Arme Blockwart-Würste

05 12 2009

Fefe benutzt im Kontext der Wikipedia-Relevanz-Farce immer wieder den Begiff Blockwart, der es wirklich gut trifft. Elende Spaßbremsen, die mit irgendwelchen streng ausgelegten Regeln im Rücken gegen das Böse in Form von unerträglichen Regelverstößen kämpfen. Ein Musterbeispiel ist Knöllchen-Horst, der Querulant von Osterode, dessen Hobby es ist, Falschparker und andere Staatsfeinde anzuzeigen und der es mit einer Anzeige gegen einen falsch parkenden Rettungshubschrauber irgendwann überreizt und es damit in die überregionale Presse geschafft hat. Was für eine arme Wurst.

Schöne Story jedenfalls, die mich an ein Erlebnis vor vielen Jahren erinnert hat: Rügen, Sommerurlaub auf dem autofreien Campingplatz. Ich habe das Auto vom Parkplatz geholt und bin nahestmöglich an den Waldweg herangefahren, der vom Campingplatz kommt. Dort habe ich wenige Minuten auf meinen Vater gewartet, der aus irgendeinem Grund schlecht zu Fuß war. Nahestmöglich bedeutet, dass ich bis an das "Verbot für Fahrzeuge aller Art" herangefahren war und das Auto weiterhin am Steuer sitzend am Straßenrand abgestellt hatte. Vor mir, also hinter dem Schild stand noch ein weiteres Auto. Wenige Sekunden später hielt hinter mir ein Pick-Up, der im Gegensatz zu mir die Straßensituation jetzt doch deutlich verengte. Es stieg ein Rentner aus, zückte seine Digitalkamera und fotografierte mich, den Wagen, in dem ich saß inkl. Nummernschild und den Wagen, der vor mir stand. Dann klopfte er an meine Scheibe und wies mich eingeschränkt freundlich darauf hin, dass wir, also der andere Wagen und ich, hier nicht stehen dürften, weil da ja ein "Verbot für Fahrzeuge aller Art" Schild stünde, das wär ja wohl sonnenklar und er hätte Beweisfotos angefertigt und würde uns anzeigen, wenn wir nicht sofort verschwinden würden. Ich war etwas verdattert, guckte mich kurz um und wies ihn dann darauf hin, dass der andere Wagen, wie leicht am Nummernschild zu erkennen, offensichtlich nicht zu mir gehört. Zudem stünde ich ja auch irgendwie recht offensichtlich vor und nicht hinter dem "Verbot für Fahrzeuge aller Art" Schild und zuletzt würde ich hier im Gegensatz zu ihm gerade niemanden blockieren und falls doch, ja im Wagen sitzen, um im Zweifel Platz zu machen. Ganz offensichtlich warte ich ja hier auf jemanden, denn aus Jux und Dollerei würde ich an dieser Ecke sicher nicht rumstehen. Keine Ahnung, was ich genau gesagt habe, aber inhaltlich kommt das hin. Wie denkt ihr, hat der Typ darauf reagiert? Richtig! Er hat gebrummt, dass ich hier trotzdem nicht stehen dürfe (was ich mangels so auslegbarer Beschilderung nicht so sah) und hat sich verzogen. Meinem ersten Impuls, dem Typen hinterher zu fahren und ihn in der nächsten gefährlichen Kurve (die es dort gar nicht gibt) abzudrängen, habe ich nicht nachgegeben. Mich hätte aber schon interessiert, was das für ein Menschenschlag ist, wo und wie so jemand wohnt und all das. Sicher war der seinerzeit Stasi-Spitzel für die gesamte Nachbarschaft. Ich hätte ihn vielleicht auf ein, zwei Herrengedecke in der einzigen Kneipe am Ort einladen sollen, ein interessantes Quellengespräch führen und ihn dann wegen Fahren unter Alkoholeinflusses anzeigen sollen.

Die Moral von der Geschicht: Hilfspolizisten und Blockwarte gibt es überall und nie, absolut nie machen sie Spaß. Insgeheim träumen die sicher von spannenden Kriminalfällen, die sie wie Kalle Blomquist meisterdetektivisch aufklären können. Bis dahin zeigen sie jeden Falschparker an, nicht nur die, die wirklich asozial jemanden (oder auch mal ganze Straßenbahntrassen) blockieren. Und gehen damit jedem Sachbearbeiter und sonstwie juristisch beteiligten auf den Sack und halten sie von ihrer Arbeit ab. Ob so Typen so werden, weil sie in der Schule schon immer alle verpetzt haben und dafür angemessen gemobbt wurden? Und bei manchen wirkt das nicht heilsam, sondern bestätigt sie darin, das Richtige zu tun? Eine mögliche Erklärung liefern die Beginner.


Flucht aus Berlin

30 09 2009

Wo wir gerade bei Kindheitserinnerungen waren: Irgendwer hatte meinem Vater Anfang der 1990er den genialen Comic Flucht aus Berlin von Gerhard Seyfried geschenkt, der leider zwischenzeitlich verschollen ist. Diesen Comic habe ich damals zig mal gelesen und fand ihn schon total lustig, ohne dass ich die politischen Zusammenhänge des Berlins der 1980er auch nur ansatzweise verstanden hatte.

Apropos Berlin der 1980er: In meiner Grundschulzeit, die 1992 endete, war der Ostblock, der Kalte Krieg, die Wende und das alles keinerlei Thema. Erdkundliches Material hörte irgendwie am eisernen Vorhang auf und als ich die Maueröffnung live im Fernsehen verfolgt habe, habe ich zwar gefühlt, dass da gerade etwas wirklich großes abging, aber ohne dass ich ich das intellektuell hätte fassen können. Wie auch, ich wusste ja im Grunde nichts über die DDR und all das Zeugs. Pershing Raketen waren böse und Amis Imperialisten oder so, das hatte man mir immer eingetrichtert. Die Demo auf die man mich mal mitgeschleppt hat und von der ich bisher immer dachte, da wäre es um Abrüstung gegangen, war aber wohl eher eine Anti-Atom-Demo. Das muss 1986 gewesen sein, da war ich vier; erinnern tue ich mich nur an ein buntes Klettergerüst mit Blick auf eine längliche Parkanlage (Poppelsdorfer Allee?) mit unendlich vielen Leuten drauf, Transparente und eine eigentümliche Stimmung, die nicht so recht meine war. Irgendwie waren Abrüstung, Anti-Atom und Dritte Welt damals wichtigere Themen als die DDR; über die wurde scheinbar lieber geschwiegen, zumindest mir als Kind gegenüber. Meine Lehrerin auf der Montessori-Schule war auch Friedensaktivistin und auch von ihr kamen keine Infos zum anderen Deutschland. Ich kann mich an Kartenmaterial erinnern, auf dem Ostpreußen zu Deutschland gehörig ausgewiesen war und zu dem gesagt wurde, dass diese Grenzen seit irgendeinem Krieg nicht mehr gültig seien. War das nur bei mir so? Jemand, der in der DDR aufgewachsen ist, erzählte mir neulich, dass man sich bei ihm in der Grundschule auf haltlose Lügen über den Westen hinreißen ließ, da ist mir Totschweigen dann doch lieber. Wobei es Totschweigen nicht ganz trifft, beim Thema DDR wurde nur irgendwie abgewiegelt und irgendwas von Stasi und Mauer geredet; es wurde ein "da geht man besser nicht hin" vermittelt und dass die DDR etwas diffus negatives ist.

P.S. Einen Gerhard Seyfried Sammelband habe ich nun in meine Amazon-Wunschliste aufgenommen und freu mich schon darauf. Vielleicht will mir ja kurzfristig jemand ein Buch schenken und einem Selbstkauf zuvorkommen…


Ulrich Roski, der Held

30 09 2009

In meinem Elternhause existierte eine mysteriöse blaue Musik-Kassette scheinbar ostdeutscher Herstellung, von der niemand wusste, wie sie ihren Weg in unser trautes Heim gefunden hatte. Eine rote oder orangefarbene Schwesterkassete gab es auch, aber an deren Inhalt kann ich mich nicht erinnern. Auf der blauen Kassette waren ein paar geniale Lieder zu hören deren Interpret ebenfalls niemandem bekannt war. Ich sage ja, mysteriös. Die Kassette habe ich als Kind bestimmt 300 mal gehört und mich ob der genialen Texte köstlich amüsiert. Das Internet war dann 15 Jahre später so freundlich, mir anhand einiger memorierter Textfetzen Interpret und Titel eines der Lieder zu nennen: Ulrich Roski heißt der Mann, und der hat noch viel mehr gute Lieder mit feinen Texten gemacht. Das Lied, an das ich mich am besten erinnern kann heißt Des Pudels Kern und ist es sicher wert, ihm ein paar Minuten Gehör zu schenken. Großartig das. Das andere Lied heißt Die ungemeine Prominenz und ist ähnlich gut. Leider kann man das nirgendwo als MP3 kaufen oder bei YouTube anhören.

Hier noch ein paar erheiternde Zeilen aus dem Lied Das macht mein athletischer Körperbau (leider auch ohne Link):

Ich kam aus Marokko, die Taschen voll Hasch
Das entdeckte der Zöllner dann auch ziemlich rasch
Dann stellt er sich blöde und schnüffelt am Gras
Und fragt scheinheilig: „Na, was ist denn das?“


TeLMI, Quix, Scall und Skyper - voll 90er ey!

30 07 2009

Irgendwann in den 90ern gab es für normalsterbliche noch kein Internet und allgegenwärtige Erreichbarkeit per Handy war ein undenkbarer Luxus, zumindest für 13 jährige Schüler wie mich. Aber das mit der Erreichbarkeit leuchtete mir total ein, das wollte ich auch am Start haben. Dieses Gefühl gab es wohl auch bei anderen Leuten, denn um 1995 rum kamen gleich vier konkurrierende Pager-Systeme auf den Markt, die ein revolutionäres und für Jugendliche erstmals finanzierbares Geschäftsmodell nutzten: Der Pager-Träger bezahlt außer dem Gerät nichts, nur wer ihn anpagen will, bezahlt. Und da sind wir schon beim zentralen Problem, denn eine einzige Textnachricht kostete den Sender mehrere D-Mark. Völlig kranke Scheiße, die wirklich fast niemand gemacht hat.

Ich hatte mir damals einen grünen TeLMI gekauft, denn obwohl Quix im Grunde cooler war und mit dem Mehrwert verschiedener kostenloser Nachrichtenticker mitbrachte (u.a. die BRAVO-News), war TeLMI das technisch überlegene System. Wenn ich mich recht erinnere, konnte es weit mehr Zeichen pro Nachricht übertragen und hatte eine garantierte Laufzeit von unter einer Minute, während in den anderen Netzen durchaus auch mal zwei bis drei Minuten üblich waren. Für die Umsetzung der Textnachrichten gab es eine Hotline mit menschlichen Operatoren, die sich die Nachricht anhörten und abtippten. Kann man sich heute kaum noch vorstellen, aber so war das System angelegt. Leider schienen die Operatoren bei den paar Nachrichten, die ich insgesamt bekommen habe, nicht allzu sorgfältig zugehört zu haben. Aus der kultigen Nachricht Karl Ranseier ist tot… wurde so etwas unleserliches wie Kairan seier ist tot… oder so ähnlich, nur noch unverständlicher. Ich habe also mindestens sechs Monate lang stets meinen TeLMI dabei gehabt, um insgesamt weniger als 10 Nachrichten zu empfangen, alle davon Test- und Witznachrichten. Ich weiß nicht, was sich die Betreiber damals erhofft hatten bei diesen irrwitzigen Mondpreisen. Gerade Jugendliche können sich eine regelmäßige Nutzung dieses Dienstes schlicht nicht leisten, zudem war der Nutzen ohne Rückkanal sowieso sehr beschränkt. Mehr als Hab Dich lieb und Ruf mich mal schnell bei xy an, hab meinen Schlüssel vergessen. ließ sich einfach nicht sinnvoll übertragen. Von Unterwegs konnte man sich ja auch nicht melden, denn selber hatte man ja auch kein Mobiltelefon. Ein Ich komme später, hab die Bahn verpasst war also auch nicht drin, ganz davon abgesehen, dass diese Nachricht einem in der Praxis dann doch nicht mehrere D-Mark wert gewesen sein dürfte.

Alles in allem eine unerträgliche Totgeburt das ganze und nur wenige Jahre später kamen die Prepaid-Handys mit SMS. Damit konnte man für vergleichsweise günstige, im Grunde aber immer noch lächerlich teure 39 Pfennig pro SMS in zwei Richtungen und wirklich mobil arbeiten. Und sogar telefonieren, wenn man sich das leisten konnte. Großartig. Und Internet zu Hause hatte man auch.

Scall und Skyper waren übrigens irgendwie doof, ich weiß gar nicht mehr, wieso eigentlich. Scall hatte sogar die großartige Idee, einen Pager in der "Swatch the Beep" mit einer Uhr zu kreuzen. Voll future-mäßig, aber fast noch bescheuerter also ein grüner Pager mit Holster am Gürtel. Ich schäme mich auch angemessen, ehrlich. Wobei mir dieses Gürtel-Holster, das ich stets etwas verschämt hinten am Arsch trug, mal eine Faust beschert hat. Als Ronnie mit der Dicken Backe mir den TeLMI abziehen wollte und mich deswegen abgecheckt hat, hat er das da hinten nicht gefunden und mir dann stattdessen vorgeworfen, dass ich seine Schwester angebaggert hätte. Wenn man aufs Maul bekommt ist der aus der Luft gegriffene Grund ja total egal, aber das mit der Schwester ist doch so klischeehaft und dumm. Als ob man sich nicht irgendetwas weniger armseliges ausdenken oder die Faust einfach mal grundlos sprechen lassen könnte.

P.S. In meiner CB-Funk Zeit hatte ich übrigens auch mal einen CB-Funk Pager zusammen mit einem Funkgerät in Autotelefon-Optik von Conrad (die hab ich sogar noch irgendwo). Bei dem Ding konnte man auf der Tastatur eine vierstellige Zahl eingeben und der dazugehörige Pager piepste und schaltete für eine Weile auf Empfang, sofern er denn in Reichweite war. So wir Polizeifunk inkl. des komischen Piepsens, nur eben im 27MHz Band, was dem Pager eine recht lange Wurfantenne bescherte, die einem am bein runter hing. Auch hier war ich der einzige weit und breit mit sowas und konnte mich nur selber anpiepsen. Wow. Oder eben andere mit polizeimäßigem Rumgepiepse nerven, wenig Nutzwert insgesamt, aber immerhin technisch spannend.


Mein Abibuch

28 07 2009

Neulich habe ich in meinem alten Zimmer bei meinen Eltern aufgeräumt und da fiel mir mein Abibuch in die Hände. Acht Jahre ist das jetzt her, meine Herren. Ich erinnere mich gerne an die Oberstufe zurück, hat wirklich Spaß gemacht. Was ich völlig vergessen hatte, waren die Rankings, deren Ergebnisse durchaus schmeichelhaft für mich ausgefallen waren. Hier meine Platzierungen:

  • Stufenking (Platz 1 mit 59%)
  • Kanzlerkandidat (Platz 3 mit 24%)
  • Freak (Platz 1 mit 57%)
  • Spaßvogel (Platz 3 mit 22%)
  • Entertainer (Platz 1 mit 50%)
  • Genie (Platz 3 mit 12%)

Das Genie hab ich nicht verdient (deswegen auch nur 12%), es gab genug Leute, auf die das eher zutrifft. Auf den Entertainer und den Stufenking bin ich im Nachhinein echt ein bisschen stolz

Den Freak habe ich mir allerdings redlich verdient. Wer mich erst viel später kennengelernt hat, wird dem vielleicht zustimmen können. Für die, die mich schon länger kennen, komme ich hingegen heute im Vergleich zu damals wie der letzte Spießer rüber. Ein Wunder, dass ich früher für so viel Freakigkeit so wenig gedisst wurde und nur ein mal aufs Maul bekommen habe; übrigens nicht von irgendwelchen Asis, nein von Ronnie mit der dicken Backe persönlich; und nicht mal für Spacko sein, sondern weil der mir mein TeLMI abziehen wollte.

Angesaugt worden bin ich auf der Straße übrigens ständig, weil ich offensichtlich ein ziemlicher Spacko war – manche würden es "individuell" nennen. Nur handgreiflich wurde das nie. Eine Zeit lang haben so Typen aus der Stufe unter mir sich mich als Oper ausgesucht und mich immer wieder ernsthaft genervt. Das habe ich ganz nebenbei im CB-Funk (jaja, ich weiß, aber da gabs noch kein Internet für alle) einem echt netten Typen erzählt, von dem ich erst danach erfahren habe, dass er ein berüchtigter Schlägertyp war. Der Häuptling dieser Typen und Initiator der Disserei war praktischerweise dessen Lieblingsfeind und mir war er wohlgesonnen. Das traf sich offenbar gut, denn das Problem hatte sich damit schlagartig erledigt. Fragt mich nicht, was da hinter den Kulissen gelaufen ist, ich war ihm jedenfalls dankbar dafür. Sowieso hatte der Typ mit seinen Kumpels so einen "sauber halten" Komplex. Die waren immer auf der Suche nach Leuten, die andere terrorisieren, um denen das dann mit Knüppeleinsatz auszutreiben. Leute, die ihre Pubertäts-Aggressionen in dieser Form kanalisieren, sind mir ehrlich gesagt deutlich lieber als die, die unschuldige damit behelligen. Leute, die ohne Gewalteinsatz auskommen, sind mir allerdings noch lieber.


Mal wieder was von mir, oder auch nicht, warum nicht?

20 06 2009

Meine sieben letzten Blogeinträge sind alle politischer Natur und alle sehr lang, das kotzt mich selber schon an. Ich habe zur Zeit keine anderen Themen drauf und das langweilt mich. Also vergesse ich mal kurz die ganze politische Empörung und schreibe etwas über mich. Was mache ich zur Zeit? Was bewegt mich abseits der gesellschaftlichen Thematik?

Die Antwort ist leider eine wenig spannende: Über Berufliches mag ich nicht gerne bloggen, vor allem wenn ich Firmen als Kunden habe, denen ich einen gewissen Hang zur Diskretion unterstelle oder mit denen ich schriftlich Verschwiegenheit vereinbart habe. Davon abgesehen ist das aber auch wenig spannend zur Zeit. Ein wenig TYPO3 hier, Symfony dort, eine Seite mit Concrete5 da und Magento ist auch im Spiel. Zwischendrin etwas Hardware und meine Vorlesung, die schon wieder um ist und eine Klausur braucht. Insgesamt berate ich zu wenig, das finde ich schade. Explizite Beratung ist in meiner Zielgruppe der sehr kleinen bis mittleren Unternehmen zur Zeit wenig gefragt.

Und privat? Über Sex habe ich nichts öffentlich zu verkünden. Mir fällt einfach kein abstrakter Text dazu ein, der dennoch interessant wäre. Überhaupt habe ich momentan wenig Bedarf, über mein Privatleben zu sprechen. Im Grunde gibt es da auch nichts zu erzählen, alles entweder langweilig oder nicht für die Öffentlichkeit geeignet. Ich blogge so viel über politische Themen, um überhaupt etwas zu schreiben. Und ob ihr es glaubt oder nicht, mir macht es großen Spaß über politische und gesellschaftliche Themen zu schreiben. Mit meinem Erörterungen zum Thema DRM fing das an, schwang sich bei der Vorratsdatenspeicherung auf und ist mir mit der Netzzensur richtig ans Herz gewachsen. Ich kann diese elenden Lügen einfach nicht unkommentiert stehen lassen, ich kann nicht tatenlos und ohnmächtig zusehen, wie ein paar Leute all das kaputt zu machen versuchen, was in den letzten Jahren in unser aller Leben getreten ist und dieses so unendlich bereichert.

Meine Kindheit kannte noch Wählscheibentelefone und über ARD, ZDF, WDR, RTL und die Rheinische Post hinaus hab es keinen relevanten Zugang zu aktuellen Informationen. Die Taz meines Vaters fand ich irgendwie komisch, finde ich auch heute noch. Abbildungen nackter Haut habe ich (leider vergeblich) in Altpapiercontainern gesucht, irre, dass ich da mal durch die Öffnungen gepasst habe. Dann, ich war 15, kam das Internet bei uns an. Ich hatte keine Vorstellung davon, was das sein soll, aber es fühlte sich sofort richtig an. Trotz AOL, dem wir sofort nach Aufbrauchen der Freistunden mit einem Gruseln den Rücken gekehrt haben. Das war nicht das Internet. Um ins echte Internet zu kommen, das – soviel stand fest – um Längen besser war, musste man einige Klimmzüge machen. Das richtige Internet war dann die Freiheit. Auf einen Schlag war die Freiheit über die Menschheit gekommen, aber das verstand damals noch kaum jemand; wer drin war, hatte zumindest ein diffuses Gefühl davon. Es hat weitere zehn Jahre gedauert, bis auch paranoide Innenminister und ihre Kollegen wirklich eine Vorstellung vom ganzen Ausmaß dieser Freiheiten mit all ihren für sie ganz grauenvoll erscheinenden Wirkungen bekommen haben. Die Versuche, das wieder zurückzudrehen, den Geist wieder in die Flasche zurück zu sperren, sind daher umso radikaler. Ach was heißt radikal? Sie sind dreist, dumm und gefährlich und jeder, der fühlt wie ich, bleibt fassungslos zurück. Da sind diese Regierenden, die aus offen zur Schau gestellter Ahnungslosigkeit heraus alles kaputt trampeln wollen, so viel sie in dieser politischen Konstellation noch durchsetzen können. Die große Koalition ist ein gesellschaftliches Pulverfass, weil die Opposition nicht nur ein bisschen, sondern massiv machtlos zusehen muss, wie eine CDU ohne Gegenwehr durch irgendwen auch krudeste Ideen in Gesetze gießen kann. Das Bundesverfassungsgericht hatte wahrscheinlich noch nie so viel mit derart haarsträubend verfassungsfeindlichen Gesetzgebungen zu tun, wie in dieser Legislaturperiode. Da passieren Sachen, die mit einer freiheitlich demokratischen Grundordnung rein gar nichts mehr zu tun haben. Da werden Aspekte, die aus gutem Grund vorne im Grundgesetz festgeschrieben wurden, ignoriert und mit Füßen getreten. Was soll man anderes tun, als aufzustehen und irgendwas zu tun? Rumsitzen und zusehen ist keine Option. Der Scheiß betrifft uns alle und es darf nicht sein, dass das alles ohne Gegenwehr so durchläuft.

Sorry, schon wieder politisch geworden. Ich halte hier mal an und lösche den bereits geschriebenen Absatz wieder. Ich wiederhole mich. Also noch mal: Momentan kann ich über mein Privatleben wenig spannendes erzählen, vielleicht demnächst mal wieder. So long, liebe Grüße an alle.


Die Angst im Umgang mit Kindern

19 03 2009

In der ganzen Kinderporno-Diskussion bin ich auf diesen langen, aber sehr lesenswerten Text über Pädophilie im Spreeblick gestolpert. Dort werden verschiedene Aspekte behandelt, unter anderem auch die Angst vieler im Umgang mit Kindern und deren Sexualität. Meine Meinung dazu im nichtöffentlichen Bereich nach dem Passwort, weil man so schnell missverstanden wird bei solchen Themen; man schaue sich nur mal die Kommentare zu dem oben verlinkten Beitrag an.


"Die Angst im Umgang mit Kindern" vollständig lesen


Über sexuelle Prägungen

12 11 2008

Hin und wieder sagen mir Leute, ich solle doch mal wieder etwas mit der Tagkombination Sexualität und Jugenderinnerungen schreiben. Da ich mein Intimleben nicht total öffentlich breittreten will, gibt es sowas ab sofort nur noch mit einem Passwort zu sehen, das ich gerne auf Anfrage mir bekannten Leuten gebe.


"Über sexuelle Prägungen" vollständig lesen


Musikalische Jugendsünden der 90er

12 11 2008

Im Spreeblick verreißt Malte Welding sehr treffend und lesenswert die schrecklichsten Lieder der 90er (bringt etwas Zeit mit für die Videos). Das schlimme an der Auswahl ist ja, dass ich auf etliche dieser Lieder total abgegangen bin, alleine in meinem Zimmer tanzend mit nicht wirklich funktionierender Lichtorgel und einer am Anschlag aufgedrehten Kompaktanlage etliche der Lieder hoch und runter gehört habe. Warum nur? Warum habe ich einen jahrelangen pubertären Ausflug in die Gruselmusik hinter mir, nach dem meine Musikhörkarriere doch so vielversprechend angefangen hatte. Immerhin waren meine ersten CDs (und damit meine ersten eigenen Tonträger) ein paar Kraftwerk-Alben und die großartige 4 Gewinnt von den Fantastischen Vier. Die Fantastischen Vier, genau… Diese Platte legte auch den Grundstein für meinen mich selbst heute noch immer wieder erstaunenden Hip-Hop-Zitate-Assoziations-Wahnsinn. Zurück zum Thema: Für die meisten Lieder auf meinen Bravo Hits 6 bis Anfang 20 schäme ich mich heute angemessen. Zu meiner Entschuldigung wende ich ein, dass ich da 12 bis ca. 17 war (hoffe ich zumindest) und somit die Pubertäts-Ausreden-Karte spielen darf. Andere Lieder von Maltes Liste finde ich allerdings auch heute noch gar nicht so sehr schlimm. Die schlimmen Lieder aus Maltes 80er-Schlimme-Lieder-Liste fand ich um Welten grauenvoller.

Natürlich hab ich einen passenden großartigen deutschen Hip-Hop-Song zum Thema auf Lager: Jugendsünden von Mutter Natur (Nico Suave, Dendemann, Majubiese) auf Nico Suaves Album Suave passt hervorragend, gibts aber nicht bei Youtube. Die Hookline geht so (ganzer Text hier):

Was war, das war! Ja, so war das, Leute! Heute lach' ich über gestern, morgen lach' ich über heute!

Wer mal hier ist und ganz lieb fragt, dem zeige ich auch das Video, wo wir zu viert eine eigene Choreografie auf "Baby come back" von Worlds Apart getanzt haben, in Behns Keller. Ich weiß heute gar nicht mehr, wie ironisch wir das gemacht haben, ich befürchte allerdings zu wenig. Das gilt auch für mein von Kelly Family Postern zugehangenes Zimmer damals, was irgendwie ein zu halbherziger Protest gegen den Kelly-Family-hassenden Mainstream war. Aber auch dafür habe ein paar gute Entschuldigungen parat: Erstens war meine erste Freundin (wenn man das so nennen kann, wir waren 13 und das war primär pubertär bedingt, aber das ist ein anderer Beitrag) Kelly Fan. Zweitens findet meine Mr. Hyde Seite auch heute noch einige der Lieder schön und drittens hatte ich schon damals ein Faible für Maite Kelly. Darf man sowas zugeben? Egal, auch das gehört in einen anderen Beitrag.

P.S. während ich diese Zeilen schreibe, lausche ich schlimm-großartigen Spären- und Flötenklängen auf sky.fm New Age.


Buchstabensuppen-Generator

16 05 2008

Immer wieder schön sind verschiedene Generatoren für dies und das. Witzig also auch der Buchstabensuppen-Generator. Erinnert mich an ein nie vollendetes Projekt von mir, das ich 1997/1998 herum angefangen habe: Ich habe Scheißwürste und -haufen fotografiert und daraus eine Schrift montiert. Leider hatte ich damals keine Digitalkamera und so hatte ich aus Kosten- und Aufwandsgründen nicht allzu viele Vorlagen. Und handwerklich begabt bezüglich Freistellen war ich damals auch noch weniger als heute. Das ganze war also weder vom Motiv noch vom Ergebnis her irgendwie ansehnlich. Aber allemal lustig, wenn auf diese Art von Kunst steht.

Nein, das unfertige Zwischenergebnis stelle ich nicht online. Ist mir dann doch zu peinlich.


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