Auf gar keinen Fall CSU wählen, egal was kommt

05 09 2008

Die Art und Weise, wie verbittert sich prominente CSU-Politiker populistischst in die Kern- und Randprobleme unserer Zeit verbeißen, ist wirklich nur noch abstoßend, ja ekelhaft gar. Super Beispiel: Killerspiele. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann versteift sich derart blind in das Thema, dass er sogar den Joker Kinderpornographie spielt. Mir ist dabei völlig schleierhaft, wie man Killerspiele und Kinderpornographie in einen Atemzug bekommen kann, nicht zu vergessen auch die direkt nachgeschobene Nazikarte. Ist der Mann einfach nur ignorant gegenüber den zahlreichen anderslautenden Forschungsergebnissen, ist er gar zu blöd für diese Welt und glaubt deswegen noch an seine Aussagen oder meint er, damit ein paar Wähler um sich scharen zu können und dafür ist ihm jedes Mittel recht?

Wie sollte man nun auf solche Verbitterung reagieren? Für mich disqualifiziert sich eine Partei voll und ganz, wo solche populistischen Dummheiten Programm sind – und zwar vollständig unabhängig von dem, was sonst so gesagt wird. Die PC-Games startet aus diesem Grund auch die Kampagne "Ich wähle keine Spielekiller" zur kommenden Bayern-Wahl. Gegen fragwürdige Regierungsentscheidungen muss sich offener Widerstand zeigen, nicht nur, aber letztlich eben auch an der Wahlurne. Der Deutsche Kulturrat nennt die Killerspiel-Äußerungen "bayerischer Running Gag" und in den Kommentaren bei Golem zur PC-Games Aktion findet sich der arg polemische, aber sehr passende Threadtitel "Killerspiele fördern gleichgeschlechtliche Liebe!!!". Ja, so sieht das aus.

Neben dieser unfassbar am Zeitgeist vorbeigehenden Killerspiel-Generationenkonflikt-Sache muss ich aber auch auf die anderen bahnbrechenden Errungenschaften der CSU/CDU-Politik hinweisen: Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung, Widerstand gegen die Homo-Ehe. Und um auch mal einen weitgehend aus der Luft gegriffenen Nazi-Vergleich zu bringen: Wer jetzt CDU/CSU wählt, macht sich die Finger genau so schmutzig, wie die Leute, die damals (meist ohne es zu realisieren) die NSDAP gewählt haben. Nachher rausreden wird da schwer.

Fazit: Benutzt den Wahl-o-maten, schließt die CSU aus, auch wenn der Wahl-o-mat diese als Ergebnis anzeigen sollte (hoffentlich nicht) und geht vor allem alle zur Wahl!

P.S. Kleiner Tipp an die vereinigten Populisten aller Länder: Aus dem Fenster lehnen sollte man sich nur bei Themen, über die man fundiert was zu sagen hat. Keineswegs fundiert ist es, etwas bei anderen zu verurteilen, was man selbst nicht erlebt hat und woran man nicht im geringsten beteiligt ist.

Nachtrag 29.09.2008: Hihi.


Krude Lobbylogik: Die GVU und das gewerbliche Ausmaß

03 09 2008

Gerade stolpere ich bei heise.de in einem Artikel über die Filmindustrie und die Verfolgung von Urheberrechtsverletzern über eine unfassbar krude Logik: Seit Anfang September ist ein neues Gesetz in Kraft, das Auskunftsansprüche der Urheber gegenüber Providern bei Urheberrechtsverletzungen "in gewerblichem Ausmaß" zulässt. Diese Grenze wurde absichtlich zur Wahrung der Verhältnismäßigkeit gezogen, ist aber recht unpräzise formuliert. Die Rechtssprechung muss also nun diese Grenze konkretisieren. Jetzt kommt die krude Logik der GVU ins Spiel:

Es werde zudem noch Jahre dauern, bis gerichtlich geklärt sei, was unter der Anforderung des "gewerblichen Ausmaßes" eines Rechtsverstoßes zu verstehen sei. Auch wer Geld mit illegalen Downloads spare, falle nach Ansicht der GVU in diese Kategorie.

Also faktisch alle. Mir fällt zumindest spontan kein praxisrelevanter illegaler Download ein, bei dem man nicht Geld ggü. dem legalen Erwerb sparen würde. Die GVU redet sich also eine Rechtslage herbei, die vom Gesetzgeber in voller Absicht und ausdrücklich gerade nicht vorgesehen ist. Das ganze wäre glatt lustig, wenn es nicht real wäre.

Nachtrag 05.09.2008: Das ging ja mal schnell, das erste Gericht folgt der Argumentation und sieht schon bei einem Album ein gewerbliches Ausmaß. Neben der im verlinkten Artikel erwähnten Problematik in der Gerichtspraxis stellt sich mir eine viel spannendere Frage: Wenn ein Album schon gewerbliches Ausmaß ist, was ist dann ein nicht gewerbliches Ausmaß? Ein einzelnes Lied? Und wenn ein Album schon gewerblich ist, sind dann zehn Alben eine schwere Straftat und ermöglichen den Zugriff auf Daten der Vorratsdatenspeicherung? Und ich dachte immer, gewerblich hat was mit regelmäßig und nachhaltig auf Gewinn ausgerichtet zu tun, aber das ist wohl ein anderes gewerblich. Ich glaube, ich melde lieber vorsichtshalber das durch illegale Downloads gesparte Geld am Jahresende dem Finanzamt, mal meinen Steuerberater fragen… Na gut, das war jetzt polemisch, also vergesst das.

Nachtrag 06.09.2008: Heise hat inzwischen auch Infos zu der Sache.


Makler Wut

18 07 2008

Nachtrag 21.07.2008: Man beachte die aufschlussreichen Kommentare von "derherold", Beitrag grob überarbeitet.

Was denken sich eigentlich diese miesen Maklerkapitalistenschweineunprofessionellen Wald und Wiesen Makler dabei, 2,38 Monatsmieten Courtage einzusacken für eine Wohnung, von der sie wenn es hoch kommt zwei miese und verwackelte Handyfotos einstellen? Wenn denn wenigstens die Beschreibung aussagekräftig wäre… Und was ist aus der schönen Angewohnheit geworden, einen Grundriss oder wenigstens aussagekräftige Fotos von allen Räumen zu schießen? Was ist eigentlich der Job eines Maklers, wenn nicht genau das? Da lobe ich mir manche Eigentümer und auch Wohnungsbaugesellschaften, die attraktive und manchmal sogar aussagekräftige Bilder einstellen, gelegentlich sogar einen Grundriss und die genaue Adresse angeben und die Wohnung sinnvoll beschreiben – ohne Courtage natürlich. Nachtrag: Aus dem Düsseldorfer Wohnungsmarkt scheinen sich die meisten professionell arbeitenden Maklerunternehmen verabschiedet zu haben, das würde einiges erklären, (siehe Kommentar #3).

Apropos Adresse: Da sind Wohnungen im Immobilienscout drin, da steht als genaueste Ortsangabe Oberbilk, Uninähe. Reife Leistung, das sind ja nur 4,38 Quadratkilometer und uninah würde ich Oberbilk nicht unbedingt nennen. In dem Fall war die Wohnung am Oberbilker Markt und damit über 3km Luftlinie und fast 5km mit dem Auto von der Uni entfernt. Was soll das? Da hilft es normalerweise auch nicht mehr, auf den Bildern die Nachbarhäuser oder besondere Merkmale zu identifizieren und mit Google-Earth detektivisch zu schen. So mache ich das nämlich meistens, wenn nur eine (lange) Straße angegeben ist.

Überhaupt ist die Qualität der Wohnungsanzeigen erschreckend schlecht. Die meisten Wohnungen werden so unattraktiv beschrieben und bebildert, dass man direkt weiterklicken möchte. Schön sind auch Außenbilder von runtergekommenen Fassaden oder Bildnisse von 6qm weißer Wandfläche plus ein halbes Fenster in irgendeiner Zimmerecke – als jeweils einzige Bilder natürlich, nicht als verunglückte Zusatzinformationen. Wo ist das Problem ganz herauszuzoomen und sich in die andere Zimmerecke zu stellen? Und was spricht dagegen, wenigstens irgendetwas zur Wohnung selbst zu sagen? Manche beschreiben immerhin wortreich den Stadtteil, das bringt einen als Ortsansässigen zwar nicht weiter, ist aber mehr als lediglich ein lapidares Weitere Informationen erhalten Sie unter HANDYNUMMER werktags zwischen 09:00 und 12:00 Uhr. Muss man Wohnungen nicht erst vermitteln, bevor man die Provision einstreicht? Ach ich könnte mich noch Stunden weiter aufregen. Über dreist teure Bruchbuden in schlechter bis mieser Lage zum Beispiel, mit denen vor allem die Immoscout-Konkurrenten geflutet sind (bzw. können die diese Flut mit nur wenigen bis keinen guten Angeboten kompensieren).

Oder bin ich da zu anspruchsvoll?


FSF fasst gute Gründe gegen das iPhone zusammen

14 07 2008

Vorbemerkung: Kauft Euch so viele iPhones wie ihr wollt. Macht von mir aus 10 mal einen Vertrag mit der Telekom oder hackt Euch durch die Welt. Werdet glücklich und lasst Euch dieses Glück nicht ausreden.

Ich habe kein iPhone, das hat verschiedene Gründe. Ich will auch kein iPhone, denn die Firmenpolitik dahinter macht mich krank, was ich aber nie wirklich prägnant in Worte fassen konnte. Das hat die FSF jetzt übernommen. 5 reasons to avoid iPhone 3G:

  • iPhone completely blocks free software. Developers must pay a tax to Apple, who becomes the sole authority over what can and can't be on everyone's phones.
  • iPhone endorses and supports Digital Restrictions Management (DRM) technology.
  • iPhone exposes your whereabouts and provides ways for others to track you without your knowledge.
  • iPhone won't play patent- and DRM-free formats like Ogg Vorbis and Theora.
  • iPhone is not the only option. There are better alternatives on the horizon that respect your freedom, don't spy on you, play free media formats, and let you use free software -- like the FreeRunner.

Ja, da sind (vielleicht) bessere Alternativen am Horizont. Aber momentan ist das iPhone immer noch ziemlich alleine auf der slick-bedienen-Bühne. Was für ein Licht wirft das auf die Handyhersteller, dass erst ein branchenfremder Hersteller kommen muss, um im Vorbeigehen fast alles zu beheben, was an Handys bisher genervt hat? Dass Apple im Gegenzug neue Nervigkeiten mitgebracht hat, die vorher ganz selbstverständlich nicht integraler Bestandteil von Handys waren, ist natürlich schade. Aber dennoch sieht man, dass es noch ein Jahr nach Veröffentlichung des ersten iPhones kein etablierter Handyhersteller geschafft hat, etwas auch nur im Ansatz ebenso gut bedienbares an den Start zu bekommen. Dass Handys schlechter waren als nötig hat einem ja schon lange gedämmert, aber dass die Hersteller offenbar durchweg derart in die falsche Richtung gedacht haben, ist ein Armutszeugnis. Ganz besonders Nokia mit ihrem S60-Mist ist hier zu nennen. Beispiel: Schnappt Euch mal ein aktuelles Nokia-Telefon und surft mit dem eingebauten Browser (ohne Touchscreen natürlich, denn Touchscreens findet Nokia doof). Und dann nehmt ein iPhone zur Hand und macht das gleiche noch mal. Beide Browser nutzen WebKit als Rendering Engine, arbeiten also weitgehend korrekt. Nur ist der eine träge, ruckelig und eine Bedienungs-Zumutung und der andere hangelt sich so leichtfüßig, weich und selbstverständlich durch das Web, dass man sich nur freuen kann. Davon abgesehen, dass die WLAN-Verwaltung bei Nokia ständig und immer mit Fragen präsent ist, statt einfach im Hintergrund zu funktionieren. Was soll das?

Zurück zum Thema. Dass Apple so sehr seine Finger auf dem iPhone hält hat zwei Effekte: Zum einen könnte es sein, dass die Programmqualität dadurch auf einem durchschnittlich höheren Niveau liegt. Möglich, aber nicht zwingend. Zum anderen aber kann Apple so missliebige Programme einfach verbieten, so wie das mit TomTom gerade passiert. TomTom hat angeblich eine Portierung seiner Software für das iPhone bereits in der Schublade, kann diese aber gegen Apples Willen nicht an den Markt bringen. Wenn ich sowas höre, kann ich der FSF nur zustimmen: Finger weg von so einem Sektensystem.

Als Ausnahme kann ein gehacktes iPhone gelten, aber ich für meinen Teil möchte meine Geräte erhobenen Hauptes nutzen können und nicht in die Halblegalität gedrängt werden, um sie so zu nutzen, wie ich das will. Von Garantiefragen mal ganz abgesehen und von der ewigen Bastelei bei Firmwareupdates und dem Damoklesschwert, dass Apple einen Weg findet (und finden möchte!), die Jailbreaks zu verhindern. Irgendwie ist ein gehacktes iPhone so wie verschämt irgendwo Gras kaufen müssen.

Und zum Schluss gebetsmühlenartig ein paar mehr Gründe, warum ich kein iPhone will: Kein Bluetooth-Stereo-Audio-Profil, keine Nutzungsmöglichkeit als UMTS-Modem (warum nur?), weltfremde Tarife und die Zwangsehe mit iTunes. Bitte fragt mich also nicht ständig, warum ich kein iPhone habe, wo ich doch der Typ dafür bin.

P.S. Es ist übrigens bemerkenswert wie Tiermama-gleich einige iPhone Besitzer ihr Baby verteidigen. Damit meine ich nicht ihr konkretes Gerät, sondern das Phänomen iPhone an sich. Schön, wenn die Einschränkungen für jemanden nicht relevant oder relevant genug sind. Aber das ist nun mal kein belastbarer Grund, die Einschränkungen allgemein wegdiskutieren zu können.


Der Grund für die dreisten iPhone Tarife

26 06 2008

Beim lesen der Kommentare zu Gerrit van Aakens iPhone Wunschtarif ist mir der Frage Antwort eingefallen: 42! Die Lösung hingegen zur Frage, warum in aller Welt T-Mobile einen breiteren Markterfolg des iPhone mit derart geisteskranken Tarifen zu verhindern weiß, muss etwas komplizierter lauten:

T-Mobile bekommt einfach nur wenige Geräte von Apple geliefert und wenn man eh nur 100.000 iPhones absetzen kann (limitierender Faktor), dreht man den Preis eben so weit rauf, bis man etwa auf diese 100.000 Verträge kommen wird. So spart man sich einerseits wütende Leerausgeher und maximiert gleichzeitig den Ertrag. So muss es einfach sein ;), denn bei T-Mobile hat man die Tarife mit Sicherheit durch 1001 MaFos abgesichert und mit dem daraus generierten Wissen im Hinterkopf würde man nicht ohne weiteren Grund so dreiste Tarife am Markt vorbei platzieren. Oder ist das gar nicht am Markt vorbei?

Vielleicht ist der Grund nämlich auch schlicht der, dass die ganzen Apple-Jünger mit ihrer Hirnerektion beim bloßen Gedanken an so ein hocherotisches Gerät jeden Preis bezahlen würden, und sei er noch so dreist (gute Nutten sind allemal teurer). Man kann dann so schöne Kurven malen und einen Preis am Schnittpunkt berechnen, bei dem man am meisten verdient. Und wenn der so hoch ausfällt, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass offenbar genug Idioten unterwegs sind, die solche weltfremden Tarife auch zu zahlen bereit sind. Manchem ist auch Geld in dieser Größenordnung schlicht egal. Pah, wen interessieren schon niedere vierstellige Beträge? Und diese Leute werden es durchaus begrüßen, dass nur jeder 1000ste Deutsche so ein Gerät mit sich herumträgt und zur Schau stellt. Da ich niemanden mit T-Mobile-iPhone-Vertrag kenne, aber einige mit iPhone ist es vielleicht inkl. Dunkelziffer auch nur jeder 500ste Deutsche. Wo kämen wir denn hin, wenn die Prepaid-Kiddies und die Studenten das gleiche Edel-Telefon hätten, wie anständige Leute?

Wir wollen ja bei alledem nicht vergessen, dass das iPhone ein reinrassiges Oberklasse-Produkt ist. Wer Oberklasse haben will, muss auch Oberklasse bezahlen. ABS und Airbags gabs auch zuerst in Autos, die sich kaum jemand leisten konnte. Wo also bleibt das Volks-iPhone?

P.S. Hoffentlich mahnen die Bild-Leute mich jetzt nicht ab, weil ich Volks-XY gesagt habe… Egal: Jehova, Jehova!

Nachtrag: Der 200MB Kommentar zu Gerrit van Aakens Wunschtarif war offenbar sinnlos und ist entfallen.


Die fehlenden Wii-Play Spiele

28 04 2008

Heute war bei schutzgeld.de eine Wii für 218€ drin, die natürlich sofort ausverkauft war. Aber schutzgeld.de wäre nicht schutzgeld.de, wenn sie nicht die Ware wunderschön beschrieben hätten. Dieses mal sogar mit zwei Videos, wovon eins die fehlenden Wii-Play Spiele zeigt. Sehenswert!


Hoffentlich ein letztes mal DRM

27 04 2008

Ich hab schon lange keine Lust mehr. Meine aufklärerische Arbeit (sichselbstwichtigmach) und die Arbeit vieler anderer zum Thema DRM hat ja offensichtlich gefruchtet: Das Thema DRM für Musikdownloads ist weitgehend durch. Spätestens wenn demnächst Amazon auch auf dem deutschen Markt am Start ist, wird DRM-Fesselmusik wie Steine in den virtuellen Regalen liegen. Gut so. Lasst Euch nicht verarschen!

Also kleiner Digest zu aktueller Presse: Die Musikindustrie hat einen offenen Brief an die Kanzlerin veröffentlicht, in dem sie rumheult und fordert, dass die Bundesregierung etwas tut. Ich frage mich, was sie denn noch tun sollen? Reicht Euch die aktuelle für die Konsumenten sehr unangenehme Lage noch nicht? René von Nerdcore hat alles, was dazu zu sagen ist, in eine offene Antwort verpackt. Ja genau. Was können die Konsumenten und die Regierung (die diese irgendwie schon noch vertritt) dafür, dass Euch Euer Geschäftsmodell wegbricht? Wollt ihr noch analog zum Kohlepfennig einen Musikpfennig haben? Das wär ja ne geile Idee! Da löst sich die Grundlage einer ganzen Industrie auf (was bei der Musik so einfach nicht stimmt), und der Staat muss Arbeitsplätze mit hohen Subventionen sichern. Kennt man ja.

Allein: Eure Probleme sind Hausgemacht. Die Kunden haben plötzlich das Zepter in der Hand. Und die Kunden wollen durchaus Musik und sie wollen auch durchaus dafür bezahlen, ehrlich! Die Welt ändert sich. Heult der Lebensmittel-Einzelhandel rum, dass der Trend zu Convenience-Produkten geht und kaum noch jemand einfach nur Mehl kauft oder die Brauereibranche, dass der Bierabsatz ins Bodenlose fällt? Nein, denn man kann sich auch als Industrie durchaus an veränderte Situationen anpassen: Kommt man bei Rewe rein, empfängt einen eine Convenience-Kühltruhe und im Bierregal stapeln sich zig verschiedene Biermixgetränke, denn die sind tierisch en vogue und verkaufen sich blendend.

Und was macht ihr? Statt den Konsumenten schon seit zehn Jahren Musik im bevorzugten MP3-Format zu verkaufen zu Preisen, die nicht über denen von CDs liegen (aus denen man sich übrigens ganz einfach und noch immer legal eigene MP3s machen kann), und zu Konditionen, die denen von Tauschbörsenmusik mindestens ebenbürtig sind. Sprich: Ein Album für 10 Euro ohne Fußfesseln. Im Spiegel-Online steht übrigens dieser Tage ein gut zusammengefasster Abgesang auf DRM: Microsoft lässt Playsforsure-Musik, die Kunden im msn Musicstore gekauft haben, einfach auslaufen. Ab Mitte des Jahres kann man diese Musik nicht mehr auf andere Rechner (etwa seinen eigenen neuen PC) umlizenzieren. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Nicht nur, dass man seine bezahlte Musik überhaupt umlizenzieren muss, wenn man sie auf seinen neuen Rechner kopiert. Nein, das reicht noch nicht: Man stellt diese Möglichkeit einfach ab und nimmt seinen Kunden die bezahlte Musik damit praktisch wieder weg. Nach maximal drei Jahren.

Zur Erinnerung: Selbstgerippte Musik zum gleichen Preis (inkl. CD) und kostenlos aus dem Netz kopierte Musik läuft ohne jedes Haltbarkeitsdatum einfach weiter, man ist also der Gefickte, weil man für Download-Musik bezahlt hat, obwohl man die gleiche Musik auch für lau aus dem Netz hätte ziehen können. Verkerhte Welt. Und dann heulen diese Leute unserer Bundesregierung die Ohren voll.

Mir ist das inzwischen gleichgültig: Ich habe schon lange meine Musikkäufe auf ein Minimum reduziert. Einer Branche, die so scheiße ist, gebe ich echt nur ungern irgendwelche Kohle. Gibt genug bessere Alternativen für mein beschränktes Medienbudget. Überhaupt: Wie vermessen ist das ganze eigentlich? Die Leute versenken ihr Medienbudget inzwischen schlicht woanders und die Musikindustrie will Schutz davor? Wie? Meinen die im ernst, die Leute kaufen wieder mehr Musik, wenn man rechtlich gegen sie vorgeht und das mit harten Bandagen? Ganz offensichtlich schmecken den Leuten die aktuellen Konditionen oder die Inhalte nicht mehr. Was macht man als Geschäftsmann: Man dreht genau daran. Naja, ist ja gut jetzt. Schönen Sonntag noch.


Apple Software Update drängt einem Software auf

22 03 2008

Für meine Arbeit muss ich Safari auf meinem Windows-Rechner installieren. Grundsätzlich mag ich Webkit ja, aber Safari ist unter Windows, genau wie iTunes und Quicktime, ein Fremdkörper, der sich weder an Konventionen zur Fenstergestaltung hält, noch an übliche Menüaufteilungen unter Windows. Wirklich unschön. Was mich aber zur Weißglut treibt ist das Apple Software Update, das Apple-Software auf dem neuesten Stand halten soll. Grundsätzlich halte ich das für absolut wichtig, aber nicht in der Form, wie Apple das macht: Man bekommt nämlich nicht nur Updates für die installierte Software vorgeschlagen, sondern auf wirklich aufdringliche Weise auch iTunes und Quicktime, die ich beide nicht haben will. Beide sind aber standardmäßig zur Installation ausgewählt und wenn man sie abwählt, erscheinen sie nach dem Safari-Update direkt wieder ausgewählt als noch ausstehende Updates. Eine absolute Unverschämtheit!

Das ganze funktioniert auch andersherum, wie man sich bei computerbase.de heute beschwert. Was soll das? Dieser Missbrauch der eigentlich wichtigen Update-Funktion bringt diese nur unnötig in Verruf, nicht nur die von Apple, sondern von jeder Software. Ich kenne genug Leute, die aus irgendeiner Paranoia oder aus Genervtheit heraus Updatefunktionen abschalten oder ignorieren. Ist ja auch sooooo lästig, seinem Firefox alle paar Wochen ein Update abzunicken und ihn dann irgendwann mal neu zu starten. Honks.

Andere Update-Funktionen sind nicht so klug wie die von Mozilla. Bei Skype zum Beispiel muss man immer das komplette (über 20MB große) Installationspaket saugen und installieren, ebenso bei Opera und vielen anderen Programmen. Unschön, aber in dem Fall nicht völlig unkomfortabel. Den Vogel schießt aber OpenOffice.org ab, das einen auf die ganz normale Download-Seite verweist, das über 70MB große Paket laden und komplett neu installieren lässt; inkl. Lizenzvertrag abnicken und neuem Programmordner bei Versionssprüngen. Das ist wirklich die denkbar unkomfortabelste Update-Funktion überhaupt.


Whiteboard-Magnettafel mit Permanent-Marker

01 03 2008
Ausschnitt aus der Anleitung

*boing* Gestern habe ich bei Penny eine Magnettafel mit Whiteboard gekauft. Mitgeliefert wird ein Marker, der mit Wischkissen und Magnet ausgestattet ist. Wie ich mit Schrecken feststellen musste allerdings auch mit einer Permanent-Marker-Tintenfüllung. Sehr witzig! Immerhin ließ sich das Zeug mit Nagellack-Entferner leicht wieder entfernen. Bin mal gespannt, wie viele von den Boards wieder zurückgegeben werden…

Apropos Penny: Penny stellt jetzt deutschlandweit auf "Grünstrom" um. Interessant, dass Ökostrom inzwischen so einen Marketing-Wert besitzt und so trendy ist. Und auch intersssant, dass Penny nicht von Ökostrom spricht, sondern konsequent von Grünstrom, also durch Zertifikate erkauften Öko-Faktor. Das ist ehrlich und sollte sich durchsetzen, dann müsste ich nicht immer von richtigem und nicht richtigem Ökostrom sprechen. So oder so, ich heiße diesen Vorstoß gut. Denn 98% Wasserkraft, 1% Biomasse und 1% Windenergie wirken zwar irgendwie feigenblättrich, aber das ist allemal ein guter Ansatz.


Freiberufler-Honorardumping

24 01 2008

Am Montag wurde ich gefragt, ob ich bei einem aus dem Zeitplan zu rutschen drohenden Webprojekt als freier Entwickler aushelfen möchte. Ohne zu persönlich zu werden: Der Mensch, der sich hauptsächlich um dieses Projekt kümmert, steht mir sehr nah und da lasse ich mich nicht lange bitten. Am Dienstag hatte ich aber einen (gut bezahlten) Termin in der FH, so dass ich erst gestern in die Nachbarstadt aufbrechen konnte. Das Gespräch mit dem Auftraggeber hat mich allerdings verstört hinterlassen:

Der Mann hörte sich meine Ausbildung und meinen Werdegang an und schrieb Stichpunkte aus dem Gespräch offen sichtbar auf einen Zettel, natürlich primär die Punkte, die mir eine hervorstechende Qualifikation für diese Aufgabe absprechen (ich hatte btw. auch nie behauptet, für diese Aufgabe besonders geeignet zu sein). Hinterher warf er einen bedächtigen Blick auf den Zettel und nannte mir ein Stundenhonorar, das er mir zahlen könnte. Ich konnte es kaum fassen, aber der Mann hat mir allen Ernstes 12,50€ pro Stunde angeboten. Aus Fairnessgründen könnte er mir nicht mehr geben als seinen Festangestellten und er würde meine Leistung ja nicht kennen und so. Ich war sprachlos und sagte freundlich, aber entschieden ab. Als ich später im Auto war, rief er noch mal an und bot mir als totaaaal superduper Entgegenkommen 20€ pro Stunde an. Netter Versuch, aber:

  • Nach zweieinhalb Jahren in meinem massiv unterbezahlten HiWi-Job habe ich mir geschworen, meine Leistung nie wieder weit unter Wert zu verkaufen.
  • Fairness? Wenn er seinen Angestellten 12,50€ pro Stunde bezahlt ist das schon unverschämt wenig für die geleistete hochwertige Webentwicklungsarbeit. Mit Nebenkosten und allem Pipapo (Löhne auch ohne Aufträge zahlen müssen etc.) muss er für seine Angestellten weit über 20€ pro Stunde kalkulieren und fährt damit noch billig in dem Segment. Einem Freiberufler 12,50€ anzubieten ist also eine pure Unverschämtheit, muss er doch keinerlei Neben- oder sonstige Kosten kalkulieren, ich hätte sogar mein eigenes Notebook mitbringen müssen. Wenn sich der gute Mann das unter Fairness vorstellt, dann möchte ich ganz sicher nicht für ihn arbeiten.
  • Meine vorläufige Honorarkalkulation als Freiberufler lässt Aufträge unter 30€ pro Stunde nicht lohnend zu, und auch nur bei längeren Aufträgen von jeweils mehr als 4 Stunden am Stück. Üblicherweise stelle ich um die 50€ in Rechnung, um gut von meiner Arbeit leben zu können und noch etwas Luft für immer Anfallende Mehrarbeit zu haben (je nach Umständen passe ich den Preis auch mal an). Wenn ich mich zwei Wochen für 20 oder gar 12,50€ pro Stunde binde, muss ich die ganze Woche arbeiten und muss Aufträge zu meinem üblichen Stundensatz dafür ablehnen. Das bedeutet, dass ich auch zwei statt fünf Tage arbeiten könnte für das gleiche Geld und die restlichen drei Tage meinen eigenen Projekten nachgehen, rumhängen, mich weiterbilden oder schlicht mehr verdienen.
  • Auch wenn der Kerl mir nachträglich 30€, für die ich anfangs zugesagt hätte, bieten würde, würde ich absagen. Warum? Wer so dreist und schmierig versucht (unerfahrene) Freiberufler abzukochen, der soll mit seinen Projekten untergehen. Solch eine Bezahlung für freie Mitarbeiter bedeutet netto nämlich ggf. noch weniger, als die 5,58€ pro Stunde, die man als HiWi an einer NRW-FH bekommt.
  • Ach ja, die Fahrt mit dem Auto zu dem Laden und zurück kostet mich etwa zehn Euro allein an Benzin und pro Stunde fallen auch noch 2€ Parkgebühren an, bei Kostenumlage auf 8 Stunden pro Tag rutsche ich so bei 12,50€ weit unter 10€ pro Stunde und habe davon weder Steuern, (Kranken-, Renten-, Sozial- etc.) Versicherungen noch sonst irgendwas bezahlt. Vor dem Hintergrund wird vielleicht klarer, wieso ich so einen langen Beitrag darüber schreibe und so empört über diesen dreisten Versuch von Honorardumping bin. Frisören und Angestellten in all den anderen Billiglohn-Berufsgruppen mag das wie Jammern auf hohem Niveau vorkommen, aber in meiner Branche sind das unvorstellbar kleine Honorare. Und ich reite noch nicht einmal auf meinem abgeschlossenen Studium rum, was sich bei einer Festanstellung in einer größeren Hierarchie meistens deutlich in der Höhe des Monatsgehalts niederschlägt (übrigens in meinen Augen nicht immer zu Recht).

Zur Erinnerung: Es handelt sich bei der Aufgabe um eine kurzfristige (sofort), zeitkritische (Deadlines) und zeitintensive (viel zu tun) Arbeit, für die ich gewöhnlich einen Zeitdruck-Aufschlag kalkuliere. An meiner Honorar-Untergrenze zu arbeiten wäre ein Entgegenkommen meinerseits gewesen. Jetzt bin ich echt froh, dass ich diesen Auftrag abgelehnt habe. Das ist gar nicht so leicht für mich, zumal ich den Projektverantwortlichen jetzt hängen lasse. Aber ich kann ihm nur empfehlen, sich nicht zu diesem Dumpinglohn ausbeuten unterbezahlen zu lassen, sofern er denn wirklich nur diese 12,50€ pro Stunde bekommt und der Typ mich diesbezüglich nicht verarscht hat. Seine hochkomplexe und hochwertige Programmierarbeit (soweit ich das beurteilen kann) ist deutlich mehr wert als so ein lächerliches Taschengeld.