XDA-Projekt: Instant Messaging

25 07 2008

Es gibt einen Punkt, den ich bisher nicht mit meinem XDA nicht befriedigend lösen konnte: Instant Messaging auf dem XDA. Ich habe bisher keinen brauchbaren Jabber-Client für Windows Mobile gefunden, der nicht an einen speziellen Dienst gebunden wäre und kostenlos. Der Agile Messenger kostet satte 45$, reichlich teuer. Skype ist sehr gut in das System integriert, aber Skype ist Skype und nur Skype. Ich brauche aber einen Messenger, der nicht ausschließlich ein proprietäres und fragwürdiges Protokoll einsetzt. Ebenfalls brauche ich keinen IM-Client, der alle Verbindungen von einem zentralen Server aus aufbaut und die Verbindung vom Handy dorthin über ein fragwürdiges und proprietäres Protokoll abwickelt und dem ich dazu alle meine Zugangsdaten zu den benutzten Diensten geben muss, wie das bei Fring offenbar der Fall ist.

Wo bleibt der Open-Source-IM-Client für Windows Mobile? Wo bleibt Pidgin Mobile oder etwas ähnliches? Obwohl, eigentlich ist das völlig überflüssig. Windows Mobile ist ja sowieso todgeweiht und mein Lieblingsjoker Android hat eine weitgehende XMPP-Integration, wie man hört. Wozu also noch Mühe in einen guten Open-Source-IM-Client für Windows Mobile stecken?

Und das iPhone? Keine Ahnung, ob es Jabber-Clients im AppStore gibt. Aber selbst wenn, verbietet T-Mobile ja die IM-Nutzung in den Vertragsbedingungen. Oder ist IM-Traffic nur nicht im Inklusiv-Datenvolumen enthalten? Egal, ein Unding ist es so oder so.


Das SPAM-Problem ist anders

05 01 2008

Im letzten halben Jahr ist bei mir das SPAM-Aufkommen kaum mehr gestiegen (ich markiere SPAM aus Angst vor dem Verlust wichtiger Mails lediglich), aber der Anteil der SPAM-Nachrichten an meinem gesamten Mailaufkommen ist immens auf weit über 90% gestiegen: Ich bekomme kaum noch erwünschte E-Mails, so dass die 50-100 SPAMs pro Tag sich an Tagen mit keiner bis ein oder zwei relevanten Nachrichten der 100% nähern (und Newsletter zähle ich noch zu den relevanten Nachrichten). Was ich damit ausdrücken will: E-Mail ist tot. Zumindest für die tägliche private Kommunikation. Fast alle Kommunikation läuft bei mir – und sicher auch bei anderen – inzwischen fast nur in verschiedenen Kanälen wie Instant Messaging, Telefon, SMS, StudiVZ und andere soziale Netze, PNs in Foren und natürlich von Angesicht zu Angesicht. Wirklich wichtige Informationen kommuniziere ich kaum noch via E-Mail, ein persönliches Gespräch und IM sind da deutlich im Vorteil. Eine E-Mail kommt da höchstens noch als Ersatz (Kontakt momentan oder gar nicht anders erreichbar) oder ergänzend vor. Das Medium E-Mail ereilt momentan also das gleiche Schicksal, wie schon der Briefpost zuvor: Die Relevanz für private Kommunikation sinkt, für professionelle Kommunikation bleibt es aber quasi verpflichtend als Basisdienst verfügbar. Für Anmeldungen, Bestellbestätigungen, Newsletter, Supportanfragen etc. und natürlich firmenintern muss jeder weiterhin ein E-Mail-Postfach vorhalten. Nur kann man sich schon heute kaum noch darauf verlassen, eine zuverlässig funktionierende E-Mail-Adresse von jemandem zu bekommen, bzw. dass E-Mails dort auch alle ankommen und rechtzeitig gelesen werden. Viele Leute verzichten inzwischen sogar ganz ein E-Mail-Programm und lesen nur noch im Webinterface ihres Anbieters.

Was ist aber so schlimm an E-Mail? Für die private Kommunikation mangelt es dem Medium in meinen Augen vor allem an zwei Dingen: Es gibt kein Feedback, ob die Kommunikation geklappt hat und es gibt keinen Echtheitsnachweis (von Signaturen mal abgesehen) und dadurch ein massives Spamproblem. Bei IM kann man davon ausgehen, dass das Gegenüber die Nachricht gelesen hat, wenn er/sie online ist; auch kommt oft prompt eine Antwort. Telefon ist sowieso synchron, bei SMS kann man eine Empfangsbestätigung anfordern und in sozialen Netzen und Foren sieht man direkt, ob jemand eine Nachricht gelesen hat. Und man sieht überall zuverlässig, von wem eine Nachricht stammt. Auch pflegen IM-Systeme und soziale Netze systemimmanent eine Whitelist mit bestätigten Kontakten, so dass es kein so nennenswertes Spamproblem geben kann.

Einige kluge Leute haben schon 2007 als Todesjahr für E-Mail vorausgesagt und gewissermaßen haben sie Recht behalten. Aber wie geht es jetzt weiter? Können sich jetzt Signaturen und Absendernachweise durchsetzen? Quasi E-Mail 2.0? Bisher sind die an der Unbequemlichkeit für private Nutzung gescheitert. Aber wenn Privatnutzer dem Medium den Rücken kehren, ist das durchaus eine Chance für einen Reboot. Jetzt ist die Zeit gekommen, flächendeckend digitale Signaturen zu nutzen und Mailservern nur zu vertrauen, wenn sie sich als zuständig für eine Domain ausweisen. Ich glaube daran und ich bin gespannt, was die c't in ihrer heute gekommenen aktuellen Ausgabe dazu zu sagen hat, gelesen habe ich es noch nicht.

Die E-Mail ist tot, es lebe die E-Mail.


Twitter von außen /

08 12 2007

Von außen betrachtet erscheint Twitter (in der Wikipedia) auf den ersten Blick überflüssig, dämlich, doof und bescheuert. Da fallen dann so Begriffe wie Mikro-Blogging für einen Dienst, bei dem man 140 Zeichen in die Welt pusten kann. Wer da an SMS denkt liegt gar nicht so falsch, denn auch per SMS lässt sich das ganze füttern und verfolgen. Man soll da immer kurz posten, was man gerade macht. Profan, oder?

Warum aber fahren die ganzen hippen Webmenschen so darauf ab? Warum sind sie alle dabei, die sonst in schönster Schandmaul-Manier ihre privaten Internet-Klowände bekritzeln und eigentlich sowas wie Twitter total doof und profan finden müssten? Ich weiß es auch nicht so recht, denn ich meide das ganze. Ich glaube, ich habe das einfach verpasst und jetzt ist es zu spät, da noch einzusteigen. Obwohl andererseits in meinem Bekanntenkreis noch niemand twittert, ich also doch irgendwie trendsetten würde. Hier ein schöner Text von einem Twitter Konvertiten.

Was ich aber eigentlich loswerden wollte ist dieser witzige Twitter-Auszug zum Thema Percanat (von unten nach oben lesen). In meinen Augen (Außenstehender) ein typischer Chat-Auszug, könnte so auch aus dem IRC stammen oder sonstwo her. Ich glaube aber genau das ist der springende Punkt bei Twitter: Es ist öffentliches, webgestütztes Instant-Messaging. Man schreibt also nicht einzelne Leute auf seiner Kontaktliste an oder lädt sie zu einer Konferenz ein, sondern bläst seine tendenziell eher unwichtigen Nachrichten (kann ja gut sein, dass sie niemand liest) in den persönlichen Channel und jedermann oder nur die Freunde (ist einstellbar, wenn ichs richtig verstanden habe) können das lesen und mitreden (wiederum in ihren Feeds, richtig?). Den ganzen Kram abboniert man per RSS und liest das ganz modern in seinem Twitter-Widget in der Vista-Sidebar ;) oder natürlich im Apple-Dashboard oder bei einer personalisierten Startseite.

Komisch an der ganzen Sache kommt mir aber vor, dass viele der größten Twitterer mir stets Chat- und IM-Verweigerer gewesen zu sein schienen. Ist das so? Wenn das irgendwie die gleiche Baustelle ist, wundert mich das schon. Ist die Chat-Verweigerung also keine prinzipielle Weigerung, sondern aus anderen Gründen motiviert? Zugang verpasst und die anderen sind so viel weiter? Ich bin so frei, ich kann auch mal auf etwas verzichten? Ich weiß es nicht. Ich schau mir Twitter mal an, demnächst…


Skype kaputt - jetzt frei machen

17 08 2007

Soda, da fällt doch tatsächlich beinahe das ganze Skype-Netz für mehr als 24 Stunden und mit immensem Medienecho aus. Mich betrifft das nur am Rande, weil ich bereits seit einigen Wochen Skype nur noch anwerfe, wenn ich einen Kontakt erreichen will, der Instant Messaging sonst ablehnt. Aber es wirft vielleicht auch bei anderen die substanzielle Frage auf, warum man sich überhaupt von Skype so abhängig macht. Im Artikel im Spiegel Online steht ein Abatz, der mich doch zum Nachdenken bringt:

Betroffen vom globalen Kommunikations-Crash waren viele Kleinunternehmen, die ihre herkömmlichen Telefonanschlüsse gekündigt haben und ausschließlich über Skype telefonieren. Ihnen war es über Stunden unmöglich, Kunden und Kollegen telefonisch zu kontaktieren.

Ja sind die denn total bescheuert? Wer sich so auf einen Dienst verlässt, der offiziell seit Jahren in der Beta-Phase steckt (sprich: ohne Funktionsgarantie ist), hat es nicht anders verdient. Aber ich lese daraus auch ab, wie manche Leute auf Skype abgehen. Bedenklich.

Telefoniert habe ich über Skype zuletzt vor einigen Wochen: Wozu bekommen wir denn alle Telefonflatrates hinterher geschmissen? Vor allem aber gefällt es mir nicht, dass Skype das einzige verbreitete IM-System ist, das den Einsatz seines inzwischen reichlich überladenen Clients vorschreibt und dies auch durchsetzt. So ein System kann mich mal. Wo ist der schlichte Client geblieben, der simpel einfach chatten und telefonieren kann und mich nicht total nervt? Warum kann ich alle IM-Netze in meinem Multi-Protokoll-Client vereinen, aber der fette Skype-Client muss nebenher laufen? Und der Verschlüsselung (bzw. der nicht offen gelegten Implementierung des an sich sicheren AES Algorithmus) kann ich auch nicht vertrauen. Meine Konsequenz ist daher seit einigen Wochen der weitgehende Verzicht auf Skype, superduper Gruppenkonferenzen hin oder her.

Alternativen? Reichlich. Gute Alternativen? Zum weit verbreiteten IM mit Voice eigentlich keine. Bislang. Google Talk kommt von Google, ist also keine gute Idee, wenn man sich frei machen möchte. Aber die Implementierung der Technik von Google-Talk ist offen und heißt Jingle. Es steht also jedem Jabber-Client frei, diese Funktionalität zu implementieren. Der erste mir bekannte und halbwegs brauchbare ist Spark. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch andere Messenger Jingle implementieren. Und spätestens dann ist es endgültig Zeit, dem proprietären Skype-Netz den Rücken zu kehren. Oder es wird Zeit für Skype, seine Spezifikationen auf den Tisch zu legen und sich zu öffnen. Wir werden sehen.

Weiterlesen: Mein Manifest pro Jabber, ergänzend: Warum eigentlich Jabber?.


Benutzt Jabber!

03 08 2007

Vor einigen Wochen habe ich einen mehrere Seiten langen Beitrag verloren, weil ich auf das böse X in den Firefox-Tabs geklickt habe. Ärgerlich. Der Eintrag war aber sowieso viel zu lang. Jetzt noch mal:

Im Prinzip steht alles, was ich sagen wollte, in diesem Artikel. Oder der direkte Vergleich zu ICQ. Wikipedia über Jabber.

Kurzfassung: Die aus Datenschutz-technischer und praktischer Sicht einzig befriedigende IM-Lösung ist XMPP/Jabber:

  • SSL-Verschlüsselung zum Server (je nach Server)
  • GPG oder OTR-Verschlüsselung zwischen den Clients
  • ein offenes, dezentrales und freies Netz mit freier Wahl des Servers/Anbieters, das niemandem gehört
  • Kompatibilität mit den meisten anderen Netzen (über Transports)
  • sehr mächtige MUCs (Multi User Chats, ein sehr guter Ersatz für das etwas sperrige IRC)
  • saubere Unterstützung für mehrere gleichzeitig angemeldete Geräte (Notebook, Handy, PC)
  • interne Netze möglich (für Firmen/Communities) mit kontrolliertem Transport von/nach außen
  • simple Anbindung an Websites über die XML-Schnittstelle des Servers (z.B. bei phpBB3 oder mabber.de zu sehen)

Was viele nicht wissen: Jeder mit GMX oder web.de Adresse hat bereits einen Jabber-Account, den er nur benutzen muss. Auch Google Talk ist ein Jabber-Service (mit ein paar Extras).

Wie also Jabber nutzen?
Entweder man installiert einen der zahlreichen Jabber-Programme oder man benutzt einen der zahlreichen Multimessenger, die auch die anderen Netze im Griff haben. Wer dabei mit meinem Liebling Miranda nicht klar kommt, weil man hier zu viel einstellen kann/muss, sollte sich allemal Pidgin (ehemals GAIM, für Macs AdiumX) ansehen. Simpler kann man eine Oberfläche kaum gestalten. Trillian unterstützt Jabber leider nur in der kostenpflichtigen Pro-Version, was übrigens der Grund war, wieso ich seinerzeit auf Miranda umgestiegen bin. Der GMX Multimessenger ist auch eine Lösung.
OK, wie gehts los?
Da fast jeder ne GMX Adresse hat, gehts schnell los: Pidgin oder was auch sonst runter laden und installieren. Dort ein XMPP/Jabber-Konto anlegen und als Benutzername den Kram vor dem @ bei GMX eintragen und als Domain alles dahinter (also meistens gmx.de), jetzt noch das Passwort und fertig ist die Laube. Hier gilt E-Mail Adresse = Jabber-ID. Das gilt übrigens auch für web.de, 1und1.de und angeblich alle bei 1&1 gehosteten Domains. Geil!
Das ist ja einfach!
Genau.
GMX saugt aber! / Ich hab keinen GMX-Account
Ohne GMX kann man sich mit dem Client auf jedem offenen Jabber-Server einfach so einen Account anlegen. Oder man benutzt Mabber.de, die ebenfalls auf Jabber setzen. Die Lokalisten bieten auch jedem Mitglied einen Jabber-Account. Oder man setzt sich selber einen Jabber-Server auf. Jedem das seine. Ach ja, Alkanimus.de plant auch das interne Chatsystem mittels Jabber zu gestalten.
Und was ist mit ICQ und so?
Meine Freunde benutzen alle ICQ. Das ist herzlich egal, da die genannten Multimessenger alle mit ICQ umgehen können. Wer will kann auch direkt aus seinem Jabber-Client über Transports mit den anderen Netzen in Kontakt treten. Für die meisten ist aber die Lösung mit dem Multimessenger einfacher und übersichtlicher.
Und das Handy?
Es gibt auch Clients fürs Handy. Gibts aber für ICQ auch. Mabber.de hat sich auf Handy und Web spezialisiert. GMX wird seinen Multimessenger ebenfalls demnächst aufs Handy bringen. Achtung: Zeittarife gehen da übel ins Geld!
Aber was ist mit meiner ICQ-History?
Ja, das ist das einzig echte Problem beim Umstieg auf einen anderen Messenger. Ich hab meine History in Textdateien gesichert damals. Trillian legt die z.B. sowieso so ab. Wenn ich was suche, schaue ich da rein.

Wer benutzt Toolbars?

07 05 2007

Immer wieder sehe ich auf verschiedensten Rechnern irgendeine Toolbar installiert. Sei es die Google-Toolbar, MSN, Yahoo, ICQ oder was auch immer. Vielleicht gar die gruselige, aber konsequent weiter gedachte Idee: Google-Desktop. Die Fragen, die sich mir dann immer stellen, sind folgende:

  1. Wer zur Hölle braucht diese Toolbars?
  2. Sind die absichtlich auf den Rechner gekommen?
  3. Werden sie überhaupt benutzt?
  4. Sind sie dem Computerbesitzer überhaupt aufgefallen?
  5. Warum sind auf den schwächsten Rechnern (gerne mit nur 256MB oder gar nur 128MB RAM ausgestatteten) die meisten Toolbars zu finden, die am wenigsten benutzt werden? Ganz abgesehen von den mehreren Instant Messengern, den ausgeschalteten automatischen Updates und all den anderen schönen Gruseligkeiten.

Ich habe wirklich noch niemanden gesehen, der eine dieser ständig laufenden Toolbars benutzt hätte. Der allereinzige sinnvolle Einsatz ist doch die Anzeige des Google-PageRank (zum Preis eines minutiös aufgezeichneten Surfprofils). Suchfelder sind in jedem besseren Browser zu finden und die komischen anderen Funktionen braucht man nicht ständig nur einen Klick entfernt zu haben. Für sowas gibt es Bookmarks, wenn man denn nun unbedingt das tolle XY-Spiel so liebt.

Absichtlich oder nicht ist ebenfalls so ne Frage. Die Auskenner ist ein witziger Schnelltest, ob Leute wirklich auch nur im Ansatz ihren Computer im Griff haben. Und Aufgabe eins ist schon sehr gut: Installier ein Windows mit allen nötigen Programmen, ohne Dir eine (in dem Fall die Google-)Toolbar aufschwatzen zu lassen. Da geht es schon los. Ich bezweifle ernsthaft, dass auch nur 10% der User so eine Toolbar aus freien Stücken installiert haben.

Nun zur letzten Frage: Sind Leute, die so einen alten Computer benutzen besonders anfällig für bösartige und unnütze Software? Wenn ich mir die Leute angucke, die mit so alten Gurken (6-10 Jahre sind da keine Seltenheit) arbeiten, dann muss ich leider deutlich einen Zusammenhang feststellen zwischen der Weigerung, sich angemessen auf die Technik einzulassen und dem Alter der verwendeten Hardware. Klar gibt es auch Leute, die sich nach zwei Jahren einen neuen Computer kaufen, weil die ganzen Toolbars den alten Aldi-PC soooo langsam machen und sie keinen Bock haben, da einfach mal aufzuräumen. Das sind Leute, für der Computer eine gewisse Wichtigkeit einnimmt, die aber trotzdem keine Lust haben, sich darauf ernsthaft einzulassen und die vor allem genug Geld für solche Spielchen haben. Bei dieser Gruppe finde ich übrigens regelmäßig die meiste überflüssige Software neben der Uhr.


Mobiles Internet

02 02 2007

So. Da wurden allein in Deutschland locker flockig 100 Mrd. € in UMTS-Lizenzen investiert und danach kam das große Jammern: Niemand nutzt die Technik! Wir kriegen die Kohle nie wieder rein. Die User wollen offenbar keine mobilen Datentransfers. Zu kompliziert. UMTS ist eine Totgeburt. Es gibt keine Killerapplikation.

Ich kann es nicht mehr hören. Die E-Plus Discounter offenbar auch nicht und so haben das in meinen Augen einzige Hindernis aus dem Weg geräumt: Die unbezahlbar hohen Kosten für den Endnutzer. Um auch nur eine Startseite von Spiegel.de oder wem auch immer aufzurufen hatte man bisher die Wahl einer recht hohen Grundgebühr mit Vertragsbindung und geringem Inklusivvolumen. Danach wurde es trotzdem teuer. Oder man nahm die Tarife ohne Grundgebühr zu Kosten, über die wir gar nicht erst reden brauchen. Tun wir es trotzdem mal. Bei O2 zahle ich glaube ich für 10kB locker 10ct. Das lässt sich leicht rechnen und sagt mir, dass ein Megabyte 10€ kostet. Zu diesen Kosten konnte man nicht mal übers Handy Chatten, ohne arm zu werden. Eine mobile Flatrate wird von E-Plus nicht mehr beworben und hat 50€ im Monat gekostet, ohne HSDPA versteht sich. Base hat sowas noch im Angebot, aber da ist man auch insgesamt 50€ los und hat noch lange keine UMTS-Karte. Bei den anderen sieht es mit Flatrates ganz und mit bezahlbaren Volumenpaketen ziemlich düster aus. Warum? Wollen die Mobilfunkbetreiber nicht, dass man ihre UMTS-Netze benutzt?

Aber jetzt kommt Bewegung in die Sache: Simyo, blau.de und Aldi (allesamt im E-Plus Netz) nehmen pro Megabyte nur noch 24ct bei einer Taktung von 10kB und einem Mindestbetrag von 1ct pro Verbindungsaufbau. Das nähert sich doch langsam Regionen, wo man mobil ins Netz gehen kann, ohne arm zu werden. Zwar noch nicht zu Surfen mit dem Notebook (bei Seitengrößen von 250kB wird das trotzdem sehr schnell teuer), aber immerhin so Sachen wie ICQ oder Jabber/XMPP auf dem Handy oder WAP-Seiten.

Wenn die anderen Anbieter da nicht schnellstmöglich nachziehen, habe ich demnächst eine UMTS-Karte mit Aldi-Tarif in meinem Notebook stecken (Simyo und blau.de verweigern den UMTS-Zugang, warum auch immer). Also liebe Leute von O2: Denkt darüber nach. Wie wär es mit einem Tarif von 19ct pro Megabyte. Das würde prima zu den 19ct pro Minute passen und mich ganz sicher zum Intensivnutzer machen. Da verdient ihr mehr an mir, wirklich! Meine alberne 5€ WAP-Flatrate käme dann zwar weg, aber ich würde mit dem Handy ständig online sein und am Ende mehr als die 5€ bezahlen.

Die Killerapplikation ist da: Mobiles Internet. Bisher hapert es nur an den drei- bis fünfstelligen Beträgen, die man bei den aktuellen Tarifen bei normaler Benutzung in meiner Größenordnung monatlich los würde. Sorry, so viel verdiene ich nicht mal.

Nachtrag: Wirklich seltsam, dass blau.de und Simyo momentan den Datenzugang nur via GPRS anbieten. Keine Ahnung, was das soll.


Interne Mailsysteme eine gute Idee oder nicht?

31 01 2007

Gerrit van Aaken stellt heute die provokante Frage, ob interne Mailsysteme zu verteufeln sind. Eine wirklich gute Frage an sich. Einige Leute aus meinem Bekanntenkreis schreiben mir nur noch PNs im gemeinsamen Cliquenforum, statt mal schnell ne Mail zu schreiben. Das nervt total und sorgt für eine gewisse Unübersichtlichkeit im Nachrichtenverkehr. Man muss sich einloggen, man hat(te früher) keine Rechtschreibprüfung, kann selten Dateianhänge verschicken und hat als Empfänger keinen direkten Vorteil.

Warum tun diese Leute das also? Bester Grund ist ganz klar: Man sieht, ob eine Nachricht gelesen wurde bzw. kann ganz sicher davon ausgehen, dass sie angekommen ist. In Zeiten von endlosem SPAM und Amok laufenden Filtern kommt die ein oder andere Mail schon mal unter die Räder. Und die Lesebestätigung ist wirklich ein kommunikativ wichtiges Feature, das der E-Mail schlicht fehlt. Sicher ist die Sache datenschutztechnisch fraglich, aber die Kommunikation ist definitiv eine andere.

Anderes Szenario: Dating-Community oder gerne jede andere Community mit unüberschaubar vielen Usern. Man möchte nicht jedem seine E-Mail Adresse in die Hand drücken, ganz klar. Gerrits Lösungsvorschlag mit E-Mail-Formularen denkt aber m.E. nicht weit genug: Was passiert mit der Antwort? Wenn das möglich sein soll, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der Versender gibt seine E-Mail Adresse mit dem Versenden der Nachricht preis. Dann kann der andere antworten und die Kommunikation läuft fortan über E-Mail. Oder jeder User bekommt eine E-Mail Adresse mit Weiterleitung, die Empfänger und Sender anpasst. Das wirft das Problem auf, dass die vom Antworter benutze Absenderadresse (die durchaus unterschiedlich sein kann, gerade bei nomadischer Nutzung) dem System für die Übersetzung bekannt sein muss. Außerdem kämen früher oder Später die Spambots auf die lustige Idee, Adressen zu probieren und man holt sich wieder neue Spam-Angriffsflächen ins Haus. Klar könnte man Message-IDs und Reply-Header auswerten, aber dann kann man auch genau so gut ein internes System programmieren, das dann auch keine anderen Medienbruch-Fehlerquellen birgt.

Generell wäre das ganze auch ein lästiger Medienbruch. Man muss einfach akzeptieren, dass die Mehrzahl der User interne Mailsysteme sehr schätzt oder sich zumindest daran nicht stört. Der Community-Gedanke schließlich forciert ja gerade das interne "geschlossene" System. Und zurück zur Dating-Community: Die Nachrichtensysteme dort benötigen einfach gewisse Mehrfeatures, die eine E-Mail Schnittstelle nicht bieten kann: Gelesen, gelöscht, gelöscht und nein danke, beantwortet, ignoriert, bewertet, gemeldet, in die Statistik aufgenommen, nachträglich vom Admin geprüft, wasauchimmer.

Sicher kann man darüber reden, ob man den Nachrichtentext nicht wenigstens in die Benachrichtigungsmail mit aufnimmt, aber das führte das gelesen-Flag ad absurdum. Also zumindest im Fall von Dating-Communities und ähnlichem muss ich mich ganz deutlich pro internen Mailsystemen äußern.

Eine Jabber/XMPP-Anbindung bzw. einen eigenen Jabber-Server hingegen kann ich nur begrüßen. Die 1on1 Chats und Benachrichtigungen kann man darüber sehr gut abwickeln, vor allem wenn man zusätzlich einen Webclient dazu anbietet. Nicht jeder hat immer einen XMPP-Chat-Client zur Hand.


Analphabetischer Schock

17 09 2006

Also manchmal begegnen einem Menschen, deren Rechtschreibung und Grammatik so entsetzlich entstellt sind, dass man bei der Dekodierung ständig raten muss was derjenige denn ausdrücken wollte. Aber generell habe ich das Gefühl, dass die Fähigkeit zur Schriftsprache trotz immer häufigerer Verwendung durch das Internet in der Bevölkerung sehr weit spreizt. Und dass eine erschreckend große Zahl von Mitbürgern sich nicht in der Lage sehen, sich halbwegs korrekt auszudrücken. Permanente Kleinschreibung auch außerhalb von Instant-Messaging und Chats sind da nur die Spitze des Eisbergs. Fehlende Satzzeichen und völlig abstruse Wortwahl sind leider auch sehr häufige Quellen lästigen Unbills.

Das schlimme daran aber ist – für mich – dass ich in solchen Fällen unter heftigem schlechten Gewissen zu der Meinung gelange, meinem Gegenüber mangele es an lebensnötiger Intelligenz. Schlechtes Gewissen deshalb, weil ich mich dann dafür schäme, mich für etwas besseres zu halten, was nicht mal stimmt, aber das glaubt einem ja eh niemand. Schlimm.

Ich hätte Florian Illies' Anleitung zum Unschuldigsein nie lesen dürfen, denn die vielen kleinen schlechten Gewissen des Alltags genieße ich seitdem auf merkwürdig schön leidende Art.

So, und jetzt gehe ich wieder ins Bett, nachdem mich das Inhaliergerät aus meinem anaphylaktischen Schock gerettet hat. Keine Ahnung, ob man bei wegen akuter Staubmilbenallergie zugeschnürter Lunge von einem solchen Schock spricht, aber mir fiel die Überschrift dieses Blogeintrags eben so ein. Das infantile Wortspiel mit dem Bindestrich hinter den ersten vier Buchstaben konnte ich mir ausnahmsweise mal verkneifen…


Instant Messaging und so

03 08 2006

Ich bin auf der Suche nach dem perfekten Chat- und IM-System. Die porprietären Protokolle haben ihre deutlichen Schattenseiten, funktionieren aber sonst prima. Aber mir ist nicht ganz wohl, wenn alle Kommunikation (unverschlüsselt) über Server eines großen Anbieters läuft. Nicht nur Google hat Interesse an allen möglichen persönlichen Daten. AOL (AIM und ICQ) nimmt die Nutzungsdaten sicher auch gerne mit, Yahoo und Microsoft ebenfalls. Gefällt mir nicht.

Eine Alternative könnte Jabber sein. Offenes System, leicht zu implementieren, Verschlüsselung möglich (sowohl die Verbindung zum Server via SSL/TLS, als auch Ende-zu-Ende mit GnuPG oder OTR).

Was gibt es also noch? CSpace ist ein Open Source Messenger, der auf Kademilia basiert. Also der gleichen Technik, die auch eMule und Azureus für die serverlose P2P-Kommunikation nutzen. Ein modernes System, das ohne Server auskommt und prinzipiell über ein offenes Private-Key Verfahren abgesichert ist. Eigentlich genial! Fragt sich nur, ob es auch so leicht zu integrieren ist, wie Jabber.

Denn die Anbindung von Webdiensten an Jabber ist ne echt feine Sache. Das phpBB 3 wird die Benachrichtugungen über neue Nachrichten nicht nur via E-Mail, sondern auch via Jabber absetzen können. Und das wird nur der Anfang sein. Geil wäre ja auch eine Anbindung der eigenen Website an Jabber. Also Besucher können sehen, ob man gerade online ist und über eine Shoutbox mit einem in Kontakt treten. Oder die Website bindet einen Jabber-Chatraum ein, den man auch mit einem Jabber-Client betreten kann. Das geht zwar theoretisch auch mit IRC, aber irgendwie konnte ich bisher nicht eine brauchbare und praktikable Lösung für die Anbindung einer Website an einen IRC-Channel finden. Warum ist das so? Jabber bzw. das Protokoll XMPP ist ja angeblich sehr leicht via XML zu integrieren, also voll Web 2.0 mäßig. Mehr davon!

Naja, ich behalte das mal im Auge und bin gespannt wie es weiter geht. Mal schauen.