FSF fasst gute Gründe gegen das iPhone zusammen

14 07 2008

Vorbemerkung: Kauft Euch so viele iPhones wie ihr wollt. Macht von mir aus 10 mal einen Vertrag mit der Telekom oder hackt Euch durch die Welt. Werdet glücklich und lasst Euch dieses Glück nicht ausreden.

Ich habe kein iPhone, das hat verschiedene Gründe. Ich will auch kein iPhone, denn die Firmenpolitik dahinter macht mich krank, was ich aber nie wirklich prägnant in Worte fassen konnte. Das hat die FSF jetzt übernommen. 5 reasons to avoid iPhone 3G:

  • iPhone completely blocks free software. Developers must pay a tax to Apple, who becomes the sole authority over what can and can't be on everyone's phones.
  • iPhone endorses and supports Digital Restrictions Management (DRM) technology.
  • iPhone exposes your whereabouts and provides ways for others to track you without your knowledge.
  • iPhone won't play patent- and DRM-free formats like Ogg Vorbis and Theora.
  • iPhone is not the only option. There are better alternatives on the horizon that respect your freedom, don't spy on you, play free media formats, and let you use free software -- like the FreeRunner.

Ja, da sind (vielleicht) bessere Alternativen am Horizont. Aber momentan ist das iPhone immer noch ziemlich alleine auf der slick-bedienen-Bühne. Was für ein Licht wirft das auf die Handyhersteller, dass erst ein branchenfremder Hersteller kommen muss, um im Vorbeigehen fast alles zu beheben, was an Handys bisher genervt hat? Dass Apple im Gegenzug neue Nervigkeiten mitgebracht hat, die vorher ganz selbstverständlich nicht integraler Bestandteil von Handys waren, ist natürlich schade. Aber dennoch sieht man, dass es noch ein Jahr nach Veröffentlichung des ersten iPhones kein etablierter Handyhersteller geschafft hat, etwas auch nur im Ansatz ebenso gut bedienbares an den Start zu bekommen. Dass Handys schlechter waren als nötig hat einem ja schon lange gedämmert, aber dass die Hersteller offenbar durchweg derart in die falsche Richtung gedacht haben, ist ein Armutszeugnis. Ganz besonders Nokia mit ihrem S60-Mist ist hier zu nennen. Beispiel: Schnappt Euch mal ein aktuelles Nokia-Telefon und surft mit dem eingebauten Browser (ohne Touchscreen natürlich, denn Touchscreens findet Nokia doof). Und dann nehmt ein iPhone zur Hand und macht das gleiche noch mal. Beide Browser nutzen WebKit als Rendering Engine, arbeiten also weitgehend korrekt. Nur ist der eine träge, ruckelig und eine Bedienungs-Zumutung und der andere hangelt sich so leichtfüßig, weich und selbstverständlich durch das Web, dass man sich nur freuen kann. Davon abgesehen, dass die WLAN-Verwaltung bei Nokia ständig und immer mit Fragen präsent ist, statt einfach im Hintergrund zu funktionieren. Was soll das?

Zurück zum Thema. Dass Apple so sehr seine Finger auf dem iPhone hält hat zwei Effekte: Zum einen könnte es sein, dass die Programmqualität dadurch auf einem durchschnittlich höheren Niveau liegt. Möglich, aber nicht zwingend. Zum anderen aber kann Apple so missliebige Programme einfach verbieten, so wie das mit TomTom gerade passiert. TomTom hat angeblich eine Portierung seiner Software für das iPhone bereits in der Schublade, kann diese aber gegen Apples Willen nicht an den Markt bringen. Wenn ich sowas höre, kann ich der FSF nur zustimmen: Finger weg von so einem Sektensystem.

Als Ausnahme kann ein gehacktes iPhone gelten, aber ich für meinen Teil möchte meine Geräte erhobenen Hauptes nutzen können und nicht in die Halblegalität gedrängt werden, um sie so zu nutzen, wie ich das will. Von Garantiefragen mal ganz abgesehen und von der ewigen Bastelei bei Firmwareupdates und dem Damoklesschwert, dass Apple einen Weg findet (und finden möchte!), die Jailbreaks zu verhindern. Irgendwie ist ein gehacktes iPhone so wie verschämt irgendwo Gras kaufen müssen.

Und zum Schluss gebetsmühlenartig ein paar mehr Gründe, warum ich kein iPhone will: Kein Bluetooth-Stereo-Audio-Profil, keine Nutzungsmöglichkeit als UMTS-Modem (warum nur?), weltfremde Tarife und die Zwangsehe mit iTunes. Bitte fragt mich also nicht ständig, warum ich kein iPhone habe, wo ich doch der Typ dafür bin.

P.S. Es ist übrigens bemerkenswert wie Tiermama-gleich einige iPhone Besitzer ihr Baby verteidigen. Damit meine ich nicht ihr konkretes Gerät, sondern das Phänomen iPhone an sich. Schön, wenn die Einschränkungen für jemanden nicht relevant oder relevant genug sind. Aber das ist nun mal kein belastbarer Grund, die Einschränkungen allgemein wegdiskutieren zu können.


Der Grund für die dreisten iPhone Tarife

26 06 2008

Beim lesen der Kommentare zu Gerrit van Aakens iPhone Wunschtarif ist mir der Frage Antwort eingefallen: 42! Die Lösung hingegen zur Frage, warum in aller Welt T-Mobile einen breiteren Markterfolg des iPhone mit derart geisteskranken Tarifen zu verhindern weiß, muss etwas komplizierter lauten:

T-Mobile bekommt einfach nur wenige Geräte von Apple geliefert und wenn man eh nur 100.000 iPhones absetzen kann (limitierender Faktor), dreht man den Preis eben so weit rauf, bis man etwa auf diese 100.000 Verträge kommen wird. So spart man sich einerseits wütende Leerausgeher und maximiert gleichzeitig den Ertrag. So muss es einfach sein ;), denn bei T-Mobile hat man die Tarife mit Sicherheit durch 1001 MaFos abgesichert und mit dem daraus generierten Wissen im Hinterkopf würde man nicht ohne weiteren Grund so dreiste Tarife am Markt vorbei platzieren. Oder ist das gar nicht am Markt vorbei?

Vielleicht ist der Grund nämlich auch schlicht der, dass die ganzen Apple-Jünger mit ihrer Hirnerektion beim bloßen Gedanken an so ein hocherotisches Gerät jeden Preis bezahlen würden, und sei er noch so dreist (gute Nutten sind allemal teurer). Man kann dann so schöne Kurven malen und einen Preis am Schnittpunkt berechnen, bei dem man am meisten verdient. Und wenn der so hoch ausfällt, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass offenbar genug Idioten unterwegs sind, die solche weltfremden Tarife auch zu zahlen bereit sind. Manchem ist auch Geld in dieser Größenordnung schlicht egal. Pah, wen interessieren schon niedere vierstellige Beträge? Und diese Leute werden es durchaus begrüßen, dass nur jeder 1000ste Deutsche so ein Gerät mit sich herumträgt und zur Schau stellt. Da ich niemanden mit T-Mobile-iPhone-Vertrag kenne, aber einige mit iPhone ist es vielleicht inkl. Dunkelziffer auch nur jeder 500ste Deutsche. Wo kämen wir denn hin, wenn die Prepaid-Kiddies und die Studenten das gleiche Edel-Telefon hätten, wie anständige Leute?

Wir wollen ja bei alledem nicht vergessen, dass das iPhone ein reinrassiges Oberklasse-Produkt ist. Wer Oberklasse haben will, muss auch Oberklasse bezahlen. ABS und Airbags gabs auch zuerst in Autos, die sich kaum jemand leisten konnte. Wo also bleibt das Volks-iPhone?

P.S. Hoffentlich mahnen die Bild-Leute mich jetzt nicht ab, weil ich Volks-XY gesagt habe… Egal: Jehova, Jehova!

Nachtrag: Der 200MB Kommentar zu Gerrit van Aakens Wunschtarif war offenbar sinnlos und ist entfallen.


Wieder mal lustiges in der Zusammenfassung

30 11 2007

Irgendwie habe ich momentan nicht die Muße, alle lustigen Fundstücke textlich nennenswert zu verwursten, deswegen wieder einmal ein paar Fundstücke der letzten Tage:

Bei Coffe & TV gibt es einen schönen Rückblick aus der Zukunft auf den Niedergang der Musikindustrie. Köstlich zu lesen, vor allem wenn man etwas im Thema steckt. Das Sahnehäubchen setzt dem ganzen aber Kommentator ckwon auf:

Du hast vergessen, dass durch die Gesetzänderungen die Jugendarbeitslosigkeit massiv gesenkt werden konnte, da ja alle ins Gefängnis wanderten…

IMHO eine sehr passende Zusammenfassung der ganzen Misere.

Für die, die es noch nicht kennen: Tales Of Mere Existence "Procrastination" von Lev Yilmaz, manche kennen es als Getting my stuff done: (via Mario Sixtus)

Auch die anderen Dinger von ihm sind mitunter sehr lustig.


Gewaltspiele bei ARD und ZDF

30 11 2007

Man mag Freund des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sein oder ihn in der momentanen Form ablehnen. Dass verschiedene ARD-Magazine aber mitunter alles andere als objektiv berichten, und stattdessen ihrer Zielgruppe nach dem Mund reden ist nicht zu übersehen. Frontal 21 hat auf diesem Sektor ja eine traurige Berühmtheit erlangt. In einer emotional geführten Debatten wie der zum Thema "Killerspiele" haben sich aber auch einige andere Magazine nicht gerade mit journalistischer Sorgfalt und Objektivität hervorgetan, etwa Panorama, Hart aber fair oder Kontraste. Das wäre alles halb so schlimm, wenn genau diese Magazine sich einen Beinamen wie "Das Meinungsmagazin" geben würden. Dem ist nicht so, im Gegenteil sind es genau diese Magazine, die sich investigativen Journalismus und Objektivität auf die Fahnen geschrieben haben. Zumindest empfinden das die Zuschauer so.

Stefan Niggemeier und Thomas Knüwer (lest das!) bringen nun folgendes Video ins Spiel, das sehr klar aufzeigt, dass die Berichterstattung in diesen Magazinen zum Thema Gewaltspiele nicht nur mit der Wirklichkeit kaum etwas gemein hat, sondern dies auch durchaus Absicht zu sein scheint.

Ganz schön bitter, wenn man man darüber nachdenkt. Eine sachlich geführte Diskussion wäre wirklich nützlich, so aber wird nur ein neuer Generationskonflikt geschürt. Ist es in der Eltern-Kind-Beziehung in den letzten 20 Jahren zu harmonisch geworden, dass man mit geschickter Panikmache durch Falschinformationen etwas nachhelfen müsste? Oder haben die Redaktionen einfach das dumpfe Gefühl die Jugend selber nicht mehr zu verstehen? Aber ist man nicht Journalist genug, um solcherlei mit objektiver Recherche und knackiger ich-habs-verstanden-und-erklärs-euch-Berichterstattung zu begegnen und ansonsten lieber das Maul zu halten? Wenn ich gar keine Ahnung von einem Thema habe, dann berichte ich nicht darüber als hätte ich Ahnung. Und ich bin nicht mal ein Journalist, sondern nur ein weiterer Klowand-Blogger-Idiot.


Warum (noch) kein iPhone kaufen?

09 11 2007

Heute ist es so weit, das iPhone ist in Deutschland erhältlich. Auch in meinem Bekanntenkreis gab es den ein oder anderen grundsätzlichen Interessenten, dem ich dringend vom Kauf des iPhone abgeraten habe. Folgende Gründe sind dabei handfest und nicht weg zu diskutieren:

  • Kein UMTS. Ich habe keine Ahnung welcher Teufel Apple geritten hat, als sie sich gegen UMTS zumindest für den Europastart entschieden haben.
  • Kein GPS, aber eine tolle Kartenanwendung. Jetzt kann man mit Google-Maps navigieren (und die Karten – juhu – ohne UMTS im Schneckentempo laden), aber nicht anhand der aktuellen Position. Eine interaktive Karte ist zwar auch schon nicht schlecht, aber das wirkt irgendwie halbfertig.
  • Kein Bluetooth-A2DP-Profil, mit dem man kabellose Kopfhörer anbinden könnte. Sowas ist cool und das kann eigentlich jedes bessere Handy. Stattdessen muss man wegen der engen Kopfhörerbuchse die Apple-Kopfhörer (die mit der abgenutzten Coolness) anschließen oder spezielle kompatible Kopfhörer kaufen.
  • Man bindet sich zwangsweise vertraglich und technisch zwei Jahre lang an einen recht teuren und unflexiblen Tarif, bei dem man Inklusivminuten und Inklusiv-SMS mitkaufen muss und wenn die verbraucht sind, wird es auch noch mal richtig teuer. Und das Ding ist SIM-gelockt. Wo sind wir denn gelandet?

Das alles mag den ein oder anderen nicht abschrecken und vielleicht saugt es auch neue Leute ins Apple-Biotop. Und diese Leute werden glücklich sein, weil sie vom Apfel gekostet haben, der sie leider nicht wieder loslässt. Ein Apfel, mit dem sie sich aus der Welt der Kompatibilität hinein in eine geschlossene Welt der Zwänge gebissen haben. Man muss dies, man muss jenes, man muss alles mögliche in der schönen verführerischen Apple-Welt, wenn man mitspielen will: Man muss seine Musik mit iTunes verwalten und auch dort kaufen, man muss den teuren Tarif (zur Erinnerung: mit SIM-Lock!) buchen, man muss kompatible Kopfhörer und anderes Zubehör benutzen, man muss sich der Bedienphilosophie unterwerfen, man muss sich einfach darauf einlassen. Dafür bekommt man aber auch unerträglich stylische und coole und gut bedienbare (Geschmackssache) Gerätschaften. Apple ist das, was Microsoft früher vorgeworfen wurde: Proprietäre Scheiße mit noch proprietäreren Bestrebungen, nur in verführerisch schön und gut. Irgendwie hat Apple auch einige Charakteristika von Drogen, wenn ich so recht drüber nachdenke: Verführerisch, macht häufig abhängig, ist teuer.

Leute, widersteht dem Reiz des Schönen oder wisst wenigstens um die Schattenseiten. Apple (oder Steve Jobs) ist nicht der Messias, also lasst Eure kritiklose Anhängerschaft bleiben und macht mal die Augen auf. Vielleicht könnt ihr sogar das Apple-Biotop zu einem zwangloseren Ort machen, wenn ihr kritische Kunden werdet und kein Fanclub bleibt. Beim iPhone haben die erwachten unter Euch ja schon einen Teilsieg errungen: Apple öffnet das Ding irgendwann mal für Software von Drittanbietern. Eigentlich schon schlimm genug, dass Apple das erst auf massiven Kundendruck macht. Aber mit einem Fanclub im Rücken kann man ja mal auslooten, was alles möglich ist.

Ach ja: Schaut Euch auch meine anderen Beiträge mit dem Tag Apple an.


iPhone Tarife eine Unverschämtheit

29 10 2007

Jetzt sind sie offiziell, die iPhone Tarife bei T-Mobile. heise.de fasst das ganz gut zusammen: Los geht es bei 424€ für die Hardware plus Einrichtungsgebühr und 49€ pro Monat für lächerliche 100 Freiminuten (und sagenhafte 40SMS) und die "Datenflatrate" im Mobilnetz und an Hotspots. Die "Flatrate" bezieht sich neben den T-Mobile Hotspots (immerhin) dabei allerdings mangels UMTS im iPhone (sic!) auf den Zugang per GPRS/EDGE mit maximal 220 kBit/s und wird außerdem bei intensiver Nutzung auf sagenhafte 64 kBit/s (Download) und 16 kBit/s (Upload) gedrosselt. Intensive Nutzung bedeutet hier übrigens 200MB im kleinen bis 5GB pro Monat im großen Tarif.

Das halte ich für unglaublich teuer, zumindest für die Telefonie. Wer tatsächlich genau die am Monatsende verfallenden Inklusivminuten und Inklusiv-SMS verbraucht und auch die "Datenflatrate" sinnvoll ausnutzt, der kommt halbwegs erträglich weg bzw. bezahlt beispielsweise bei O2 inkl. Handysubventionierung (im ungünstigsten Fall) in etwa das gleiche, da allerdings mit UMTS und in einem modularen Tarif mit Optionen auf Flatrates, Homezone und allem Pipapo und vor allem mit nur 20€ Fixkostenanteil. Alle anderen dürften reichlich draufzahlen für ein zweifelsohne cooles Gerät mit SIM-Lock und ohne UMTS und ohne GPS und Zwangsbindung an iTunes. Will man das? Ich nicht, vielleicht ja mit UMTS irgendwann…


Wir haben bezahlt!

03 03 2007

Ja, da sehe ich heute doch diese Website, die genau das ausdrückt, was ich als Kunde von DRM halte. Schaut mal rein auf Wir haben bezahlt!. Ich hab die Seite gleich mal in meine Linkliste aufgenommen. Selbst der Tagespresse entnimmt man ja immer häufiger, dass DRM ein Auslaufmodell ist. Gut so.


DRM Digest

29 08 2006

Also seit meinem letzten Eintrag zu DRM und Kopierschutz hat sich die Welt ganz schön fix weiter gedreht. Ich habe eine Hausarbeit zum Thema "Ökonomische Konsequenzen von DRM für den Vertrieb digitaler Medien" geschrieben. Auch das ist schon wieder ne Weile her. Was gibt es also neues?

Microsoft DRM "geknackt"

Also die augenfälligste Neuerung ist sicherlich, dass man jetzt recht easy seine verschissene DRM-Kaufmusik auch ohne Qualitätsverlust von ihrem Schutz befreien kann. Das geht heute durch die Medien (SPON: Microsofts Musik-Kopierschutz geknackt, golem.de: Tool befreit Kauf-Musik von Microsofts DRM-Schutz). Das Tool an sich ist nicht neu und man benötigt eine gültige Lizenz für wenigstens ein Lied. Aber durch die einfache Oberfläche statt einer unschönen Kommandozeile rückt diese Möglichkeit doch plötzlich in die Sphäre vieler normaler User.

Klar, das umgehen von wirksamen Kopierschutzmaßnahmen ist (nicht nur) in Deutschland offen gesetzeswidrig. Aber sein wir mal ehrlich und nüchtern: Da kauft man für ziemlich viel Geld Musikstücke ein und bemerkt meistens erst später, dass man sie auf seinem Handy oder seinem MP3-Player oder auf einem der inzwischen zahlreichen MP3-fähigen Geräte gar nicht abspielen kann. Möp. Ach ja, auf die Party vom Nachbarn kann man die Mucke auch nicht mitbringen. Immerhin darf man sie sich begrenzt oft auf eine CD brennen, fürs Auto etwa.

Das ist auch irgendwie nötig, weil man da seine gekauften CDs inzwischen ja immer häufiger wegen des Abspielschutzes Kopierschutzes gar nicht mehr abspielen kann. Der Weg zu einer problemlos abspielbaren Audio-CD führt also heutzutage über einen kostenpflichtigen Download und den CD-Brenner und nicht in den CD-Laden. Paradox, oder?

Zurück zum "geknackten" DRM. Da das plötzlich so durch die Medien geht, hat das sicherlich auch Auswirkungen auf den Markt. Wie also kann die Musikindustrie reagieren? Was sind ihre Handlungsalternativen?

1. Nichts tun, abwarten. Darin sind die Jungs ganz gut. Allerdings steht zu befürchten, dass das Befreien von DRM-Maßnahmen eine ähnliche Popularität erreicht, wie das Brennen von CDs und das Downloaden aus illegalen Quellen. Dazu gleich mehr.

2. Neue DRM-Version nachschieben. Für den Kunden denkbar schlechteste Lösung, da dann alle aktuellen Geräte die neue Musik wahrscheinlich nicht mehr abspielen können. Das wäre ein massiver Fehler, steht doch die ganze DRM-Kiste eh schon auf tönernen Füßen.

3. Den DRM-Scheiß aufgeben und die Musik im MP3-Format verkaufen (wie eMusic und der illegale Laden aus Russland). Eine Lösung, die sicherlich für alle gut wäre. Die Kunden bekommen ihre Musik so, wie sie sie wollen und können sie so benutzen, wie ihnen das lieb ist: ohne Einschränkungen. Und die Anbieter werden sich a) über ne Menge gutes Karma und b) rasant steigende Verkaufszahlen freuen. Scheiß egal, ob 50% der Leute ihre Musik kopiert: Dabei entsteht kein direkter Schaden. Und die Verkaufsausfälle durch die (wenigen) Leute, die sich wegen des Kopierens die Musik nicht kaufen, lassen sich durch den Verkauf an entsprechend viele andere Leute locker kompensieren. Postuliere ich mal so.

Wieviele Eurer kopierten Musikstücke und Filme hättet ihr nicht, wenn ihr dafür hättet zahlen müssen? Das ist der Knackpunkt. Die "Schadens"-Rechnungen basieren auf der völlig weltfremden Annahme, dass alle kopierte Musik auch gekauft worden wäre. Irgendwie ist doch die Lächerlichkeit dieser Annahme so auffällig, dass ich mich frage, wie man sie ernsthaft vertreten kann.

Wenn ich so recht darüber nachdenke, gleichen sich in den Folgen die erste und die letzte Variante frappierend. Ob die Musikindustrie nun das Verhalten einiger oder vieler Kunden nicht verhindern kann, oder ob sie direkt offen auf alle Kunden zugeht ist im Endeffekt für die einigen oder vielen Kunden das gleiche. Der Unterschied besteht darin, dass man bei ersterer Variante seine eigenen Kunden in die Illegalität treibt und sich weiterhin völlig fehlendes schlechtes Gewissen seitens der Kunden sichert. Vielleicht habe ich ein krankes Marketing-Verständnis, aber worin liegt noch mal der Vorteil, wenn man sich seine eigenen (potenziellen) Kunden zu Feinden macht?

DRM-Freie Musik

Eine weitere gute Nachricht: Verschiedene Läden machen versuche mit DRM-freier Musik. Yahoo hat neulich einen personalisierten Track vertickt, ganz ohne DRM. Ich bin mir Sicher, bei einem groß anlegelegten Feldversuch würde man bemerken, dass man letztlich an DRM-freier Musik mehr verdient.

Windows Vista

In Vista für 32 Bit Computer gibt es auch nicht signierte Treiber, in der Ausgabe für 64 Bit hingegen nur signierte. Im Prinzip eine ganz kluge Lösung. Basieren viele Angriffe auf Windows doch auf dem Einspielen von bösen Treiberkomponenten. Dass die Signierung Geld kostet und für Open-Source-Projekte dadurch und auch möglicherweise aus anderen (politischen) Gründen nicht zur Verfügung steht, stelle ich jetzt mal hinten an. Es bedeutet aber, dass die Player-Hersteller große Schwierigkeiten haben werden, in 32 Bit Versionen von Vista den von der Filmindustrie geforderten "sicheren Pfad" zu implementieren. Ich bin wirklich gespannt, wie und ob sich das Problem lösen lässt, oder ob die Filmindustrie einsieht, dass ihre sichere Kopierschutz-Festung eine ziemliche Sackgasse ist. Also ganz ehrlich: Ich habe keinen Bedarf für das tolle ultra hochauflösende Filmerlebnis. Und schon gar nicht, wenn ich massive Klimmzüge veranstalten muss, um es nutzen zu können. Ich werde eine 32 Bit Version von Windows einsetzen, weil ich tatsächlich zwei 32 Bit Computer besitze. Ganz schön frech von mir, oder? Und noch frecher: Ein Flachbildfernseher mit HDTV-Auflösung und HDMI-Eingang steht die nächsten fünf bis zehn Jahre nicht auf meiner Einkaufsliste, so ich nicht doch mal im Lotto gewinne. Und damit steht auch nicht eine einzige Blu-Ray-Disc oder HD-DVD auf meinem Wunschzettel. Ich weiß, ich schäme mich ja auch.

Fazit

Also abschließend kann ich nur sagen: Endlich! Endlich kann ich auch mal Kaufmusik erwerben. Wenn ich die scheiß Mukke von ihrem miesen DRM befreien kann, könnte ich mir vielleicht auch mal den ein oder anderen Track kaufen. Nicht, weil ich ihn weitergeben will oder so. Das auch. Aber vor allem, weil ich verschiedene Geräte habe, die mit DRM-Musik nichts anfangen können. Mit WMA leider auch nicht, also wird wohl doch nichts draus. Schade eigentlich.

Welcher Laden verkauft mir Musik, die ich haben will, als MP3? Hallo? Ich will Geld ausgeben! Hier, ich! Hier, ich geb Euch nen Euro für einen Track (was ich viel finde)! Warum will mir denn niemand was verkaufen?

Ach endlich, da ist ja einer. Was für ein freundlicher Russe. Spricht viele Sprachen und verkauft mir Musik. Spottbillig. Und ich kann mir auch noch das Format aussuchen! Danke Gott. Aber stopp. Moment mal. Das ist ja illegal. Hmm, ich bezahle doch kein Geld, um dann doch illegale Musik zu kaufen. Da kann ich auch gleich die Mule anwerfen…


Bio-Produkte Krimi

15 08 2006

Krasse Sache! Ich lese gerade beim Shopblogger über einen krassen Bio-Produkte Krimi. Liebe Leser, das ist ein Lesebefehl!

Kurz zusammen gefasst: Bio-Produkte boomen derzeit. Die großen LEH-Ketten sind mittenmang dabei und alle kaufen Bio-Produkte. Leider machen diese Ketten genau das, was Handel mit Einkaufsmacht so zu tun pflegt: Einkaufskonditionen in ihrem Sinne drücken und eigene Handelsmarken aufbauen, bei denen die Quellen beliebig getauscht werden können. So kommt es, dass Produkte (häufig aus dem EU-Ausland), die das verhältnismäßig leicht zu bekommende Biosiegel gerade so einhalten, den Markt überschwemmen und die "echten" einheimischen Bioprodukte im Vergleich sehr sehr teuer da stehen. Direkt ausgedrückt kann man von einer Zweiklassengesellschaft der Bioprodukte reden. Das wäre an sich nicht so schlimm, besser mittelmäßige Bioprodukte als gar keine Bioprodukte am Massenmarkt.

Der Shopblogger ist nach eigener Beschreibung einer der Pioniere im Vertrieb echter, fairer und einheimischer Bioprodukte mit seinem kleinen Spar-Markt in Bremen. Jetzt kommt der Krimi ins Spiel: Die Bioladen-Konkurrenz, obwohl von ihm immer partnerschaftlich angegangen, übt Druck auf die Lieferanten aus, dass sie ihn nicht mehr beliefern. Warum und wie das so ist, müsst ihr selber in der Quelle nachlesen. Ich will nur ein paar Gedanken dazu aufschreiben:

Der kleine, innovative und selbstständige Kaufmann hat ein Problem. Er hat nicht die Marktmacht im Rücken bzw. nur für das Sortiment, das ihm die Einkaufsgenossenschaft verschaffen kann. Innovative Eigenlösungen müssen auf eigene Faust beschafft werden und das macht mitunter Probleme. Nun mag man sagen, dass genau dies der Job des selbstständigen Kaufmannes ist. Gut gekontert. Aber es ist schon schade zu sehen, wie in diesem Biomarkt mit harten Bandagen gekämpft wird. Geht es denn bei Bioprodukten nicht mehr um die Sache? Um fairen und umweltverträglichen Umgang mit dem Primärsektor? Müssen dann die Hauptakteure an diesem Markt genau das Verhalten an den Tag legen, das so oft an den großen Ketten kritisiert wird? Warum muss die Einkaufsmacht beim Großhandel genutzt werden, um missliebige Konkurrenten aus dem Markt zu drängen? Weil die Margen so schön hoch sind? Denn sonst kommen die gleichen super Bioprodukte im Supermarkt zu vertretbaren Preisen? Ja, das ist eine wirklich attraktive Konkurrenz und ja, die muss man fürchten.

Also meine Schlussfolgerungen daraus: Jetzt gehe ich erst recht nicht mehr in einen dieser überteuerten Bioläden. Nichts gegen ökologisch verantwortungsvollen Anbau und alles, was hinter der Bio-Idee an sich sonst noch steckt. Gerne. Aber die überhebliche Idee des Biosupermarktes ist mir zuwider. Da wird versucht eine Bio-Elite zu schaffen, an der man sich dumm und dämlich verdienen kann. Nein, das kann nicht im Sinne der Öko-Idee sein. Im Sinne der Öko-Idee ist meiner Meinung nach, dass möglichst der gesamte Bedarf an Agrarprodukten in der Volkswirtschaft aus ökologisch verantwortungsvollem Anbau gedeckt wird, von einheimischen Bauern. Nur das kann das Ziel sein. Es soll nicht darauf hinaus laufen, dass sich ein paar Freaks als Weltretter fühlen und die anderen 90% der Verbraucher weiterhin ökologisch zweitklassige Produkte nachfragen. Also liebe Bio-Supermärkte: Regelt das im direkten Wettbewerb und nicht über Marktmacht-Methoden. Arbeitet zusammen, der Markt ist (momentan) groß genug. Für Verdrängungswettbewerb ist noch immer Zeit, wenn der Markt gesättigt ist. Bis dahin sollte gerade bei Öko-Kram die Idee im Vordergrund stehen. Für Euren Aufpreis verlangt der Kunde etwas: Ihr müsst real sein! Ihr müsst für die Idee einstehen, denn dafür verlangt ihr die satten Aufpreise.

Gute Öko-Produkte für alle! Ich kaufe also weiterhin mit gutem Gefühl und gerne die Bioprodukte bei den Ketten ein, wenn es sich ergibt. Und wenn ich dort noch bessere Öko-Produkte bekommen, kaufe ich auch die. Wenn ich die Ware mag, sonst nehme ich halt doch die Markennudeln... Mal schauen.


Ach: Das Media-Saturn-Intel Kartell

03 07 2006

Riesige Neuerung, das war vorher noch niemandem aufgefallen. Und plötzlich gibt es eine Kartellrechtliche Untersuchung. Die Rede ist von der Metro Gruppe und ihrem Exklusivvertrag mit Intel. Der Grund, warum es dort keine Computer mit AMD-Prozessoren zu kaufen gibt. Nur ist das schon seit Jahren bekannt und lag auch auf der Hand. AMD? Haben wir nicht.

Aber Gut, dass es mal endlich eine Untersuchung dazu gibt. Andererseits ist es mir auch irgendwie egal. Wenn die Metro der Meinung ist (ob durch Ausgleichszahlungen oder aus eigener Ideologie), dass sie keine AMD-Computer verkaufen wollen, dann können sie das tun. Dass ich dann dort keinen Computer kaufe und auch nicht empfehle, dort Computer zu kaufen, ist dann meine Konsequenz daraus.

Mal schauen.