Prinzipienreiter

01 04 2007

Kopierschutz saugt total! Gerade packe ich meine neueste DVD-Errungenschaft (Titel ist sowas von geheim, sonst kommt noch Post von irgendeinem Anwalt) aus und stecke sie in mein DVD Laufwerk, um sie gewohnheitsmäßig erst mal zu rippen. Ich weiß nicht, wieso ich alle meine DVDs immer erst mal rippe und als XviD oder DVD5 umkodiere, aber es ist so. Jedenfalls stürzt mir dabei doch glatt der DVD-Ripper ab. Huch? Das ist mir ja noch nie passiert. Kurze Erinnerungssession: Ach ja, vor ein paar Wochen stand bei Doom9 irgendwas von einem mir bisher unbekannten DVD-Ripper, der jetzt auch mit Sonys neuem DVD-Kopierschutz umgehen kann. Name und Link gibts übrigens nicht, sonst kommt noch Post von irgendeinem Anwalt. Schnell rausgekramt, runtergeladen und installiert: Tada, funktioniert tadellos, ha! So, jetzt rekodiere ich jetzt den Film und brenn ihn auf eine DVD5. Wozu? Einfach nur aus Prinzip! Fuck Kopierschutz!

Was soll das mit dem Kopierschutz eigentlich? Die Musikindustrie hat das doch auch eingesehen und verzichtet bei Audio-CDs wieder auf diesen Unsinn. Unsinn? Ja klar, weil man damit lediglich seine Kunden kriminalisiert, ohne nennenswert Kopien zu verhindern. Ich habe jedenfalls noch nie belastbare Zahlen gefunden, die eindeutig für Kopierschutz sprechen. Aber ne Menge Stimmen von genervten Kunden habe ich gehört. Ich jedenfalls verzichte auf kastrierte Medien wie Blu-Ray Disc oder HD-DVD, die mir meine Gerätekonfiguration vorschreiben wollen. Medienserver? Geile Idee! Bestehende Infrastruktur wenigstens teilweise nutzen können? Schön wärs. Online-Videothek mit guter Auswahl? Zu mir (später mehr davon)! (HD-)Material dafür? Fehlanzeige. Ganz klar Daumen runter.

Andererseits: Zu VHS-Zeiten scheiterte ich bereits an Macrovision, so dass ich viele Kauf- und Leihkassetten nicht kopieren konnte (der nötige Videostabilisator war mit seinen 99 Mark utopisch teuer). So richtig gestört hat mich das damals nicht. Aber nun hat die Menschheit nun mal vom Paradiesapfel der freien Mediennutzung gekostet. Wieso passen sich die Anbieter also nicht dem Markt an?

Randbemerkung: Auf der DVD sind keine Extras, dafür kostet sie schlappe 10€. So muss das aussehen, damit ich DVDs kaufe. Aber vor allem beschlich mich gerade dieses warme VHS-Feeling, weil die drei Trailer – die übrigens auf der Hülle als Bonus ausgezeichnet sind – schon vor dem Menü eingespielt werden. Einziger Unterschied zu VHS-Zeiten ist die bequeme Möglichkeit, das zu überspringen. Irgendwie cool.


Koptuch - kein Job

02 03 2007

Gerade habe ich im SPON einen Artikel über die Probleme bedeckter Frauen bei der Jobsuche gelesen. Und ich muss leider ganz ehrlich sagen, dass ich als Chef ebenfalls Probleme mit muslimischen Mitarbeiterinnen mit Kopftuch hätte, besonders bei Akademikerinnen. Neben verschiedenen Bauchgefühlen, die mich davon abhielten, ist es vor allem ein Grund: Ein zwanghaft getragenes Kopftuch ist für mich ein starkes Symbol

  • einer mangelnden Integrationswilligkeit, die ich dann wiederum auch in anderen beruflichen Bereichen erwarte. Einem Mitarbeiter soll im Job die Firma an erster Stelle stehen. Was die Leute in ihrer Freizeit tun kann mir egal sein, aber an seinen Job muss man sich anpassen. man muss sich aktiv in die Firmenabläufe integrieren und dazu gehört es, je nach Job, auch seine Freizeitkleidung und -einstellung abzulegen. Gleiches gilt für Goths, Punks, Kiffertypen oder wen auch immer und unabhängig davon, ob mir die abweichende Haltung und Kleidung sympathisch ist oder nicht.
  • eines religiösen Fanatismus, den ich nicht in meiner Firma haben wollte (das gilt für Fanatismus jeder Religion). In meinen Augen muss jeder klar denkende Mensch irgendwann auf den Trichter kommen, dass Religion der Leistungsfähigkeit des freien Menschen im Zweifel im Wege steht. Religion ist dann gut, wenn sie dem religiösen Menschen weiter hilft. Wenn sie allerdings den religiösen Menschen einschränkt, hat sie ihr Ziel verfehlt wird in dieser Form von mir vehement abgelehnt. Das meine ich mit Fanatismus.
  • einer mangelnden Abstraktionsfähigkeit, die ich gerade von Hochschulabsolventen erwarten würde. Ich würde klar denkende Mitarbeiter haben wollen, die im Zweifel völlig open-minded an die Probleme der Arbeit herangehen können. Wer sein Kopftuch oder im Zweifel auch sein Kreuz nicht ablegen möchte, signalisiert mir damit einen Mangel an geistlicher Klarheit und geistiger Trennung von Alltag/Beruf und Spiritualität. Was soll ich also mit einem studierten Mitarbeiter, der sich schon von vornherein als im Zweifel weniger klar denkend und handelnd outet? Schlimm genug, dass sich solche Eigenschaften bei manchen erst nach dem Vorstellungsgespräch zeigen.

Also bevor wir und falsch verstehen: Ich gehe nicht davon aus, dass diese Kriterien auf jede Frau mit Kopftuch zutreffen. Sicherlich kann es sein, dass sich mit der Zeit das genaue Gegenteil herausstellt. Aber das zwanghaft getragene Kopftuch trägt für mich diese Symbolik in sich und daher gehe ich erst einmal von diesen Eigenschaften aus. Wenn ich also einen in etwa gleich qualifizierten anderen Bewerber zur Hand habe oder gleich dutzende davon, fliegt die Frau mit Kopftuch in der ersten Runde des Wettbewerbs raus. Genau wie eine Glatze mit Bomberjacke, ein krasser Goth, ein Freak mit nordischem Fell, jemand mit implantierten Hörnern, jemand mit Gesichtstatoos, jemand der volles Rohr stinkt und so weiter. Ihr wisst, was ich meine: Jemand, der seine abweichende Einstellung offen zur Schau trägt und davon nicht mal bei einer Bewerbung Abstand nimmt.

Noch einmal die Frage: Was soll ich mit so jemandem anfangen, wenn ich andere Leute haben kann? Ist das unfair gegenüber solchen Leuten? Der Artikel im SPON suggeriert jedenfalls eine solche Unfairness. Nichts gegen die angesprochene Diversity, aber nicht auf Kosten der Firma.

Ich halte mich ja schon für sehr offen und liberal, aber mit einer vermummten Zahnärztin hätte ich schon Startschwierigkeiten. Da fällt mir auch die Studentin am Fachbereich Wirtschaft ein, die ein Kopftuch trägt. Sie sieht sehr nett aus, ich finde sie auch figurlich und von der Ausstrahlung her ganz süß und dumm scheint sie auch nicht zu sein. Sie wird Diplom Betriebswirtin sein, wenn sie fertig ist, strebt also wahrscheinlich eine Managementposition an. Aber ich wüsste echt nicht, in welcher angemessenen Position ich so eine Frau in einer Firma einsetzen würde. Den Eindruck der oben erwähnten Symbolik werde ich einfach nicht los. By the way: Angraben würde ich sie auch nicht. Die vorurteilsbedingte Angst vor familiären Nebenwirkungen ist bei mir bei allen muslimischen Frauen sehr groß. "Ey Arsche, Du hast meine Schwester angepackt, Du bist tot!" Wuahh gruselig. Sorry an alle Leute aus dem arabischen Kulturkreis, die nicht so drauf sind, aber Eure Landsleute füttern dieses Klischee sehr plastisch.

Dazu ein schöner kurzer Film zur humoristischen Auflockerung:


Jetzt doch AdBlocker

27 02 2007

Also ich bin ja grundsätzlich ein Gegner von Adblockern. Adblocker führen zum einen das Geschäftsmodell werbefinanzierter Websites ad absurdum, was so guten Seiten wie Spiegel.de, Heise.de oder wem auch immer die Grundlage entzieht. Das will ich nicht. Zum anderen führt der Einsatz von immer besseren Adblockern zu immer nervigeren Werbeformen. Animierte Layer-Ads sind ein gutes Beispiel. Auch das will ich nicht.

Was ich aber noch viel weniger möchte ist ein wirklich ätzender Nebeneffekt der Flash-Werbe-Filme, die man momentan bei den großen Nachrichtenseiten zu sehen bekommt: Mein lahmer Rechner hier im Büro (2x700MHz, 512MB, Matrox G400) kann den Firefox nicht mehr ordentlich versorgen, wenn solche Filme laufen. Das äußert sich häufig in extremer Lahmheit des ganzen Systems und vor allem darin, dass ich nur noch über Strg-Tab die Tabs wechseln kann, auf Klicks in die Tableiste reagiert Firefox manchmal einfach nicht mehr, bis ich den Tab mit der Werbung geschlossen habe. Also habe ich schweren Herzens einen Adblocker installiert und erhoffe mir flüssigeres Surfen davon. Mal schauen.

Die Kritik richtet sich übrigens auch an den Firefox, da andere Browser nicht so dermaßen ressourcenhungrig sind. Zu Hause benutze ich Opera, der nur ganz ganz selten mal eine Art Speicherloch hat und das ganze System bremst. Ein Neustart des Programms behebt das Problem. Man muss dazu sagen, dass Opera mitunter etliche Tage bei mir mit etlichen Tabs geöffnet bleibt.


Längere Öffnungszeiten ein Segen

03 02 2007

Gerade lese ich im SPON, dass die längeren Ladenöffnungszeiten ein Flop sind. Da frage ich mich intensiv, was die Damen und Herren denn zur Hölle erwartet hatten. Andererseits drückt das genau das Missverständnis aus, weswegen auch so viele Leute der Freigabe der Öffnungszeiten kritisch gegenüber standen. Ich habe noch nie in meinem Leben verstanden, warum Ladenöffnungszeiten in Deutschland gesetzlich reglementiert werden. Dann kamen die 24 Stunden Tanken auf und die Frage wurde umso brennender. Ja haben sich die Gegner denn vorgestellt? Dass durch die Freigabe sofort alle Läden automatisch länger aufhaben müssen? Warum sollten das alle Läden machen? Die Gegenfrage ist aber viel treffender: Warum sollte man dem Handel vorschreiben, wann er Handel treibt und wann nicht? Niemand erwartet von einem Dorfnahversorger, dass man um 22 Uhr dort einkaufen kann. Aber ganz offensichtlich gibt es an verschiedenen Standorten großen Bedarf zu solchen Uhrzeiten einzukaufen.

Warum verbietet man also dem Kaufhof an der Kö und anderen Läden in der Altstadt ihr Geschäft dann zu machen, wenn da auch Leute sind. Weil die armen Verkäufer um acht ins Bett müssen? Das Argument zieht meines Erachtens ganz besonders dort nicht, wo nebenan in der Gastronomie um 20 Uhr Primetime ist. Da arbeiten übrigens auch Menschen – sogar ganz verwegen mitten in der Nacht. Eigentlich müsste man auch der Gastronomie verbieten, nach 20 Uhr zu öffnen, um die Kellner und Köche und Türsteher zu schützen. OK, lassen wir die Polemik.

Was solls also? Der Handel ist nun mal ein Gewerbe, dass seine Kunden Zeit kostet. Und wenn viele Kunden nun mal diese Zeit genau dann haben, wenn sie nicht im Büro sitzen, muss der Handel sich darauf einstellen und den Kunden die Ware auch außerhalb der Bürozeiten anbieten. Was ist denn das auch für eine Anbieter zentrierte Denke? Man muss doch vom Kunden und dessen Bedürfnissen ausgehen. Dienstleistung ist die Befriedigung der Bedürfnisse seiner Kunden, zumindest nach meinem Verständnis. Und da gesetzliche Vorschriften zu machen finde ich befremdlich, womit ich übrigens mit den Bürgern der meisten anderen Länder einer Meinung bin.

Dass durch Freigabe der Öffnungszeiten tendenziell mehr Arbeit entsteht, also entweder mehr Jobs oder längere Arbeitszeiten mit entsprechend mehr Lohn, ist sicher im Sinne einer Gesellschaft, die ein Problem mit nicht vorhandener Vollbeschäftigung hat, oder?

Was natürlich alles immer noch nicht bedeutet, dass sich alle Läden jetzt an neue Öffnungszeiten wagen müssen. Man kann das ja probieren und an den Standorten etablieren, wo sich das auch lohnt. Schön. Alle sind zufrieden, wo ist das Problem?

"Aber Du Arsch! Denk doch mal an die armen Arbeitnehmer! Wenn die Familien haben und so!" Klar kann das lästig sein, das bestreite ich nicht. Aber wenn man gesetzlich einschreitet, kann man ja auch einfach direkt am Problem ansetzen. Wenn man Arbeitnehmer schützen will (was man durchaus sollte), sollte man wirksame Gesetze installieren, die genau das tun. Es gibt dafür ganz sicher mildere Mittel, die besser wirken und deutlich weniger Kollateralschäden verursachen. Warum sollte der Kunde ausbaden, was sogar besser beim Anbieter direkt im Innenverhältnis geregelt werden kann? Mehr Geld ab acht oder Arbeit ab acht muss freiwillig sein, dann muss der Anbieter von sich aus mehr Kohle rausrücken, um einen Betrieb aufrecht erhalten zu können. Und wer sich daran nicht hält, bekommt genau so auffe Omme, wie bisher, wenn er sich nicht an den Ladenschluss gehalten hat. Ich denke mit solchen Regelungen erreicht man mehr und es sind nun wirklich alle zufrieden.

Ich bin zumindest sehr zufrieden und genieße jeden Einkauf nach acht bei Penny nebenan aus vollen Zügen. Ja, ich bin einer von denen und ich liebe es.

Tschüss.


Tag der offenen Tür am FB7 der FHD

30 12 2006

Sodale. Da ich in der Projektgruppe bin, die den Tag der offenen Tür am Fachbereich Wirtschaft der FH Düsseldorf (da studiere ich übrigens) PR-mäßig begleitet, muss ich mal schnell auf den kleinen Imagefilm hinweisen, den eine andere Gruppe gemacht hat:

Der Tag der offenen Tür findet übrigens am 17.01.2007 statt, weitere Infos und das Programm gibt es auf der sehr guten Fachbereichs-Seite: wirtschaft.fh-duesseldorf.de, die anderen Fachbereiche haben übrigens auch Tag der offenen Tür. Wenn man also Design, Architektur, Medien, Maschinenbau, Elektrotechnik oder Sozial- und Kulturwissenschaften studieren will, sollte man da mal einen Blick rein werfen.

Ich werde leider nur sporadisch anwesend sein, da an diesem Tag auch die Abschlusspräsentation meines Messeprojektes in der Messe Düsseldorf stattfindet.


Einkaufsmetropole

09 12 2006

Also heute habe ich mich, weil ich nicht nachgedacht hatte, mit der Ritze in der Stadt auf einen open-minded Kreativmeeting getroffen. Da aber Samstag ist und in zwei Wochen Weihnachten, war es natürlich schon mittags ultra überlaufen. Sogar in der Kö-Galerie war es voll. Da fällt einem mal wieder auf, in was für einer Einkaufsmetropole man wohnt. Köln, Essen, das Centro und Düsseldorf sind echte Shopping-Magneten. 20 Mio. Leute in einem 150km-Radius sind halt kein schlechter Wert. Am schönsten daran finde ich die vielen Sprachen, die man hier hört, vor allem auf der Kö.

Nach etlichen Jahren war ich auch mal wieder auf dem Rheinturm (mit 3,30€ gar nicht mal so teuer) und habe die (diesige) Aussicht genossen. Der Hafen macht schon was her, auch von oben. Und der Rhein mit seinen Brücken und Schiffen. Mein Herz schlägt einfach für Düsseldorf.

Mental waren Ritze und ich recht erfolgreich. Mal schauen, was unsere Designer davon halten. Ich fürchte nicht viel.

Ach ja, einen Wii habe ich nicht bekommen, aber immerhin bei Karstadt einen Promoter, der Wii Sports Tennis gezeigt hat. Eigentlich ganz schön blöde, Promoter in die Läden zu stellen, wenn man die Geräte gar nicht kaufen kann. Ich hoffe, vor Weihnachten kommt noch ne Lieferung.


Düsseldorf ist eine komische Einkaufsstadt

19 10 2006

Lange Jahre gab es in Düsseldorf keinen New Yorker. Warum nicht? Man musste nach Hilden fahren, um dort einzukaufen, oder nach Oberhause, Essen, Köln, Krefeld, Mönchengladbach… Mir ist lange kein Grund eingefallen warum das so sein könnte und ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist. Irgendwann bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass in Düsseldorf einfach kein passendes Ladenlokal gab.

Inzwischen gibt es einen New Yorker, aber ich bin aus der Zielgruppe irgendwie rausgewachsen. Dumm gelaufen.

Aber New Yorker ist nicht das einzige Beispiel für die Ausnahmesituation für Shopping in Düsseldorf. WE ist ein neues Beispiel. Ich liebe WE und könnte immer den ganzen Laden leer kaufen. In Düsseldorf? Wo Denkst Du hin? Oberhausen, klar. Essen, Köln, Mönchengladbach, Lüdenscheid und Remscheid. Aber kein Düsseldorf in der Liste. Immerhin keine Hilden-Schmach, wie seinerzeit bei New Yorker.

Sicher finden sich noch andere Beispiele. Lange gab es keinen Media Markt (trotz Konzernmutter mit Sitz in Düsseldorf). Es gab auch kaum Extra Märkte, das Kaufland ist recht neu und – ihr wisst ja – der Modellbauhandel ist auch unterrepräsnetiert.

Ist Düsseldorf also eine schlechte Wahl als Einkaufsstadt? Nein, ganz und gar nicht. Düsseldorf ist nur irgendwie anders. Muss man akzeptieren und in Gottes Namen die halbe Stunde nach Essen oder ins Centro fahren. Gibt schlimmeres.


Die BenQ Situation

15 10 2006

Also heute nach einer halben Ewigkeit mal wieder etwas in meinem Block Blog.

Als großer Freund und zufriedener Besitzer von BenQ Produkten (Monitor, Notebook), wie auch langjährigem treuen Siemens-Handy Käufer (SL45, S55, S65) stehe ich nun etwas zwischen den Stühlen. Wo immer ich mein Notebook aufklappe oder mein Handy auf den Tisch lege, spricht mich jemand darauf an: "Aha, BenQ!" Und dazu dieser mehr oder weniger ernst gemeinte Blick, der mir ganz deutlich sagt, dass zumindest BenQ sowas von unten durch ist. Ich kann nichts dafür, meine Produkte habe ich weit vor der Übernahme und der Insolvenz erworben und ja, ich bin leider vollauf zufrieden damit. Was soll ich machen?

Dann lese ich im SPON: Zeitungsbericht: BenQ verliert deutsche Kunden. Und was fühle ich dazu? Gut so! BenQ baut wirklich verdammt gute Monitore. Aber in Zukunft werde ich wohl einen Bogen um die Marke machen. So eine Aktion darf einfach nicht ungestraft hingenommen werden. Also ab sofort bis auf weiteres keine BenQ-Produkte mehr.

Und was ist mit den 3000 Leuten hier in Deutschland? Scheiße. Eine Ideallösung (auch aus Krisenmanagement-Sicht) wäre in meinen Augen ein Rückkauf der insolventen BenQ Mobile durch Siemens. Und dann? Dann setzen sich mal alle auf den Popo und bauen wieder Telefone, die man haben will. Das führt mich direkt zum nächsten Punkt.


DRM Digest

29 08 2006

Also seit meinem letzten Eintrag zu DRM und Kopierschutz hat sich die Welt ganz schön fix weiter gedreht. Ich habe eine Hausarbeit zum Thema "Ökonomische Konsequenzen von DRM für den Vertrieb digitaler Medien" geschrieben. Auch das ist schon wieder ne Weile her. Was gibt es also neues?

Microsoft DRM "geknackt"

Also die augenfälligste Neuerung ist sicherlich, dass man jetzt recht easy seine verschissene DRM-Kaufmusik auch ohne Qualitätsverlust von ihrem Schutz befreien kann. Das geht heute durch die Medien (SPON: Microsofts Musik-Kopierschutz geknackt, golem.de: Tool befreit Kauf-Musik von Microsofts DRM-Schutz). Das Tool an sich ist nicht neu und man benötigt eine gültige Lizenz für wenigstens ein Lied. Aber durch die einfache Oberfläche statt einer unschönen Kommandozeile rückt diese Möglichkeit doch plötzlich in die Sphäre vieler normaler User.

Klar, das umgehen von wirksamen Kopierschutzmaßnahmen ist (nicht nur) in Deutschland offen gesetzeswidrig. Aber sein wir mal ehrlich und nüchtern: Da kauft man für ziemlich viel Geld Musikstücke ein und bemerkt meistens erst später, dass man sie auf seinem Handy oder seinem MP3-Player oder auf einem der inzwischen zahlreichen MP3-fähigen Geräte gar nicht abspielen kann. Möp. Ach ja, auf die Party vom Nachbarn kann man die Mucke auch nicht mitbringen. Immerhin darf man sie sich begrenzt oft auf eine CD brennen, fürs Auto etwa.

Das ist auch irgendwie nötig, weil man da seine gekauften CDs inzwischen ja immer häufiger wegen des Abspielschutzes Kopierschutzes gar nicht mehr abspielen kann. Der Weg zu einer problemlos abspielbaren Audio-CD führt also heutzutage über einen kostenpflichtigen Download und den CD-Brenner und nicht in den CD-Laden. Paradox, oder?

Zurück zum "geknackten" DRM. Da das plötzlich so durch die Medien geht, hat das sicherlich auch Auswirkungen auf den Markt. Wie also kann die Musikindustrie reagieren? Was sind ihre Handlungsalternativen?

1. Nichts tun, abwarten. Darin sind die Jungs ganz gut. Allerdings steht zu befürchten, dass das Befreien von DRM-Maßnahmen eine ähnliche Popularität erreicht, wie das Brennen von CDs und das Downloaden aus illegalen Quellen. Dazu gleich mehr.

2. Neue DRM-Version nachschieben. Für den Kunden denkbar schlechteste Lösung, da dann alle aktuellen Geräte die neue Musik wahrscheinlich nicht mehr abspielen können. Das wäre ein massiver Fehler, steht doch die ganze DRM-Kiste eh schon auf tönernen Füßen.

3. Den DRM-Scheiß aufgeben und die Musik im MP3-Format verkaufen (wie eMusic und der illegale Laden aus Russland). Eine Lösung, die sicherlich für alle gut wäre. Die Kunden bekommen ihre Musik so, wie sie sie wollen und können sie so benutzen, wie ihnen das lieb ist: ohne Einschränkungen. Und die Anbieter werden sich a) über ne Menge gutes Karma und b) rasant steigende Verkaufszahlen freuen. Scheiß egal, ob 50% der Leute ihre Musik kopiert: Dabei entsteht kein direkter Schaden. Und die Verkaufsausfälle durch die (wenigen) Leute, die sich wegen des Kopierens die Musik nicht kaufen, lassen sich durch den Verkauf an entsprechend viele andere Leute locker kompensieren. Postuliere ich mal so.

Wieviele Eurer kopierten Musikstücke und Filme hättet ihr nicht, wenn ihr dafür hättet zahlen müssen? Das ist der Knackpunkt. Die "Schadens"-Rechnungen basieren auf der völlig weltfremden Annahme, dass alle kopierte Musik auch gekauft worden wäre. Irgendwie ist doch die Lächerlichkeit dieser Annahme so auffällig, dass ich mich frage, wie man sie ernsthaft vertreten kann.

Wenn ich so recht darüber nachdenke, gleichen sich in den Folgen die erste und die letzte Variante frappierend. Ob die Musikindustrie nun das Verhalten einiger oder vieler Kunden nicht verhindern kann, oder ob sie direkt offen auf alle Kunden zugeht ist im Endeffekt für die einigen oder vielen Kunden das gleiche. Der Unterschied besteht darin, dass man bei ersterer Variante seine eigenen Kunden in die Illegalität treibt und sich weiterhin völlig fehlendes schlechtes Gewissen seitens der Kunden sichert. Vielleicht habe ich ein krankes Marketing-Verständnis, aber worin liegt noch mal der Vorteil, wenn man sich seine eigenen (potenziellen) Kunden zu Feinden macht?

DRM-Freie Musik

Eine weitere gute Nachricht: Verschiedene Läden machen versuche mit DRM-freier Musik. Yahoo hat neulich einen personalisierten Track vertickt, ganz ohne DRM. Ich bin mir Sicher, bei einem groß anlegelegten Feldversuch würde man bemerken, dass man letztlich an DRM-freier Musik mehr verdient.

Windows Vista

In Vista für 32 Bit Computer gibt es auch nicht signierte Treiber, in der Ausgabe für 64 Bit hingegen nur signierte. Im Prinzip eine ganz kluge Lösung. Basieren viele Angriffe auf Windows doch auf dem Einspielen von bösen Treiberkomponenten. Dass die Signierung Geld kostet und für Open-Source-Projekte dadurch und auch möglicherweise aus anderen (politischen) Gründen nicht zur Verfügung steht, stelle ich jetzt mal hinten an. Es bedeutet aber, dass die Player-Hersteller große Schwierigkeiten haben werden, in 32 Bit Versionen von Vista den von der Filmindustrie geforderten "sicheren Pfad" zu implementieren. Ich bin wirklich gespannt, wie und ob sich das Problem lösen lässt, oder ob die Filmindustrie einsieht, dass ihre sichere Kopierschutz-Festung eine ziemliche Sackgasse ist. Also ganz ehrlich: Ich habe keinen Bedarf für das tolle ultra hochauflösende Filmerlebnis. Und schon gar nicht, wenn ich massive Klimmzüge veranstalten muss, um es nutzen zu können. Ich werde eine 32 Bit Version von Windows einsetzen, weil ich tatsächlich zwei 32 Bit Computer besitze. Ganz schön frech von mir, oder? Und noch frecher: Ein Flachbildfernseher mit HDTV-Auflösung und HDMI-Eingang steht die nächsten fünf bis zehn Jahre nicht auf meiner Einkaufsliste, so ich nicht doch mal im Lotto gewinne. Und damit steht auch nicht eine einzige Blu-Ray-Disc oder HD-DVD auf meinem Wunschzettel. Ich weiß, ich schäme mich ja auch.

Fazit

Also abschließend kann ich nur sagen: Endlich! Endlich kann ich auch mal Kaufmusik erwerben. Wenn ich die scheiß Mukke von ihrem miesen DRM befreien kann, könnte ich mir vielleicht auch mal den ein oder anderen Track kaufen. Nicht, weil ich ihn weitergeben will oder so. Das auch. Aber vor allem, weil ich verschiedene Geräte habe, die mit DRM-Musik nichts anfangen können. Mit WMA leider auch nicht, also wird wohl doch nichts draus. Schade eigentlich.

Welcher Laden verkauft mir Musik, die ich haben will, als MP3? Hallo? Ich will Geld ausgeben! Hier, ich! Hier, ich geb Euch nen Euro für einen Track (was ich viel finde)! Warum will mir denn niemand was verkaufen?

Ach endlich, da ist ja einer. Was für ein freundlicher Russe. Spricht viele Sprachen und verkauft mir Musik. Spottbillig. Und ich kann mir auch noch das Format aussuchen! Danke Gott. Aber stopp. Moment mal. Das ist ja illegal. Hmm, ich bezahle doch kein Geld, um dann doch illegale Musik zu kaufen. Da kann ich auch gleich die Mule anwerfen…


Versandhandel-Wut

17 08 2006

Versandhandel ist an sich ne tolle Sache. Man bekommt günstig an waren, die man lokal gar nicht oder nur deutlich teurer bekäme. Bei machen Sachen ist man leider auf den Versandhandel angewiesen, weil die Branche selbst in einer Stadt wie Düsseldorf nur unzureichend abgedeckt wird. Beispiel Computerzeugs und Modellbauzeugs. Beides sind Dinge, die ich sehr häufig bestellen muss. Mein Stammhändler PC Store and more, wegen dem ich extra nach Flingern gezogen bin ;), hat halt nicht alles und einen vernünftigen Modellbauladen gibt es hier auch nicht.

Jetzt kommt die Wut: Versandhändler brauchen manchmal eine halbe Ewigkeit und haben dabei eine wirklich miese Informationspolitik. Aktuelles Beispiel: Ich habe letzte Woche Dienstag etwas bei einem Modellbauladen bestellt das als lieferbar gekennzeichnet war. Als Bezahlung habe ich aus Schnelligkeitsgründen Bankeinzug gewählt. Gestern gegen 11:00 Uhr, also über eine Woche später kam endlich ein Lebenszeichen von dem Laden: Eine Mail mit einer Statusänderung der Bestellung auf bezahlt (im Hinterkopf: Bankeinzug). Gegen 19:00 Uhr kam noch eine Mail mit einer Statusänderung auf "an die Versandabteilung übergeben". Keine Trackingnummer, keine Infos, ob das Paket noch raus geht oder noch eine Woche in der Versandabteilung rumliegt. Heute ist bisher kein Lieferwagen vorgefahren.

Ich habe absolut keinerlei Verständnis für so ein Verhalten. Der Versandhandel hat ein massives Problem gegenüber dem stationären Handel: Dass die Ware nicht sofort zur Verfügung steht. Diesen Makel gleichen gute Händler aus, indem sie den Käufer über jeden Schritt informieren, ihm eine Trackingnummer in die Hand geben und vor allem den Scheiß so schnell wie möglich abwickeln. Schlechte Händler machen gar nichts davon. Ich warte also seit bald einer Woche jeden tag auf den Paketboten und sorge dafür, dass jemand da ist, wenn ich nicht da bin. Alles für den Arsch, weil der Laden rumtrödelt und mich nicht informiert. Ich hasse es.