Tischtelefon gesucht

05 03 2010

Ich bin seit 20 Jahren latent auf der Suche nach einem guten Tischtelefon. Alles fing mit dem neuen Diensttelefon in meinem Elternhaus gegen Ende der 80er an: Das Ding war schick und konnte quasi alles, was man sich vorstellen konnte und noch mehr, bediente sich aber derart kryptisch, dass ich mir die Bedienung auch nach mehrmaligem Durchlesen des Handbuchs absolut nicht einprägen konnte. Ja, ich war ein Geek-Kind, das alle Anleitungen gelesen und alles ausprobiert hat, um zu verstehen, wie Geräte funktionieren. Das Ding war angesichts unseres privaten Wählscheibentelefons zwar faszinierend, aber irgendwann verlor ich das Interesse, vor allem, weil es im Arbeitszimmer stand und zudem nicht am Familienanschluss angeschlossen war.

So erging es mir in des folgenden 20 Jahren leider mit jedem Telefon, das ich in die Finger bekam, anfangs auch mit Handys. Handys haben es mittlerweile geschafft, dass man Grundfunktionen wie Makeln und Konferenzen halbwegs verlässlich über die Bühne bringt und Adressbuchsynchronisation klappte dann auch irgendwann durchaus praxistauglich. Das iPhone schafft im T-Mobile-Netz sogar das Kunststück, die ätzenden Voice-Menüs von Mailboxen mit seiner Visual-Voicemail richtig erfreulich bedienbar zu ersetzen, großartig.

Und was ist mit Tischtelefonen im Jahre 2010? Immerhin hat sich SIP als VoIP-Protokoll auf breiter Front durchgesetzt und es gibt eine erkleckliche Auswahl an hübschen und ausgereiften Telefonen, mit Asterisk steht eine hervorragende VoIP-Telefonanlagensoftware aus dem Open-Source-Lager zur Verfügung, gute Heimrouter wie die Fritz!Box haben für den Hausgebrauch völlig ausreichende und gut bedienbare Telefonanlagenfunktionen. Und die Telefone dazu? Immer noch so kompliziert, dass der eigens dafür bestehende Beruf Telefonanlagenbauer noch lange nicht überflüssig wird. Wieso gibt es auch gegen viel Geld kein Killer-Telefon für den Hausgebrauch? Wieso wird der SOHO-Bereich mit funktional beschnittenen Scheißtelefonen abgespeist? Ist da so wenig Geld zu verdienen? Ich weiß es nicht, aber ich skizziere jetzt einfach mal ein für mich perfektes Tischtelefon für den Einsatz im Kleinbüro- und Heimbereich, wo üblicherweise eine kleine (etwa eine Fritz!Box) oder gar keine Telefonanlage zur Verfügung steht:

  • Gute SIP-Kompatibilität mindestens mit Fritz!Box und Asterisk, inkl. solcher Stolpersteinchen wie dem Blindtransfer mit der Fritz!Box, wo Siemens teure und in meinen Augen extrem nervigen, weil nur an Siemens HiPath-Anlagen wirklich gut funktionierenden OpenStage-Telefone schon scheitern (wobei mir immer noch nicht klar ist, wer da die Schuld trägt).
  • Wählen vom PC aus, vorzugsweise ohne Umweg über den SIP-Server (den Fritz!Box TAPI-Treiber gibt es zum Beispiel nicht für 64Bit Windows, immerhin gibt es den überhaupt) und auch am Mac bzw. Linux. Und zwar ohne Fummelei, das kann ja so schwierig nicht sein.
  • HD-Telefonie, in welcher Form auch immer. AVM nennt das HD-Telefonie und mit deren Mobilteil MT-D klingt das wirklich bezaubernd, kein Vergleich zu Standard-Telefonie oder gar einem Handy-Telefonat. Immerhin scheinen alle Hersteller sowas im Angebot zu haben, aber funktioniert das auch?
  • Irgendeine Adressbuchsynchronisation, vorzugsweise möglichst offen, damit man das irgendwie an seine Landschaft anpassen kann. Ich benutze Thunderbird und wäre durchaus bereit, ein paar Euro für einen Connector dafür zu bezahlen. SyncML würde es auch tun oder irgendetwas ähnliches. Nur Outlook reicht nicht.
  • Bluetooth-Headsets direkt nutzbar. Wie kann es sein, das selbst Topmodelle für etliche hundert Euro kein Bluetooth beherrschen? Jedes dumme Mittelklassehandy kann Bluetooth-Headsets anbinden, wieso bloß können Tischtelefone das nur in sehr seltenen Ausnahmefällen?
  • Gigabit-Ethernet. Fast alle SIP-Telefone können einen Netzwerkport durchreichen, wieso aber können die wenigstens auch Gigabit-Ethernet durchreichen? So braucht man doch einen extra Port für das Telefon, um den PC nicht seiner schnellen Anbindung zu berauben. Alles eine Preisfrage? Wenn man mehrere hundert Euro verlangt, kann man den Aufpreis für einen Gigabit-Port doch wohl noch unterbringen.
  • Einfache Aufzeichnung von laufenden Telefonaten wäre auch toll. Ich zumindest muss gelegentlich Anrufe mitschneiden und nutze dazu immer Skype, wenn ich vorher davon weiß, etwa wenn ich die 1&1-Hotline anrufe, um mir deren unfassbare Dreistigkeiten anzuhören.

Schon an diesen eigentlich naheliegenden Forderungen scheitern meines Wissens nach alle Tischtelefone. Dass die Telefone alle mehr oder weniger ausgefuchste Adressbuchzugriffe über LDAP oder ähnliches unterstützen, bringt einen im Kleinbüro leider nicht weiter.

Aber der entscheidende Part ist für mich die Bedienung: Was nützt es einem die fettesten Funktionen, wenn man sie im Alltag wegen Kompliziertheit nicht benutzt? Snom geht beim 870 mit dem relativ großen Touchscreen schon in die richtige Richtung, deswegen hätte ich das heute beinahe kurzentschlossen bestellt, verspricht es doch fast alle genannten Punkte abzudecken. Doch dann habe ich gesehen, dass es kein Bluetooth kann. Warum? Das Telefon kostet über 300€, anfangs sogar fast 500€, aber es kann kein Bluetooth? Immerhin signalisiert Snom im hauseigenen Forum Interesse an dem Vorschlag, wenigstens Bluetooth-Dongles am USB-Port des Telefons zu unterstützen. Bis dahin muss ich wohl weitersuchen.

Wenn man 300€ für ein Telefon bezahlt, bewegt man sich doch eigentlich schon im Bereich von Android-Tabletts. Ich frage mich schon lange, wieso nicht jemand auf die Idee kommt, ein großes Android-Tablett mit einem Netzwerkanschluss, einem Telefonhörer und einem einfach zu bedienenden Telefonieprogramm auszustatten. Das wäre für mich ein Traum, bei dem die proprietäre Flexibilität per XML-Browser der Snom-Telefone im Leben nicht mithalten könnte. Mit Android liegt ein fertiges und leistungsfähiges Betriebssystem für Telefone auf der Straße, dessen Bedienkonzept sehr modern ist, das nichts kostet und durch Apps auch noch beliebig erweiterbar ist. Im Grunde ist doch alles schon da. Ein Hersteller hat im letzten Jahr genau sowas angekündigt, verkauft das Konzept aber nur kundenspezifisch im Projektgeschäft oder als Lizenz für andere Hersteller. Aber exakt so stelle ich mir das vor, man schaue sich mal das Demovideo dazu an, großartig. Wenn sowas gut gemacht und halbwegs bezahlbar wäre, würde ich das sofort kaufen, für ein gutes Smartphone oder ein iPad gibt man ja auch gerne 500€ aus.


Warum der Pornomodus von Opera momentan nichts taugt

03 03 2010

Opera 10.50 wurde gestern veröffentlicht und bringt neben einem echten Geschwindigkeitsschub und endlich einer Windows 7 angemessenen modernen Optik auch den von mir schon lange vermissten Pornomodus mit. Nur leider ist der derart blöd eingebunden, dass er quasi wertlos ist.

Es fängt damit an, dass man den Modus dank fehlenden Tastenkürzels umständlich aus der zweiten Menüebene oder dem Kontextmenü der Tableiste hervorkramen muss. Was zur Hölle soll das? Nun gut, sicher kann man den Privatmodus an bestimmte Bookmarks binden… Kram, such, kann man nicht. Dreck. Dann hat Opera ja auch die super geniale Funktion der Seitenspezifischen Einstellungen, da kann man sicher den Privatmodus für einzelne Seiten aktivieren… Nope, auch hier nichts vom Privatmodus zu sehen. Nun gut, dann mache ich eben so einen privaten Tab auf und rufe dann die entsprechenden Bookmarks auf. Hab ich gedacht, ganz bauernschlau. Doch weit gefehlt: Das Aufrufen von Bookmarks öffnet einen neuen Tab im Standardmodus. Nicht mal das Kontextmenü von Lesezeichen im Panel bietet das Öffnen im Privatmodus an.

Zusammenfassend muss ich leider sagen, dass der Privatmodus wirklich denkbar schlecht implementiert wurde: Es ist unter keinen simplen Umständen möglich, Bookmarks im Privatmodus auszurufen und wenn der Privatmodus in der zweiten Menüebene ohne Tastenkürzel dahinschimmelt, wird ihn auch niemand regelmäßig aktivieren. Als einzige Möglichkeit bleibt, ein zweites Opera-Fenster im Privatmodus zu öffnen, in dem man dann auch Bookmarks aufrufen kann. Das geht sogar mit einem Tastenkürzel, immerhin.

Warum nur, Opera? Es ist ja nicht so, als hätten nicht alle anderen Browser bessere Implementierungen dieser Idee parat. Seid ihr zu stolz, von anderen abzugucken? Warum so halbherzig? Schaut euch mal den Firefox an, dessen Privatsphäreeinstellungen sind bestechend simpel, sogar rückwirkend kann man hier gezielt einzelne Seiten oder Zeiträume aus der History kicken. Eure Seitenspezifischen Einstellungen sind so ein großartiger und von mir oft genutzter Ansatz, warum taucht der Pornomodus hier nicht auf?

Randbemerkung: Es ist für mich kein Widerspruch, Bookmarks und Privatmodus gleichzeitig nutzen zu wollen. Ob eine detaillierte Porno-History angelegt wird, die zudem auch noch andere Seiten aus der Autovervollständigung verdrängt und vor allem auch dort auftaucht, wenn einem Leute über die Schulter sehen, oder ob man nur ein Bookmark in den Lesezeichen liegen hat, ist für mich ein zentraler Unterschied. Vor mir selber habe ich nichts zu verbergen, der Pornomodus ist also für mich lediglich eine Komfortfunktion zur History- und Cookie-Hygiene. Ich würde also erwarten, dass bei den Seitenspezifischen Einstellungen (oder im Bookmark) der Pornomodus wählbar ist, dieser in den Tabs klar gekennzeichnet ist und sich vor allem auch auf die darin verlinkten Seiten auswirkt.

Und wo wir gerade beim Thema Opera und Lästigkeiten sind:

  • Warum kann ich die Mausgeste für einen neuen Tab nicht mehr benutzen, wenn alle Tabs minimiert sind und ich den grauen Hintergrund sehe? Bisher ging das immer, jetzt muss ich hier einen Doppelklick machen. Kleine Umgewöhnung, halb so wild, aber überflüssig und inkonsistent. Ein Doppelklick in einen bestehenden öffnet ja auch keinen neuen Tab, dafür gibt es ja die Geste.
  • Lästiger ist, dass man noch immer nicht die Reihenfolge der Symbolleisten ändern kann: Ich habe die Tableiste und die Persönliche Leiste oben positioniert; das sorgt leider dafür, dass der coole neue O-Button nicht im Fensterrand hängt, sondern links von den Tabs. Ich hätte also gerne die Persönliche Leiste (Bookmarks) unter den Tabs oder wenigstens den coolen O-Button trotzdem im Fensterrand. Warum geht das nicht?
  • Warum gibt es beim neuen und an sich sehr gelungenen Standard-Skin allerlei unfassbare Farben als Farbschema, aber keine neutrale dunkle Farbe? Das System-Farbschema ist schon OK, aber grau und ein weißer Hintergrund im Schnellstarter sind keine wirklich erfreulichen Gesellen.
  • Warum gibt es keinen Feeds-Button für die Symbolleiste? Einen Lesezeichen-Button gibt es ja auch und ohne Menüleiste braucht man irgendwie einen direkten Zugang zu den Feeds. Klar, man kann sich im Netz benutzerdefinierte Buttons besorgen, so einen habe ich ja auch, aber der ist kleiner als der Lesezeichen-Button und fällt total aus dem Rahmen.
  • Der eingebaute Torrent-Client schnappt sich bei ein paar aktiven Torrents gerne mal die gesamte zur Verfügung stehende Bandbreite, so dass man parallel nicht mal mehr normale Websites aufrufen kann. Das muss man bei 50/10MBit VDSL erst mal schaffen.

So, genug gemeckert. Opera ist nämlich für mich immer noch der beste Browser von allen. Chrome gefällt mir auch sehr gut und in Zukunft will Google auch auf die eindeutige ID verzichten, wie ich gehört habe. Mit der neu hinzugekommenen Extension-Schnittstelle und seiner Smoothness ist er ein heißer Kandidat für den besten Browser. Firefox ist nachwievor (unter Windows und Linux) großartig und ich benutze ihn ebenfalls intensiv, wenn ich auch aus Gründen der Smoothness und aus Gewohnheit für das alltägliche Surfen seit nunmehr etwa 11 Jahren ununterbrochen Opera nutze. Safari ist inzwischen auch ein prima Browser, aber unter Windows eher überflüssig und vor allem gibt es ihn nicht als portable Version, was für mich als Webentwickler ziemlich bitter ist.

Nachtrag 09.03.2010: Wenn man in der Adresszeile opera:config eingibt, kommt man in einen erweiterten Config-Dialog, ähnlich wie bei Thunderbird und Firefox. Dort kann man so einige Nervigkeiten von Opera loswerden, etwa den Bandbreitenhunger für Torrents oder die Tab-Integration in der Windows 7 Taskleiste. Immerhin.


Qype bewegt sich nur noch langsam, rückwärts…

18 02 2010

Ich bin begeisterter Qype-Nutzer und schätze Qype als fundierten Ratgeber für Lokalitäten und Einkaufsmöglichkeiten. In letzter Zeit ärgere ich mich aber immer wieder und zunehmend über Abstriche und schlechte Entwicklungen, die ich nun mal gebündelt niederschreiben möchte.

Punkt 1 und ganz wichtig: Die Suche bei Qype ist und war schon immer ein schlechter Witze. Wenn man einen Laden sucht, dessen Namen man nicht genau im Kopf hat, ist man total aufgeschmissen, weil die Suche schon bei kleinsten Abweichungen in der Schreibweise scheitert. Immerhin wird einem dann eine Google-Suche als Alternative geboten, die auch vorher schon die bessere Alternative für das Auffinden von Läden bei Qype war. Eine Autovervollständigung würde das Problem immerhin teilweise beheben, aber langsfristig muss eine unscharfe Suche her.

Bis zuletzt habe ich Läden, die ich ums Verrecken nicht über die Suche gefunden habe, immer über die allgemeine Kartenansicht der Stadt gesucht und so zuverlässig finden können. Dieser Workaround ist aus unerfindlichen Gründen nicht mehr auffindbar. Was soll das Qype? Wo ist die allgemeine Kartenansicht über alle Kategorien hin? Dienste wie MapTheQ sind zwar cool und hübsch, aber hier fehlen etliche Locations aus für mich nicht ersichtlichen Gründen. Ein hier naheliegendes Beispiel ist der fehlende REWE hier um die Ecke in dieser Kartenansicht. Zudem ist es schon irgendwie seltsam, dass man Qype verlassen muss, um eine gute allgemeine Kartenansicht zu bekommen.

Ein weiteres Problem in der Nähe der Suche und Positionierung sind die völlig falschen Stadtteilgrenzen. Zumindest in Düsseldorf stimmen die Stadtteilgrenzen vorne und hinten nicht, so dass ich mich hier mit allen Läden um mich herum laut Qype in Stadtmitte befinde und Flingern-Nord erst östlich der Dorotheenstraße anfängt (also an der PLZ-Grenze 40233/40235). Eller und Lierenfeld stimmen auch ganz und gar nicht. Diesen Fehler habe ich bereits mehrmals im letzten Jahr gemeldet, eine Antwort bekam ich nie und behoben wurde das auch nicht. Auch hier: Was soll das Qype? Die Statteile hatten ursprünglich ja mal gestimmt.

Die kaputten Stadtteilgrenzen sind deswegen besonders ärgerlich, weil Qype einem seit einiger Zeit ständig und überall die Stadtteile statt der Städte aufdrängelt. Beispielsweise kommt man im Breadcrumb innerhalb einer Kategorie nicht mehr zurück zur ganzen Stadt. Ist man also in Shopping->Mode in Flingern-Nord und möchte andere Modegeschäfte in Düsseldorf suchen, kann man nicht einfach im Breadcrumb klicken, weil man da nur zu Düsseldorf ohne Kategorie oder eben zur Kategorie Mode in Flingern-Nord gelangt. Will man Mode in ganz Düsseldorf shoppen, muss man zurück zur Stadt und sich wieder zur Kategorie durchklicken. Ohne die Stadtteilebene war das alles kein Problem. In Berlin mag das mit den Stadtteilen essentiell sein, aber in den meisten anderen Städten ist das eher lästig. Eine Entfernungssuche wäre die klar bessere Alternative.

Kein echtes Problem, aber schon oft zu Recht bemängelt: Das "neue" Design in Türkis und rot ist nach wie vor zum kotzen abstoßend und das für Mitglieder wählbare Classic-Theme ist nichts Halbes und nichts Ganzes. OK, die neue Optik ist inzwischen durchaus rund optimiert, aber immer noch nicht mal im Ansatz so angenehm, wie das angenehme orange-grüne alte Design. Seit diesem Relaunch geht es in meinen Augen bei Qype nur noch bergab. Auch die Zahl der Beiträge pro Tag scheint seitdem zu stagnieren. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass Qype seitdem nur noch abbaut.

Wenig hilfreich ist da, dass man keine negativen Bewertungen mehr für Beiträge vergeben kann. Immer wieder begegne ich schlechten Beiträgen, ob zu kurz oder einfach total dämlich, ich möchte gerne schlechtes Feedback geben. Ich kenne genug gute Beispiele, wo doofe Beiträge, die mehrheitlich von anderen Nutzern abgelehnt werden, ausgeblendet werden oder sonstwie in den Hintergrund gedrückt werden. Das sehe ich als guten Anreiz, qualitativ hochwertige Beiträge zu schreiben, denn niemand mag gerne negativ bewertet werden. Ein "Weniger lesenswert" oder "Nicht hilfreich", wie es das früher bei Qype gab, ist in meinen Augen immens wichtig für die Qualitätskontrolle durch andere User. Die gelegentlich angesprochene Gefahr des Vergraulens von Neuusern sehe ich weniger, denn viele Experten sind sehr nachsichtig bei schlechten Beiträgen von Anfängern und geben gute und konstruktive Kritik. Nur loben zu können oder sonst schweigen zu müssen, entwertet das Lob in meinen Augen immens. Klar kann man auch Kommentare schreiben, aber wie alle wissen, wie schnell bei negativen Kommentaren ein Flamewar auflodert. Gut ist allerdings, dass man inzwischen sehen kann, wer einen Beitrag lesenswert fand, das ist schon ein Schritt in die richtige Richtung, um diese Lobfunktion wieder aufzuwerten. Immerhin.

Ein Ärgernis ist in meinen Augen die fehlende Möglichkeit, ältere Beiträge zu editieren, ohne dass der Beitrag nach oben geschoben wird. Ich gebe zu, dass es durchaus meine Eitelkeit ist, aber wenn ich einen frühen oder ersten Beitrag zu einem Platz geschrieben habe, empfinde ich diesbezüglich gelegentlich einen gewissen Stolz. Das führt dazu, dass ich solche Beiträge regelmäßig nicht mehr um neue Informationen ergänze, um die Position nicht zu verlieren. Zudem kenne ich das Hochschieben von Threads durch kleinere Änderungen als ein eher negativ besetztes Verhalten und würde das im Falle von Schreibfehlern schon aus diesem Grunde gerne vermeiden. So oder so: Man sollte wählen können, ob ein Beitrag bei einer Änderung ein neues Hauptdatum bekommt oder nur einen Editierzeitstempel. Ach ja, der Thread-Zusammenhang wird durch das ungefragte Umsortieren ebenfalls auseinander gerissen, konkret meine ich die durchaus übliche Bezugnahme auf die Vorredner.

Einige der hier beschriebenen Kritikpunkte finden sich auch im Qype-Feedback-Forum (nur für Insider und Experten sichtbar). Trotzdem wollte ich mal eine eigene kommentierte Sammlung von Kritikpunkten hier veröffentlichen. Ich hoffe, es ist kontruktiv genug formuliert, damit das auch ankommt. Wie ich Qype kenne, wird das sogar durchaus wahrgenommen. Das muss ich mal loben: Communitymanagement funktioniert bei Qype recht gut. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass es seit Monaten keine echte Weiterentwicklung mehr gibt. Vielleicht gab es einen signifikanten Personalabbau in der Entwicklung? Man weiß es nicht.

Stagnation ist Tod, Qype ist immerhin nicht alleine am Markt.


Arme Blockwart-Würste

05 12 2009

Fefe benutzt im Kontext der Wikipedia-Relevanz-Farce immer wieder den Begiff Blockwart, der es wirklich gut trifft. Elende Spaßbremsen, die mit irgendwelchen streng ausgelegten Regeln im Rücken gegen das Böse in Form von unerträglichen Regelverstößen kämpfen. Ein Musterbeispiel ist Knöllchen-Horst, der Querulant von Osterode, dessen Hobby es ist, Falschparker und andere Staatsfeinde anzuzeigen und der es mit einer Anzeige gegen einen falsch parkenden Rettungshubschrauber irgendwann überreizt und es damit in die überregionale Presse geschafft hat. Was für eine arme Wurst.

Schöne Story jedenfalls, die mich an ein Erlebnis vor vielen Jahren erinnert hat: Rügen, Sommerurlaub auf dem autofreien Campingplatz. Ich habe das Auto vom Parkplatz geholt und bin nahestmöglich an den Waldweg herangefahren, der vom Campingplatz kommt. Dort habe ich wenige Minuten auf meinen Vater gewartet, der aus irgendeinem Grund schlecht zu Fuß war. Nahestmöglich bedeutet, dass ich bis an das "Verbot für Fahrzeuge aller Art" herangefahren war und das Auto weiterhin am Steuer sitzend am Straßenrand abgestellt hatte. Vor mir, also hinter dem Schild stand noch ein weiteres Auto. Wenige Sekunden später hielt hinter mir ein Pick-Up, der im Gegensatz zu mir die Straßensituation jetzt doch deutlich verengte. Es stieg ein Rentner aus, zückte seine Digitalkamera und fotografierte mich, den Wagen, in dem ich saß inkl. Nummernschild und den Wagen, der vor mir stand. Dann klopfte er an meine Scheibe und wies mich eingeschränkt freundlich darauf hin, dass wir, also der andere Wagen und ich, hier nicht stehen dürften, weil da ja ein "Verbot für Fahrzeuge aller Art" Schild stünde, das wär ja wohl sonnenklar und er hätte Beweisfotos angefertigt und würde uns anzeigen, wenn wir nicht sofort verschwinden würden. Ich war etwas verdattert, guckte mich kurz um und wies ihn dann darauf hin, dass der andere Wagen, wie leicht am Nummernschild zu erkennen, offensichtlich nicht zu mir gehört. Zudem stünde ich ja auch irgendwie recht offensichtlich vor und nicht hinter dem "Verbot für Fahrzeuge aller Art" Schild und zuletzt würde ich hier im Gegensatz zu ihm gerade niemanden blockieren und falls doch, ja im Wagen sitzen, um im Zweifel Platz zu machen. Ganz offensichtlich warte ich ja hier auf jemanden, denn aus Jux und Dollerei würde ich an dieser Ecke sicher nicht rumstehen. Keine Ahnung, was ich genau gesagt habe, aber inhaltlich kommt das hin. Wie denkt ihr, hat der Typ darauf reagiert? Richtig! Er hat gebrummt, dass ich hier trotzdem nicht stehen dürfe (was ich mangels so auslegbarer Beschilderung nicht so sah) und hat sich verzogen. Meinem ersten Impuls, dem Typen hinterher zu fahren und ihn in der nächsten gefährlichen Kurve (die es dort gar nicht gibt) abzudrängen, habe ich nicht nachgegeben. Mich hätte aber schon interessiert, was das für ein Menschenschlag ist, wo und wie so jemand wohnt und all das. Sicher war der seinerzeit Stasi-Spitzel für die gesamte Nachbarschaft. Ich hätte ihn vielleicht auf ein, zwei Herrengedecke in der einzigen Kneipe am Ort einladen sollen, ein interessantes Quellengespräch führen und ihn dann wegen Fahren unter Alkoholeinflusses anzeigen sollen.

Die Moral von der Geschicht: Hilfspolizisten und Blockwarte gibt es überall und nie, absolut nie machen sie Spaß. Insgeheim träumen die sicher von spannenden Kriminalfällen, die sie wie Kalle Blomquist meisterdetektivisch aufklären können. Bis dahin zeigen sie jeden Falschparker an, nicht nur die, die wirklich asozial jemanden (oder auch mal ganze Straßenbahntrassen) blockieren. Und gehen damit jedem Sachbearbeiter und sonstwie juristisch beteiligten auf den Sack und halten sie von ihrer Arbeit ab. Ob so Typen so werden, weil sie in der Schule schon immer alle verpetzt haben und dafür angemessen gemobbt wurden? Und bei manchen wirkt das nicht heilsam, sondern bestätigt sie darin, das Richtige zu tun? Eine mögliche Erklärung liefern die Beginner.


Plus, immer wieder

01 10 2009

Leeres Klopapierregal bei PlusDas ist der Grund, warum ich bei Plus immer wieder schöne WTF-Momente erlebe.

Großer LKW, kleine Einfahrt 1Und wo wir gerade bei Plus sind. Das passiert hier immer wieder vor der Tür und es ist immer wieder spannend, dabei zuzusehen.

Großer LKW, kleine Einfahrt 2Um die brennende Frage zu beantworten: Die Ecke der Einfahrt wird dabei recht häufig in Mitleidenschaft gezogen.


Toolbar Wut

20 08 2009

Ich bin genervt, weil immer mehr Programme einem irgendwelche Toolbars oder andere Browser Extensions aufdrängen. Aktueller Höhepunkt: Das zur Zeit verteilte Java Update (JRE 6 Update 15) bringt voreingestellt die Yahoo! Toolbar für den Firefox mit. Ich sitze ständig an fremden Rechnern und werfe den Mist überall wieder runter, das nervt total. Auch Skype macht mich krank, weil es bei jedem verfickten Update seine unfassbar bremsende Firefox Extension wieder installiert, sogar ohne Nachfrage. Eine Kundin rief mich mal völlig genervt an, dass ihr Internet seit ein paar Tagen so unglaublich träge geworden wäre. Was war los? Ich wäre schon fast hin gefahren (50km), habe aber vorher noch mal per Fernwartung auf ihren Rechner geguckt. Und siehe da, die Skype Extension hat für das Suchen von Telefonnummern auf Websites so unglaublich lange gebraucht, dass es sich merklich langsamer surfte. Schnell deaktiviert und schon fluffte es wieder.

Um mir meine Wut mal von der Seele zu schreiben, hier mal eine unvollständige Liste der von mir eingesetzten lästigen Programme:

  • Java Runtime Environment 6 Update 15: Vor einigen Versionen hat einem das Java Update einen Link zum Download von OpenOffice.org auf den Desktop gelegt. Das ist nervig, aber ohne echte Folgen. Die aktuelle Version bringt aber voreingestellt die Yahoo! Toolbar für Firefox mit. Das geht gar nicht: Wenn kostenlose Software wie IrfanView sich ein paar Euro mit Toolbars dazu verdient, ist ist das eine Sache. Wenn aber eine Runtime sowas mitbringt, ist das eine schlichte Unverschämtheit. Als ob Sun kein Interesse daran hätte, ihre Java Runtime auf möglichst vielen Systemen in aktueller Version installiert zu haben.
  • Skype installiert bei jedem Update (das sowieso praktisch eine Neuinstallation ist) eine Firefox Extension, die den Browser total ausbremst. Unfassbar. Dabei geht es nicht um Werbung, sondern um Absatzsteigertung: Die Extension macht Telefonnummern auf Websites anklickbar, so dass man diese direkt über Skype anrufen kann, was natürlich kostenpflichtig (und nicht mal wirklich billig) ist. Auch hier: Lästig und unverschämt, zumal die Installation ungefragt geschieht und sehr störende Nebeneffekte (angezogene Firefox Handbremse) mit sich bringt.
  • Die Daemon Tools binden CD-Images bequem als virtuelles Laufwerk ins System ein und tun das sehr zuverlässig seit vielen Jahren. Früher war der Hauptzweck, den Kopierschutz von Spielen zu emulieren, heute muss man (ich zumindest) alle Nase lang auf CD Images zugreifen, vor allem auf Netbooks. Die aktuelle Version bringt eine unfassbare Konfigurationsorgie mit, damit man weder Suchseiten noch Toolbars mitinstalliert. Das kann man alles abstellen, aber es ist extrem nervig. So nervig, dass ich seit vielen zufriedenen Jahren nun auf der Suche nach einem Open-Source Image-Mounter bin. Zudem sind die Daemon Tools nur noch für die private Nutzung kostenlos und kosten sonst richtig Geld. Warum kann eigentlich nicht mal Windows 7 ISO-Images mounten? Immerhin kann Windows 7 ISO-Images schon mal brennen.
  • Der Adobe Reader haut bei jedem (dringend nötigen!) Update immer wieder ungefragt sein Symbol auf den Desktop. Das wäre nur halb so bescheuert, wenn dieses Icon irgendeinen nennenswerten praktischen Nutzen hätte. Hat es aber nicht, oder kennt ihr jemanden, der einfach so den nackten Adobe Reader startet? Wozu auch? Seine einzige Funktion ist das Anzeigen von PDF-Dateien und die öffnet man mit einem Doppelklick. Wir sind ja nicht auf dem Mac, wo man alles per drag and drop öffnet und die Voschau des Systems PDF-Dateien anzeigt.
  • IrfanView ist ein großartiges Programm, aber leider seit einiger Zeit eine stete Quelle des bei der Installation vorausgewählten Google Desktops. Bei der Installation lässt dieser sich zwar leicht abschalten und ich habe hier vollstes Verständnis für das Ansinnen, ein paar zusätzliche Einnahmen zu generieren. Aber der Google Desktop ist aus Datenschutzsicht ein sehr spezieller Fall und deswegen sehr fragwürdig.
  • Winamp bringt, wenn man nicht aufpasst, auch eine Menge Zeugs mit. Das ist einer der Gründe, wieso ich Winamp seit einigen Jahren nicht mehr benutze.
  • Apple ist der König unter den nervigen Mitbringselschnürern. Installiert man notgedrungen iTunes, weil man dem iPhone oder einem iPod anheim gefallen ist, landet automatisch das verhasste Quicktime samt unglaublich überflüssigem Tray-Icon auf dem Rechner. Will man Quicktime alleine installieren, muss man gut aufpassen, um nicht iTunes gleich mitinstalliert zu bekommen. Das alleine wäre schon lästig, aber wenn man nicht aufpasst, hat man bald auch noch Safari auf dem Rechner, denn bei den regelmäßigen Updates von iTunes und Quicktime ist Safari immer wieder aufs neue vorausgewählt. Das geht wirklich gar nicht! Apple ist derart dreist, was das angeht, dass man echt nur den Kopf schütteln muss: Apple ist das neue Microsoft, nur viel schlimmer.
  • HP hat es sich bei mir ebenfalls verscherzt: Die den Multifunktionsgeräten beiliegende Softwareunverschämtheit belegt nicht nur einige hundert Megabyte Platz auf dem Rechner, indem sie ein ganzes Bündel an zusätzlicher und überflüssiger Software mitbringt. Das wäre alleine schon zum kotzen. Dass der Mist dann leider häufig nicht funktioniert und ich das Zeug über ein Jahr verteilt sage und schreibe 10 mal auf Anweisung des (durchaus guten) Hotline-Chats jeweils eine geschlagene Stunde lang neu installiert habe, weil wieder irgendetwas nicht mehr lief, war für mich Grund genug, auf absehbare kein HP Gerät mehr zu kaufen oder zu empfehlen.

Diese Liste ist alles andere als vollständig und spiegelt nur die Software wieder, die ich selber benutze oder bei Kunden sehe. Teenager-Rechner kann man übrigens gar nicht betreten vor lauter ICQ-, MSN- und Skype-Messengern, die beim Start online gehen und alle ihre eigenen Toolbars und was auch sonst immer mitbringen.


Wut über Hausdurchsuchungen aus fragwürdigem Grund

14 08 2009

Hausdurchsuchungen aus fragwürdigem Grund sind ja eh eine latente Angst von mir, aber auffällig hoher Stromverbrauch als Grund geht echt zu weit. Im DHV Newsletter lese ich gerade von einem Fall in Duisburg, wo die Stadtwerke die Polizei benachrichtigt haben, weil jemand einen auffällig angestiegenen Stromverbrauch hatte. Das reicht schon als Grund für eine Hausdurchsuchung. Dabei ist es völlig egal, dass tatsächlich ein paar Hanfpflanzen gefunden wurden. Hausdurchsuchungen aus solchen Gründen gehen einfach zu weit. Der Typ hätte sich auch einen neuen Gaming-Rechner gekauft haben können, die nuckeln ja mit Bildschirm und allem auch an die 400W, die so eine Lampe zur Hanfzucht zieht. Oder völlig überdimensioniertes Flurlicht, wie wir damals in der WG: Da hatten Flur, Küche und Bad insgesamt 17 35W Halogenlampen, was zusammen mit Trafoverlusten bequem 700W aus dem Netz zog. Oder man legt sich eine Freundin zu, die beim regelmäßigen Duschen mit dem 20kW Durchlauferhitzer ordentlich zusätzlichen Strom verbraucht. Oder ein großes Aquarium, wie mein ehemaliger Mitbewohner. Es gibt einfach tausend Gründe für auffällig ansteigenden Stromverbrauch.

Ich weiß echt nicht, was ich tun würde, wenn bei mir die Polizei früh morgens klingeln würde, um mal so auf Verdacht zu gucken, ob ich Gras anbaue. Ein unfassbares Unding. Ich baue kein Gras an, also trifft das berühmte nichts zu befürchten auf mich zu. Aber allein, dass ich im Zweifel auf so einen derart losen Verdacht hin eine Hausdurchsuchung hinnehmen muss, kotzt mich so unfassbar an, das glaubt ihr gar nicht. Und man kann nicht mal im Nachhinein etwas dagegen tun. Selbst wenn sich so eine Hausdurchsuchung später als rechtswidrig herausstellt, passiert nichts weiter. Bin ich der einzige, den der um sich greifende viel zu leichtfertige Eingriff in die Unverletzlichkeit der Wohnung ängstigt?

Ich hätte glatt Lust, eine Growbox aufzustellen, damit sich so ein Besuch wenigstens lohnt. Natürlich ohne Pflanzen drin, dafür mit einer Webcam, um die enttäuschten Gesichter aufzunehmen. Hehe. Wenn man schon nichts gegen überflüssige Hausdurchsuchungen tun kann, kann man ja wenigstens etwas Spaß damit treiben. Später kann man dann auch wie die Typen vom CCC Sätze mit bei meiner letzten Hausdurchsuchung anfangen und kann auch noch eine lustige Story hinterher schieben.

P.S. Darf man eigentlich bei so einer Durchsuchung darauf bestehen, bei allen Handlungen der Beamten anwesend zu sein? Also dass die nicht ausschwärmen, sondern man denen auch alleine über die Schulter gucken kann? Wahrscheinlich ja, aber vor allem: Darf man die ganze Aktion zu Protokollzwecken auf Video aufnehmen? Darf man dann so ein Video mit ggf. geschwärzten Gesichtern der Beamten veröffentlichen? Ich muss echt den Vortrag von Udo Vetter noch mal angucken.

P.S.S. Was bei der ganzen Cannabis-Prohibition für eine Kohle verbrannt wird. Würde man den Cannabisanbau für den Eigenbedarf legalisieren (oder wenigstens mit der Verfolgung aufhören), könnte man die vielen freiwerdenden Kapazitäten entweder einsparen oder der Verfolgung richtiger Straftaten zuführen. Richtige Straftaten sind für mich Sachen, bei denen jemand irgendwie geschädigt wird, was beim Anbau von Cannabis ganz offensichtlich nicht der Fall ist. Die Freiheit des einen findet bekanntlich da ihre Grenzen, wo sie die Freiheit eines anderen beeinträchtigt. Simpler Merksatz eigentlich…


Mal wieder: Wie sollte man mit den IE6-Nutzern umgehen?

15 07 2009

So viel wurde schon zum IE6 geschrieben, so viel Hass wurde ausgeschüttet und so viele Erklärungsansätze für den noch immer beschämend hohen Marktanteil dieses Fossils wurden gebracht. Nun muss ich noch mal etwas dazu loswerden. Warum gerade jetzt? Zu einen habe ich zuletzt mehrere Tage unbezahlt mit IE6-Debugging verbracht, zum anderen hat YouTube angekündigt, den Support für den IE6 ab sofort auslaufen zu lassen. Das ist eine großartige Entscheidung, denn bisher hat sich kaum ein reichweitenstarkes Webangebot zu diesem Schritt durchringen können. Die Begründung halte ich für sehr stichhalting: YouTube sagt, dass sie der Support des IE6 glasklar messbar und nicht zu knapp Geld kostet und dass einige neue und praktische Funktionen mit vollem IE6-Support nicht machbar sind. Genau das ist der Punkt. Danke an Google für diesen mutigen Schritt. Denn nur durch Leidensdruck seiner Nutzer wird der IE6 aus den Statistiken verschwinden. Solange die Inhaltelieferanten die teilweise massiven Mehrausgaben bei der Entwicklung für den IE6 tätigen, wird sich an der Situation nichts ändern.

Ein viel gehörtes Argument ist ja, dass viele Nutzer an Firmen-PCs nur den Internet-Explorer 6 benutzen können/dürfen und so ja jetzt ausgeschlossen sind. Das stimmt. Na und? Eine reichweitenstarke Seite wie YouTube verliert dadurch vielleicht ein paar Prozent seiner Nutzer. Noch mal: Na und? YouTube ist wichtig genug, dass diese Leute im Zweifel schon einen Weg finden werden, sprich einen anderen Browser installieren. Oder sie lassen YouTube eben bleiben. Man darf nicht vergessen, dass da jemand mit einem Programm unterwegs ist, zu dessen Erscheinungszeitraum Videodienste wie YouTube noch unfassbare Zukunftsmusik waren. Woher kommt die Erwartungshaltung, dass das ohne Einschränkungen klappen muss? Ich denke, man muss sich einfach der Realität stellen. Es gibt genug Alternativen und keine davon kostet etwas.

Aber das CRM-System in unserer Firma (oder Intranet-Anwendung-XY) läuft nur mit dem Internet Explorer! Auch das höre ich immer wieder und ich habe zwei Antworten darauf: Erstens würde ich mich fragen, ob meine Intranet-Anwendung eine gute Anwendung ist, wenn sie die vorletzte Version eines so wichtigen Programmes als Zugangsvoraussetzung hat, aber da rede ich Firmen ungerne rein. Zum anderen aber spricht meiner Meinung nach nichts gegen den Paralleleinsatz von IE6 als Zugangsprogramm fürs veraltete Intranet und einem modernen Browser für das Internet. Selbst wenn es unbedingt der Internet Explorer 8 sein muss, gibt es Mittel und Wege, parallel einen IE6 zu betreiben. Zu viel Administrationsaufwand? Nun, so ist die Welt. Man denke im Firmeneinsatz übrigens auch an die haarsträubenden Sicherheitslücken des IE6, die nicht mehr behoben werden.

Aber was ist mit der Barrierefreiheit? Nutzer auszuschließen widerspricht dem Barrierefreiheitsgedanken, klar. Aber ist das hier wirklich so? Dafür muss ich eine Analogie bemühen: Man stelle sich vor, es gäbe ein Gesetz, das die Beschaffenheit von Rollstuhlrampen regelt. Alle Hersteller von Rollstühlen halten sich an diese Vorhaben und fahren prima damit. Nur der klare Marktführer hat bei früheren Modellen einmal diese Regeln anders ausgelegt und die Räder als Vielecke statt als Kreise ausgelegt. Das ist anfangs vielleicht Stand der Technik gewesen, technisch sinnvoll war es aber nie. Auf standardkonformen Rollstuhlrampen ist die Fahrt für Nutzer solcher Rollstühle dadurch etwas unbequem, weswegen alle Gebäudebetreiber ihre Rollstuhlrampen bisher sehr teuer in mechanisch sehr aufwändigen und vor allem technisch unsinnigen Varianten gebaut haben. Für die Nutzer standardkonformer Rollstühle gäbe es längst Entwicklungen, die die Nutzung von Rollstuhlrampen wesentlich bequemer und einfacher gestalten würden, aber diese sind mit den Vieleckrädern nicht oder nicht sinnvoll in Einklang zu bringen. Der Marktführer würde daher schon lange ein kostenloses Austauschprogramm für seine alten Modelle anbieten. Macht es hier Sinn, von einer Barriere zu sprechen, wenn man bei neuen Gebäuden die sich bietenden Vorteile nutzt und die Nutzer der veralteten Rollstühle zwingen würde, das kostenlose Austauschprogramm des Herstellers zu benutzen? Ich habe da meine Schwierigkeiten mit. Es geht ja nicht darum, dass der alte Rollstuhl die Rampe gar nicht mehr benutzen kann, es würde für etwas holpriger werden.

So sehe ich das auch beim IE6: Wer der Meinung ist, mit einem Browser aus dem Jahr 2001 im Jahr 2009 alle Funktionen moderner Websites genießen zu können, leidet unter massivem Realitätsverlust. Eine Website sieht komisch aus? Nun gut, da könnte man denken, der Seitenbetreiber wäre ein Idiot. Wenn aber immer mehr Websites komisch und kaputt aussehen und mir einhellig sagen, dass sie meinen veralteten Browser nicht mehr unterstützen, kann ich die alle doof finden oder mich der Realität stellen und ein Update machen. Genau deswegen braucht es Seiten wie YouTube, die die Eier haben, dieses doof gefunden werden einstecken zu können und im Zweifel ein paar Nutzer zu verlieren.

Hier kommt wieder der Geldaspekt ins Spiel. Mal angenommen, die Implementierung einer modernen Funktion ist im IE6 nicht möglich. Dann wird YouTube durchrechnen, was für einen finanziellen Wert die neue Funktion hätte. Dann wird YouTube gegenrechnen, was der Ausfall von einer angenommenen Zahl an IE6-Nutzern, die nicht umsteigen, sondern YouTube den Rücken kehren, kosten würde. Dann wird YouTube einrechnen, wieviel es wert ist, wenn x Prozent der ehemaligen IE6-Nutzer auf den Google-Browser Chrome umsteigt. Dann wird YouTube einen großen Strich unter die Rechnung machen und den IE6-Support sofort einstellen. Die Dimension, dass auch andere Google-Dienste vom Tod des IE6 profitieren, habe ich hier noch gar nicht einbezogen. Eine ähnliche Rechnung tut sich auf, wenn man die Entwicklungskosten für IE6-Zurechtbiegen gegen den Imageverlust durch etwas komisch aussehende Websites gegenrechnet.

Bei einem eigenen Projekt würde ich keinesfalls Geld in die Kompatibilität mit dem IE6 stecken und auf tolle neue Funktionen für alle anderen verzichten. Wer das Geld weiterhin ausgeben möchte, kann das ja weiterhin tun.

P.S. Ich muss dazu sagen, dass ich bei meinem letzten Auftrag einen Pauschalpreis veranschlagt und dabei u.a. die für das IE6/IE7 Debugging nötige Zeit völlig falsch eingeschätzt habe. Insgesamt habe ich nun mehrere Tage komplett unbezahlt (das entspricht meinen Fixkosten für einen ganzen Monat) da rein stecken müssen, was mich ernsthaft ärgert. Merke: Keine Pauschalpreise für so einen Mist und wenn doch, dann nicht so knapp kalkuliert.


Ein kalter Sommer mit Abrisslärm

11 07 2009

Na prima, seit ein paar Tagen sind ja Sommerferien und pünktlich dazu regnet es quasi in einem durch und es ist eiskalt. Nicht, dass mich die Sommerferien persönlich interessieren würden, aber sie bringen eben einige Begleiterscheinungen mit sich. Eine davon ist die gefühlt gesteigerte Wahrscheinlichkeit für schlechtes Sommerwetter, eine andere sind die allgegenwärtigen Baustellen. In Düsseldorf sind alle Straßen betroffen, scheint es.

Abrissbagger auf Bunker LindenstraßeViel schlimmer aber ist die Baustelle auf dem Bunker hinter unserem Haus. Da er genau zwischen zwei Schulen steht, werden die lauten Abrissarbeiten daran nämlich jetzt in den Sommerferien getätigt. Das Dingen steht 130m Luftlinie entfernt von unserem Balkon (und Schlafzimmer) und die beiden Bagger, die oben drauf stehen und ihre Arbeit verrichten, lärmen ziemlich. Und da das ein Bunker ist, wird sich dieser Lärm wohl noch eine unangenehme Weile lang fortsetzen. Hier mal ein halbwegs brauchbares Foto davon. Auf 130m Entfernung mit einer Kompaktkamera geschossen, deswegen in mittelmäßiger Qualität; dafür mit Geotags in den Exif-Informationen. Dazu schreibe ich demnächst mal was.

Ach ja, noch mal zum Thema Wetter: Ich bin, seit ich aus der Schule raus bin, ein überzeugter Schönwetterradler. Schon in der Schule habe ich es unglaublich gehasst, bei Regen Rad zu fahren. Aber da gab es keine Alternative, denn eine Busfahrkarte für vor 9 Uhr hatte ich nicht und der Bus zur Schule war sowieso immer total überfüllt, gerade bei Regen. Kaum war ich erwachsen und aus der Schule raus, habe ich das Rad stehen lassen und bin fortan mit Bus und Bahn und Regenschirm unterwegs gewesen, oder zur Not mit dem Auto. Ha! Dem Regen ein Schnippchen geschlagen. Bis neulich: Ich bin für ein paar Wochen in einer Firma um die Ecke am Start, es ist Sommer und die Entfernung ist genau zu weit zum zu Fuß gehen, also Rad fahren. Ergebnis: Ich bin schon zwei mal völlig durchnässt zu Hause angekommen und fühlte mich genau so scheiße wie früher. Ich hasse es, nass zu sein und Radfahren macht einfach keinen Spaß bei Regen. Ich würde einen Sommer bevorzugen, der sich irgendwo zwischen den Extremen Hagelschauer und schwüler Bruthitze einpendelt.


Der Staat ist zum Problem geworden - Revolution oder so

10 05 2009

In letzter Zeit reift bei mir, getrieben von und zusammen mit verschiedentlichem Input, die Idee eines neuen Generationenkonfliktes heran. Stellvertretend für all das seien hierzu mal Cem Basman und Johnny Haeusler verlinkt (die übrigens beide das Internet nicht mit der Muttermilch aufgesogen haben). Wer Blogger doof findet, kann sich ja bei den Zeitungen bedienen, herausragend Lesenswertes aktuell im Tagesspiegel und in der Zeit. Das ist übrigens der Verdienst der Petition, die zwar politisch irrelevant versickern wird, aber für einen gewissen Presserummel sorgt.

Aber worum geht es mir hier? Es geht um alles, was in den letzten paar Jahren schief gelaufen ist, hier in Deutschland und anderswo. Es geht um die Mosaiksteine, die den Staat zum Problem machen für Leute wie mich, für Leute, die das Internet als zentrales Medium in ihr Leben aufgenommen haben. Es geht um das große Ganze, das sich in arg lobbyfreundlichem Urheberrecht, Vorratsdatenspeicherung, Hackerparagraph, Netzzensur, Killerspieldebatte und zuletzt der Paintball-Farce manifestiert. Es geht um einen neuen Generationenkonflikt, der ausgefochten werden muss, wie bereits die 68er und die Grüne Bewegung zuvor ihren Generationenkonflikt ausgefochten haben.

Die gute Nachricht vorab: Das ganze Ungemacht wächst sich raus. In 5, 10 oder 15 Jahren wird man Chroniken schreiben und Dokus verbreiten, in denen Wolfgang Schäuble und Ursula von der Leyen eine zentrale Rolle spielen werden als die Antagonisten, die Leitfiguren, stellvertretend für das, wogegen wir zunehmend lauter kämpfen.

Einige haben es schon bemerkt: Wir sind die neuen 68er, wir gehen nur nicht auf die Straße mit unserem Protest. Brauchen wir auch nicht, denn wir werden gewinnen, irgendwann. Revolution? Starkes Wort, aber immer wenn der Staat zum Problem wurde, gab es etwas revolutionäres, das aus der nachwachsenden Generation emporkam. 1848 zum Beispiel, ein besonders im Hinblick auf staatliche Kontrolle zunehmend mit heute vergleichbares Szenario. Aber ich will nicht darauf hinaus, dass brennende Barrikaden das Ziel sein sollen, das ist total oldschool. Und Unruhen, die die Gesundheit von irgendjemandem bedrohen, kann niemand wollen. Wir sind Pazifisten, das haben wir von den Vorgenerationen übernommen und unser Hang zu Killerspielen ermöglicht es uns, Aggression woanders abzubauen1. Unser Instrument ist intellektueller, was eine wirklich glückliche Fügung der Geschichte ist. Denn unser Werkzeug, das Internet, hat uns erst in diese Lage versetzt und deswegen stehen wir gerade jetzt auf, wo dieses Werkzeug unserer Generation in seinen Grundfesten bedroht ist. Das freie Internet ist unsere Basis und nach unserem Verständnis von Demokratie ist dieses freie Internet das beste, was der Demokratie in den letzten Jahrzehnten passieren konnte. Staatstheoretisch gesehen zumindest, man schaue sich nur mal die lange Reihe der Staatstheoretiker und Philosophen der letzten paar hundert Jahre an und bilde deren Ideen auf das Internet ab.

Aber wie wird die Revolution dann aussehen? Wird es eine neue RAF geben? Die schlechte Nachricht ist: Es wird eine neue RAF geben, denn das ist eine natürliche Reaktion. Aber gut ist das deswegen noch lange nicht. Diese neue RAF wird immerhin (hoffentlich) kein Blut vergießen, sondern es werden Hacker sein, die sich der Computersabotage bedienen. Aber das ist doch verboten?, werden einige jetzt denken. Ja, genau deswegen ja. Diese neue RAF wird – wie die alte RAF – der Bewegung letztlich mehr schaden als nützen, weil sie die Integrität untergräbt und die Bewegung angreifbar macht. Aber sie wird auch ein wichtiger Bestandteil sein, um der Bewegung Gehör zu verschaffen. Und sie wird sich aus der Berliner Szene herauskristallisieren. Denn so global wir auch vernetzt sind, so lokal und urban sind unsere persönlichen Netzwerke. Aber genug fabuliert, vielleicht kommt es auch ganz anders. Hoffen wirs.

Denn was ist anders, als bei unseren Vorgenerationen? Die 68er haben sich gegen ihre Elterngeneration gewendet, weil die Nazis waren und weil die festgefahren waren in allerlei gesellschaftlichem Ungemach, das den Werten der nachwachsenden Generation zuwider war. Die Front aber wurde eröffnet von der nachwachsenden Generation. Heute ist es weitgehend anders herum: Mit den Alten, den Konservativen, den Festgefahrenen hätten wir erst mal kein Problem. Unsere Eltern haben uns frei erzogen und uns tolle Werte mitgegeben, die wir im großen und Ganzen mit ihnen teilen. Aber was ist dann schief gelaufen? Die Elterngeneration hat sich von sich aus gegen die Nachwachsenden gewandt. Sie haben sich bedroht gefühlt vom Internet und der plötzlichen Freiheit, derer sie nicht Herr werden, weil sie die Prinzipien nicht verstehen. Das ist ein unbehagliches Gefühl, das verstehen wir gut. Aber die Konsequenz kann nicht sein, dass ein Establishment, weil es im Lauf der technischen Fortentwicklung nicht mehr mithalten kann und will (das ist wichtig!), versucht, diese Fortentwicklung rückgängig zu machen.

Das Internet steht auch Euch offen, ehrlich. Ihr seid herzlich willkommen, Ihr müsst nur die hier herrschenden Prinzipien akzeptieren, wie wir das getan haben. Mehr nicht. Stattdessen seid Ihr gegen uns, versucht uns, die wir schon "drin" sind, wieder zurück zu holen. Aber wir wollen das nicht, wir wissen um den Wert des Netzes und werden es verteidigen, so gut wir können. Noch seid ihr am Drücker und lügt Euch Gründe für Euer Tun zusammen, um eine Mehrheit zu bekommen. Ihr ruft Euresgleichen zusammen, die Ihr noch in der Mehrheit seid, uns einzudämmen. Aber Eure Argumentation basiert auf Populismus, Übertreibung und dreisten Lügen. Das mag kurzfristig funktionieren, aber niemand lässt sich gerne manipulieren; über kurz oder lang fallt Ihr auf die Nase damit. Nicht jetzt, aber in fünf bis zehn Jahren seid Ihr raus aus dem Spiel. Die unappetitliche und zynische Instrumentalisierung des Themas Kinderpornographie für Eure Zwecke wird für Euch zum Bumerang werden, denn damit seid Ihr zu weit gegangen.

Ursprünglich hattet Ihr eine tolle nachwachsende Generation: Gesetzestreu, pflegeleicht, unpolitisch wie noch nie zuvor eine Generation war. Wir waren friedlich und haben keinen Ärger gemacht, alles hätte so leichtfüßig sein können. Aber dann habt Ihr angefangen, uns mit immer neuen Gesetzen aus der Gesetzestreue zu werfen. Wir hatten nie vor, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraden, aber plötzlich sind wir alle unter Generalverdacht, weil die Gesetze sich geändert haben, nicht wir. Es gab noch nie in der Geschichte der BRD so viele Hausdurchsuchungen aus derart nichtigen Gründen, wie in den letzten Jahren. Wir mögen die Grundrechte und die Verfassung und wir sehen mit an, wie sie tagtäglich mit Füßen getreten werden. Wir sehen, wie wöchentlich neue Unfassbarkeiten an die Öffentlichkeit dringen, die uns direkt oder indirekt betreffen. Und wir sehen, wie ahnungslos, falsch und populistisch die Argumente dafür sind. Aber jemanden fragen, der sich damit auskennt? Das wären dann ja wir und wir sind das Problem in Euren Augen.

Die Folge ist, dass wir zum Problem werden für den Staat, weil der Staat ein Problem für uns geworden ist. Der Staat schreit förmlich nach revolutionärem Handeln. Also handeln wir: Wir werden politisch. Und wie wir politisch werden! Eine Partei mit dem albernen Namen "Piratenpartei" hat immensen Zuspruch und auch Zulauf, trotz des doofen Namens. Plötzlich gehen wir alle wählen und da wählen wir alle, nur nicht Euch, liebe CDU und (in Teilen auch) SPD. Ihr werdet das jetzt wahrscheinlich noch nicht merken, dafür habt Ihr die Medien noch zu gut im Griff, dass sie Euren Populismus stützen. Aber was würde passieren, wenn sich die Hartz-4-Frustrierten mit uns zusammentun? Was würde passieren, wenn wir die Presse auf unsere Seite ziehen, gar die von uns so verhasste BILD es opportun finden würde, unsere Position zu vertreten? Unrealistisch meint Ihr? Darauf würden wir es gerne ankommen lassen.

Oder aber wir begraben die ganzen Albernheiten, kehren auf eine sachliche Ebene zurück und reden Klartext miteinander. In Sachen Kommunikation sind wir gut. Ihr müsst nur bereit sein, offen mit uns zu reden. Ist das zu viel verlangt? Wir wollen keinen Stress und keinen Streit und keinen Generationenkonflikt, wollten wir nie. Digitale Kluft wollten wir auch nicht, es ist Eure Weigerung in der digitalen Welt mitzuspielen, nicht unsere Ausgrenzung. Wer das Internet ausdruckt, denkt nun mal in die falsche Richtung; das ist aber nicht unsere Schuld, sondern basiert auf Mangelnder Bereitschaft, sich dem Neuen zu stellen. Selbst die dümmsten von uns bekommen das alles halbwegs hin, was man gemeinhin Medienkompetenz nennt und fordert, also sollte das für Euch auch kein echtes Problem darstellen. Eure Doktortitel habt Ihr bekommen, weil Ihr einer intellektuellen Elite angehört, also schaltet diesen Intellekt einfach mal ein.

1 Schon mal mit "Killerspielern" geredet? Schon mal auf einer Netzwerkparty gewesen? Schon mal Zahlen zur Kriegsdienstverweigerung unter "Killerspielern" gesucht? Die "Killerspieler, denen ich begegnet bin, leben alle in einem und suchen sich ein Umfeld, das weitgehend ohne körperliche Gewalt auskommt. Nur als Denkanstoß.

Nachtrag 02.06.2009: Im Spiegel Online erschien ein sehr sehr guter Artikel, der diesen Tenor aufgreift. Lesebefehl.


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