Kurztest: Smartbook Surfer

18 08 2010

Vor zwei Wochen ging im Netz die Nachricht um, Marktkauf biete für 179€ das 7" Android-Tablet Smartbook Surfer an. Sogar bis in die News von heise.de hat es das Gerät geschafft. Es war im Online-Shop sofort ausverkauft und der nächste Marktkauf von hier ist in Gelsenkirchen, also legte ich den Gedanken erst mal ad acta. So ein Gerät reizt mich grundsätzlich aber schon, vor allem, weil ich mit Android rumspielen und vor allem ausloten möchte, wofür man sowas produktiv einsetzen könnte. Letzten Donnerstag war im Online-Shop von Marktkauf dann eine kleine Charge verfügbar, also habe ich direkt mal so ein Ding bestellt.

Die übergreifende Fragestellung lautet dabei: Was taugt ein Tablett für 180€? Ich vermutete nichts gutes und um das vorweg zu nehmen: Es taugt wirklich nichts. Ein paar lose Punkte:

  • Das Ding ist unglaublich träge. Alles fühlt sich langsam an, sehr unerquicklich. Ein Leistungsstarker Arbeitsprozessor mit 800MHz soll da laut Packung drin stecken, auf der Website steht Telechips TTC8902 720MHz Prozessor. So oder so, das Ding ist quälend langsam.
  • Der resistive Touchscreen ist eine Unverschämtheit. Davon abgesehen, dass man mitunter sehr viel Druck ausüben muss, um eine Reaktion hervorzurufen, schwankt der nötige Druck auch noch ständig. Manchmal reicht ein jovialer Tipper mit der Fingerkuppe (wie bei meinem HTC Touch HD), manchmal muss man aber wirklich mehrmals so kräftig auf das Display eindrücken, dass man Angst bekommt, seinen Finger auf der anderen Seite wieder zu sehen. Wischen (also vor allem scrollen) wird so zum Glücksspiel, selbst mit dem billig wirkenden und sehr fest im Gehäuse steckenden Plastikstift.
  • Lahmer Prozessor plus hakeliger Touchscreen sind eine schlimme Kombination, die sich vor allem bei der virtuellen Tastatur auswirkt: Es ist unmöglich, auf dem Ding auch nur halbwegs flüssig zu tippen. In den Einstellungenm lässt sich ein leiser Tastenquittungsklick einschalten, der aber genau so unzuverlässig abgespielt wird, wie die Tastendrücke angenommen werden. Um eine Twiter-Nachricht in der TweetDeck Beta zu tippen, brauche ich über eine Minute. Die Texteingabe ist also völlig unbrauchbar. Hatte ich erwähnt, dass man trotz ca. 6mm hoher Tasten und spitzem Eingabestift ständig Tasten aus einer Reihe weiter oben auslöst? Setzen, sechs!
  • Aber das reicht noch nicht an Unpraktikabilität: Die Android-Tasten Menü, Suche, Home und Zurück liegen auf der Rückseite. Das ist OK, wenn man das Ding in der Hand hält, aber selbst dann sind die kleinen Tasten fummelig zu bedienen und man muss sich die Reihenfolge merken. Liegt das Ding auf dem Tisch oder hält man es irgendwie anders, muss man für jeden Klick auf eine der Tasten erst mal fummelig suchen gehen. Super lästig, vor allem, weil man diese Tasten bei Android ständig braucht. Aber auch das reicht noch nicht, denn die schwergängigen Tasten wollen mit viel Gefühl gedrückt werden, was aber auch dann nicht immer auf Anhieb angenommen wird. Fast noch schlimmer als der Touchscreen. Und weil das Ding so träge ist, bemerkt man das Ignorieren den deutlich hörbaren Tastendrucks erst eine Bedenksekunde später.
  • Der dämlichste Designfehler kommt aber noch: Das Gerät lädt nicht über USB, sondern nur mit dem beiliegenden Netzteil m(. Was soll man dazu noch sagen?

Das sind meine Hauptkritikpunkte, aber auch sonst glänzt das Ding nicht sonderlich:

  • Die Verarbeitung ist mäßig, aber für den Preis OK.
  • Die Webcam macht grausige Bilder, das Mikrofon funktionierte in Zusammenhang mit der Fritz!App Fon nicht.
  • Das Display zeigt ein immerhin brauchbares Bild.
  • Die vorinstallierte Skype-Betaversion ist ein schlechter Witz und nutzt zudem nur einen Bruchteil des Bildschirms (wahrscheinlich 320x240 im Querformat oben in der Mitte des 800x480er Displays).
  • Der Audio-Ausgang ist eine 2,5mm Klinke, ohne, dass dafür ein Grund ersichtlich wäre.

Alles in allem ist das Tablet-Computing zum abgewöhnen. Man kann nur hoffen, dass es ein offizielles oder zumindest inoffizielles Android 2.2-Update geben wird, damit zumindest die Geschwindigkeit etwas erhöht wird. Ich glaube aber nicht daran. Immerhin kann das Ding angeblich 1080p-Videos dekodieren und sogar über seinen Mini-HDMI-Ausgang ausgeben. Das wär ja was. GPS gibt es übrigens keins, Lagesensor und Kompass scheinbar ebenfalls nicht.

Fazit: Finger weg vom Smartbook Surfer! Und generell von Android-Tablets mit resistivem Touchscreen und fragwürdigen Prozessoren: Es macht keinen Spaß und ist rausgeschmissenes Geld. Mal schauen, ob ich einen sinnvollen Platz dafür finde.

Dass der Android-Market seit ich das Gerät habe nicht funktioniert ist ärgerlich, aber dafür kann das Gerät wahrscheinlich nichts. Angeblich soll der inzwischen wieder laufen, bei mir ist davon noch nichts zu sehen: Ich starre weiterhin auf ein meine lustigen "Download wird gestartet" Meldungen. Möglicherweise funktioniert der Market auch einfach wegen Nichterfüllung der Hardwareanforderungen (kein Lagesensor, kein Kompass, kein GPS, kein Mobilfunk) gar nicht, das wäre aber sehr komisch, denn er ist installiert und liegt als Verknüpfung auf dem Startbildschirm.

Nachtrag 18.08.2010: Der Android-Market funktioniert bei mir weiterhin nicht. Ich wollte mein Google-Konto entfernen und neu eintragen, vielleicht hilft ja da. Aber dazu müsste man das ganze Gerät in den Auslieferungszustand zurücksetzen, was alle installierten Programme (unklar, ob nur über den Market oder auch direkt installierte) und Einstellungen entfernt. Da ich noch nicht viel gemacht habe und man ohne Market keinen Spaß haben wird, habe ich das in den Datenschutzeinstellungen versucht. Und siehe da: Nicht mal das klappt. Sprich: ich kann die Einstellungen und mein verknüpftes Google-Konto nicht mal loswerden, weil diese essentielle Funktion beim Smartbook Surfer schlicht nicht funktioniert. Aaaaah!

Noch ein Nachtrag vom 18.08.2010: Der Zugang zum Android Market funktioniert tatsächlich schlicht nicht, obwohl er vorinstalliert ist. Man kann den Zugang mit Tricks freischalten, aber Spaß ist anders. Eine tolle Quelle für solcherlei Informationen findet sich hier.. Dort steht auch, dass der Prozessor nur mit 600MHz arbeitet.


Irgendwas mit Filmindustrie und Dummheiten

30 07 2010

Ich muss leider etwas ausholen, sorry. Gelegentlich gehe ich ins Kino, vor zehn bis fünfzehn Jahren teilweise mehrmals wöchentlich, heute etwa einmal im Jahr. Immer wieder waren da Filme bei, die mich begeistern konnten. Als ein Kinobesuch noch ein paar Mark kostete – konkrete Erinnerungen habe ich an 2,99 Mark im Europa kurz vor dessen Schließung – habe ich solche guten und beeindruckenden Filme mitunter mehrmals besucht. Dazu muss man sagen, dass ich minderjährig war und deswegen keinen Zutritt zur örtlichen Videothek hatte. Ich hatte also die Alternativen weiterer Kinobesuche (seinerzeit preislich machbar), dem Warten auf die Ausstrahlung im Fernsehen (irgendwann in zwei Jahren bis praktisch nie) und dem Warten auf eine Veröffentlichung auf VHS (zum Preis von seinerzeit 3-10 Kinobesuchen). Eine dauerhaft unbefriedigende Situation, die sich in zweierlei Richtungen auflöste: Volljährigkeit und Internet.

Denn irgendwann wurde man volljährig und konnte endlich den begehrten Mitgliedsausweis aller Videotheken der Umgebung bekommen. Wenn man den Film bzw. die Filme am selben Abend noch zurück brachte, war das ein wirklich günstiger Spaß, zumal man den Preis bequem durch die Anwesenden teilen, auf dem Weg noch bei bei MCs, Hallo Pizza oder sonstigen Fressbuden vorbei und wunderschön im begrenzten Angebot stöbern konnte. Das war alles ein ganz brauchbarer Zustand, aber zwei Probleme blieben: Wenn man einen bestimmten Film sehen wollte, fuhr man von Videothek zu Videothek und ging doch gelegentlich leer aus, vor allem, wenn es um Streifen abseits des Mainstreams ging. Das zweite Problem hat wiederum mit den Kinos zu tun: Immer, wenn man heiß auf einen Film war, konnte man ihn nur im Kino sehen. Wie oft kam ich aus dem Kino und hätte direkt eine menge Kohle gegeben, um den Film direkt auf DVD mitzunehmen. Gute Filme will ich besitzen, ich will sie immer wieder sehen, wenn ich möchte. Aber das geht nicht, weil die Veröffentlichung der DVD einige Monate verzögert wird.

Diese Verzögerung ist das dümmste, was die Filmindustrie tun kann. Die Bereitschaft, eine Ware zu kaufen ist bekanntlich in der Buzz-Zeit am höchsten, deswegen macht man ja PR ohne Ende, pusht das Interesse, wo es nur geht. Und dann? Läuft der Film im Kino und spielt den ein oder anderen Euro ein. Wenn die DVD herauskommt, ist der Buzz fast immer bereits abgeklungen und der Effekt verpufft weitgehend. Warum? Um die Kinos zu schützen? Ich würde das anders herum sehen: Die Kinos werden künstlich am Leben gehalten, auf hohe Kosten von geringeren DVD-Verkäufen. Würde tatsächlich niemand mehr ins Kino gehen, wenn die DVDs gleichzeitig herauskämen? Ich bin kein Experte auf dem Gebiet, aber ausprobieren könnte man es ja mal. Wie die Merchandising-Stände auf Konzerten, die angeblich horrende Umsätze machen, könnte man auch nach dem Film im Kino direkt die DVD anbieten. Ich würde zuschlagen (wenn der Preis nicht völlig irre ist). Aber ich gehe sowieso kaum noch ins Kino. Zu viel Aufwand und vor allem viel viel zu teuer. Für das Geld eines Kinobesuchs zu zweit kann ich die DVD des Films ein- bis zweimal erwerben oder fünf- bis zehn mal ausleihen. Oder mehr als drei Monate Rapidshare-Premium oder Firstload oder was auch immer gerade angesagt ist bezahlen. Denn so siehts aus, Augen auf!./p>

Schlimmer noch: Bevor ich moviepilot.de kannte, habe ich sogar regelmäßig vergessen, welche Filme ich vor drei bis neun Monaten gerne gesehen hätte, als mir ein Kinobesuch zu aufwändig und teuer war. Die Filmindustrie hat mir mit ihrem dämlichen Kinoschutz schon so viel Geld gespart, eigentlich müsste ich dankbar sein.

Und dann gibt (oder gab?) es da noch die im Kino abgefilmten und illegal bereitgestellten Filmdownloads: Schmuddelig in der Bild- und Tonqualität, bei weitem nicht von jedem Film zu haben, aber immerhin zu dem Zeitpunkt verfügbar, wenn man den Film gerade sehen wollte. Von diesem Angebot habe ich seltenst Gebrauch gemacht, da war mir ein Kinobesuch oder unbestimmt langes Warten doch lieber. Aber es führt einem vor Augen, was man eigentlich vorenthalten bekommt. Um die Kinos zu schützen. Ich bin froh und dankbar, dass das Internet hier für einen gewissen Interessenausgleich sorgt: Plötzlich ist der Paradiesapfel da: Billiger bis kostenloser, vor allem aber wahlfreier Zugriff auf fast alle existierenden Filme, jederzeit, bequem und sofort. Das ist es doch, was man als Konsument haben will. Die Filmindustrie konnte lange Genug die Marktbedingungen diktieren, jetzt sind die Konsumenten am Drücker und können Forderungen stellen. Etwa nach angemessenen Preisen für DVDs oder rascher Veröffentlichung. Man tut als Anbieter gut daran, seine Filme schnellstmöglich in legaler Form auf den Markt zu bringen und die künstliche Verzögerung kurz zu halten, wenn in den Tauschbörsen qualitativ hochwertige Kopien bereitstehen. Letztlich profitiert davon auch der Anbieter, wenn die DVD-Veröffentlichung noch am PR-Buzz partizipieren kann. Gut: Der durchschnittliche Abstand zwischen Kinostart und DVD-Veröffentlichung ist in den letzten Jahren schon deutlich gesunken.

Für die Kinos eröffnet sich aus einer gleichzeitigen Veröffentlichung auf DVD kein grundsätzlich neues Problemfeld, denn die Tauschbörsen veröffentlichen Filme schon jetzt gleichzeitig im Netz. Die Frage ist, wie viel größer das Problem wird, wenn die Filme auch in offiziellen Kanälen gleichzeitig erscheinen. Und daran schließt sich direkt die Frage an, ob Kinos nicht vielleicht einfach die Verlierer des Strukturwandels sind und Pech gehabt haben. Und das wiederum führt uns zu der Frage, ob Kinos zu Recht untergehen würden oder man traurig darum sein müsste. Für die Beantwortung der letzten Frage bietet sich die Lektüre der Preislisten für Eintritt und Verpflegung in den bombastischen Multiplex-Kinopalästen an.

Sei es drum, momentan habe ich das Konstrukt Kino für mich weitgehend abgehakt und konzentriere mich auf den Online-Bezug von Filmen. Doch da lauert der nächste Wahnsinn. 4 bis 5 Euro Leihgebühr für einen Film in Online-Videotheken ist ein schlechter Scherz. Gemessen an den Preisen in der Videothek um die Ecke ist das sogar eine Unverschämtheit sondergleichen. Videotheken bezahlen Ladenmiete, Mitarbeiter und vor allem Anschaffung, Schwund und Verschleiß der auszuleihenden Medien. Eine Online-Videothek bezahlt Lizenzgebühren und etwas Traffic (der, wie Rapidshare und Konsorten zeigen, eher im zu vernachlässigenden Kostenbereich liegt). Dazu müssen ein paar Redakteure ein paar Handgriffe tätigen und die Website will natürlich auch betrieben werden. Ohne die Kostenstrukturen zu kennen, wäre ich dennoch bass erstaunt, wenn die Grenzkosten für die Online-Leihe tatsächlich auch nur in der Nähe derer von herkömmlichen Videotheken kämen. Warum also muss man hier das Doppelte bezahlen? Ich jedenfalls bin dazu nicht bereit, um den BWler auf meiner Schulter zu beruhigen, der einwendet, dass sich der Preis nach der Zahlungsbereitschaft und der Nachfrage richtet und nicht nach den Kosten. Zudem ist die Auswahl nicht mal größer. Im Gegenteil: Etwa die Hälfte der Filme, die ich bisher in Online-Videotheken gesucht habe, waren nicht zu bekommen. Eine wirklich beschämende Quote. Und wieder muss man mit der illegalen Konkurrenz vergleichen: Fast alle Filme, die ich in Online-Videotheken nicht finden konnte, ließen sich ohne große Mühe und binnen überschaubarer Zeit aus dem Netz besorgen. Nun ist das Angebot nicht legal, aber in Ermangelung (attraktiver) legaler Alternativen, hat man keine echte Wahl. Ach ja, hatte ich erwähnt, dass man in der einen Online-Videothek Filme von diesen, in der anderen Online-Videothek aber nur Filme von jenen Major-Labels bekommt? Aber alle werben mit toller Filmauswahl, was für eine Farce. Ernsthaft: Wollt Ihr, dass ich Filme gegen Geld ausleihe oder nicht?

Die Musikindustrie hat das Problemfeld übrigens inzwischen ganz gut im Griff, wie man hört. Vor allem seit auf DRM verzichtet wird, ist der Absatz von legalen MP3-Musikdownloads um Größenordnungen gestiegen. Die Leute wollen eben nicht alles für lau, sie wollen alles zu angemessenen Preisen und zu angemessenen Bedingungen. Sascha Lobo hat da einen feinen Text zu geschrieben, sehr lesenswert.

P.S. Eine Staffel einer Sitcom oder eine halbe Staffel einer längeren Serie kostet gerne mal 40€. Das ist mir persönlich eine Spur zu teuer, vor allem da die DVDs zumeist erst nach der Ausstrahlung im Free-TV erscheinen. Auch hier: Mehr Absatz und weniger Ausweichen auf Festplattenrecorder oder illegale Quellen würde man meiner Ansicht nach durch eine Halbierung der Preise erreichen. In das Modell der Preis-Absatz-Funktion sollte man alle relevanten Parameter einbeziehen. Aber rumheulen und darauf warten, dass das Internet verschwindet klingt auch recht erfolgversprechend.


Zensursula als Bundespräsidentin?

02 06 2010

Da tritt überraschend ein Bundespräsident zurück, den keiner so richtig scheiße fand, was das bestmögliche realistische Ergebnis für einen Bundespräsidenten ist. Und natürlich wird sofort ein Nachfolger gesucht, soweit alles nachvollziehbar. Aber warum zur Hölle favorisiert man dann zwei Personen, die bei einer nicht zu unterschätzenden Bevölkerungsgruppe die meistgehassten Politiker der letzten 10 Jahre sind? Herr Schäuble wäre von den beiden noch der tragbarere, aber Frau von der Leyen als Bundespräsidentin zu favorisieren ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht all derer, die sie bei sich unter dem Buchstaben Z wie Zensursula eingeordnet haben, sondern auch ein klares Zeichen für die Geringschätzung des Bundespräsidenten als Insititution. Malte Welding hat das sehr schön formuliert, ein Auszug daraus:

Es reicht nicht, durch Kindergärten zu ziehen und Vergewaltigungen von Kindern schlecht zu finden. Das tut jeder, er tourt damit bloß nicht durch die Republik, weil es selbstverständlich ist und den politischen Aussagegehalt hat von Facebookgruppen, die sich gegen AIDS, Krieg und Umweltverschmutzung richten. Dass sie ihren politischen Gegnern implizit unterstellt hat, Kinderpornographie gutzuheißen, zeugt hingegen von einer Skrupellosigkeit, die selten zu finden ist. Spalten und Verhöhnen mögen eine erfolgreiche Populistin machen, eine Bundespräsidentin kann man so vielleicht werden, aber nicht sein."

Dem Artikel ist nicht viel hinzuzufügen, Sascha Lobo fasst das auf Twitter prägnant zusammen:

"Ursula von der Leyen ist im Volk beliebt." WHILE ($volk = ($alle - $internet))

Frau von der Leyen ist ein für mich derart unerträglicher Gedanke, dass ich sogar Schäuble oder Stoiber lieber sehen würde (und davon abgesehen für sogar durchaus geeignet halte). Und das muss wirklich etwas heißen.

Und weil alle so schön ihre Favoriten ins Spiel bringen: Hans-Jürger Papier, der vor kurzen ausgeschiedene Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts klingt nicht schlecht, bei aller Kritik auch Joschka Fischer. Frau Käßmann gehört auch nicht zu den schlechten Vorschlägen. Wie auch immer, um es mit Herrn Häkelschwein zu sagen:

Liebes Internet, du hast jetzt 30 Tage Zeit, um Frau von der Leyen als Bundespräsidentin zu verhindern. Enttäusche Deutschland nicht!


Objektorientierte Entwicklung vs. PHP 4

05 05 2010

Zur Zeit arbeite ich an einem Wordpress-Projekt und bin nach der Umstellung auf PHP 5.3 (vorher war versehentlich PHP 4 auf dem Webspace aktiv) über etliche Deprecated-Warnungen gestolpert. Die explizite Zuweisung von Objekten per Referenz (also mit =& statt dass das Objekt mit = geklont wird) in der wp-settings.php ist schuld, denn dieses im Grunde erwartungskonforme Verhalten ist seit PHP 5 der Normalfall, Objekte werden jetzt nur noch geklont, wenn man explizit clone benutzt, so dass die explizite Zuweisung per Referenz überflüssig ist und angemahnt wird.

Nun ist es bei einem guten Hoster ein Handgriff ein, die E_DEPRECATED-Warnungen in der php.ini zu unterdrücken, von daher ist das alles halb so wild. Die Sache ist aber ein Symptom eines großen Dilemmas: Will man – aus welchen Gründen auch immer – kompatibel zu PHP 4 bleiben, muss man manchmal Code schreiben, der in PHP ab 5.3 eine Deprecated-Warnung wirft. Das TYPO3-Backend beispielsweise warf bis vor kurzem (vielleicht auch immer noch) ebenfalls Unmengen an Deprecated-Warnungen, weil es intensiven Gebrauch von eregi-Funktionen macht. Die kann man mit gutem Geschwindigkeitsgewinn und ohne Schwierigkeiten mit PHP 4 gegen preg-Funktionen austauschen, hier ist es also lediglich eine Sache von Fleiß; ganz davon abgesehen, dass TYPO3 sowieso seit Jahren kein PHP 4 mehr unterstützt. Die Sache bei Wordpress und einigen anderen Projekten mit Objektorientierten Elementen ist aber eine Zwickmühle.

Wobei es in meinen Augen keineswegs eine Zwickmühle ist, da die Lösung auf der Hand liegt: Man wirft einfach den PHP 4 Support über Bord und hält die Anfeindungen einiger Ewiggestriger aus, die nicht wissen, wie sie bei ihren Webspace eine aktuelle PHP-Version umstellt. Diese Anfeindungen kommen leider vor, und sind einer der Gründe, wieso ich zu Serendipity keinen Code mehr beitrage. Serendipity bewahrt wie Wordpress noch immer die PHP 4 Kompatibilität und steht einer zukunftsgerichteten Weiterentwicklung damit massiv im Weg. Wordpress wird wohl ab Version 3.0 (also ab demnächst) PHP 5 vorraussetzen, damit es endlich nach vorne gehen kann. Das ist im Falle von Wordpress auch bitter nötig, wenn man sich den mitunter grauenerregenden Code anguckt. Die aktuelle Beta 1 wirft aber leider immer noch die Deprecated-Warnungen.

Es gibt so etwas wie Codehygiene. Ich frage mich, wieso sich so viele Softwareprojekte mit aller Macht dagegen stemmen, ihren Code ein wenig zu warten. Eregi-Funktionen gelten schon seit mindestens fünf Jahren als um Größenordnungen langsamer, als ihre preg-Pendants. Wieso zur Hölle liest man dann als Abhilfe für Deprecated-Meldungen immer und überall, dass man die Warnungen ausschalten soll? Wo ist das Problem, sich einmal eine Nacht hinzusetzen und die veralteten und langsamen eregi-Funktionen zu eliminieren? Wieso wird unter Verzicht auf fundamental wichtige Programmiertechniken der Objektorientierung auch mehrere Jahre nach Einstellung des Supports für PHP 4 so sehr daran geklebt? PHP 4 ist veraltet, langsam und behindert massivst eine saubere Programmierung. Das ist sogar so offensichtlich, dass es jedem auffallen müsste, der nur ansatzweise objektorientiert mit PHP programmiert. PHP 4 fehlt es an fundamentalen Funktionalitäten an allen Ecken und Enden, nicht nur bei der Objektorientierung. Bitte, hört auf mit der falsch verstandenen Rückwärtskompatibilität und blickt mal nach vorne.

P.S. Ich bin übrigens latent auf der Suche nach einem neuen Blogsystem. Serendipity möchte ich den Rücken kehren, weil sich an der Front scheinbar nichts mehr tun wird. Auf PHP 5 umstellen? Neue Programmierkonzepte zulassen? Nix da, alles bleibt, wie es ist. Ein System, dessen Core so ungerne angefasst wird, ist nicht meins. Davon abgesehen, dass der Core in meinen Augen sowieso gar kein HTML ausgeben sollte. S9Y ist super stabil und funktioniert bei mir seit nunmehr fast sechs Jahren ohne jedes nennenswerte Problem vor sich hin, aber in etwa so lange hat sich auch nicht mehr wirklich etwas nennenswertes weiter entwickelt; das stimmt zwar nicht ganz, aber die Änderungen blieben insgesamt doch sehr dezent. Wordpress ist leider keine Alternative, auch wenn das Backend großartig ist. Ein Blick in den Core an beliebiger Stelle sollte ausreichend Anlass geben, das System nicht zu wollen. Was ist eigentlich aus Habari geworden?


Wordpress macht jQuery-Code in Posts kaputt

29 04 2010

Heute musste ich in einem Wordpress-Eintrag ein kleines jQuery Script einbauen, wofür ich erst mal ein DIV an den BODY anhängen musste. Im Grunde macht man sowas in jQuery mit folgendem Code:

<script>
  jQuery('<div id="soundso" class="undsoso"></div>').appendTo('body');
</script>

Leider fährt einem Wordpress hier an die Karre, wenn man das in den Post-Editor einfügt (davon abgesehen, dass sowieso alles kaputt ist, wenn man den WYSIWTFWYSIWYG-Editor benutzt). Die Automatik, die Ps um die Absätze macht, grätscht hier rein und fummelt da irgendwie noch ein p mit rein, wo es einem einen JavaScript-Fehler einbringt. Eine andere Weise, dieses DIV zu erzeugen, scheiterte an anderen Randbedingungen oder wäre sehr unelegant gewesen, deswegen musste ich das irgendwie hinbekommen. Da Wordpress normalen JavaScript-Code in Frieden lässt, habe ich letztlich auf die Standard-JavaScript-Methode zurückgegriffen, wie man DOM-Elemente erzeugt. Das sieht dann so aus:

<script>
  var d = document.createElement('div');
  d.id = 'soundso';
  d.className = 'undsoso';
  document.body.appendChild(d);
</script>

Wenn man es so macht, lässt Wordpress den Code passieren, ohne daran wohlmeinend herumzufummeln. Eine andere Möglichkeit ist das PlugIn Text Control, das auf Pro-Post-Basis die Textformatierungen abschalten kann. Das Plugin scheint auf den ersten Blick trotz des Alters (es ist von 2005) mit einem aktuellen Wordpress zu funktionieren, aber leider bietet es seine Dienste nur für Posts an und nicht für statische Seiten.

Nachtrag 06.05.2010: Man kann auch einfach radikal wie wpautop-Funktion deaktivieren, etwa mit diesem PlugIn. Das automatische rein pfriemeln von Absätzen ist nett gemeint, aber es schadet in der Praxis mehr, als es nützt; zumindest in meiner Praxis.


Düsseldorf hat sein Feigenblatt verloren

10 04 2010

Das Feigenblatt ist eins der besseren Dessousfachgeschäfte in Düsseldorf, mithin das beste mit bekannte der Stadt. Ende Januar haben wir dort 60€ angezahlt und einige interessante Stücke aus der Sommerkollektion von Freya Lingerie zur Anprobe bestellt. Ein faires Angebot: Man sucht sich aus dem Katalog einige Modelle aus, die dann in der passenden Größe bestellt werden, wenn nichts davon gefällt oder passt, kann man die Anzahlung auch in beliebige andere Produkte fließen lassen. Da wir nichts vom Feigenblatt gehört haben, die Telefonnummer nicht funktioniert und die Website nurmehr Coming Soon vermeldet, sind wir heute schnell mal dort hin geradelt. Surprise, surprise: Der Laden ist weg. Leergeräumt, Papier in den Schaufenstern und sogar die Leuchtbuchstaben abmontiert. Bemerkenswert, dass das Haus überhaupt noch steht, so weg, wie der Laden ist. Sang und klanglos geschlossen, nicht mal ein Zettel in der Tür, was denn nun los ist. Dabei waren wir vor ein paar Wochen noch da und man vertröstete uns auf Anfang April.

Na sowas, ist das Feigenblatt insolvent? Umgezogen? Ein Umbau? Ein offenes Insolvenzverfahren konnte ich in nicht finden, was durchaus auch an meiner Unkenntnis der Materie liegen mag; vielleicht ist das Verfahren auch noch nicht eröffnet, aber der Laden schon geschlossen. An einen Umzug oder Umbau mag ich nicht glauben, in so einem Fall keinerlei Nachricht zu hinterlassen und Website und Telefon gleich mit abzuschalten, wäre dann doch etwas unkonventionell. Also wohl doch insolvent, na prima, das wäre dann meine erste Forderung an einen Insolvenzverwalter. Wenig erfreulich. Im Grunde sind mir die 60€ auch egal angesichts der Unschönheit einer Insolvenz für Mitarbeiter und Inhaber.

Worüber ich mich aber ärgere, ist die Nichtkommunikation. Hat man uns angerufen oder sonstwie mitgeteilt, dass es ein Problem gibt? Wieso müssen wir erst dorthin fahren, um zu sehen, was los ist? Wobei wir ja nicht mal wissen was los ist. Als wir kürzlich noch da waren, müssen die Probleme doch bekannt gewesen sein; hat man uns also im vollen Wissen über die Problematik vertröstet? Und wieso steht auf der Website Coming Soon, wenn am Laden sogar die Leuchtbuchstaben weg sind?

Wie auch immer, schade um den Laden. Wäsche abseits der Standardgrößen ist nämlich echt super schwer zu bekommen, selbst wenn man in Kauf nimmt, wirklich viel Geld in die Hand zu nehmen (sonst hat man im Grunde gar keine Chance auf schöne und gut sitzende Wäsche). Wenn ein Laden in solchen Sondergrößen mal zehn Modelle zur Wahl hat, ist das schon ein Grund zu jubeln. Wenn nicht neun von zehn Modellen nur mäßig bequem und/oder hübsch wären und/oder die Rücksendung nicht so lästig wäre, könnte man ja für unfassbar viel weniger Geld in England bestellen. Ja, wenn…

Nachtrag 26.07.2010: Inzwischen ist in dem Ladenlokal ein anderes Bekleidungsgeschäft und die Website ist immer noch offline. Sieht so aus, als wäre coming soon sehr weitschweifend ausgelegt. Ein Insolvenzverfahren konnte ich unter dem Begriff Feigenblatt beim Registergericht Düsseldorf noch immer nicht finden.


Tischtelefon gesucht

05 03 2010

Ich bin seit 20 Jahren latent auf der Suche nach einem guten Tischtelefon. Alles fing mit dem neuen Diensttelefon in meinem Elternhaus gegen Ende der 80er an: Das Ding war schick und konnte quasi alles, was man sich vorstellen konnte und noch mehr, bediente sich aber derart kryptisch, dass ich mir die Bedienung auch nach mehrmaligem Durchlesen des Handbuchs absolut nicht einprägen konnte. Ja, ich war ein Geek-Kind, das alle Anleitungen gelesen und alles ausprobiert hat, um zu verstehen, wie Geräte funktionieren. Das Ding war angesichts unseres privaten Wählscheibentelefons zwar faszinierend, aber irgendwann verlor ich das Interesse, vor allem, weil es im Arbeitszimmer stand und zudem nicht am Familienanschluss angeschlossen war. Ganz davon abgesehen, dass es im Grunde gar nicht benutzt wurde, weil kaum jemals jemand auf der Dienstnummer anrief. Es muss zu dem Telefon auch irgendwo eine Telefonanlage gegeben haben, weil man interne Kurzwahlen zu den anderen Telefonen in dem Gebäudekomplex hätte benutzen können (Küche, Küster, Kindergarten und Sakristei, wenn ich das recht in Erinnerung habe). Die internen Nummern wurden aber nie benutzt, weil man sowieso selten jemanden am anderen Ende erreicht hätte.

Zurück zum telefon selbst: So erging es mir in des folgenden 20 Jahren leider mit jedem Telefon, das ich in die Finger bekam, anfangs auch mit Handys. Handys haben es mittlerweile geschafft, dass man Grundfunktionen wie Makeln und Konferenzen halbwegs verlässlich über die Bühne bringt und Adressbuchsynchronisation klappte dann auch irgendwann durchaus praxistauglich. Das iPhone schafft im T-Mobile-Netz sogar das Kunststück, die ätzenden Voice-Menüs von Mailboxen mit seiner Visual-Voicemail richtig erfreulich bedienbar zu ersetzen, großartig.

Und was ist mit Tischtelefonen im Jahre 2010? Immerhin hat sich SIP als VoIP-Protokoll auf breiter Front durchgesetzt und es gibt eine erkleckliche Auswahl an hübschen und ausgereiften Telefonen, mit Asterisk steht eine hervorragende VoIP-Telefonanlagensoftware aus dem Open-Source-Lager zur Verfügung, gute Heimrouter wie die Fritz!Box haben für den Hausgebrauch völlig ausreichende und gut bedienbare Telefonanlagenfunktionen und es läuft notfalls auch ein ganzer Asterisk darauf. Und die Telefone dazu? Immer noch so kompliziert, dass der eigens dafür bestehende Beruf Telefonanlagenbauer noch lange nicht überflüssig wird. Wieso gibt es auch gegen viel Geld kein Killer-Telefon für den Hausgebrauch? Wieso wird der SOHO-Bereich mit (bei fehlender Anlagenunterstützung) funktional beschnittenen Scheißtelefonen abgespeist? Ist da so wenig Geld zu verdienen? Ich weiß es nicht, aber ich skizziere jetzt einfach mal ein für mich perfektes Tischtelefon für den Einsatz im Kleinbüro- und Heimbereich, wo üblicherweise eine kleine (etwa eine Fritz!Box) oder gar keine Telefonanlage zur Verfügung steht:

  • Gute SIP-Kompatibilität mindestens mit Fritz!Box und Asterisk, inkl. solcher Stolpersteinchen wie dem Blindtransfer mit der Fritz!Box, wo Siemens teure und in meinen Augen extrem nervigen, weil nur an Siemens HiPath-Anlagen wirklich gut funktionierenden OpenStage-Telefone schon scheitern (wobei mir immer noch nicht klar ist, wer da letztlich die Schuld trägt).
  • Wählen vom PC aus, vorzugsweise ohne Umweg über den SIP-Server (den Fritz!Box TAPI-Treiber gibt es zum Beispiel nicht für 64Bit Windows, immerhin gibt es den überhaupt) und auch am Mac bzw. Linux. Und zwar ohne Fummelei, das kann ja so schwierig nicht sein.
  • HD-Telefonie, in welcher Form auch immer. AVM nennt das HD-Telefonie und mit deren Mobilteil MT-D klingt das wirklich bezaubernd, kein Vergleich zu Standard-Telefonie oder gar einem Handy-Telefonat. Immerhin scheinen alle Hersteller sowas im Angebot zu haben, aber funktioniert das auch?
  • Irgendeine Adressbuchsynchronisation, vorzugsweise möglichst offen, damit man das irgendwie an seine Landschaft anpassen kann. Ich benutze Thunderbird und wäre durchaus bereit, ein paar Euro für einen Connector dafür zu bezahlen. SyncML würde es auch tun oder irgendetwas ähnliches. Nur Outlook reicht nicht. Und LDAP? Im SOHO-Bereich? Solange die Fritz!Box und andere kleinere SIP-Lösungen kein LDAP-Zugriff auf ihr Telefonbuch bieten, bringt einen das nur bedingt nach vorne. Einen Linux-Server dauerlaufen zu lassen, damit man sein Telefonbuch benutzen kann scheint mir dann doch etwas ressourcenhungrig. Mein Windows Home Server legt sich jedenfalls mit den anderen Rechnern aus Stromspargründen schlafen.
  • Bluetooth-Headsets direkt nutzbar. Wie kann es sein, das selbst Topmodelle für etliche hundert Euro kein Bluetooth beherrschen? Jedes dumme Mittelklassehandy für Teenies kann Bluetooth-Headsets anbinden (und einige sogar so Kunststücke, wie Facebook als Telefonbuch zu nutzen), wieso bloß können Tischtelefone das nur in sehr seltenen Ausnahmefällen?
  • Gigabit-Ethernet. Fast alle SIP-Telefone können einen Netzwerkport durchreichen, wieso aber können die wenigsten auch Gigabit-Ethernet durchreichen? So braucht man doch einen extra Port für das Telefon, um den PC nicht seiner schnellen Anbindung zu berauben. Alles eine Preisfrage? Wenn man mehrere hundert Euro verlangt, kann man den Aufpreis für einen Gigabit-Port doch wohl noch unterbringen. Eine ganze Gigabit-Netzwerkkarte für den PCIe-Bus bekommt man einzeln für unter 5€.
  • Einfache Aufzeichnung von laufenden Telefonaten wäre auch toll. Ich zumindest muss gelegentlich Anrufe mitschneiden und nutze dazu immer Skype, wenn ich vorher davon weiß; etwa wenn ich die 1&1-Hotline anrufe, um mir deren unfassbare Dreistigkeiten anzuhören.
  • Intuitive Bedienung. Das Snom 870 macht das auf den Demo-Videos schon ganz gut vor. Warum schaffen andere Telefone sowas nicht? Man will doch nur, dass sich die Funktionen intuitiv bedienen lassen. Da werden dann in den Topmodellen riesige Displays eingebaut, die sich auf dem Chef-Schreibtisch gut machen, ohne dass man einen Vorteil bei der kryptischen Bedienung daraus ziehen würde. Wenn ich Bedienoberflächen wie die des nicht gerade billigen Siemens OpenStage 40 sehe, dreht sich mir der Magen um; man sollte echt mal ein Video von der Bedienung aufnehmen.

Schon an diesen eigentlich naheliegenden Forderungen scheitern meines Wissens nach alle Tischtelefone. Dass die Telefone alle mehr oder weniger ausgefuchste Adressbuchzugriffe über LDAP oder ähnliches unterstützen, bringt einen im Kleinbüro leider nicht weiter.

Aber der entscheidende Part ist für mich die Bedienung: Was nützen einem die fettesten Funktionen, wenn man sie im Alltag wegen Kompliziertheit nicht benutzt? Snom geht beim 870 mit dem relativ großen Touchscreen schon in die richtige Richtung, deswegen hätte ich das heute beinahe kurzentschlossen bestellt, verspricht es doch fast alle genannten Punkte abzudecken. Doch dann habe ich gesehen, dass es kein Bluetooth kann. Warum? Das Telefon kostet über 300€, anfangs sogar fast 500€, aber es kann kein Bluetooth? Immerhin signalisiert Snom im hauseigenen Forum Interesse an dem Vorschlag, wenigstens Bluetooth-Dongles am USB-Port des Telefons zu unterstützen. Bis dahin muss ich wohl weitersuchen.

Wenn man 300€ für ein Telefon bezahlt, bewegt man sich doch eigentlich schon im Bereich von besseren Android-Tabletts. Ich frage mich schon lange, wieso nicht jemand auf die Idee kommt, ein großes Android-Tablett mit einem Netzwerkanschluss, einem Telefonhörer und einem einfach zu bedienenden Telefonieprogramm auszustatten. Das wäre für mich ein Traum, bei dem die proprietäre Flexibilität per XML-Browser der Snom-Telefone im Leben nicht mithalten könnte. Mit Android liegt ein fertiges und leistungsfähiges Betriebssystem für Telefone auf der Straße, dessen Bedienkonzept sehr modern ist, das nichts kostet und durch Apps auch noch beliebig erweiterbar ist. Im Grunde ist doch alles schon da. Ein Hersteller hat im letzten Jahr genau sowas angekündigt, verkauft das Konzept aber nur kundenspezifisch im Projektgeschäft oder als Lizenz für andere Hersteller. Aber exakt so stelle ich mir das vor, man schaue sich mal das Demovideo dazu an, großartig. Wenn sowas gut gemacht und halbwegs bezahlbar wäre, würde ich das sofort kaufen, für ein gutes Smartphone oder ein iPad gibt man ja auch gerne 500€ aus. Ein Cradle mit Hörer und gutem Freisprech-Lautsprecher für ein gutes Android-Smartphone mit SIP-Telefonie-App würde es auch schon tun, dann hätte man sogar noch Mobilfunk-Backup.


Warum der Pornomodus von Opera momentan nichts taugt

03 03 2010

Opera 10.50 wurde gestern veröffentlicht und bringt neben einem echten Geschwindigkeitsschub und endlich einer Windows 7 angemessenen modernen Optik auch den von mir schon lange vermissten Pornomodus mit. Nur leider ist der derart blöd eingebunden, dass er quasi wertlos ist.

Es fängt damit an, dass man den Modus dank fehlenden Tastenkürzels umständlich aus der zweiten Menüebene oder dem Kontextmenü der Tableiste hervorkramen muss. Was zur Hölle soll das? Nun gut, sicher kann man den Privatmodus an bestimmte Bookmarks binden… Kram, such, kann man nicht. Dreck. Dann hat Opera ja auch die super geniale Funktion der Seitenspezifischen Einstellungen, da kann man sicher den Privatmodus für einzelne Seiten aktivieren… Nope, auch hier nichts vom Privatmodus zu sehen. Nun gut, dann mache ich eben so einen privaten Tab auf und rufe dann die entsprechenden Bookmarks auf. Hab ich gedacht, ganz bauernschlau. Doch weit gefehlt: Das Aufrufen von Bookmarks öffnet einen neuen Tab im Standardmodus. Nicht mal das Kontextmenü von Lesezeichen im Panel bietet das Öffnen im Privatmodus an.

Zusammenfassend muss ich leider sagen, dass der Privatmodus wirklich denkbar schlecht implementiert wurde: Es ist unter keinen simplen Umständen möglich, Bookmarks im Privatmodus auszurufen und wenn der Privatmodus in der zweiten Menüebene ohne Tastenkürzel dahinschimmelt, wird ihn auch niemand regelmäßig aktivieren. Als einzige Möglichkeit bleibt, ein zweites Opera-Fenster im Privatmodus zu öffnen, in dem man dann auch Bookmarks aufrufen kann. Das geht sogar mit einem Tastenkürzel, immerhin.

Warum nur, Opera? Es ist ja nicht so, als hätten nicht alle anderen Browser bessere Implementierungen dieser Idee parat. Seid ihr zu stolz, von anderen abzugucken? Warum so halbherzig? Schaut euch mal den Firefox an, dessen Privatsphäreeinstellungen sind bestechend simpel, sogar rückwirkend kann man hier gezielt einzelne Seiten oder Zeiträume aus der History kicken. Eure Seitenspezifischen Einstellungen sind so ein großartiger und von mir oft genutzter Ansatz, warum taucht der Pornomodus hier nicht auf?

Randbemerkung: Es ist für mich kein Widerspruch, Bookmarks und Privatmodus gleichzeitig nutzen zu wollen. Ob eine detaillierte Porno-History angelegt wird, die zudem auch noch andere Seiten aus der Autovervollständigung verdrängt und vor allem auch dort auftaucht, wenn einem Leute über die Schulter sehen, oder ob man nur ein Bookmark in den Lesezeichen liegen hat, ist für mich ein zentraler Unterschied. Vor mir selber habe ich nichts zu verbergen, der Pornomodus ist also für mich lediglich eine Komfortfunktion zur History- und Cookie-Hygiene. Ich würde also erwarten, dass bei den Seitenspezifischen Einstellungen (oder im Bookmark) der Pornomodus wählbar ist, dieser in den Tabs klar gekennzeichnet ist und sich vor allem auch auf die darin verlinkten Seiten auswirkt.

Und wo wir gerade beim Thema Opera und Lästigkeiten sind:

  • Warum kann ich die Mausgeste für einen neuen Tab nicht mehr benutzen, wenn alle Tabs minimiert sind und ich den grauen Hintergrund sehe? Bisher ging das immer, jetzt muss ich hier einen Doppelklick machen. Kleine Umgewöhnung, halb so wild, aber überflüssig und inkonsistent. Ein Doppelklick in einen bestehenden öffnet ja auch keinen neuen Tab, dafür gibt es ja die Geste.
  • Lästiger ist, dass man noch immer nicht die Reihenfolge der Symbolleisten ändern kann: Ich habe die Tableiste und die Persönliche Leiste oben positioniert; das sorgt leider dafür, dass der coole neue O-Button nicht im Fensterrand hängt, sondern links von den Tabs. Ich hätte also gerne die Persönliche Leiste (Bookmarks) unter den Tabs oder wenigstens den coolen O-Button trotzdem im Fensterrand. Warum geht das nicht?
  • Warum gibt es beim neuen und an sich sehr gelungenen Standard-Skin allerlei unfassbare Farben als Farbschema, aber keine neutrale dunkle Farbe? Das System-Farbschema ist schon OK, aber grau und ein weißer Hintergrund im Schnellstarter sind keine wirklich erfreulichen Gesellen.
  • Warum gibt es keinen Feeds-Button für die Symbolleiste? Einen Lesezeichen-Button gibt es ja auch und ohne Menüleiste braucht man irgendwie einen direkten Zugang zu den Feeds. Klar, man kann sich im Netz benutzerdefinierte Buttons besorgen, so einen habe ich ja auch, aber der ist kleiner als der Lesezeichen-Button und fällt total aus dem Rahmen.
  • Der eingebaute Torrent-Client schnappt sich bei ein paar aktiven Torrents gerne mal die gesamte zur Verfügung stehende Bandbreite, so dass man parallel nicht mal mehr normale Websites aufrufen kann. Das muss man bei 50/10MBit VDSL erst mal schaffen.

So, genug gemeckert. Opera ist nämlich für mich immer noch der beste Browser von allen. Chrome gefällt mir auch sehr gut und in Zukunft will Google auch auf die eindeutige ID verzichten, wie ich gehört habe. Mit der neu hinzugekommenen Extension-Schnittstelle und seiner Smoothness ist er ein heißer Kandidat für den besten Browser. Firefox ist nachwievor (unter Windows und Linux) großartig und ich benutze ihn ebenfalls intensiv, wenn ich auch aus Gründen der Smoothness und aus Gewohnheit für das alltägliche Surfen seit nunmehr etwa 11 Jahren ununterbrochen Opera nutze. Safari ist inzwischen auch ein prima Browser, aber unter Windows eher überflüssig und vor allem gibt es ihn nicht als portable Version, was für mich als Webentwickler ziemlich bitter ist.

Nachtrag 09.03.2010: Wenn man in der Adresszeile opera:config eingibt, kommt man in einen erweiterten Config-Dialog, ähnlich wie bei Thunderbird und Firefox. Dort kann man so einige Nervigkeiten von Opera loswerden, etwa den Bandbreitenhunger für Torrents oder die Tab-Integration in der Windows 7 Taskleiste. Immerhin.


Qype bewegt sich nur noch langsam, rückwärts…

18 02 2010

Ich bin begeisterter Qype-Nutzer und schätze Qype als fundierten Ratgeber für Lokalitäten und Einkaufsmöglichkeiten. In letzter Zeit ärgere ich mich aber immer wieder und zunehmend über Abstriche und schlechte Entwicklungen, die ich nun mal gebündelt niederschreiben möchte.

Punkt 1 und ganz wichtig: Die Suche bei Qype ist und war schon immer ein schlechter Witze. Wenn man einen Laden sucht, dessen Namen man nicht genau im Kopf hat, ist man total aufgeschmissen, weil die Suche schon bei kleinsten Abweichungen in der Schreibweise scheitert. Immerhin wird einem dann eine Google-Suche als Alternative geboten, die auch vorher schon die bessere Alternative für das Auffinden von Läden bei Qype war. Eine Autovervollständigung würde das Problem immerhin teilweise beheben, aber langsfristig muss eine unscharfe Suche her.

Bis zuletzt habe ich Läden, die ich ums Verrecken nicht über die Suche gefunden habe, immer über die allgemeine Kartenansicht der Stadt gesucht und so zuverlässig finden können. Dieser Workaround ist aus unerfindlichen Gründen nicht mehr auffindbar. Was soll das Qype? Wo ist die allgemeine Kartenansicht über alle Kategorien hin? Dienste wie MapTheQ sind zwar cool und hübsch, aber hier fehlen etliche Locations aus für mich nicht ersichtlichen Gründen. Ein hier naheliegendes Beispiel ist der fehlende REWE hier um die Ecke in dieser Kartenansicht. Zudem ist es schon irgendwie seltsam, dass man Qype verlassen muss, um eine gute allgemeine Kartenansicht zu bekommen.

Ein weiteres Problem in der Nähe der Suche und Positionierung sind die völlig falschen Stadtteilgrenzen. Zumindest in Düsseldorf stimmen die Stadtteilgrenzen vorne und hinten nicht, so dass ich mich hier mit allen Läden um mich herum laut Qype in Stadtmitte befinde und Flingern-Nord erst östlich der Dorotheenstraße anfängt (also an der PLZ-Grenze 40233/40235). Eller und Lierenfeld stimmen auch ganz und gar nicht. Diesen Fehler habe ich bereits mehrmals im letzten Jahr gemeldet, eine Antwort bekam ich nie und behoben wurde das auch nicht. Auch hier: Was soll das Qype? Die Statteile hatten ursprünglich ja mal gestimmt.

Die kaputten Stadtteilgrenzen sind deswegen besonders ärgerlich, weil Qype einem seit einiger Zeit ständig und überall die Stadtteile statt der Städte aufdrängelt. Beispielsweise kommt man im Breadcrumb innerhalb einer Kategorie nicht mehr zurück zur ganzen Stadt. Ist man also in Shopping->Mode in Flingern-Nord und möchte andere Modegeschäfte in Düsseldorf suchen, kann man nicht einfach im Breadcrumb klicken, weil man da nur zu Düsseldorf ohne Kategorie oder eben zur Kategorie Mode in Flingern-Nord gelangt. Will man Mode in ganz Düsseldorf shoppen, muss man zurück zur Stadt und sich wieder zur Kategorie durchklicken. Ohne die Stadtteilebene war das alles kein Problem. In Berlin mag das mit den Stadtteilen essentiell sein, aber in den meisten anderen Städten ist das eher lästig. Eine Entfernungssuche wäre die klar bessere Alternative.

Kein echtes Problem, aber schon oft zu Recht bemängelt: Das "neue" Design in Türkis und rot ist nach wie vor zum kotzen abstoßend und das für Mitglieder wählbare Classic-Theme ist nichts Halbes und nichts Ganzes. OK, die neue Optik ist inzwischen durchaus rund optimiert, aber immer noch nicht mal im Ansatz so angenehm, wie das angenehme orange-grüne alte Design. Seit diesem Relaunch geht es in meinen Augen bei Qype nur noch bergab. Auch die Zahl der Beiträge pro Tag scheint seitdem zu stagnieren. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass Qype seitdem nur noch abbaut.

Wenig hilfreich ist da, dass man keine negativen Bewertungen mehr für Beiträge vergeben kann. Immer wieder begegne ich schlechten Beiträgen, ob zu kurz oder einfach total dämlich, ich möchte gerne schlechtes Feedback geben. Ich kenne genug gute Beispiele, wo doofe Beiträge, die mehrheitlich von anderen Nutzern abgelehnt werden, ausgeblendet werden oder sonstwie in den Hintergrund gedrückt werden. Das sehe ich als guten Anreiz, qualitativ hochwertige Beiträge zu schreiben, denn niemand mag gerne negativ bewertet werden. Ein "Weniger lesenswert" oder "Nicht hilfreich", wie es das früher bei Qype gab, ist in meinen Augen immens wichtig für die Qualitätskontrolle durch andere User. Die gelegentlich angesprochene Gefahr des Vergraulens von Neuusern sehe ich weniger, denn viele Experten sind sehr nachsichtig bei schlechten Beiträgen von Anfängern und geben gute und konstruktive Kritik. Nur loben zu können oder sonst schweigen zu müssen, entwertet das Lob in meinen Augen immens. Klar kann man auch Kommentare schreiben, aber wie alle wissen, wie schnell bei negativen Kommentaren ein Flamewar auflodert. Gut ist allerdings, dass man inzwischen sehen kann, wer einen Beitrag lesenswert fand, das ist schon ein Schritt in die richtige Richtung, um diese Lobfunktion wieder aufzuwerten. Immerhin.

Ein Ärgernis ist in meinen Augen die fehlende Möglichkeit, ältere Beiträge zu editieren, ohne dass der Beitrag nach oben geschoben wird. Ich gebe zu, dass es durchaus meine Eitelkeit ist, aber wenn ich einen frühen oder ersten Beitrag zu einem Platz geschrieben habe, empfinde ich diesbezüglich gelegentlich einen gewissen Stolz. Das führt dazu, dass ich solche Beiträge regelmäßig nicht mehr um neue Informationen ergänze, um die Position nicht zu verlieren. Zudem kenne ich das Hochschieben von Threads durch kleinere Änderungen als ein eher negativ besetztes Verhalten und würde das im Falle von Schreibfehlern schon aus diesem Grunde gerne vermeiden. So oder so: Man sollte wählen können, ob ein Beitrag bei einer Änderung ein neues Hauptdatum bekommt oder nur einen Editierzeitstempel. Ach ja, der Thread-Zusammenhang wird durch das ungefragte Umsortieren ebenfalls auseinander gerissen, konkret meine ich die durchaus übliche Bezugnahme auf die Vorredner.

Einige der hier beschriebenen Kritikpunkte finden sich auch im Qype-Feedback-Forum (nur für Insider und Experten sichtbar). Trotzdem wollte ich mal eine eigene kommentierte Sammlung von Kritikpunkten hier veröffentlichen. Ich hoffe, es ist kontruktiv genug formuliert, damit das auch ankommt. Wie ich Qype kenne, wird das sogar durchaus wahrgenommen. Das muss ich mal loben: Communitymanagement funktioniert bei Qype recht gut. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass es seit Monaten keine echte Weiterentwicklung mehr gibt. Vielleicht gab es einen signifikanten Personalabbau in der Entwicklung? Man weiß es nicht.

Stagnation ist Tod, Qype ist immerhin nicht alleine am Markt.


Arme Blockwart-Würste

05 12 2009

Fefe benutzt im Kontext der Wikipedia-Relevanz-Farce immer wieder den Begiff Blockwart, der es wirklich gut trifft. Elende Spaßbremsen, die mit irgendwelchen streng ausgelegten Regeln im Rücken gegen das Böse in Form von unerträglichen Regelverstößen kämpfen. Ein Musterbeispiel ist Knöllchen-Horst, der Querulant von Osterode, dessen Hobby es ist, Falschparker und andere Staatsfeinde anzuzeigen und der es mit einer Anzeige gegen einen falsch parkenden Rettungshubschrauber irgendwann überreizt und es damit in die überregionale Presse geschafft hat. Was für eine arme Wurst.

Schöne Story jedenfalls, die mich an ein Erlebnis vor vielen Jahren erinnert hat: Rügen, Sommerurlaub auf dem autofreien Campingplatz. Ich habe das Auto vom Parkplatz geholt und bin nahestmöglich an den Waldweg herangefahren, der vom Campingplatz kommt. Dort habe ich wenige Minuten auf meinen Vater gewartet, der aus irgendeinem Grund schlecht zu Fuß war. Nahestmöglich bedeutet, dass ich bis an das "Verbot für Fahrzeuge aller Art" herangefahren war und das Auto weiterhin am Steuer sitzend am Straßenrand abgestellt hatte. Vor mir, also hinter dem Schild stand noch ein weiteres Auto. Wenige Sekunden später hielt hinter mir ein Pick-Up, der im Gegensatz zu mir die Straßensituation jetzt doch deutlich verengte. Es stieg ein Rentner aus, zückte seine Digitalkamera und fotografierte mich, den Wagen, in dem ich saß inkl. Nummernschild und den Wagen, der vor mir stand. Dann klopfte er an meine Scheibe und wies mich eingeschränkt freundlich darauf hin, dass wir, also der andere Wagen und ich, hier nicht stehen dürften, weil da ja ein "Verbot für Fahrzeuge aller Art" Schild stünde, das wär ja wohl sonnenklar und er hätte Beweisfotos angefertigt und würde uns anzeigen, wenn wir nicht sofort verschwinden würden. Ich war etwas verdattert, guckte mich kurz um und wies ihn dann darauf hin, dass der andere Wagen, wie leicht am Nummernschild zu erkennen, offensichtlich nicht zu mir gehört. Zudem stünde ich ja auch irgendwie recht offensichtlich vor und nicht hinter dem "Verbot für Fahrzeuge aller Art" Schild und zuletzt würde ich hier im Gegensatz zu ihm gerade niemanden blockieren und falls doch, ja im Wagen sitzen, um im Zweifel Platz zu machen. Ganz offensichtlich warte ich ja hier auf jemanden, denn aus Jux und Dollerei würde ich an dieser Ecke sicher nicht rumstehen. Keine Ahnung, was ich genau gesagt habe, aber inhaltlich kommt das hin. Wie denkt ihr, hat der Typ darauf reagiert? Richtig! Er hat gebrummt, dass ich hier trotzdem nicht stehen dürfe (was ich mangels so auslegbarer Beschilderung nicht so sah) und hat sich verzogen. Meinem ersten Impuls, dem Typen hinterher zu fahren und ihn in der nächsten gefährlichen Kurve (die es dort gar nicht gibt) abzudrängen, habe ich nicht nachgegeben. Mich hätte aber schon interessiert, was das für ein Menschenschlag ist, wo und wie so jemand wohnt und all das. Sicher war der seinerzeit Stasi-Spitzel für die gesamte Nachbarschaft. Ich hätte ihn vielleicht auf ein, zwei Herrengedecke in der einzigen Kneipe am Ort einladen sollen, ein interessantes Quellengespräch führen und ihn dann wegen Fahren unter Alkoholeinflusses anzeigen sollen.

Die Moral von der Geschicht: Hilfspolizisten und Blockwarte gibt es überall und nie, absolut nie machen sie Spaß. Insgeheim träumen die sicher von spannenden Kriminalfällen, die sie wie Kalle Blomquist meisterdetektivisch aufklären können. Bis dahin zeigen sie jeden Falschparker an, nicht nur die, die wirklich asozial jemanden (oder auch mal ganze Straßenbahntrassen) blockieren. Und gehen damit jedem Sachbearbeiter und sonstwie juristisch beteiligten auf den Sack und halten sie von ihrer Arbeit ab. Ob so Typen so werden, weil sie in der Schule schon immer alle verpetzt haben und dafür angemessen gemobbt wurden? Und bei manchen wirkt das nicht heilsam, sondern bestätigt sie darin, das Richtige zu tun? Eine mögliche Erklärung liefern die Beginner.