Prokrastination.com: Blog abonniert, Buch gekauft

03 09 2008

Gerade bin ich auf prokrastination.com gestoßen (Lesebefehl!), das Blog zum demnächst erscheinenden Buch mit dem schönen Titel "Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin". Schon vom Titel fühle ich mich zu 120% angesprochen, also habe ich das Buch kurzerhand vorbestellt, noch bevor ich den dazugehörigen Blog abonniert habe. Von Kathrin Passig und Sascha Lobo habe ich ja bereits Bücher im Regal, wobei ich das ganz bestimmt ganz grandiose "Lexikon des Unwissens" ganz bestimmt später mal irgendwann lese, wenn ich Zeit und(!) Muße finde. "Wir nennen es Arbeit" ist ja sowieso Pflichtlektüre für Typen wie mich. Was spricht also dagegen, dieses Buch zu kaufen, ohne den Klappentext gelesen zu haben oder diesen Schönen, kompakten Textauszug mit 6 einfachen Übungen?

Das beste aber ist, dass ich nur ein einziges Buch, das ich im letzten Jahr erworben habe, komplett oder auch nur angelesen habe. Sollte mir das zu denken geben? Warum kaufe ich eigentlich regelmäßig Bücher, die ich dann doch nicht (aus)lese? Nur Stefan Kuzmanys "Gute Marken, böse Marken", das mit übrigens geschenkt wurde, habe ich ganz gelesen; das war zwar nicht so gut wie andere Bücher in meinem Regal, aber dafür schön kurz und schneller durch als eine normale c't. Ich habe sogar schwersten Herzens mein Brand Eins Abo gekündigt, weil ich schon fünf ungeöffnete Ausgaben im Queue hatte. Dafür bekomme ich seitdem ungefragt jeden Monat die H.O.M.E., eine Designerzeitschrift "aus der Designstadt Berlin": Die Leute vom Axel-Springer Aboservice haben mich offenbar echt verstanden, da gibt es nämlich nicht viel zu lesen, sondern nur ganz schöne Fotos von feiner Architektur und unfassbar teuren Möbeln zu gucken. Damit kann ich prima anstinken gegen den Stapel "Art"-Magazine im schicken Designerbadezimmer eines Bekannten, der immer meine oberflächlich durchgeblätterten H.O.M.E. Ausgaben bekommt und diese sicher mehr zu schätzen weiß als ich. Zielgruppe und so, ihr wisst schon…

Apropos Zielgruppe, aber das ist ein anderer Beitrag.


Von anderen aufgeladene Emotionen nutzen?

07 07 2008

Ist es verwerflich, von Dritten aufgeladene Emotionen für die eigene Werbung zu nutzen? So wie es die Telekom aktuell mit dem unglaublich unter die Haut gehenden Paul Potts macht? Ganz großes Gefühlskino schreibt off the record zu diesem Telekom-Spot und bemängelt gleichzeitig, dass der Spot zwar große Gefühle weckt, aber eben nicht für die Marke Telekom. Zustimmung meinerseits: Der Funke springt einfach nicht über und es bleibt bei mir der faule Beigeschmack des Missbrauchs eines solch wunderschönen Internet-Märchens für werbliche Zwecke einer Marke, die mit damit nicht wirklich etwas zu tun hat. Das ist (großartige) Werbung für das Internet an sich und die Telekom ist ein Zugangsprovider, nicht mehr (die Inhaltelieferei überlässt man ja inzwischen weitgehend anderen). Aber ist das nun verwerflich oder nicht? Eigentlich nicht, man bringt nur mit einen schönen emotionalen Spot ein großartiges Video ins Gedächnis und versucht (begrenzt erfolgreich) seine Markenbotschaft mitzuliefern, warum sollte das nicht legitim sein? Vor allem, wenn man mit diesem Agenda Setting Leute neu erfreuen kann, denen das Video bisher entgangen war.

Mich zum Beispiel. Irgendwie ist dieses bemerkenswerte Video bisher völlig an meiner Wahrnehmung vorbei gegangen. Gut also, dass die Telekom das jetzt wieder auf den Tisch gelegt hat, denn dieser Paul Potts singt auch ohne die rührselige Story drumrum derart herzerwärmend, dass mir die Rührungstränen auf die gänsegehäuteten Arme rinnen. Noch nie hat Operngesang solch euphorische Ausbrüche bei mir verursacht. Kein Wunder, dass sowohl das Publikum, als auch die Jury bei Britain's Got Talent schon nach zwei Takten total abgehen und dieser dickliche Typ, der so unscheinbar und fast schon bemitleidenswert da antanzt, am Ende die ganze Show gewinnt. Wirklich magisch. So magisch sogar, dass ich wie in Trance direkt mal seine CD gekauft habe. Verzauberungs-Marketing und direkte Bestellmöglichkeiten sind eine gefährliche Kombination.

Schnell noch der Telekom-Spot, der erste Auftritt bei BGT (angucken und Ton laut, es lohnt sich, versprochen) und ein Artikel im Spiegel Online dazu. Ist zwar alles schon in den anderen verlinkten Quellen verlinkt, aber ihr guckt da ja eh nicht rein, gelle?

P.S. Ich habe gerade keinen Laden gefunden, wo ich die CD 1. jetzt, 2. legal und 3. als MP3 kaufen kann. Ist das nicht bescheuert? Muss ich jetzt ernsthaft bis zum Versand der CD am 12. Juli warten und mich in der Zwischenzeit aus illegalen Quellen bedienen (was keine 10 Minuten dauert)? Wo bleiben nur das versprochene DRM-freie Amazon-Downloadangebot und seine dadurch an den Markt gezwungenen NachahmerMitzieher? Und sollte ich ein schlechtes Gewissen beim Download aus illegalen Quellen haben, wenn ich die CD besitze oder bestellt habe?


Paxi Fixi

19 05 2008

1. Neulich in der Gegend von "Ich bin eine Discoschlampe" gehört:

Paxi, fixi, knaxi, lexi, noxi, schmexi, schixi drauf.
Paxi, fixi, reib sie, knall sie, nimm sie, wirf sie, zieh sie aus.
Paxi, fixi, roxi, treib sie, saug sie, lutsch sie, schixi drauf.
Paxi, fixi, stoß sie, pop sie, reib sie, pimp sie, schmeiß sie raus.

Ich lass das mal so stehen, bei Youtube.

2. Gibt es eigentlich eine zwingende Nähe von Techno an sich zu (BDSM-)Sexualität und/oder Drogen? In dem Kontext sei auf den faszinierenden KitKatClub in Berlin verwiesen (Artikel in der taz dazu). Interessant allemal, Stichwort: Hedonistische Internationale.

PS: Ich gehe davon aus, dass eine In-Kontext-Bringung der beiden Aspekte dieses Posts weder im Sinne der einen noch anderen Seite ist. Vielleicht auch nicht. Meine diesbezügliche Ahnung beschränkt sich auf etwa eine Stunde Webrecherche, tendiert also gegen null. Ich war nur irgendwie fasziniert von beidem.


Gibt es eigentlich wirklich keine Kopftuch-Pornos?

02 05 2008

Passend zum letzten Eintrag fällt mir wieder mal folgende Frage ein: Gibt es eigentlich wirklich keine Pornos, in denen Frauen mit Kopftuch/Burka/Whatever vorkommen? Ich habe mal irgendwo eine Diskussion zu genau dieser Frage verfolgt: Die Teilnehmer hielten sich für ausgewiesene Experten auf dem Gebiet der Pornografie, aber keinem war jemals ein solcher Film aufgefallen. Eine Suche im Internet blieb erfolglos, so dass irgendjemand eine Liste mit zig türkischen Pornos ins Spiel brachte. So hat also jeder drei davon besorgt und auf besagte Frage hin analysiert: In keinem kam eine Frau mit Kopftuch vor. Wirklich witzig, was man so für Diskussionen im Netz findet, oder? Ich finde sowas ungemein spannend, vielleicht hätte ich eher was Sozialwissenschaftliches studieren sollen.

Jedenfalls hat mich die Frage bis heute nicht los gelassen. Ich habe mir auch die Folgefrage gestellt, warum das so sein könnte, bin aber zu keinem wirklich einleuchtenden Ergebnis gekommen. Es gibt ja auch Pornografie mit Nonnen und allen möglichen anderen symbolischen Kostümen, an religiöse Gründe mag ich daher nicht glauben. Aber warum sonst? Es gibt ja auch Pornos mit Akteuren in Alltagskleidung, dass das Kopftuch aus diesem Grund fehlt zieht also auch nicht.

Denke ich nicht weit genug? Zu weit? Gibt es am Ende doch solche Pornos und man nimmt sie nur nicht wahr? Man blendet ja auch andere Spielarten einfach aus, weil sie einen nicht die Bohne interessieren. Es gibt doch alle nur erdenklichen sexuellen Vorlieben und für alle diese Vorlieben auch passende Pornografie. Hat jemand eine brauchbare Erklärung für mich parat oder wenigstens einen Gegenbeweis für die These der Nonexistenz?


3-2-1 Ignition in der Tonhalle

17 04 2008

Am Dienstag war ich bei der 3-2-1 Ignition in der Tonhalle. Das ist ein jugendkompatibles Konzert der Düsseldorfer Symphoniker mit visueller Unterstützung des IMM (Institut für Musik und Medien) der FH Düsseldorf und der Robert-Schumann-Musikhochschule Düsseldorf. Um etwas geheimnisvoll zu bleiben: Es lohnt sich! Recht junges, aber gemischtes Publikum (Schüler, Studenten, andere übliche Tonhallen-Besucher), gute Stimmung, gute Musik, alles stimmt. Und nicht zuletzt der quasi geschenkte Eintritt von 5€ und die Garderobe ist umsonst in der Tonhalle. Der Intendant der Tonhalle – der den Abend moderiert – kann zu Recht stolz auf das volle Haus sein. Wir kommen gerne wieder.

Die nächste Ignition findet am 03.06.2008 statt. Hingehen.

Ich frage mich, wer das ganze wie stark suventioniert? 5€ sind verdammt wenig für die (2005 renovierte) Tonhalle mit vollem Personaleinsatz an Platzeinweisern und Garderobenleuten, die kompletten Symphoniker und etliche Studenten für den Videoteil.


Gute T-Shirts sind Goldt wert

18 02 2008

Wortspiele mit namen sind eine journalistische No-Go-Area und sind zu vermeiden.

Sagt mir der Journalist, was ich aber geflissentlich – um des schönen Wortspiels willen und um ihm zu huldigen – ignoriere. Was ich aber eigentlich erwähnen wollte, sind die fast schon untragbar coolen T-Shirts aus der Rumpfkluft Kollektion von Katz und Goldt (die auf Seite 2 sind besser). Mein Lieblings-Shirt ist ganz klar dieses und ich hätte es sofort gekauft, wenn ich nicht irgendwie etwas klamm wäre im Moment und 30€ für ein T-Shirt mit Versand auch nicht gerade allzu wenig wäre – im Winter…

Da ich aber ein Blogger bin, versuche ich wieder mal verzweifelt, mangelnde echte Coolness durch darüber schreiben zu erben, was freilich nie ganz gelingt. Schade eigentlich.


Kann man Hip-Hop-Texte zitieren?

17 02 2008

Im letzten Beitrag habe ich Texte von der neuen Dynamite Deluxe Platte zitiert. Als ich sie eben wieder gelesen habe, musste ich über die grundsätzliche Frage nachdenken, ob man Hip-Hop-Texte von ihrem Flow und dem Beat losgelöst zitieren kann oder darf? Wenn man das so liest, ergibt es keinen Sinn und es stellt sich auch kein Fluss ein, wie das bei Gedichten üblich ist (fünffüßiger Jambus und so, ihr wisst schon). Es kommt einfach nichts rüber von dem, was die Liedstelle ausmacht. Die Kunst bei Hip-Hop besteht ja gerade darin, seinen eigenen (mehr oder weniger ausgeprägten) Style über Beats zu flowen. Je unverwechselbarer, desto besser, aber auch desto weniger nachvollziehbarer aus der reinen Transkription.

Also komme ich zu dem Schluss, dass es verboten gehört, Hip-Hop-Texte losgelöst von Flow und Beat zu betrachten bzw. zu zitieren. Problem: Ohne Urheberrechte zu missachten bzw. sich auf ein rechtliches Minenfeld zu begeben, kann man so leider gar keinen Hip-Hop zitieren. Wird sicher einige meiner Leser hoch erfreuen, ich finds schade.


Ist Dynamite Deluxe die Erlösung?

17 02 2008

Freunde des gepflegten Hip-Hop-Konsums hatten es schwer in den letzten Jahren, nachdem die ganze Berlin-Style Aggro-Scheiße den Markt überschwemmt hat und seitdem die deutsche Hip-Hop-Kultur dominiert. Wo sind all die guten Leute hin? Nur ab und an tröpfelt mal ein brauchbares Album aus Hamburg (oder von wo auch immer) in mein Ohr. 2006, als alles schon verloren schien, kam Dendemann mit seiner Rettungsplatte, danach war wieder weitgehend Funkstille mit gutem deutschem Hip-Hop (Studentenrap). Selbst was Samy Deluxe in den letzten Jahren rausgehauen hat, hatte nichts mehr mit dem zu tun, was noch 2001 alles gerockt hat. Umso erfreuter war ich über die neue Dynamite Deluxe Platte mit dem schönen Namen TNT. Die Rettung 2008? Ein neuer Lichtblick?

Ja. Einige Tracks sind phänomenal! Krasseste Beats und fetter Flow am Start. Ja, so kann Hip-Hop aussehen. Klar, dass nicht alle Tracks die Offenbarung sein können; aber die Platte ist im Ganzen gut hörbar mit etlichen Highlights und ohne Totalausfälle, natürlich nur mit viel Bass und laut. Sehr schön im Song "Komma Klar":

dachte gerade heute wird noch son gemütlicher Abend
dann fängst du plötzlich an mich nach all diesen Typen zu fragen
und du fragst mich nach Azad oder Bushido
oder nach Savas oder nach Sido
sagst all die Rapper hier sind dir zu Gangsta
was soll ich sagen hol doch die Kripo

Lesen kann man das gar nicht, den Flow muss man einfach hören. Also hört mal rein, wenn ihr so fühlt wie ich und euch dieser Gangsta-Arschficker-Shit ebenso Tränen in die Augen treibt. Der Sound auf der TNT ist jedenfalls definitiv der Lichtblick des Jahres und lässt mich wieder Hoffnung auf mehr guten Hip-Hop schöpfen.

P.S.: Ich hab gehört, bei Youtube kann man echt ne ganze Menge Lieder schon mal anhören ("Newcomer des Jahres" hören!), bevor man das Album gekauft hat. Aus dem Track "Dynamit":

tu mir den gefallen und kauft die LP
oder klaut die LP
rippt oder brennt oder downloaded sie!

Sehr schön. Gute Musik muss natürlich gekauft sein. Die Dendemann-Platte war übrigens damals meine erste gekaufte Download-Platte. Doof eigentlich, denn solche Ausnahmeplatten muss man im Regal stehen haben, genau wie die "Neo Now", das "Deluxe Soundsystem", die "4 gewinnt" und ein paar andere Schätzchen.


Lustiges für zwischendurch

28 11 2007

So, im Vorbeigehen mal zwei lustige Einwürfe:

Die Musikindustrie mit dem Stinkefinger. Das ist wenigstens mal ehrlich.

Aufgepasst Pornofreunde: Die mit dem roten Halsband. Geistert gerade durchs Netz und die Electro/House-Musik-Szene. Siehe auch bei Youtube.


Piratenpartei - eine Alternative?

21 09 2007

Erst einmal sorry für die blöde Überschrift, aber ich muss auch an Google denken.

Durch ein sehr interessantes Interview mit Jens Seipenbusch, dem Bundesvorsitzenden der Piratenpartei, beim elektrischen Reporter bin ich auf eben diese Partei noch einmal aufmerksam geworden.

Warum? Schaut Euch das Interview einmal an und lest zur Vertiefung das Grundsatzprogramm der Piratenpartei (übersichtliche 8 Seiten). Zitat aus der Präambel:

Informationelle Selbstbestimmung, freier Zugang zu Wissen und Kultur und die Wahrung der Privatsphäre sind die Grundpfeiler der zukünftigen Informationsgesellschaft. Nur auf ihrer Basis kann eine demokratische, sozial gerechte, freiheitlich selbstbestimmte, globale Ordnung entstehen.

Die Piratenpartei versteht sich daher als Teil einer weltweiten Bewegung, die diese Ordnung zum Vorteil aller mitgestalten will.

Es geht um die Frage nach Urheberrechten, Datenschutz i.w.S., Patentwesen, Open-Access in der Wissenschaft, staatliche Transparenz und ein paar damit verbundene Schauplätze. Alle diese Themen liegen mir besonders am Herzen und ich gehe in beinahe allen Punkten mit den Inhalten der Piratenpartei konform. Außer…

Ja, der Name ist scheiße. Scheiße in dem Sinne, dass man mit dem Namen Schwierigkeiten hat, ernst genommen zu werden. So gut und sinnvoll die Forderungen und Grundsätze auch sind, mit dem Namen kann ich mich nicht identifizieren. Ein lustiger und plakativer Name ist an sich immer gut, aber die Themen sind mir zu wichtig, als dass ich dabei Spaß verstehen würde.

Trotz des Namens bin ich der Überzeugung, dass diese Partei wenigstens einen Blick wert ist. Ich spiele sogar mit dem Gedanken, Mitglied zu werden. Genau so wie ich mit dem Gedanken spiele, auf die morgige Demo gegen die Vorratsdatenspeicherung zu gehen (ich bin grade zufällig in Berlin). Ich in einer Partei? Ich auf einer Demo? Was geht denn hier? Wer mich kennt, weiß eigentlich um meine tiefe Abneigung gegen Demonstrationen aller Art und im Umfeld von Parteien und Politik hat man mich bisher auch nicht gesehen. Wenn ihr aber mal unten auf das Tag "Stasi 2.0" klickt dürfte klar werden, dass mir diese Themen am Herzen liegen und warum nicht mal politisch aktiv werden?

Apropos politisch aktiv. Da muss ich mal wieder total kotzen. Irgendwann war ich mal mit ein paar Leuten einer Kommunisten-Sekte essen und wurde prompt gefragt, ob ich auch "aktiv" wäre. Aktiv meint hier nicht etwa liberal gedachte politisch aktiv in irgendeiner Richtung, sondern ausschließlich kommunistisch. Ganz entschieden: NEIN, im Gegenteil! Wobei es schon schlimm genug ist, dass wie in der aktuellen Frage weitgehend einer Meinung sind.