Cuil hat den größten Schwengel

29 07 2008

Meine Herren! Das ganze Netz redet von Cuil, der neuen Suchmaschine mit dem weltgrößten Suchindex von 120 Milliarden Seiten. Guckt jetzt mal schnell bei Rivva vorbei, denn dort gibt es gerade irgendwie nur Nachrichten zu dieser Suchmaschine. Jeder schreibt was und auch ich gebe meinen Senf dazu. Denn man muss dazu auch was sagen, weil Cuil in seinem Riesenindex mit der aktuellen Suchstrategie leider fast nichts findet. Man gebe einfach mal irgendetwas ein, von dem man das Ergebnis kennt und staune: So schlechte Ergebnisse bringt nicht mal die Live-Suche von Microsoft zustande. Respekt. Bei Spreeblick sammelt man schon Dinge, die Cuil nicht findet, amüsant.

Meine These ist ja, dass sich der Robot in den endlosen Linkfarmen der Google-Spammer verlaufen hat und daher 90% der 120 Milliarden indizierten Seiten irrelevant sind. Gut, dass der Suchalgorithmus wenigstens so klug ist, den Spam dann nicht auch noch anzuzeigen. Andere Thesen? Die Gewichtung ist einfach dämlich? Möglich.

P.S. Apropos Live-Suche: In meinen Referrern taucht in letzter Zeit ständig die Live-Suche mit einzelnen generischen Begriffen wie "shirts", "meinen", "keine", "nicht" und so weiter auf. Alleine 247 mal habe ich das Suchwort "artikel" als Referrer von search.live.com. Klickt man auf den Referrer, ist von meinem Blog natürlich nicht die Spur zu sehen. Hat jemand eine triftige Erklärung für das Phänomen parat?


Ich muss auch mal Twittern oder so

25 07 2008

Als ich gelesen habe, warum das Internet Johnny Haeuslers Leben zerstört hat, habe ich mich irgendwie zugehörig gefühlt. Ihr wisst schon, dieses warme Gefühl, dazu zu gehören, dabei zu sein. Ja, das ein oder andere davon trifft auf mich voll zu, wenn nicht… ja wenn nicht alle Webtypen den ganzen Tag rumtwittern würden. Twitter ist dieser Dienst, bei dem man in 140-Zeichen Nachrichten seinen Followern mitteilt, was man gerade macht und wo man ist und was einen gerade beschäftigt. Microblogging heißt das ganze und führt die Grundidee des Blogging konsequent weiter: Man kann überall und ständig sein Sendungsbewusstsein voll ausleben und alles in die Öffentlichkeit schrei(b)en. Der Witz ist ja, dass man sein Umfeld derart mit Informationen flutet, dass niemand weitere Fragen stellt und dann, ja dann bleibt die Privatsphäre privat, wo sie privat bleiben soll. Hofft man zumindest.

Also werde ich demnächst wohl mal bei Twitter mitmachen oder wo auch immer. Vielleicht checke ich auch bei aka-aki ein und sehe, welche anderen aka-aki-Nutzer gerade in meiner Nähe sind und ihr Bluetooth anhaben. Das wird zwar nie vorkommen abseits der Webmenschen-Kongresse, aber die Idee ist cool. Eine ähnliche Idee hatte ich übrigens vor einem Jahr im Dating-Kontext auch schon mal, aber das ist ne andere Geschichte.

Was wär eigentlich die Killer-Applikation hierbei? Twitter-Microblogging mit Geotags (via GPS und zwar optional), Freunde-in-der-Nähe-Erkennung via Bluetooth und alternativ über einen Webservice (dazu muss man seinen aktuellen bzw. zukünftigen Aufenthaltsort stets halbautomatisch aktualisieren können). Das ganze auf offener Jabber/XMPP-Basis mit reichlich APIs bestückt. Das wärs irgendwie, vor allem, wenn man jederzeit den Überblick behält über die Daten, die man veröffentlicht. Thema Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung. Nur gedankenlose Teenies benutzen solche Dienste trotz einem latenten Gefühl, die Kontrolle verloren zu haben. Oder vielleicht ist auch gerade das für manchen der Reiz?

P.S. Liebe Vorratsdatenspeicherer: Es ist kein Widerspruch, im Netz eine Menge von sich freizugeben und gleichzeitig die Vorratsdatenspeicherung abzulehnen. Der Unterschied liegt in der Kontrolle über die über mich gesammelten/veröffentlichten Daten, Stichwort Informationelle Selbstbestimmung.


Der Grund für die dreisten iPhone Tarife

26 06 2008

Beim lesen der Kommentare zu Gerrit van Aakens iPhone Wunschtarif ist mir der Frage Antwort eingefallen: 42! Die Lösung hingegen zur Frage, warum in aller Welt T-Mobile einen breiteren Markterfolg des iPhone mit derart geisteskranken Tarifen zu verhindern weiß, muss etwas komplizierter lauten:

T-Mobile bekommt einfach nur wenige Geräte von Apple geliefert und wenn man eh nur 100.000 iPhones absetzen kann (limitierender Faktor), dreht man den Preis eben so weit rauf, bis man etwa auf diese 100.000 Verträge kommen wird. So spart man sich einerseits wütende Leerausgeher und maximiert gleichzeitig den Ertrag. So muss es einfach sein ;), denn bei T-Mobile hat man die Tarife mit Sicherheit durch 1001 MaFos abgesichert und mit dem daraus generierten Wissen im Hinterkopf würde man nicht ohne weiteren Grund so dreiste Tarife am Markt vorbei platzieren. Oder ist das gar nicht am Markt vorbei?

Vielleicht ist der Grund nämlich auch schlicht der, dass die ganzen Apple-Jünger mit ihrer Hirnerektion beim bloßen Gedanken an so ein hocherotisches Gerät jeden Preis bezahlen würden, und sei er noch so dreist (gute Nutten sind allemal teurer). Man kann dann so schöne Kurven malen und einen Preis am Schnittpunkt berechnen, bei dem man am meisten verdient. Und wenn der so hoch ausfällt, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass offenbar genug Idioten unterwegs sind, die solche weltfremden Tarife auch zu zahlen bereit sind. Manchem ist auch Geld in dieser Größenordnung schlicht egal. Pah, wen interessieren schon niedere vierstellige Beträge? Und diese Leute werden es durchaus begrüßen, dass nur jeder 1000ste Deutsche so ein Gerät mit sich herumträgt und zur Schau stellt. Da ich niemanden mit T-Mobile-iPhone-Vertrag kenne, aber einige mit iPhone ist es vielleicht inkl. Dunkelziffer auch nur jeder 500ste Deutsche. Wo kämen wir denn hin, wenn die Prepaid-Kiddies und die Studenten das gleiche Edel-Telefon hätten, wie anständige Leute?

Wir wollen ja bei alledem nicht vergessen, dass das iPhone ein reinrassiges Oberklasse-Produkt ist. Wer Oberklasse haben will, muss auch Oberklasse bezahlen. ABS und Airbags gabs auch zuerst in Autos, die sich kaum jemand leisten konnte. Wo also bleibt das Volks-iPhone?

P.S. Hoffentlich mahnen die Bild-Leute mich jetzt nicht ab, weil ich Volks-XY gesagt habe… Egal: Jehova, Jehova!

Nachtrag: Der 200MB Kommentar zu Gerrit van Aakens Wunschtarif war offenbar sinnlos und ist entfallen.


Chai Latte

08 05 2008

Ich habe ein Problem: Ich mag keinen Kaffee. Ich sag euch nee, nee, nee, da trink ich doch lieber Tee . Auch bin ich Nichtraucher, is also nix mit gemeinsamen Käffchen und Raucherpausen im PissRaucherbereich.

Nun begab es sich aber, dass unter den so hippen Typen in Berlin und jetzt auch hier in Flingern und so, also da wo sich tagsüber so selbstständiges Volk und die Kinderwagenfraktion in netten Straßencafés begegnen, die Chai Latte umgeht. Das ist zur Abwechslung nix sexuelles, sondern ein Chai-Tee (also Schwarztee mit Gewürzen) mit einem Schuss Milch, und oftmals auch Milchschaum drauf und Honig drin. So ists ja schon in der Beschreibung der digitalen Bohème, dem Buch "Wir nennen es Arbeit", subtil festgeschrieben: Lebemänner (und -frauen) trinken heute keinen Kaffee mehr, Kaffeesucht ist irgendwie out und voll was für Festangestellte (in dem Kontext negativ konnotiert) und so, so scheints.

Mein Problem damit ist: Ich habe dieses Buch gelesen (bis etwa zur Hälfte) und ich habe auch das Hörbuch gehört (natürlich voll Original, ey). Und ich mag Chai Latte. Wenn ich jetzt aber, sagen wir mal in der Erbse oder im Nooij ein geschäftliches Meeting habe, sind da noch andere Typen, die das Buch wahrscheinlich gelesen haben. Wenn ich jetzt also Chai Latte trinke, denken die: "Aha, der Typ will voll Bohème-mäßig kommen und trinkt Chat Latte, weil das da grad en vogue ist." Oder so. Dem ist nicht so, ich trink das, weil ich keinen Kaffee mag und Chai Latte irgendwie leckerer ist, also einfach nur Tee. Aber das wissen die Leute ja nicht. Trotzdem fühle ich mich irgendwie ertappt, weil ich mich der digitalen Bohème ja davon abgesehen durchaus zugehörig fühle. Also trinke ich dann Chocomel oder heiße Milch mit Honig, das ist auch super lecker und noch unverbraucht.

Ich sollte mich echt mal emanzipieren, was sowas angeht. Persönlicher Fortschritt: Ich trinke weiter ab und an aushäusig Orangina in den coolen Flaschen, obwohl mir inzwischen durch den Kauf eines überteuerten Kastens davon klar geworden ist, dass mir Orangina gar nicht wirklich schmeckt und ich das nur der situativen Coolness wegen bestelle, wo sie mir plötzlich auf wundersame Weise durchaus mundet. Ne Orangina auf dem Tisch ist nun mal schon immer ein Zeichen von Lebemann-Style und -Feeling gewesen. Und ich denke dabei nicht mal an Urlaub und Sartre und das ganze andere frankophile Zeug, wie das wohl auf viele Orangina-Trinker zutrifft. Hab ich mir zumindest sagen lassen.

P.S.: Wer nachts arbeitet hat dabei Ruhe und kann dabei sehr effizient sein. Tagsüber kann man dann das schöne Wetter genießen und im Park Sushi essen, was ja in Düsseldorf inzwischen vom Verbrauchtheits-Gesichtspunkt her langsam wieder klar geht, und kühle Biermixgetränke trinken.


Alle Vorträge vom 24C3

07 01 2008

Die Berichterstattung vom 24C3 zwischen den Jahren in Berlin war sehr spannend (u.a. bei heise.de und golem.de); umso erfreulicher ist für mich diese Sammlung aller Vorträge als Videomitschnitte. Ich habe direkt mal alle via Bittorrent (es gibt auch legale Nutzungsszenarien dafür, kaum zu glauben, was?) gezogen und werde mir den ein oder anderen bei Gelegenheit mal genüsslich zu Gemüte führen. Sehr gut, vielen Dank an die Veranstalter für diesen Service.

Bei der Gelegenheit habe ich auch direkt mal einen kleinen Jour fixe angeregt. Grund: Man hat ja nie die Zeit, solch spannende Vorträge oder auch andere (Video-)Podcasts zu konsumieren (Einwand Alex), weil man sich nicht die Zeit dafür nimmt (meine Interpretation des Problems). Eine gemütliche Runde mit gemeinsamem Genuss solchen Materials und ggf. ein Tröpfchen Bier oder was in der Richtung mit anschließender Diskussion aktueller Branchenthemen klingt für mich nach einer guten Idee. Da muss ich wohl mal die relevante Gruppe zusammentromeln… Wir brauchen einen Raum mit Beamer und Internetzugang und einen (2-)wöchentlichen Termin. Sollte machbar sein.


Das Thema DRM ist endlich durch

05 01 2008

Heute habe ich feierlich die Seite Wir haben bezahlt aus meiner Blogroll geworfen. Denn, mit Sony BMG hat sich nun das letzte der vier Major Label zum Verzicht auf DRM entschlossen, was die Verlinkung dieser Seite für mich überflüssig macht. Ausschlaggebend ist wohl Amazons Vorstoß gewesen, in den digitalen Musikmarkt einzugreifen, aber eben nur ohne DRM oder gar nicht. Gut so, auch als Gegengewicht zu iTunes. Ich bin gespannt, wann auch andere Shops davon profitieren werden. Endlich ist Schluss mit diesem DRM-Scheiß. Die Musikindustrie (repräsentiert durch die vier Majors) hat im Übrigen auch keine andere Wahl. Keine Industrie kann gegen seine Kunden etwas durchsetzen, was diese nicht wollen; abgesehen von Monopolen, aber die Musik der Majors hat sich gerade nicht als Monopolgut herausgestellt, zu umkämpft ist das Medien(zeit)budget der Leute.

Jetzt fehlt mir nur noch ein Feature: Wenn ich eine CD bei Amazon kaufe, wäre es der Hammer, wenn ich die Musik im Voraus schon als MP3 herunterladen könnte. Sofort loslegen können, nicht selber rippen müssen und trotzdem die CD bekommen ist ein Killerfeature, liebe Amazon-Strategen, aber nur zum gleichen Preis. Denn der Vorteil zieht nur die zwei Tage, bis die CD da ist, denn dann kann ich sie ja auch selber rippen.

Ohne zu sehr auf meiner mit 3,3 bewerteten Hausarbeit zum Thema DRM vom Sommer 2006 rumreiten zu wollen, muss ich doch noch mal kurz erwähnen, dass da genau das drin stand: DRM lässt sich nicht dauerhaft gegen die Kunden durchsetzen und in spätestens 2 Jahren ist Schluss damit. Dieser Umstand zaubert mir immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht. Die 3,3 kam übrigens dadurch zustande, dass ich meine durchaus schlüssig dargelegte Argumentation nicht beweisen bzw. belegen konnte, zumindest nicht mit gedrucktem Material (Blogs zwitscherten das ja schon von allen Dächern, aber Blogs gelten nicht als Quelle); ergo mangelnde Wissenschaftlichkeit – schlechte Note. Die These "DRM ist nötig, deswegen verkaufen wir nur mit DRM" war allerdings ebenso wenig belegt. Ein Diskurs konnte also meines Erachtens nur auf rein theoretischen Gedankengängen beruhen. Genau dieser (pseudo-)wissenschaftliche Wahnsinn ist übrigens schuld an meinem Entschluss, nicht noch einen Master an meinen Bachelor dran hängen zu wollen. Wie auch immer: Ich hatte recht, was mich im Nachhinein sehr befriedigt.

Nachtrag 05.01.2008 19:14: Eben kam ein Einwand zum Amazon-Bundle-Modell, dass das 14-tägige Rückgaberecht ein Problem sein könnte: Man kauft ne CD, zieht sich die MP3s und schickt die versiegelte CD zurück. Guter Einwand, aber rechtlich sehe ich kein Problem darin, das Rückgaberecht in dem Fall einzuschränken, solange Amazon deutlich genug darauf hinweist. Die DSL-Provider machen das auch so mit dem Haken "Auftrag schnellstmöglich ausführen". Hakt man das an, hat man kein 14-tägiges Widerrufsrecht für den DSL-Vertrag und der Provider legt sofort los. Unschön ist dabei nur, dass die Provider nicht deutlich genug auf die Konsequenzen hingewiesen haben (ist das noch so?).

Wenn der Hinweis bei Amazon also deutlich genug ist(!) und der Haken nicht standardmäßig gesetzt ist(!), wird es zwar trotzdem Kunden geben, die das verpeilen; aber das werden nicht viele sein und die haben halt Pech gehabt, finde ich.


Warum (noch) kein iPhone kaufen?

09 11 2007

Heute ist es so weit, das iPhone ist in Deutschland erhältlich. Auch in meinem Bekanntenkreis gab es den ein oder anderen grundsätzlichen Interessenten, dem ich dringend vom Kauf des iPhone abgeraten habe. Folgende Gründe sind dabei handfest und nicht weg zu diskutieren:

  • Kein UMTS. Ich habe keine Ahnung welcher Teufel Apple geritten hat, als sie sich gegen UMTS zumindest für den Europastart entschieden haben.
  • Kein GPS, aber eine tolle Kartenanwendung. Jetzt kann man mit Google-Maps navigieren (und die Karten – juhu – ohne UMTS im Schneckentempo laden), aber nicht anhand der aktuellen Position. Eine interaktive Karte ist zwar auch schon nicht schlecht, aber das wirkt irgendwie halbfertig.
  • Kein Bluetooth-A2DP-Profil, mit dem man kabellose Kopfhörer anbinden könnte. Sowas ist cool und das kann eigentlich jedes bessere Handy. Stattdessen muss man wegen der engen Kopfhörerbuchse die Apple-Kopfhörer (die mit der abgenutzten Coolness) anschließen oder spezielle kompatible Kopfhörer kaufen.
  • Man bindet sich zwangsweise vertraglich und technisch zwei Jahre lang an einen recht teuren und unflexiblen Tarif, bei dem man Inklusivminuten und Inklusiv-SMS mitkaufen muss und wenn die verbraucht sind, wird es auch noch mal richtig teuer. Und das Ding ist SIM-gelockt. Wo sind wir denn gelandet?

Das alles mag den ein oder anderen nicht abschrecken und vielleicht saugt es auch neue Leute ins Apple-Biotop. Und diese Leute werden glücklich sein, weil sie vom Apfel gekostet haben, der sie leider nicht wieder loslässt. Ein Apfel, mit dem sie sich aus der Welt der Kompatibilität hinein in eine geschlossene Welt der Zwänge gebissen haben. Man muss dies, man muss jenes, man muss alles mögliche in der schönen verführerischen Apple-Welt, wenn man mitspielen will: Man muss seine Musik mit iTunes verwalten und auch dort kaufen, man muss den teuren Tarif (zur Erinnerung: mit SIM-Lock!) buchen, man muss kompatible Kopfhörer und anderes Zubehör benutzen, man muss sich der Bedienphilosophie unterwerfen, man muss sich einfach darauf einlassen. Dafür bekommt man aber auch unerträglich stylische und coole und gut bedienbare (Geschmackssache) Gerätschaften. Apple ist das, was Microsoft früher vorgeworfen wurde: Proprietäre Scheiße mit noch proprietäreren Bestrebungen, nur in verführerisch schön und gut. Irgendwie hat Apple auch einige Charakteristika von Drogen, wenn ich so recht drüber nachdenke: Verführerisch, macht häufig abhängig, ist teuer.

Leute, widersteht dem Reiz des Schönen oder wisst wenigstens um die Schattenseiten. Apple (oder Steve Jobs) ist nicht der Messias, also lasst Eure kritiklose Anhängerschaft bleiben und macht mal die Augen auf. Vielleicht könnt ihr sogar das Apple-Biotop zu einem zwangloseren Ort machen, wenn ihr kritische Kunden werdet und kein Fanclub bleibt. Beim iPhone haben die erwachten unter Euch ja schon einen Teilsieg errungen: Apple öffnet das Ding irgendwann mal für Software von Drittanbietern. Eigentlich schon schlimm genug, dass Apple das erst auf massiven Kundendruck macht. Aber mit einem Fanclub im Rücken kann man ja mal auslooten, was alles möglich ist.

Ach ja: Schaut Euch auch meine anderen Beiträge mit dem Tag Apple an.


Apple hat den Po auf

18 09 2007

Dass ich kein Freund von Apple bin sollte inzwischen bekannt sein. Ein Grund, der ganz oben auf meine Ich-mag-Apple-nicht-aus-folgenden-Gründen-Liste steht ist mal wieder bestätigt worden: Apple ist proprietäre Scheiße. Ich wunder mich zutiefst, warum ausgerechnet die freiheitsliebenden Open-Source-Junkies so auf Apple abfahren, wo ihnen Apples proprietäre Bestrebungen doch eigentlich zuwider sein müssten. Aktuelles Beispiel: Neue iPods sprechen nur noch mit iTunes. Es gibt auch dafür bereits Abhilfe unter Linux (den golem.de Beitrag dazu verlinke ich lieber nicht, um mir deren Trolle nicht via Trackback ins Haus zu holen), aber wer solche Klimmzüge veranstaltet muss sich fragen lassen, warum er denn dann unbedingt einen iPod haben muss.

Liebe Geeks, Open-Source-Vordenker und Style-Leitwölfe, akzeptiert doch einfach Apples Bestrebungen zu geschlossenen Systemen und zieht die bei Euch üblichen Konsequenzen daraus: Scheiße finden und nicht kaufen. Trotzdem iPods zu kaufen untergräbt Eure Argumentation gegen proprietäre Systeme und Closed-Source-Software.

Warum also kaufen gerade die Leute, die es aus Ideologie oder welchen Gründen auch immer eigentlich ablehnen müssten, iPods in rauhen Mengen? Weil er so schön ist? Keine Frage, das ist Ding sexy. Weil er so toll ist? Klar, es gibt leider noch immer keinen auch nur im Ansatz so coolen Player. Aber es wird auch keinen geben, wenn niemand den iPod und das geschlossene System dahinter in Frage stellt und Alternativen nachfragt. Denkt mal darüber nach Leute. Der iPod Connector für das ganze Zubehör ist so eine gute und erfolgreiche Idee, warum öffnet sich Apple nicht auch softwareseitig? Weil man damit die satten Pfründe aus dem iTunes Music Store gefährden würde? Ist das im Sinne der Kunden? Finde ich nicht.

Euch Apple-Jünger meine ich übrigens gar nicht. Ihr denkt offenbar nicht mehr weiter als bis an den Bildschirmrand, wo das Exposé aktiviert wird (ja, das war völlig übertrieben und rein provokativ). Das geht schon klar. Ihr habt Euch auf diese Welt eingelassen und lebt gut darin. Herzlichen Glückwunsch zu Eurer persönlichen Findung des heiligen Grals.
Ich meine eher die Leute, die Linux auf ihrem MacBook Pro laufen haben und ihren iPod mit Amarok abgleichen. Das passt in meinen Augen nicht (mehr) zusammen. Apples Statement dazu ist nicht misszuverstehen.

Was will ich also? Was sind meine Alternativvorschläge? Ich möchte, dass Apple seine geschlossene Politik aufgibt (unwahrscheinlich) oder wenigstens einen Player (mehr oder weniger egal von wem), der es in Style, Wertigkeit, Verarbeitung und Bedienung mit den iPod aufnehmen kann und der ohne geschlossenes System arbeitet. Und der neben MP3, WMA und AAC(+) vielleicht auch noch OGG, FLAC und Co. abspielt. Und auf Videoseite neben AVI und M4V vielleicht auch noch Matroska und OGM. Ach ja, eine Erweiterbarkeit für neue Formate wär auch toll. Sowas würde ich kaufen, versprochen.


Benutzt Jabber!

03 08 2007

Vor einigen Wochen habe ich einen mehrere Seiten langen Beitrag verloren, weil ich auf das böse X in den Firefox-Tabs geklickt habe. Ärgerlich. Der Eintrag war aber sowieso viel zu lang. Jetzt noch mal:

Im Prinzip steht alles, was ich sagen wollte, in diesem Artikel. Oder der direkte Vergleich zu ICQ. Wikipedia über Jabber.

Kurzfassung: Die aus Datenschutz-technischer und praktischer Sicht einzig befriedigende IM-Lösung ist XMPP/Jabber:

  • SSL-Verschlüsselung zum Server (je nach Server)
  • GPG oder OTR-Verschlüsselung zwischen den Clients
  • ein offenes, dezentrales und freies Netz mit freier Wahl des Servers/Anbieters, das niemandem gehört
  • Kompatibilität mit den meisten anderen Netzen (über Transports)
  • sehr mächtige MUCs (Multi User Chats, ein sehr guter Ersatz für das etwas sperrige IRC)
  • saubere Unterstützung für mehrere gleichzeitig angemeldete Geräte (Notebook, Handy, PC)
  • interne Netze möglich (für Firmen/Communities) mit kontrolliertem Transport von/nach außen
  • simple Anbindung an Websites über die XML-Schnittstelle des Servers (z.B. bei phpBB3 oder mabber.de zu sehen)

Was viele nicht wissen: Jeder mit GMX oder web.de Adresse hat bereits einen Jabber-Account, den er nur benutzen muss. Auch Google Talk ist ein Jabber-Service (mit ein paar Extras).

Wie also Jabber nutzen?
Entweder man installiert einen der zahlreichen Jabber-Programme oder man benutzt einen der zahlreichen Multimessenger, die auch die anderen Netze im Griff haben. Wer dabei mit meinem Liebling Miranda nicht klar kommt, weil man hier zu viel einstellen kann/muss, sollte sich allemal Pidgin (ehemals GAIM, für Macs AdiumX) ansehen. Simpler kann man eine Oberfläche kaum gestalten. Trillian unterstützt Jabber leider nur in der kostenpflichtigen Pro-Version, was übrigens der Grund war, wieso ich seinerzeit auf Miranda umgestiegen bin. Der GMX Multimessenger ist auch eine Lösung.
OK, wie gehts los?
Da fast jeder ne GMX Adresse hat, gehts schnell los: Pidgin oder was auch sonst runter laden und installieren. Dort ein XMPP/Jabber-Konto anlegen und als Benutzername den Kram vor dem @ bei GMX eintragen und als Domain alles dahinter (also meistens gmx.de), jetzt noch das Passwort und fertig ist die Laube. Hier gilt E-Mail Adresse = Jabber-ID. Das gilt übrigens auch für web.de, 1und1.de und angeblich alle bei 1&1 gehosteten Domains. Geil!
Das ist ja einfach!
Genau.
GMX saugt aber! / Ich hab keinen GMX-Account
Ohne GMX kann man sich mit dem Client auf jedem offenen Jabber-Server einfach so einen Account anlegen. Oder man benutzt Mabber.de, die ebenfalls auf Jabber setzen. Die Lokalisten bieten auch jedem Mitglied einen Jabber-Account. Oder man setzt sich selber einen Jabber-Server auf. Jedem das seine. Ach ja, Alkanimus.de plant auch das interne Chatsystem mittels Jabber zu gestalten.
Und was ist mit ICQ und so?
Meine Freunde benutzen alle ICQ. Das ist herzlich egal, da die genannten Multimessenger alle mit ICQ umgehen können. Wer will kann auch direkt aus seinem Jabber-Client über Transports mit den anderen Netzen in Kontakt treten. Für die meisten ist aber die Lösung mit dem Multimessenger einfacher und übersichtlicher.
Und das Handy?
Es gibt auch Clients fürs Handy. Gibts aber für ICQ auch. Mabber.de hat sich auf Handy und Web spezialisiert. GMX wird seinen Multimessenger ebenfalls demnächst aufs Handy bringen. Achtung: Zeittarife gehen da übel ins Geld!
Aber was ist mit meiner ICQ-History?
Ja, das ist das einzig echte Problem beim Umstieg auf einen anderen Messenger. Ich hab meine History in Textdateien gesichert damals. Trillian legt die z.B. sowieso so ab. Wenn ich was suche, schaue ich da rein.

Grau-Silberne-Party-Safari

13 06 2007

Sehnsüchtig warte ich bekanntlich Tag für Tag auf jede sich mir bietende Gelegenheit, den Mac-Jüngern unter die Nase reiben zu können, dass ihr Paradies nicht der Weisheit hinterletzter Schluss ist und sie mich bitte mit ihrem Ich-binDer-Mac-ist-so-geil-Du-bist-voll-out-Scheiß in Ruhe lassen sollen. Und jetzt? Apple bringt eine Beta von Safari 3 für Windows heraus und die rendert nicht mal die Überschriften (heise.de berichtet). Alleine der Anblick von spiegel.de, heise.de und golem.de ohne Überschriften ist übrigens die Installation wert. Ganz davon abgesehen, dass das Ding bei mir so ruckelig scrollt, wie mein Firefox im Büro. Nur dass ich hier nicht mit 2x700MHz und ner Matrox G400 darbe. Hatte ich erwähnt, dass Apple auch hier die ganze Zeit versucht, einem doch irgendwie noch Quicktime unter zu schieben?

Alles in allem eine Vorstellung, über die es nicht mal Spaß macht ordentlich zu lästern: Zu einfach! Liebe Apple Jungs: So macht das keinen Spaß. Hätte das Ding nicht einfach Buggy sein können oder langsam oder nichts neues? Da hätte man angemessen Hohn und Spott ausschütten können und wir wären alle glücklich geworden. Aber das Ding da ist so offensichtlich scheiße, dass man eigentlich nichts mehr dazu zu sagen braucht. Man könnte Apple höchstens beglückwünschen für diese senkrechtstarter-Legende: Von null auf eins in den Charts der peinlichen Software-Desaster. Aber weil das Apple ist, ist natürlich sogar das schon wieder irgendwie total cool.

Noch was. Lustiger Spaß am Rande für alle iTunes-Unfreunde und alle, die es werden wollen: Importiert mal die Mercedes-Benz Mixed-Tapes in iTunes und spielt das dann ab. Viel Spaß…

P.S.: Irgendjemand nannte Apple eine Firma, die sich statt echter Kunden einen Fanclub hält. Sehr treffend.

P.P.S.: Ich will keinen Mac, ich komm damit nicht klar. Ich will auch kein Quicktime und keinen iPod, kein iTunes und allgemein eigentlich gar nichts von diesem proprietären Mist. Dass es teuflisch gut aussieht und die eine (einzige) Möglichkeit der Bedienung sooooooooooo einfach ist (leider nicht für Leute wie mich) macht noch lange keinen neuen Heiland daraus. Wobei ich jedem seine Freude am Mac an sich gönne. Mir geht nur diese Mac-Sekte auf den Sack: "Cool sein geht eben nur mit nem Mac".