüro- und Heimbereich, wo üblicherweise eine kleine (etwa eine Fritz!Box) oder gar keine Telefonanlage zur Verfügung steht:

  • Gute SIP-Kompatibilität mindestens mit Fritz!Box und Asterisk, inkl. solcher Stolpersteinchen wie dem Blindtransfer mit der Fritz!Box, wo Siemens teure und in meinen Augen extrem nervigen, weil nur an Siemens HiPath-Anlagen wirklich gut funktionierenden OpenStage-Telefone schon scheitern (wobei mir immer noch nicht klar ist, wer da letztlich die Schuld trägt).
  • Wählen vom PC aus, vorzugsweise ohne Umweg über den SIP-Server (den Fritz!Box TAPI-Treiber gibt es zum Beispiel nicht für 64Bit Windows, immerhin gibt es den überhaupt) und auch am Mac bzw. Linux. Und zwar ohne Fummelei, das kann ja so schwierig nicht sein.
  • HD-Telefonie, in welcher Form auch immer. AVM nennt das HD-Telefonie und mit deren Mobilteil MT-D klingt das wirklich bezaubernd, kein Vergleich zu Standard-Telefonie oder gar einem Handy-Telefonat. Immerhin scheinen alle Hersteller sowas im Angebot zu haben, aber funktioniert das auch?
  • Irgendeine Adressbuchsynchronisation, vorzugsweise möglichst offen, damit man das irgendwie an seine Landschaft anpassen kann. Ich benutze Thunderbird und wäre durchaus bereit, ein paar Euro für einen Connector dafür zu bezahlen. SyncML würde es auch tun oder irgendetwas ähnliches. Nur Outlook reicht nicht. Und LDAP? Im SOHO-Bereich? Solange die Fritz!Box und andere kleinere SIP-Lösungen kein LDAP-Zugriff auf ihr Telefonbuch bieten, bringt einen das nur bedingt nach vorne. Einen Linux-Server dauerlaufen zu lassen, damit man sein Telefonbuch benutzen kann scheint mir dann doch etwas ressourcenhungrig. Mein Windows Home Server legt sich jedenfalls mit den anderen Rechnern aus Stromspargründen schlafen.
  • Bluetooth-Headsets direkt nutzbar. Wie kann es sein, das selbst Topmodelle für etliche hundert Euro kein Bluetooth beherrschen? Jedes dumme Mittelklassehandy für Teenies kann Bluetooth-Headsets anbinden (und einige sogar so Kunststücke, wie Facebook als Telefonbuch zu nutzen), wieso bloß können Tischtelefone das nur in sehr seltenen Ausnahmefällen?
  • Gigabit-Ethernet. Fast alle SIP-Telefone können einen Netzwerkport durchreichen, wieso aber können die wenigsten auch Gigabit-Ethernet durchreichen? So braucht man doch einen extra Port für das Telefon, um den PC nicht seiner schnellen Anbindung zu berauben. Alles eine Preisfrage? Wenn man mehrere hundert Euro verlangt, kann man den Aufpreis für einen Gigabit-Port doch wohl noch unterbringen. Eine ganze Gigabit-Netzwerkkarte für den PCIe-Bus bekommt man einzeln für unter 5€.
  • Einfache Aufzeichnung von laufenden Telefonaten wäre auch toll. Ich zumindest muss gelegentlich Anrufe mitschneiden und nutze dazu immer Skype, wenn ich vorher davon weiß; etwa wenn ich die 1&1-Hotline anrufe, um mir deren unfassbare Dreistigkeiten anzuhören.
  • Intuitive Bedienung. Das Snom 870 macht das auf den Demo-Videos schon ganz gut vor. Warum schaffen andere Telefone sowas nicht? Man will doch nur, dass sich die Funktionen intuitiv bedienen lassen. Da werden dann in den Topmodellen riesige Displays eingebaut, die sich auf dem Chef-Schreibtisch gut machen, ohne dass man einen Vorteil bei der kryptischen Bedienung daraus ziehen würde. Wenn ich Bedienoberflächen wie die des nicht gerade billigen Siemens OpenStage 40 sehe, dreht sich mir der Magen um; man sollte echt mal ein Video von der Bedienung aufnehmen.

Schon an diesen eigentlich naheliegenden Forderungen scheitern meines Wissens nach alle Tischtelefone. Dass die Telefone alle mehr oder weniger ausgefuchste Adressbuchzugriffe über LDAP oder ähnliches unterstützen, bringt einen im Kleinbüro leider nicht weiter.

Aber der entscheidende Part ist für mich die Bedienung: Was nützen einem die fettesten Funktionen, wenn man sie im Alltag wegen Kompliziertheit nicht benutzt? Snom geht beim 870 mit dem relativ großen Touchscreen schon in die richtige Richtung, deswegen hätte ich das heute beinahe kurzentschlossen bestellt, verspricht es doch fast alle genannten Punkte abzudecken. Doch dann habe ich gesehen, dass es kein Bluetooth kann. Warum? Das Telefon kostet über 300€, anfangs sogar fast 500€, aber es kann kein Bluetooth? Immerhin signalisiert Snom im hauseigenen Forum Interesse an dem Vorschlag, wenigstens Bluetooth-Dongles am USB-Port des Telefons zu unterstützen. Bis dahin muss ich wohl weitersuchen.

Wenn man 300€ für ein Telefon bezahlt, bewegt man sich doch eigentlich schon im Bereich von besseren Android-Tabletts. Ich frage mich schon lange, wieso nicht jemand auf die Idee kommt, ein großes Android-Tablett mit einem Netzwerkanschluss, einem Telefonhörer und einem einfach zu bedienenden Telefonieprogramm auszustatten. Das wäre für mich ein Traum, bei dem die proprietäre Flexibilität per XML-Browser der Snom-Telefone im Leben nicht mithalten könnte. Mit Android liegt ein fertiges und leistungsfähiges Betriebssystem für Telefone auf der Straße, dessen Bedienkonzept sehr modern ist, das nichts kostet und durch Apps auch noch beliebig erweiterbar ist. Im Grunde ist doch alles schon da. Ein Hersteller hat im letzten Jahr genau sowas angekündigt, verkauft das Konzept aber nur kundenspezifisch im Projektgeschäft oder als Lizenz für andere Hersteller. Aber exakt so stelle ich mir das vor, man schaue sich mal das Demovideo dazu an, großartig. Wenn sowas gut gemacht und halbwegs bezahlbar wäre, würde ich das sofort kaufen, für ein gutes Smartphone oder ein iPad gibt man ja auch gerne 500€ aus. Ein Cradle mit Hörer und gutem Freisprech-Lautsprecher für ein gutes Android-Smartphone mit SIP-Telefonie-App würde es auch schon tun, dann hätte man sogar noch Mobilfunk-Backup.


Tschüss Alice, hallo 1&1

04 11 2009

Hier und hier hatte ich schon über das VDSL-Angebot von 1&1 im Vergleich zu T-Home geschrieben. Ich hätte damals bereits fast kurzerhand bestellt, aber 24 Monate Vertragsbindung hasse ich einfach zu sehr, so dass ich noch abwarten wollte, was Alice zum Thema VDSL zu sagen hat. Nun hat Alice seine eigenen VDSl-Tarife gestartet und sie sind leider nicht wirklich attraktiv:

Für sich genommen sind 45€ im Monat für VDSL 50 und Telefonflat kein schlechter Tarif, 10€ Aufpreis für eine Premium-Hotline und einen echten ISDN-Anschluss sind auch fair. Wer keine Vertragsbindung wünscht, zahlt 100€ Einrichtung. Ein VDSL-WLAN-Router ungenannten Typs wird gestellt. Ich könnte mit wenigen Klicks umstellen und ich habe Alice als Provider in den letzten zweieinhalb Jahren zu schätzen gelernt. Es gab Höhen und Tiefen, aber insgesamt gehe ich im Guten aus der Sache raus.

1&1 auf der anderen Seite mochte ich noch nie so wirklich leiden. Aber VDSL 50 (über die volle Mindestvertragslaufzeit) mit Telefonflat für 40€ im Monat, dazu eine Fritz!Box 7390 für lau und keine Einrichtungsgebühr sind über zwei Jahre gerechnet einfach mal etwa 400€ Abstand zu Alice. Dazu kommen gutes Zubehör für günstig (Fritz!Fon MT-D 40€, Fritz!Stick WLAN N 30€, ein HSDPA-Stick für quasi lau mit 3 Monaten UMTS-Flat), 1TB Online-Speicher zum rumprobieren und eine kostenlose Hotline. Die kostenlose Handyflat ins Festnetz interessiert mich nicht und die Maxdome-Online-Videothek werde ich mir mal ansehen, erwarte aber nichts tolles. Für machen mögen die beiden Features aber ebenfalls praktisch sein. Insgesamt hat 1&1 zur Zeit das mit Abstand attraktivste VDSL-Angebot am Markt.

Ich bin also käuflich, mein Preis ist nicht ganz billig, aber das sind um die 400€: 45€*24 plus 100€ Einrichtung sind bei Alice in zwei Jahren 1180€, 40€*24 abzüglich geschätzter 200€ für die Fritz!Box 7390 ergeben bei 1&1 760€, die ganzen anderen Zugaben nicht mal mit eingerechnet. Von der Telekom rede ich lieber mal gar nicht, hier ist der Grundpreis schon für VDSL 25 teurer, es fällt eine Einrichtungsgebühr trotz 24-Monats-Bindung an, VDSL 50 wird (ohne Fernsehen aka Entertain) gar nicht mal mehr beworben und seine Hardware muss man gar selber kaufen oder ab 3€ im Monat mieten. Hatte ich schon die Drosselung nach 100GB (bzw. 200GB bei VDSL 50) im Monat erwähnt? Hier braucht man keinen allzu spitzen Bleistift und auch keine der einschlägigen negativen Erfahrungen mit dem berühmten Telekom-Kundenumgang, um das Angebot doch lieber zu ignorieren. Hoffen wir nur mal, dass ich mit 1&1 nicht in der Vorsicht-Kunde-Rubrik in der c't lande.

Das beruhigende übrigens ist folgendes: Es sieht momentan so aus, als würde 1&1 mir einen Techniker ins Haus schicken, der eine zweite TAE-Dose installiert, über die dann das VDSL geschaltet wird, bevor ich Alice kündige. Wenn das stimmt – und der Mann an der Hotline hat mir das noch mal bestätigt, worauf man zwar nichts geben sollte, aber immerhin – dann muss ich nicht mal Angst haben, ohne DSL dazustehen. Das wäre schlicht großartig, denn beim Wechsel des Anschlusses passieren die meisten gravierenden Fehler. Und maximal zwei Monate die 25€ für den bisherigen Alice-Anschluss zu viel zu bezahlen, geht schon klar.

P.S. In einem mir bekannten Fall (ein Einfamilienhaus in Eller, also mitten im Stadtgebiet) gibt es kein Vodafone UMTS-Netz und das GSM/EDGE-Netz ist dort auch derart langsam, dass die tolle UMTS-Überbrückungsflat von 1&1 leider nicht nutzbar ist. So viel zum Thema, Vodafone hätte so ein tolles Netz. Immerhin bekommt man einen UMTS-Stick faktisch für lau, in den man seine O2-Multicard stecken kann, deren HSDPA-Empfang auch besser sein könne, aber der wenigstens eine halbwegs würdige Nutzung erlaubt. Die Wohnung meiner Eltern befindet sich übrigens Luftlinie etwa 5 Meter (etwa auf gleicher Höhe) von einer O2-UMTS-Basisstation entfernt, was die paradoxe Situation erlaubt, dass man hier mit UMTS wesentlich stabiler und schneller unterwegs ist, als mit dem einen unter 25-30 weiteren (auffindbaren) WLAN-Netzen im 2,4GHz Band. Wir sind hier ja im P.S., da wollte ich das nur mal erwähnen.

Nachtrag 27.11.2009: Vorab schon mal ganz wichtige Neuerungen an der Front, bevor ich mich irgendwann mal zu einem eigenen Beitrag durchringe: Eine zweite TAE-Dose bekommt man von 1&1 nicht, das ist trotz anderslautender Aussage der Bestellhotline und so zu verstehender Option im Bestellprozess ganz und gar nicht vorgesehen, wir mir in mehreren Stunden Hotline-Gesprächen klipp und klar gesagt wurde. Stattdessen kommt scheinbar systematisch gar kein Techniker zum vereinbarten Schaltungstermin und man steht in den meisten Fällen wohl einfach ohne Anschluss da, bis man die Hotline überredet hat, doch mal (wie versprochen) einen dringend benötigten Techniker zu schicken. In der Zwischenzeit schlug man mir allerlei dreiste Dinge vor, mein Liebling war aber, dass ich selbst einen Techniker besorgen soll (oder es gar selbst mache), der illegaler Weise am Hausanschluss der Telekom rumfummeln sollte. Insgesamt kann ich von 1&1 nach diesen Erfahrungen nur allerdingendst abraten, wenn man nicht Lust auf ein sehr ermüdendes und ernüchterndes Spiel beim Anschluss hat. Auf jeden Fall verzichten sollte man auf die vorausgewählte Option, dass sich der 1&1-Anschluss mit dem bestehenden Anschluss überschneidet, denn hier scheint die Wurzel allen Übels zu liegen. Die problemlose und freundlich und sofort bearbeitete telefonische Kündigung bei Alice hat mir dann den Service-Unterschied der beiden Firmen noch mal drastisch in Erinnerung gerufen. Ich hätte bei Alice bleiben sollen.


Tretminen für Computerforensiker auslegen

22 09 2009

Ich habe hier ein paar alte Festplatten herumliegen, teilweise von Kunden, teilweise eigene, einige mit defekten Sektoren, andere einfach alt. Neulich dachte ich mir, dass die bei einer Hausdurchsuchung sicher sofort ins Auge fallen würden, sind doch Festplatten bei Vollstreckungsbeamten immer gern gesehene Mitnahmeartikel. Was also tun mit den Dingern? Wenn nicht zufällig ein Backup irgendeines alten Systems darauf schlummert, sind sie eigentlich alle leer, sprich mit Nullen überschrieben und bereit für den Recyclinghof oder erneuten Einsatz. Das wäre ja irgendwie langweilig für die Computer-Forensiker, die die Dinger untersuchen, die sollen ja auch ihren Spaß haben.

Mein erster Gedanke war, hier freundliche Botschaften unterzubringen und sonst nichts. Vielleicht solche, die man nur beim Zugriff mit dem Diskeditor findet, so als ein nettes Versteckspiel unter Kollegen. Aber das ist ja nur halb so lustig. Eine andere Idee wären langwierige TV-Mitschnitte von irgendeinem quälendem Dumm-TV, so dass sich ein armes Schwein die ganze Scheiße reinziehen muss. Schon lustigere Vorstellung.

Schlussendlich entschied ich mich aber für die geheimnisvolle Variante: Die komplette Platte wird mit Truecrypt verschlüsselt, so dass auf den ersten Blick nur Zufallszahlen drauf sind. Wenn man nun das nett formulierte Passwort kennt und auf den Trichter mit der Truecrypt Verschlüsselung kommt, kann man die Platte öffnen und, das ist der ganze Witz, findet einen leeren Datenträger vor. Das ist deswegen witzig, weil man in dem Fall nicht wissen kann, ob innerhalb der Verschlüsselung nicht vielleicht noch ein weiterer – versteckter und ohne Kenntnis des Passwortes nicht nachweisbarer – verschlüsselter Container lauert. Quälende Ungewissheit. Ja ich weiß, blöder Geek-Humor und auch nichts wirklich innovatives. Aber die Vorstellung der blöden Gesichter erfreut mein Herz und nimmt einer Hausdurchsuchung einiges an Schrecken. Wenn schon jemand derart tief in meine Intimsphäre eindringt (und das ist meine Computeranlage für mich), will ich wenigstens auch was davon haben.

Eine leere Growbox mit Webcam drin aufzustellen ist auch so eine mich sehr belustigende Idee, die ich schon mal hatte. Boah muss das nerven, Hausdurchsuchungen bei solchen Spackos machen zu müssen.

P.S. Vielleicht fragt sich mancher, wieso ich eigentlich immer mit einer Hausdurchsuchung rechne, warum ich so paranoid bin, was das angeht. Nun, Hausdurchsuchungen werden heutzutage (war das eigentlich schon immer so?) aus den nichtigsten Gründen angeordnet und das kann jeden treffen, der sich aktiv im Netz bewegt.


Telekom VDSL ohne Fernsehen mehr als unattraktiv

08 09 2009

Gerade lese ich die News zu den neuen Telekom VDSL-Tarifen ohne Fernsehen. Was soll man dazu sagen? Gestern habe ich den immens verführerischen 1&1 VDSL Tarif vorgestellt und heute kommt die Telekom mit einem im Vergleich derart unattraktiven Tarif daher, dass man sich nur wundern kann. Also im Detail:

25/5Mbit/s kosten 55€ und 50/10Mbit/s 60€ pro Monat, ISDN kostet 4€ Aufpreis. Wer noch im September bucht, zahlt 10€ weniger und kommt damit immerhin in die Liga von 1&1. Hinzu kommen 60€ Einrichtungsgebühr für den Telefonanschluss und ab 01.10.2009 nochmal 100€ für den DSL-Anschluss, wenn man die nicht vorher schon hatte. Geräte gibt es keine dazu, die muss man entweder teuer kaufen oder ab 3€ im Monat mieten. Aber das ist noch nicht alles, denn die Leistungsbeschreibung, also das ausgelagerte Kleingedrukte zaubert noch eine weitere Überraschung für den geneigten Interessenten aus dem Hut: Ab 100 bzw. 200GB Traffic im Monat wird auf 6/0,6Mbit/s gedrosselt. Selbstverstädlich bindet man sich auch hier 2 volle Jahre.

Also vergleichen wir mal: 1&1 kostet 50€ im Monat für 50/10Mbit/s, bietet einiges an Zusatzfeatures, 10 Rufnummern (allerdings nur als VoIP Anschluss) und man bekommt ohne Einrichtungsgebühr 220€ Gutschrift und eine fette Fritz!Box 7390 für lediglich Versandkosten und verschiedene andere Geräte für wenig Geld in die Hand gedrückt. Das vergleichbare Telekom Produkt kostet ab Oktober im Monat ab 64€ zuzüglich Hardware und bis zu 160€ Einrichtungsgebühr und bringt eine versteckte Datendrosselung mit. Einziger echter Vorteil ist der richtige ISDN-Telefonanschluss. Krasser Unterschied.

Trotzdem habe ich gerade einen Kunden (Telekom Business Bestandskunde) überredet, auf VDSL umgestellt. Er bezahlt das gleiche, wie zuvor (Call and Surf Comfort VDSL Universal mit 50MBit statt zuvor Call and Surf Comfort Plus Universal mit 16MBit), verzichtet auf die Hotspot-Flatrate und günstige Mobilgespräche (nun 19ct/min statt 12,9ct/min), bekommt aber ultra schnelles VDSL. Keine Einrichtungsgebühr, Umstellung laut Hotline binnen sechs Tagen und ein Speedport W920V für 50, 60 oder 70€ (wusste die Hotline-Frau gerade nicht genau zu sagen) dazu. Für kurzentschlossene Bestandskunden ist das Telekom-Paket also gar nicht soo schlecht, vor allem, wenn man dem VoIP Anschluss nicht traut oder sonstwie unbedingt bei der Telekom bleiben will und wenn man an die 200GB im Monat garantiert nicht dran kommt. Übrigens ist der Speedport W920V im Grunde eine Fritz!Box 7270 plus VDSL-Modem im Telekom Kleid und kann sogar mit AVM Firmware ausgestattet werden. Keine 7390, aber immerhin.

So, wie 1&1 und Telekom auf die Tube drücken, müssen sich Alice und Vodafone jetzt mal schleunigst konkret zum Thema VDSL äußern. Die Sonderaktion der Telekom, dass man nur jetzt im September konkurrenzfähige Preise bezahlt, bewirkt eine schnelle Bindung so einiger Kunden an die Telekom für zwei Jahre, also müssen die beiden noch im September mit attraktiven Angeboten kommen. 1&1 hat ja schon mal ordentlich vorgelegt.


TeLMI, Quix, Scall und Skyper - voll 90er ey!

30 07 2009

Irgendwann in den 90ern gab es für normalsterbliche noch kein Internet und allgegenwärtige Erreichbarkeit per Handy war ein undenkbarer Luxus, zumindest für 13 jährige Schüler wie mich. Aber das mit der Erreichbarkeit leuchtete mir total ein, das wollte ich auch am Start haben. Dieses Gefühl gab es wohl auch bei anderen Leuten, denn um 1995 rum kamen gleich vier konkurrierende Pager-Systeme auf den Markt, die ein revolutionäres und für Jugendliche erstmals finanzierbares Geschäftsmodell nutzten: Der Pager-Träger bezahlt außer dem Gerät nichts, nur wer ihn anpagen will, bezahlt. Und da sind wir schon beim zentralen Problem, denn eine einzige Textnachricht kostete den Sender mehrere D-Mark. Völlig kranke Scheiße, die wirklich fast niemand gemacht hat.

Ich hatte mir damals einen grünen TeLMI gekauft, denn obwohl Quix im Grunde cooler war und mit dem Mehrwert verschiedener kostenloser Nachrichtenticker mitbrachte (u.a. die BRAVO-News), war TeLMI das technisch überlegene System. Wenn ich mich recht erinnere, konnte es weit mehr Zeichen pro Nachricht übertragen und hatte eine garantierte Laufzeit von unter einer Minute, während in den anderen Netzen durchaus auch mal zwei bis drei Minuten üblich waren. Für die Umsetzung der Textnachrichten gab es eine Hotline mit menschlichen Operatoren, die sich die Nachricht anhörten und abtippten. Kann man sich heute kaum noch vorstellen, aber so war das System angelegt. Leider schienen die Operatoren bei den paar Nachrichten, die ich insgesamt bekommen habe, nicht allzu sorgfältig zugehört zu haben. Aus der kultigen Nachricht Karl Ranseier ist tot… wurde so etwas unleserliches wie Kairan seier ist tot… oder so ähnlich, nur noch unverständlicher. Ich habe also mindestens sechs Monate lang stets meinen TeLMI dabei gehabt, um insgesamt weniger als 10 Nachrichten zu empfangen, alle davon Test- und Witznachrichten. Ich weiß nicht, was sich die Betreiber damals erhofft hatten bei diesen irrwitzigen Mondpreisen. Gerade Jugendliche können sich eine regelmäßige Nutzung dieses Dienstes schlicht nicht leisten, zudem war der Nutzen ohne Rückkanal sowieso sehr beschränkt. Mehr als Hab Dich lieb und Ruf mich mal schnell bei xy an, hab meinen Schlüssel vergessen. ließ sich einfach nicht sinnvoll übertragen. Von Unterwegs konnte man sich ja auch nicht melden, denn selber hatte man ja auch kein Mobiltelefon. Ein Ich komme später, hab die Bahn verpasst war also auch nicht drin, ganz davon abgesehen, dass diese Nachricht einem in der Praxis dann doch nicht mehrere D-Mark wert gewesen sein dürfte.

Alles in allem eine unerträgliche Totgeburt das ganze und nur wenige Jahre später kamen die Prepaid-Handys mit SMS. Damit konnte man für vergleichsweise günstige, im Grunde aber immer noch lächerlich teure 39 Pfennig pro SMS in zwei Richtungen und wirklich mobil arbeiten. Und sogar telefonieren, wenn man sich das leisten konnte. Großartig. Und Internet zu Hause hatte man auch.

Scall und Skyper waren übrigens irgendwie doof, ich weiß gar nicht mehr, wieso eigentlich. Scall hatte sogar die großartige Idee, einen Pager in der "Swatch the Beep" mit einer Uhr zu kreuzen. Voll future-mäßig, aber fast noch bescheuerter also ein grüner Pager mit Holster am Gürtel. Ich schäme mich auch angemessen, ehrlich. Wobei mir dieses Gürtel-Holster, das ich stets etwas verschämt hinten am Arsch trug, mal eine Faust beschert hat. Als Ronnie mit der Dicken Backe mir den TeLMI abziehen wollte und mich deswegen abgecheckt hat, hat er das da hinten nicht gefunden und mir dann stattdessen vorgeworfen, dass ich seine Schwester angebaggert hätte. Wenn man aufs Maul bekommt ist der aus der Luft gegriffene Grund ja total egal, aber das mit der Schwester ist doch so klischeehaft und dumm. Als ob man sich nicht irgendetwas weniger armseliges ausdenken oder die Faust einfach mal grundlos sprechen lassen könnte.

P.S. In meiner CB-Funk Zeit hatte ich übrigens auch mal einen CB-Funk Pager zusammen mit einem Funkgerät in Autotelefon-Optik von Conrad (die hab ich sogar noch irgendwo). Bei dem Ding konnte man auf der Tastatur eine vierstellige Zahl eingeben und der dazugehörige Pager piepste und schaltete für eine Weile auf Empfang, sofern er denn in Reichweite war. So wir Polizeifunk inkl. des komischen Piepsens, nur eben im 27MHz Band, was dem Pager eine recht lange Wurfantenne bescherte, die einem am bein runter hing. Auch hier war ich der einzige weit und breit mit sowas und konnte mich nur selber anpiepsen. Wow. Oder eben andere mit polizeimäßigem Rumgepiepse nerven, wenig Nutzwert insgesamt, aber immerhin technisch spannend.


AVM hat einen super Service

09 07 2009

Seit ein paar Jahren bin ich sehr treuer AVM-Kunde. Die Fritz!Box war der erste Router, der mich wirklich langfristig zufriedengestellt hat. Ich habe sie nur einmal durch einen anderen Router ersetzt, nämlich ihren Nachfolger. Auch bei meinen Kunden und sonstigen Leuten, denen ich eine Fritz!Box empfohlen habe, war das stets die Endstation der Router-Odyssee. Und ich musste schon viele Router austauschen in meinem Leben, nicht nur bei mir. Einer der schlimmsten war ein Zyxel-Gerät, das nur zwei oder drei WLAN-Geräte gleichzeitig versorgen konnte und das Gerät mit der jeweils längsten Verbindungszeit bei einem vierten hinzukommenden Gerät einfach gekickt hat. Darüber wollte ich aber gar nicht reden, sondern über den AVM-Support.

Einen Defekt an einer Fritz!Box musste ich bisher gottlob noch nie reklamieren, aber ich habe schon die ein oder andere Supportfrage gestellt, die mir stets freundlich und kompetent beantwortet wurde. Vor einer Woche ging dann mein ziemlich neues Fritz!Fon MT-D kaputt, das ich übrigens für das Geld für ein wirklich tolles Gerät halte. Es gab keinen Mucks von sich und ließ sich auch nicht einschalten. Also habe ich eine Supportanfrage via Webformular gestartet. Am nächsten Tag kam eine Antwort mit einem kurzen Hilfevorschlag (der aufgrund meiner vorher gegebenen Informationen reichlich überflüssig war) und der Ansage, dass ich das Gerät ansonsten werde einschicken müssen. Auf meine Antwort, dass das nichts helfe, bekam ich zügig eine Adresse und eine RMA-Nummer mitgeteilt. Flugs das Gerät eingepackt und zum Hermes-Paketshop gebracht (Hermes hat übrigens mal wieder wirklich von seiner langsamsten Seite gezeigt) und ab mit dem Telefon nach Berlin. Es folgte eine Eingangsbestätigung per E-Mail (sehr gut!) und schon am nächsten Tag habe ich ein nagelneues Austauschgerät per DHL bekommen. So muss eine Garantieabwicklung funktionieren, da habe ich nicht mal Grund, mich über die vier Euro Versandkosten zu beschweren: Die zahle ich gerne als meinen Beitrag zum wirklich zufriedenstellenden Support.

Zum Fritz!Fon MT-D: Ich habe das Gerät gekauft, obwohl es bei Geizhals.at nur von 11% der Besucher empfohlen wurde. Das ist der mit Abstand schlechteste Wert, den ich dort je gesehen habe. Auch in anderen Foren gab es massive Beschwerden über das Gerät, vor allem wäre die Sprachqualität oft extrem schlecht. Ich habe es trotzdem gekauft und direkt die aktuelle Firmware aufgespielt. Was soll ich sagen? Keins der genannten Probleme konnte ich nachvollziehen. Vielleicht habe ich eine neue Baureihe erwischt? Vielleicht habe ich einfach Glück? Vielleicht hat erst die neueste Firmware die groben Probleme behoben. Wie auch immer, für unter 40€ bekommt man meiner Meinung nach kein besseres Telefon und dass es sich so formidabel mit der Fritz!Box verträgt ist ebenfalls fein. Schade, dass ich keine Gegenstellen für die wirklich toll klingende HD-Telefonie habe. Nur die Tarifansage von Sipgate klingt immer voluminös und kraftvoll, da sieht man, was gehen könnte. Insgesamt ein guter Kauf und auch der Defekt trübt meine positive Meinung nicht. Sowas kommt vor und erst da zeigt sich die wahre Qualität eines Anbieters.

Und weil AVM so eine anständige Firma ist, die sicherlich ein brauchbares Blog-Monitoring macht, auf diesem Wege noch mal mein dringendes Feature-Request: Einer meiner Kunden braucht dringendst eine zeitlich fein steuerbare Anrufbeantwortersteuerung, also AB nur außerhalb der Bürozeiten und in der Mittagspause an, Mittwochs und Freitags Nachmittags aber auch. Kann doch nicht so schwer sein. Meine Notlösung wäre ein Script, was auf das Frontend über einen emulierten Browser zugreift. Vielleicht sollte ich mir mal die Reconnect-Funktion vom jDownloader genauer ansehen. Wie wäre es überhaupt mal mit einer allgemeinen dokumentierten API zu den Fritz!Box Funktionen? Da könnte man auch ohne Freetz- und anderes Gebastel sicher viel spannendes bauen.


Vista entlarvt schlecht programmierte Programme

08 04 2009

Ich habe heute den ganzen Tag Vista plus etliche Programme auf einem iMac 24" installiert. Entgegen landläufiger Meinungen hatte ich nur bei einem Programm Probleme, die auf Vista zurückzuführen waren. Oder anders herum: Vista entlarvt die miese Programmierung dieses Programms derart schonungslos, dass sein Entwickler (der inzwischen aufgegeben hat) zum Start von Vista einen Jammerbrief über dieses böse Vista an seine Kunden mit Wartungsauftrag geschickt hat. Dieses Gejammer ist unfassbar peinlich, weil das Programm seit etlichen Jahren schon nicht sauber funktioniert. Unter anderem arbeitet es schon immer ohne sinnvollen Grund nur mit Administratorrechten. Ich kenne den genauen Grund zwar nicht, aber das ist auch völlig egal, denn offensichtlich bestünde dieses Problem bei halbwegs sauberer Programmierung nicht. Aber das ist nicht der einzige Fehler. Das Programm ist ein Musterbeispiel, wie man etwas nicht machen sollte; ergonomisch und programmiertechnisch einfach nur katastrophal.

Ich hätte glatt Lust, mal einen Screencast zu machen, wo ich dieses Stück Software-Dreck en Detail zeige. Was mein Kunde mir über die Jahre schon an Geld bezahlt hat, damit ich die Probleme so gut es geht behebe, ist wirklich immens. Übrigens habe ich auch für die mehrfache Neuinstallation eines HP-Druckertreibers schon so viel Geld in Rechnung gestellt, dass man gleich zwei der problemlosen Brother Geräte hätte kaufen können, mit dem wir diesen HP OfficeJet dann endlich ersetzt haben. Was soll ich sagen: Inzwischen gibt es dort neben dem uralten HP LaserJet 4L nur noch drei Brother-Geräte und keins davon hat jemals für unnötigen Supportaufwand gesorgt. Ein Traum, kann ich nur sagen: Drucker ans Netz, CD rein, ein paar Minuten lang den Installationsassistent laufen lassen (der fragt, ob man nur Drucker- und Scannertreiber oder die ganze Software haben will), fertig. Sogar der "Scannen an" Knopf am Gerät funktioniert sofort wie er soll und im Gegensatz zur Höllen HP-Software sogar dauerhaft. Danach kann man die Geräte schlicht vergessen, so wie es sein soll. Den kleinen Monochrom-Laserdrucker habe ich tatsächlich seit seiner Installation vor einigen Jahren nur zum woanders hinstellen mal anfassen müssen. Ich frag schon gelegentlich nach, ob der überhaupt noch benutzt wird, weil ich nichts davon höre. Ja wird er, täglich.


Doch bei O2 geblieben

16 02 2009

Die vor einiger Zeit genannten Gründe, warum ich O2 gekündigt hatte, sind weiterhin gültig. Trotzdem habe ich soeben einen Genion L mit 24 Monaten Vertragsbindung abgeschlossen. Warum?

  • Ich habe die Premium-Hotline angerufen und nach mehrmaligem Weiterverbinden bin ich der Hotline für Selbstständige gelandet. Der Typ dort schien mein Problem zu verstehen und bot mir einen Genion-L-Selbstständigen-Tarif für 25,50€/Monat und dazu einen HTC Touch HD für 169€ an. Wenn man das gegenrechnet (ab ca. 580€ für den Touch HD im freien Handel), bekomme ich ca. 17€/Monat Subvention auf das Handy, bezahle für das Genion-L ohne Handy also letztlich 8,50€/Monat. Klar ist das ne Milchmädchenrechnung, wenn man bedenkt, dass ich den Touch HD eigentlich nicht brauche. Aber derart schöngerechnet ist der Tarif echt attraktiv. Der Genion-L-Spezial-Tarif ohne Handy für selbstständige Neukunden würde mich 12,75€/Monat kosten und mich "nur" sechs Monate binden.
  • Ich bin noch bis Ende des Jahres Premium-Kunde, das ist sicherlich vorteilhaft. Bin ich nicht mehr Premium-Kunde, habe ich als Selbstständiger trotzdem eine kostenlose Hotline und gleichzeitig 15% Rabatt auf die Rechnung.
  • Als Selbstständiger bekommt man ferner einen 48-Stunden-Handy-Austauschdienst, falls mal was am Gerät ist.
  • Ich bin schon immer und gerne O2-Kunde, auch wenn die Tarife manchmal schlicht eine Unverschämtheit sind; wie der neue Genion S, der übrigens inzwischen doch nicht mehr 2,50€ Grundgebühr kostet, wenn man ihn online bucht. Das war ja wirklich unhaltbar.
  • Ich glaube nicht ansatzweise, dass ich bei einem anderen Anbieter auch nur einen Tick zufriedener wäre. Irgendwas ist ja immer.
  • Ich kenne ne Menge Leute, die (nicht zuletzt wegen mir) bei O2 sind und Genion L haben. Da können wir uns alle wunderschön inzestös für lau anrufen. Würde ich zu blau.de wechseln, wär Essig damit. Einzige Alternative wäre Alice im O2-Netz für 15¢/min, das bringt mich allerdings nicht wirklich nach vorne, zumal es da keine guten Datentarife gibt, wenn man von den netten 30MB inkl. absieht. Fonic übernimmt leider keine Rufnummern.
  • Der Touch HD ist schon fein und bis es nennenswert bessere iPhone Konkurrenten wie den Palm Pre oder brauchbare(!) Android-Geräte gibt, ist das sicher eine gute Zwischenlösung. Mein XDA Orbit 2 ist ja wirklich nett, aber die 320x240 Mini-Auflösung steht einer echten Nutzbarkeit doch sehr im Weg. Und iPhone-Besitzer lachen einen hoffentlich mit dem Touch HD nicht mehr gar so sehr aus.