Flattr ist keine Lösung für alles, aber gerade deswegen so schön

19 05 2010

Als ich den Vortrag von Peter Sunde auf der re:publica 2010 (Mitschnitt auf YouTube) gesehen habe, war ich sofort geflasht. Peter redete erst mal ein paar Minuten locker flockig über die Vergangenheit von Pirate-Bay, dass es einem Warm ums Herz werden konnte. Wenn etwas Punk ist, dann das. Dann wechselte das Thema zum neuen Projekt der Schweden: Flattr ist eine Art Micropayment-Dienst, dessen Idee so simpel wie genial ist. Oder sollte man kongenial sagen? Denn ähnliche bis sehr ähnliche Ideen gibt es auch anderswo, etwa bei Kachingle. Wie auch immer, der Einführungsfilm auf der Flattr-Homepage sagt in zwei Minuten eigentlich alles, was man wissen muss, also schnell mal anschauen:

Inzwischen habe auch ich meine Invite-Codes bekommen und habe einen Flattr-Button in meinem Blog. Wer mir also seine Wertschätzung zeigen möchte, kann dies nun auch via Flattr tun. Da sind wir auch schon beim Knackpunkt: Ich erwarte keine nennenswerten Einnahmen auf diesem Kanal, aber das ist auch gar nicht das, wofür Flattr gedacht ist. Für mich ist Flattr eine lang vermisste Möglichkeit, guten Inhalten im Netz meine Wertschätzung auch finanziell zu zeigen. PayPal Spendenbuttons haben das Problem, dass man den angemessenen Betrag bestimmen muss. Man will weder knausrig sein, noch 100€ im Monat an Spenden raushauen, also spendet man nur sehr selten für etwas. Ich habe zuletzt 25$ an Brian Dunning von Skeptoid gespendet, nachdem ich etwa 150 der 200 Episoden geradezu verschlungen habe. Solche Spenden sind aber eher die Ausnahme denn die Regel, wo nun Flattr ins Spiel kommt. Flattr löst das Problem, indem es die Sache einfach umdreht: Ich lege monatlich fest, wieviel ich insgesamt spenden möchte und alle Klicks auf irgendwelche Flattr-Buttons im Netz bekommen einen gleichen Anteil an dieser Summe. Die Flatrate-idee ist großartig, denn so sitzt mein Spendenfinger sehr locker. Jeder gute Text (und davon gibt es viele im Netz) bekommt so eine kleine Wertschätzung von mir. Damit wird niemand reich, aber die Geste zählt; es ist wie das Bier, das man jemandem ausgibt. Genau darauf habe ich gewartet.

Großartig wäre natürlich, wenn man seine Things I have flattred per RSS abrufen und in seinen Lifestream packen könnte, so als Premium-Empfehlungen. Großartig wäre auch, wenn die Kohle automatisch abgebucht würde und man nicht jeden Monat wieder manuell Geld überweisen müsste. Aber Flattr steckt noch in der Beta-Phase und dafür funktioniert es schon ganz prächtig.

Und weil ich das Wort Großartig noch nicht oft genug benutzt habe, hier noch einmal: Das großartige an Flattr ist gerade, dass man damit nicht reich wird, sondern auf einfachstmögliche Art ein paar Kröten verteilen kann. Auf der anderen Seite ist so ein Flattr-Button keine Anmaßung, eine wunderschön unaufdringliche Art, Besuchern eine kleine Wertschätzungsäußerungsmöglichkeit zu bieten. Eben keine Universallösung. Genau deswegen wird es erfolgreich sein.

P.S. Hatte nicht Facebook sowas schon seit Ewigkeiten in der Pipeline? Was ist daraus eigentlich geworden?


Wie man Short-URLs und so verüberflüssigen kann

27 07 2009

Der Microblogging-Server laconi.ca kann jetzt auch Dateianhänge. Das ist nett und macht Twitpic und Co. langfristig überflüssig. Dateiuploads funktionieren sehr simpel: Man lädt eine Datei hoch, der Dienst generiert dazu eine Short-URL mit is.gd. und fügt diese am Ende des Dents ein. Das wars. Dabei hätte man es wahrscheinlich so viel besser machen können.

Im Prinzip ist das Problem mit Dateianhängen das gleiche, wie mit URLs allgemein und verschiedenen anderen Sachen: Sie sind im Grunde Metainformationen zur Nachricht selbst und kollidieren mit dem 140 Zeichen Reintext-Limit beim Microblogging. Das ist etwas unfair, denn URLs sind mitunter sehr lang, gelegentlich sogar länger als 140 Zeichen. Abhilfe schaffen die vielen Short-URL Dienste, aber nun weiß man zum einen nicht mehr, was sich hinter einem solchen Link verbirgt (wie bei dem hier), zum anderen können Dienste schließen und alle darüber generierten URLs würden unbrauchbar werden. Oder aber URLs werden nach einiger Zeit recycelt, was noch schlimmer ist, denn nun zeigt mein Link auf eine völlig andere Seite. Short-URLs sind also scheiße und zu vermeiden, wo es nur geht. Doch wie? Im Folgenden ein paar Lösungsansätze zum Thema.

Wie wäre es, wenn Twitter (stellvertretend für alle Microblogging-Dienste gemeint), eine URL pro Nachricht als Metaangabe erlaubt. Die einfachste Möglichkeit dazu wäre es, von URLs nur ein Zeichen bei der 140-Zeichen Limitierung zu berücksichtigen. Das hätte aber gleich zwei gravierende Seiteneffekte: Erstens bricht man die API, denn viele Dienste erwarten nur 140 Zeichen und würden die Nachricht deswegen einfach abschneiden. Zweitens würde sich schnell die Unart etablieren, ganze Sätze in nicht existierenden URLs zu formulieren und so das Limit zu umgehen. Diese Möglichkeit kommt also keinesfalls infrage.

Eine erste echte Möglichkeit wäre es, wenn Twitter von jeder Short-URL beim entgegennehmen des Tweets das Ziel auslesen würde und dieses Ziel zur Verlinkung (oder als Title-Attribut) in der geparsten Nachricht benutzen würde. In der Textversion (über die API) würde dann aber immer noch alleine die Short-URL stehen, Twitter-Clients, die diese selber parsen, bekämen also davon nichts mit. Zudem werden die URL-Shortener das gar nicht mögen, werden sie so doch brutal übergangen. Das grundsätzliche Problem bliebe bei der Lösung außerdem bestehen: Die Short-URL ist immer noch da, wird archiviert und man ist weiterhin dem URL-Shortener ausgeliefert. Vorteilhaft wäre, dass Twitter das Verfahren sofort einführen könnte und die volle Kontrolle darüber hätte. Sprich: User könnten das Verhalten konfigurieren, wenn sie es nicht mögen und Twitter kann sich aussuchen, bei welchen URL-Shortenern sie das Verfahren anwenden. Denkbar wäre auch, dass Twitter einen eigenen URL-Shortener Dienst anbietet, der das Verfahren implementiert.

Meine eigentliche Idee ist aber Folgende: Twitter erweitert seine API um ein Feld für eine URL (mit max 255 Zeichen). Das Webinterface und Twitter-Clients, die das Verfahren implementiert haben, bieten ein extra Eingabefeld für diese URL und fügen (zumindest übergangsweise) automatisch eine Short-URL dazu in die Nachricht ein. Diese Short-URL wird zweckmäßigerweise von einem dem Dienst angeschlossenen Service bereitgestellt und sollte garantiert so lange leben, wie es den Dienst gibt. Ältere Clients schicken eine normale Short-URL in der Nachricht und Twitter parst diese (bzw. die erste, wenn es mehrere gibt) und füllt die eigentliche URL in das Extrafeld ein. Als einzigen Nachteil des Verfahrens sehe ich, dass durch die Erweiterung der API das Verfahren nicht sofort in voller Schönheit in allen Clients zum Vorschein kommt. Dass so nur eine solche URL pro Nachricht möglich ist, sehe ich angesichts des 140 Zeichen Limits als durchaus konsequent und nicht als Nachteil an. Langfristig sehe ich aber große Vorteile in dem Verfahren: Es ist voll abwärtskompatibel, bringt aber neue Möglichkeiten mit. Können genug Twitter-Clients mit diesen URLs angemessen umgehen, kann man auf das Einfgen einer zusätzlichen Short-URL verzichten und hat die vollen 140 Zeichen für seine Nachricht zur Verfügung. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Clients selbst entscheiden können, wie sie mit URLs umgehen wollen.

Ich halte das für eine saubere Lösung für das leidige Short-URL Problem, aber eben auch für andere Metadaten. Dateianhänge könnten auf die gleiche Weise implementiert werden, intern macht laconi.ca/identi.ca das offenbar ja schon so. Nur hapert es eben an der Anbindung nach Außen. Ebenfalls abgefrühstückt werden könnte dann endlich auch mal eine sinnvolle und nicht störende Geokodierung von Beiträgen. Momentan behilft man sich mit Krücken wie L:Düsseldorf, was für "Location Düsseldorf" steht, oder der sehr hässlichen Einbindung von Geokoordinaten direkt in den Nachrichtentext. Ein Metafeld für Geoinformationen würde hingegen niemanden stören, eine verlässliche Einbindung von Kartendiensten in geofähigen Clients erlauben und so schöne Geschichten wie Live-Twitter-Maps ermöglichen. Flickr hat das so schön vorgemacht.

Mancher mag jetzt einwenden, dass gerade die Einfachheit von Twitter mit dem einen Eingabefeld seinen Charme ausmacht. Dem halte ich entgegen, dass drei kleine Knöpfchen neben dem Eingabefeld für diese Metainformationen der Einfachheit keinen Abbruch tun würden, die vielen Twitter Poweruser hätten aner eine schöne Möglichkeit, ihre Tweets sauber zu halten. Kein Anfänger auf der Suche nach Einfachheit versteht Tweets, wo alles irgendwie verlinkt ist mit #Tags, !Gruppen, L:Orten, http://sho.rt/urls, RTs und @namensnennungen. Da kann man doch beim besten Willen nicht mehr von Einfachheit sprechen und eine Metaangabe für Reply-Tos gibt es schon immer und jeder weiß die zu schätzen.

Meine Forderung an Twitter und identi.ca lautet also: Erweitert Eure API um Felder für eine URL, Geokoordinaten und ggf. einen Dateianhang. Die Leute benutzen diese Sachen tagtäglich und nutzen dafür teilweise ärgerliche Krücken. Schluss damit!

Ich selber werde bei Gelegenheit meine PHP-Twitter-API derart erweitern, dass sie eingehende Short-URLs auflöst und ersetzt (und das Ergebnis cached). Profitieren wird davon mein Lifestream und die Microblog-Anzeige in der Sidebar vom Blog.

Nachtrag 24.08.2009: Inzwischen hat Twitter eine Erweiterung um Geokoordinaten zu jedem Tweet angekündigt, was gut ist. Was aber schlimmer als gedacht ist: Twitter kürzt automatisch und unabschaltbar alle URLs mit mehr als 30 Zeichen mit bit.ly. Ich hasse das, denn wenn ich von meinen 140 Zeichen 60 für eine URL opfere, dann hat das seinen Grund. Hoffentlich ändert sich das irgendwann mal wieder.


Die deutschen Copycats

02 12 2008

Manchmal kann ich es echt nicht mehr hören das undifferenzierte Gejammer über die german copycats, die ja alle so ultra innovativen US Web 2.0 Dienste einfach 1:1 für den deutschen Markt übersetzen. Arme Amis… Wenn man es etwas differenzierter betrachtet, wird man allerdings mehrere Dinge feststellen:

Zum einen wird man tatsächlich etliche Dienste finden, die mehr oder weniger 1:1 von US-Vorbildern geklaut sind. Aber: Das ist keine besondere deutsche Spezialität, sondern passiert weltweit täglich im Netz (man denke nur an die bestimmt inzwischen dreistellige Anzahl von Twitter-Klonen). Dass das möglicherweise auf dem deutschen Markt häufiger vorkommt, also anderswo (ist das tatsächlich so?), hat für mich einen ganz simplen Grund: Der deutsche Markt ist ein vergleichsweise großer Markt und lokalisierte ausländische Inhalte haben hier Tradition (ich denke hier an Filme und Serien, die durchweg synchronisiert werden). Wenn ein erfolgreicher und innovativer englischsprachiger Dienst keine lokalisierte Fassung für diesen Markt anbietet, macht es eben jemand anderes. Bestes Beispiel: Facebook und StudiVZ. Für Facebook war der deutsche Markt erklärtermaßen mit eher geringer Priorität versehen, also musste zwangsläufig jemand kommen und die zweifelsohne sehr zeitgeistige Idee adaptieren. Das ist nicht fies, dreckig und gemein, sondern eine logische Konsequenz des links liegen lassens eines vielversprechenden Marktes. Wer auf die Mitarbeit seiner Nutzer angewiesen ist, sollte besser deren Sprache sprechen und deren Gepflogenheiten ernst nehmen, sonst macht es jemand anderes. Ob die Oberfläche und Funktionalität hingegen dertart platt abgeguckt werden muss, ist eine andere Frage und da verstehe ich jede Beschwerde. Wenn ich mir allerdings Facebook und StudiVZ jetzt so anschaue, kann ich so viel Ähnlichkeit gar nicht mehr erkennen. Bei den meisten (zumeist englischsprachigen) Twitter-Klonen ist die Ähnlichkeit jedenfalls viel größer.

Eine andere Gruppe sind sehr sehr naheliegende Dienste, bei denen schlicht mehrere Leute auf die gleiche Idee gekommen sind. Branchenverzeichnisse mit Lokalbezug und Bewertungen zum Beispiel drängen sich geradezu auf. Die Frage, ob Qype eine Yelp-Kopie ist oder nicht (Kommentare lesen!) stellt sich daher für mich nicht. Wie eingebildet und hochnäsig kann man sein, hier einen Ideenklau zu unterstellen: Als ob in Deutschland keine innovativen Köpfe im Web unterwegs wären und naheliegende Dienste entwickeln würden. Einer der Kommentare brachte es auf den Punkt: Die deutschen Gelben Seiten als Nachmache der amerikanischen Yellow Pages zu bezeichnen geht schlicht an der Realität vorbei.

Eine dritte Gruppe sind Dienste, die sich in einigen Funktionen überschneiden, sonst aber unterschiedliche Ausrichtungen haben. Ich sehe nichts kritisierbares darin, Funktionen von anderen Diensten zu übernehmen, die sich dort als funktionabel erwiesen haben. Der englische Begriff dafür nennt sich best practice und beschreibt genau das: Man übernimmt Funktionen und Arbeitsweisen, die sich bei anderen bewährt haben. Ein in der Informatik völlig übliches und positiv besetztes Vorgehen.

Ja, es gibt ein Copycat-Problem und ich verstehe, dass es frustrierend ist zu sehen, wie eigene gute Ideen zwei, drei Monate später bei anderen Diensten übernommen werden. Aber hier gilt ganz einfach das Gesetz des freien Marktes: Dass deutsche Copycats in Deutschland erfolgreicher sind als die US-Originale, kommt ja nicht von Ungefähr, sondern zeigt ganz klar Defizite bei der internationalen Expansionspolitik von US-Diensten auf. Wer Wal-Martesk versucht so ganz nebenbei europäische Märkte ohne die nötigen landesspezifischen Anpassungen in die Tasche zu stecken, braucht sich nicht wundern, dass er damit wenig erfolgreich bleibt. Europa und speziell Deutschland und Frankreich sind eben eigene Märkte mit einigen Spezifika die man selber beachten kann oder das eben anderen überlassen.

Letzter Aspekt für heute: Wenn man allzu schnell und leicht kopiert wird, sollte man selbstkritisch genug sein zu erkennen, dass der eigene Dienst offensichtlich nicht so genial und einzigartig ist, wie man denkt. Amazon, eBay und Google sind deswegen nie wirklich gut kopiert worden, weil dort einfach mehr Genius drin steckt, als etwa in Twitter, das jeder halbwegs begabte Webmensch in zwei Tagen nachprogrammiert hat. Zu einem tragfähigen USP gehört laut Marketing-Lehrbuch nun mal die Eigenschaft, nicht in einem Handstreich von der Konkirrenz imitiert werden zu können. Dass Webdienste (gerade in den USA) auch ohne einen solchen USP eine große Menge Venture Kapital ins Popöchen geblasen bekommen setzt diese Regel nur soweit außer Kraft, dass die Kapitalgeber hoffen, dass der Dienst seinen zwangsläufig aufpoppenden Kopien (eben durch dieses viele Geld) stets genau den Schrit voraus ist, der nötig ist.


Gute T-Shirts sind Goldt wert

18 02 2008

Wortspiele mit namen sind eine journalistische No-Go-Area und sind zu vermeiden.

Sagt mir der Journalist, was ich aber geflissentlich – um des schönen Wortspiels willen und um ihm zu huldigen – ignoriere. Was ich aber eigentlich erwähnen wollte, sind die fast schon untragbar coolen T-Shirts aus der Rumpfkluft Kollektion von Katz und Goldt (die auf Seite 2 sind besser). Mein Lieblings-Shirt ist ganz klar dieses und ich hätte es sofort gekauft, wenn ich nicht irgendwie etwas klamm wäre im Moment und 30€ für ein T-Shirt mit Versand auch nicht gerade allzu wenig wäre – im Winter…

Da ich aber ein Blogger bin, versuche ich wieder mal verzweifelt, mangelnde echte Coolness durch darüber schreiben zu erben, was freilich nie ganz gelingt. Schade eigentlich.


Endlich: Hybride 3D-Beschleunigung

08 01 2008

Als verkappter Öko und Strom-Selbstzahler ist es bisher eine Tortur bei der Rechnerplanung. Wenn man auch noch Kunden beim Rechnerkauf professionell berät, ist der Gewissenskonflikt noch größer; wenigstens kann man den dann weitergeben. Wovon rede ich? Ich meine den Zwiespalt zwischen 3D-Leistung für das ein oder andere Spiel gegen Stromverbrauch. Dass eine dedizierte Grafikkarte mit ordentlicher Spielepower 100-300€ Aufpreis kostet ist noch eine leichte Entscheidung: Will man spielen, bezahlt man eben den Aufpreis, sonst eben nicht. Dass ein Rechner mit einer solchen Karte ggü. einem mit sonst ausreichender Chipsatzgrafik mal flockig mindestens die doppelte bis dreifache Stromaufnahme im Leerlauf (also fast immer im normalen Betrieb) hat, ist hingegen ein überflüssiger und wirklich ärgerlicher Nebeneffekt. Statt gemütlichen 50W ist man plötzlich bei 100-150W im Leerlauf, nur wegen einer oder zwei potenten Grafikkarte(n). Vorteil im normalen Betrieb: keiner! Und das ist dann doch eine schwere Entscheidung, wenn man nur ab und an mal ein Spiel wagt.

Doch Rettung ist in Sicht. nVidia haut Hybrid SLI raus und stattet deswegen alle neuen Chipsätze für AMD-Prozessoren (und später wohl auch die für Intel) mit Chipsatzgrafik und DVI-Ausgang aus. AMD nennt es Hybrid-Crossfire (Überraschung!) oder im Mai noch PowerXPress und macht wohl das gleiche, ebenso wie Intel, von denen mir der Markenname gerade nicht präsent ist. Der Trick besteht darin, dass man die gleiche Technik, die sonst mehrere große Grafikchips zu noch größeren Stromschluckern zusammenschaltet, auch friedlich nutzen kann: Man schaltet die "große" Grafikkarte einfach nur bei Bedarf an und überlässt die Wald-und-Wiesen-Darstellung dem armseligen Wurm von Chipsatzgrafik. Das ganze ist ein Muss in Notebooks und in meinen Augen auch auf dem Desktop längst überfällig. Auf meiner Idealisten-Wunschliste steht das jedenfalls schon länger als Grafikkarten mehr verbrauchen als Prozessoren. Also nur her damit. Ein Phenom im B3-Stepping (also ohne den unsäglichen TLB-Bug), eine ordentliche Mittelklasse-Grafik und mindestens 4GB RAM stehen auf meiner Wunschliste für einen neuen PC. Dann kann ich alles haben und auf der Netz darf ich dann die neuen Spiele mitspielen.

Randnotiz: Warum kann UT3 auf der gleichen Hardware nicht wenigstens so brauchbar laufen wie sein Vorgänger? 640x400 sind wirklich nicht spielbar, wobei selbst Counterstrike damals im Software-Rendering Modus in 320x240 sinnvoller spielbar war, nicht wahr Sebi?


Es lebe die Metainformation

07 01 2008

In irgendeinem Podcast (ich glaube es war Technikwürze) kam mal nebenbei die Diskussion auf, dass man in HTML5 doch neue logische Textauszeichnungen einführen sollte: Ein Tag für Ironie <irony> fehlt der Beschreibungssprache bisher nämlich ganz dringend; bei der Gelegenheit könnte man auch die Tags <sarcasm> oder <btw> an den Start bringen. Wenn man etwas gehirnstürmt fallen einem sicher noch andere sinnvolle Auszeichnungen ein. Ein Kostrukt für Randbemerkungen ist meines Wissens nach im aktuellen Entwurf bereits enthalten, was ich als regelmäßiger Nutzer solcher Konstrukte sehr begrüße. Ob der Browser das dann als Randmeberkung oder Fußnote rendert könnte CSS regeln, den Bezugsbereich könnte ein Inline-Element herstellen. Oder zwei Elemente, eines für Randbemerkungen zu einem Absatz und ein Fußnotenelement. Ich frage mich nämlich schon lange, warum HTML als Beschreibungssprache für (ursprünglich wissenschaftlichen) Hypertext keine sinnvolle Auszeichnung für Fuß- und Endnoten mitbringt.

Ich fordere also ganz offen mehr Rechte für Metainformationen in HTML! Möglichkeiten zur Auszeichnung von Ironie, Randmeberkungen und anderen Metainformationen fehlen dringend, Zitate und Abkürzungen können ja auch zweckmäßig ausgezeichnet werden. Das Thema wäre sicher eine Diskussion wert, oder?

Anderer Vorschlag: Eine Sache wie Mikroformate auf ein semantisch neutrales Element angewendet könnte ebenfalls die benötigten Metainformationen tragen, aber das halte ich wegen der in der Auszeichnungssprache semantischen Neutralität für keine wirklich zufriedenstellende Lösung.

Eine kurze Googlesuche fördert auf die Schnelle zwei interessante Dinge zu Tage: In einigen Foren gibt es einen BB-Code für Ironie in der Form [irony]ironische Bemerkung[/irony], was mit einem zitatähnlichen Kasten und einer direkten textlichen Warnung ausgezeichnet wird. Auch findet man allenthalben eine pseudo-HTML-Auszeichnung mittels eines <ironie>-Tags: Offensichtlich gibt es reichlich Bedarf für diese Auszeichnung. Dabei fällt mir auf, dass es auch ein Tag für Gefühlsausdrücke wie *grins* oder Emoticons geben könnte: <emotion rel="lachender Smilie">:D<emotion> oder <emotion>grins<emotion> oder so. Klar kann man auch ein Span drumrum setzen und mit einem Title versehen, aber das würde nur einen Tooltip für menschliche Leser erzeugen, eine Maschine würde das ignorieren und das als Text mitlesen. Zitate könnte man schließlich auch mit einem Span und einer CSS-Klasse und ggf. einem rel- und einem title-Attribut markieren. Ein echter semantischer Zusammenhang wird so nicht ausgezeichnet. Und dafür ist HTML doch da, oder?


Nachlese Webmontag Düsseldorf 17.09.2007

18 09 2007

Gestern habe ich mich mit Kollege Alex auf den 2. Düsseldorfer Webmontag getraut. Neben den leider mitunter eher durchwachsenen Vorträgen (mag vor allem dem fehlenden WLAN geschuldet sein) waren vor allem die Gespräche drumrum sehr interessant. Neben den von Alex erwähnten Gesprächspartnern war für mich besonders das Gespräch mit einem VC-Mann von Holtzbrinck interessant, dessen Namen ich natürlich mal wieder vergessen habe. Ungefragt vollgelabert habe ich ihn mit meiner Idee, warum ich VC hierbei generell ablehne und dann kamen wir auf ein sehr interessantes Gespräch über das StudiVZ an sich, seine Bedeutung und seine Zukunft.

Alles in allem eine lohnende Veranstaltung, zu der ich wieder gehen werde. Beim nächsten mal vielleicht auch schon mit einem Kurzvortrag über alkanimus im Gepäck. Mal schauen, wie weit ich bis dahin bin.


Web-Trendmap

04 08 2007

Hihi, gute Idee, die aktuellen Trends im Web als Verkehrsplan zu visualisieren:
.

Kann man als Poster kaufen oder als Wallpaper runter laden. Gute Sache.


DRM Digest

29 08 2006

Also seit meinem letzten Eintrag zu DRM und Kopierschutz hat sich die Welt ganz schön fix weiter gedreht. Ich habe eine Hausarbeit zum Thema "Ökonomische Konsequenzen von DRM für den Vertrieb digitaler Medien" geschrieben. Auch das ist schon wieder ne Weile her. Was gibt es also neues?

Microsoft DRM "geknackt"

Also die augenfälligste Neuerung ist sicherlich, dass man jetzt recht easy seine verschissene DRM-Kaufmusik auch ohne Qualitätsverlust von ihrem Schutz befreien kann. Das geht heute durch die Medien (SPON: Microsofts Musik-Kopierschutz geknackt, golem.de: Tool befreit Kauf-Musik von Microsofts DRM-Schutz). Das Tool an sich ist nicht neu und man benötigt eine gültige Lizenz für wenigstens ein Lied. Aber durch die einfache Oberfläche statt einer unschönen Kommandozeile rückt diese Möglichkeit doch plötzlich in die Sphäre vieler normaler User.

Klar, das umgehen von wirksamen Kopierschutzmaßnahmen ist (nicht nur) in Deutschland offen gesetzeswidrig. Aber sein wir mal ehrlich und nüchtern: Da kauft man für ziemlich viel Geld Musikstücke ein und bemerkt meistens erst später, dass man sie auf seinem Handy oder seinem MP3-Player oder auf einem der inzwischen zahlreichen MP3-fähigen Geräte gar nicht abspielen kann. Möp. Ach ja, auf die Party vom Nachbarn kann man die Mucke auch nicht mitbringen. Immerhin darf man sie sich begrenzt oft auf eine CD brennen, fürs Auto etwa.

Das ist auch irgendwie nötig, weil man da seine gekauften CDs inzwischen ja immer häufiger wegen des Abspielschutzes Kopierschutzes gar nicht mehr abspielen kann. Der Weg zu einer problemlos abspielbaren Audio-CD führt also heutzutage über einen kostenpflichtigen Download und den CD-Brenner und nicht in den CD-Laden. Paradox, oder?

Zurück zum "geknackten" DRM. Da das plötzlich so durch die Medien geht, hat das sicherlich auch Auswirkungen auf den Markt. Wie also kann die Musikindustrie reagieren? Was sind ihre Handlungsalternativen?

1. Nichts tun, abwarten. Darin sind die Jungs ganz gut. Allerdings steht zu befürchten, dass das Befreien von DRM-Maßnahmen eine ähnliche Popularität erreicht, wie das Brennen von CDs und das Downloaden aus illegalen Quellen. Dazu gleich mehr.

2. Neue DRM-Version nachschieben. Für den Kunden denkbar schlechteste Lösung, da dann alle aktuellen Geräte die neue Musik wahrscheinlich nicht mehr abspielen können. Das wäre ein massiver Fehler, steht doch die ganze DRM-Kiste eh schon auf tönernen Füßen.

3. Den DRM-Scheiß aufgeben und die Musik im MP3-Format verkaufen (wie eMusic und der illegale Laden aus Russland). Eine Lösung, die sicherlich für alle gut wäre. Die Kunden bekommen ihre Musik so, wie sie sie wollen und können sie so benutzen, wie ihnen das lieb ist: ohne Einschränkungen. Und die Anbieter werden sich a) über ne Menge gutes Karma und b) rasant steigende Verkaufszahlen freuen. Scheiß egal, ob 50% der Leute ihre Musik kopiert: Dabei entsteht kein direkter Schaden. Und die Verkaufsausfälle durch die (wenigen) Leute, die sich wegen des Kopierens die Musik nicht kaufen, lassen sich durch den Verkauf an entsprechend viele andere Leute locker kompensieren. Postuliere ich mal so.

Wieviele Eurer kopierten Musikstücke und Filme hättet ihr nicht, wenn ihr dafür hättet zahlen müssen? Das ist der Knackpunkt. Die "Schadens"-Rechnungen basieren auf der völlig weltfremden Annahme, dass alle kopierte Musik auch gekauft worden wäre. Irgendwie ist doch die Lächerlichkeit dieser Annahme so auffällig, dass ich mich frage, wie man sie ernsthaft vertreten kann.

Wenn ich so recht darüber nachdenke, gleichen sich in den Folgen die erste und die letzte Variante frappierend. Ob die Musikindustrie nun das Verhalten einiger oder vieler Kunden nicht verhindern kann, oder ob sie direkt offen auf alle Kunden zugeht ist im Endeffekt für die einigen oder vielen Kunden das gleiche. Der Unterschied besteht darin, dass man bei ersterer Variante seine eigenen Kunden in die Illegalität treibt und sich weiterhin völlig fehlendes schlechtes Gewissen seitens der Kunden sichert. Vielleicht habe ich ein krankes Marketing-Verständnis, aber worin liegt noch mal der Vorteil, wenn man sich seine eigenen (potenziellen) Kunden zu Feinden macht?

DRM-Freie Musik

Eine weitere gute Nachricht: Verschiedene Läden machen versuche mit DRM-freier Musik. Yahoo hat neulich einen personalisierten Track vertickt, ganz ohne DRM. Ich bin mir Sicher, bei einem groß anlegelegten Feldversuch würde man bemerken, dass man letztlich an DRM-freier Musik mehr verdient.

Windows Vista

In Vista für 32 Bit Computer gibt es auch nicht signierte Treiber, in der Ausgabe für 64 Bit hingegen nur signierte. Im Prinzip eine ganz kluge Lösung. Basieren viele Angriffe auf Windows doch auf dem Einspielen von bösen Treiberkomponenten. Dass die Signierung Geld kostet und für Open-Source-Projekte dadurch und auch möglicherweise aus anderen (politischen) Gründen nicht zur Verfügung steht, stelle ich jetzt mal hinten an. Es bedeutet aber, dass die Player-Hersteller große Schwierigkeiten haben werden, in 32 Bit Versionen von Vista den von der Filmindustrie geforderten "sicheren Pfad" zu implementieren. Ich bin wirklich gespannt, wie und ob sich das Problem lösen lässt, oder ob die Filmindustrie einsieht, dass ihre sichere Kopierschutz-Festung eine ziemliche Sackgasse ist. Also ganz ehrlich: Ich habe keinen Bedarf für das tolle ultra hochauflösende Filmerlebnis. Und schon gar nicht, wenn ich massive Klimmzüge veranstalten muss, um es nutzen zu können. Ich werde eine 32 Bit Version von Windows einsetzen, weil ich tatsächlich zwei 32 Bit Computer besitze. Ganz schön frech von mir, oder? Und noch frecher: Ein Flachbildfernseher mit HDTV-Auflösung und HDMI-Eingang steht die nächsten fünf bis zehn Jahre nicht auf meiner Einkaufsliste, so ich nicht doch mal im Lotto gewinne. Und damit steht auch nicht eine einzige Blu-Ray-Disc oder HD-DVD auf meinem Wunschzettel. Ich weiß, ich schäme mich ja auch.

Fazit

Also abschließend kann ich nur sagen: Endlich! Endlich kann ich auch mal Kaufmusik erwerben. Wenn ich die scheiß Mukke von ihrem miesen DRM befreien kann, könnte ich mir vielleicht auch mal den ein oder anderen Track kaufen. Nicht, weil ich ihn weitergeben will oder so. Das auch. Aber vor allem, weil ich verschiedene Geräte habe, die mit DRM-Musik nichts anfangen können. Mit WMA leider auch nicht, also wird wohl doch nichts draus. Schade eigentlich.

Welcher Laden verkauft mir Musik, die ich haben will, als MP3? Hallo? Ich will Geld ausgeben! Hier, ich! Hier, ich geb Euch nen Euro für einen Track (was ich viel finde)! Warum will mir denn niemand was verkaufen?

Ach endlich, da ist ja einer. Was für ein freundlicher Russe. Spricht viele Sprachen und verkauft mir Musik. Spottbillig. Und ich kann mir auch noch das Format aussuchen! Danke Gott. Aber stopp. Moment mal. Das ist ja illegal. Hmm, ich bezahle doch kein Geld, um dann doch illegale Musik zu kaufen. Da kann ich auch gleich die Mule anwerfen…


Gesellschaft morgen

08 07 2006

Aber eigentlich wollte ich gerade was anderes bloggen: Die Gesellschaft von morgen, zusammengestellt von KulturSPIEGEL. Genau darauf läuft es hinaus. Vielleicht 2020, aber in die Richtung denke ich auch schon länger. Erinnert mich auch an meinen Beitrag Radikal neue Staatsordnung vom 3. Dezember 2005. Interessante Aussichten, sollte man auf jeden Fall mal im Hinterkopf behalten.