Böser Wii-Boom

25 02 2008

Einerseits ist es ja schön, dass die Wii so beliebt bei Kunden und Entwicklern ist. Leider hat das den unangenehmen Nebeneffekt, dass fast alle neuen Spiele total scheiße sind. Schnell mal ein kleines Kackspiel runtergerotzt und für Vollpreis auf den Markt gebracht, irgendwer kauft das schon. Die Strahlkraft der Wii ist einfach zu groß. Jüngste Beispiele:

Game Party. Ein immerhin halbwegs liebevoll zusammengewürfelter Haufen Partyspiele wie Airhockey, Darts, Basketball-Werfen und so. Sechs wirklich minimale Spielchen, von denen sich nur zwei halbwegs brauchbar spielen: Airhockey ist ganz brauchbar, gibt es aber schon bei Wii Play. Darts ist ganz brauchbar, gibt es aber schon bei Wario Ware. Ein Totalausfall ist das Quizspiel, dessen (englische) Fragen keiner von uns beantworten konnte (ging um irgendwelche USA-B-Celebrities). Da spielt man besser Smarty Pants. Die anderen drei Spielchen sind völlig mies. Gruselig. Das Game ist nicht mal die Kohle für die Videothek wert und noch nicht mal den Rohling, auf den man es brennen würde, wenn man es kopierte. Schlimm!

Donkey Kong Jet Race ist auch so ein mieses Spiel. Man wartet gespannt auf Mario Kart und hat noch Diddy Kong Racing auf dem N64 als halbwegs brauchbares Spiel im Kopf. Also investiert man das kleine Geld zum antesten und wird maßlos enttäuscht. Das Spiel ist ursprünglich für die Gamecube-Trommeln gedacht und wird mit Nunchuck und Wiimote gesteuert, indem man rechts und links damit "trommelt". Durch Trommelwirbel wird beschleuninigt und wenn man Spitzentempo erreicht hat, lenkt man durch Schläge rechts oder links. Man kann Bananen aufsammeln und Extras benutzen, aber alles spielt sich so mau, dass es mich fassungslos zurückgelassen hat. Vor allem aber fehlt jegliches Speedgefühl im Spiel. Leiht Euch das Spiel mal aus und testet es selber. Test bei golem.de.

Leider sind das nicht die einzigen Nieten auf der Wii, so dass man schon langsam zweifelt, ob überhaupt noch mal ein brauchbares Spiel erscheint. Meine Hoffnungen liegen auf Mario Kart ab dem 11. April 2008. Mal schauen.


Die snap-shots-Hölle

10 02 2008

Seit geraumer Zeit geht mir eine Unsitte auf den Sack, die ich hier mal schnell an den Pranger stellen möchte: snap-shot-Vorschauen auf Websites. Das sind diese unsäglichen und fraglos gut gemeinten Popups, die einem per JavaScript ein Vorschaubild eines Links in einer Sprechblase einblenden, wenn man mit der Maus darüber fährt. Ihr kennt die sicher. Nah verwandt sind auch die Werbesprechblasen, die meist durch doppelt unterstrichene Links gekennzeichnet sind (etwa bei winfuture.de). Das Problem an beiden Systemen ist, dass sie furchbar lästig sind. Es gibt Seiten, da kann man nirgendwo seinen Mauszeiger parken, weil ständig überall irgendwelche Screenshots von Zielseiten aufploppen und mit etwas Pech nicht wieder verschwinden (bei mir im Opera kommt das schon mal vor). Ein gutes Beispiel für diese Hölle ist der PR-Blog von Klaus Eck. Nicht nur das Usability-Problem ist gravierend, auch die Ladezeit dieser Seite ist jenseits von Gut und Böse, mein Firefox hat gerade eben über eine Minute an der Seite geladen, die rechte Sidebar kam nach 45 Sekunden. Die Leute bei Typepad und vor allem Herr Eck sollten sich mal YSlow näher anschauen. Note F heißt hier sechs, setzen! Klar sind daran nicht nur die snap-shot-Vorschauscripts schuld, aber sie tragen ihren überflüssigen Teil dazu bei.

Was soll das? Was habe ich als Besucher davon, dass alle Links auf einer Seite als Vorschau-Screenshot-Thumbnail angezeigt werden? Wenn ich eine Seite besuchen will, tue ich das wegen ihres Inhalts und nicht, weil eine 200 Pixel breite Vorschau so einladend wirkt. Wozu also? Weil es alle vermeintlich coolen Blogs haben? Bitte bitte bitte lasst den Unsinn einfach bleiben.

Ein weiteres völlig unsinniges Feature ist gerade immens en vogue: Icons für Bookmark-Dienste. Mancher Blog hat unter jedem Beitrag 10 bis 20 solcher Icons für alle möglichen Dienste. Erinnert mich stark an das klassische Press Ctrl-D to add this site to your bookmarks, was damals schon überflüssig wie ein Kropf war. Wenn ich eine Seite bookmarken will (ob bei Wong oder im Browser oder wo auch immer), mache ich das mit meiner Toolbar oder meiner sonstwie bevorzugten Technik. Wozu also diese Icon-Sammlungen? Die sind nicht nur hässlich, sondern auch noch stets unvollständig und immer peinlich? Fast so peinlich, wie die Send to a friend Links auf vielen Seiten. Hey, macht einfach schöne und kurze und funktionierende URLs (aka Permalink), dann kopieren sich Interessierte diese einfach in die Mail oder IM oder was auch sonst sie für das Versenden von Links bevorzugen. Zack, ist der Fisch gegessen.

Also liebe Blogbetreiber und Webmaster, schaltet bitte das Hirn ein, bevor ihr jedes tolle neue Plugin in Eurem Blogsystem aktiviert.


Neuer Kommunikationssport: Underground-Buzzwording

21 01 2008

Der spaßige und irgendwie unverbrauchte Nachfolger des Bullshit-Bingo ist das Underground-Buzzwording, quasi das mentale S-Bahn-Surfen für hippe Webtypen. Es funktioniert folgendermaßen:

Man hat für den Adrenalinkick so viele Buzzwords oder hip klingende Begriffe raus wie geht. Punktabzug gibts dabei für zu verbrauchte, also nicht mehr undergroundige Begriffe; auch wenn man es mit zu abgehobenen Begriffen zu weit treibt, gibts Abzüge. Man surft also knapp stets an der Grenze zwischen Hippness und Spackotum. Wenn das Gegenüber einen für einen total abgehobenen Wichtigtuer hält, hat man verloren. Da das ganze stark vom Kommunikationspartner abhängt, ist hierbei neben Kreativität und Szenekundigkeit (für die wirklich guten Begriffe) vor allem Menschenkenntnis und viel Gefühl für die Situation an sich nötig.

Die Idee zu der Sache kam mir, als ich in einem Chat mit dem Alex über unser gemeinsames Gemeinschaftsbüro-Projekt folgende Zeile rausgehauen habe: quasi eine operationsbasis für ein webmenschen-kollektiv. Alex hat durchaus verstanden was ich meine und einen Spruch habe ich mir nicht gefangen dafür, aber die Begriffs-Konstellation ist in meinen Augen schon grenzwertig und bewegt sich deutlich in Richtung Web 2.0 Bullshit; genau das richtige also für die neueste Kopf-Sportart. Besonders spannend wirds auch am anderen Ende der Skala: Vor den Schwiegereltern (oder vergleichbarem) über seine Projekte erzählen und dabei gerade so viele unverständliche Begriffe verwenden, damit das ganze noch zu verstehen ist und man noch nicht für einen beknackten Vollidioten gehalten wird. Auf Nachfrage kann man sich ja damit rausreden, dass man sein Gegenüber ja nicht für blöd verkaufen will und seine Sprache deswegen nicht im Elterngeneration-Kompatibilitätsmodus fährt. Und wenn man gemein sein will und das Gegenüber nicht blöde ist, dann macht man das ab dann trotzdem und gibt dem anderen so das Gefühl, dass man ihn wegen seiner Intervention doch für blöd hält. Sowas aber nur machen, wenn man auf Krawall gebürstet ist, die Schwiegereltern zum Kotzen findet oder die Schwiegereltern wirklich Spaß verstehen.


Twitter von außen /

08 12 2007

Von außen betrachtet erscheint Twitter (in der Wikipedia) auf den ersten Blick überflüssig, dämlich, doof und bescheuert. Da fallen dann so Begriffe wie Mikro-Blogging für einen Dienst, bei dem man 140 Zeichen in die Welt pusten kann. Wer da an SMS denkt liegt gar nicht so falsch, denn auch per SMS lässt sich das ganze füttern und verfolgen. Man soll da immer kurz posten, was man gerade macht. Profan, oder?

Warum aber fahren die ganzen hippen Webmenschen so darauf ab? Warum sind sie alle dabei, die sonst in schönster Schandmaul-Manier ihre privaten Internet-Klowände bekritzeln und eigentlich sowas wie Twitter total doof und profan finden müssten? Ich weiß es auch nicht so recht, denn ich meide das ganze. Ich glaube, ich habe das einfach verpasst und jetzt ist es zu spät, da noch einzusteigen. Obwohl andererseits in meinem Bekanntenkreis noch niemand twittert, ich also doch irgendwie trendsetten würde. Hier ein schöner Text von einem Twitter Konvertiten.

Was ich aber eigentlich loswerden wollte ist dieser witzige Twitter-Auszug zum Thema Percanat (von unten nach oben lesen). In meinen Augen (Außenstehender) ein typischer Chat-Auszug, könnte so auch aus dem IRC stammen oder sonstwo her. Ich glaube aber genau das ist der springende Punkt bei Twitter: Es ist öffentliches, webgestütztes Instant-Messaging. Man schreibt also nicht einzelne Leute auf seiner Kontaktliste an oder lädt sie zu einer Konferenz ein, sondern bläst seine tendenziell eher unwichtigen Nachrichten (kann ja gut sein, dass sie niemand liest) in den persönlichen Channel und jedermann oder nur die Freunde (ist einstellbar, wenn ichs richtig verstanden habe) können das lesen und mitreden (wiederum in ihren Feeds, richtig?). Den ganzen Kram abboniert man per RSS und liest das ganz modern in seinem Twitter-Widget in der Vista-Sidebar ;) oder natürlich im Apple-Dashboard oder bei einer personalisierten Startseite.

Komisch an der ganzen Sache kommt mir aber vor, dass viele der größten Twitterer mir stets Chat- und IM-Verweigerer gewesen zu sein schienen. Ist das so? Wenn das irgendwie die gleiche Baustelle ist, wundert mich das schon. Ist die Chat-Verweigerung also keine prinzipielle Weigerung, sondern aus anderen Gründen motiviert? Zugang verpasst und die anderen sind so viel weiter? Ich bin so frei, ich kann auch mal auf etwas verzichten? Ich weiß es nicht. Ich schau mir Twitter mal an, demnächst…


Die SPD versucht mit der iGeneration anzubandeln

06 12 2007

Ein Kommentar:

Sowas. Nachdem sich neben der CDU auch die SPD erst vor wenigen Wochen endgültig als für die Internet-Generation faktisch unwählbar geoutet hat (Stichwort Vorratsdatenspeicherung), startet man jetzt den "Internet-Wahlkampf 2.0" und beweist damit, dass man durchaus in der Lage ist das ein oder andere Buzzword zu antizipieren. So startet man also ein (weiteres) soziales Netz in der Hoffnung, die Internet-Eingeborenen an sich zu binden. Dass man dabei mit offenem Visier unterwegs ist, ist an sich ja durchaus löblich. Leider passt diese ganze "wir sind ja sowas von Netz"-Nummer nun wirklich nicht zum politischen Output dieser ehemaligen Arbeiterpartei, die durch immer weniger Arbeiter (im klassischen sozialistischen Sinne) im Lande irgendwie an abnehmender Daseinsberechtigung krankt. Wenn sie doch solche Internet-Versteher sind, warum zeigen sie dann per Fraktionszwang so ein Unverständnis der modernen Welt und hauen die Vorratsdatenspeicherung nicht weg? Diese Frage sollte das Gesicht (hat die SPD noch ein Gesicht?) hinter dem offenen Visier eigentlich mit voller Wucht treffen.

Alles in allem ist dieser Vorstoß aber der richtige Weg, deswegen wünsche ich der Partei einen Erfolg dieser Plattform. Vielleicht regt die Plattform auch die Köpfe zum umdenken an.

Warung: Ich werde wohl bis zur nächsten Wahl in lockerer Folge auf die Verfehlungen von CDU und SPD in der Frage der Vorratsdatenspeicherung hinweisen. Sorry wenn das nervt, aber ich glaube, dieser Umstand sollte sich im nächsten Wahlergebnis niederschlagen und nicht in Vergessenheit geraten.


Web 2.0 Logos

23 03 2007

Mehr als Erinnerung für mich, hier mal eine Sammlung überwiegend cooler Web 2.0 Logos (via hoemmerich.com).

Momentan ist sowas ja ein Thema für mich. Hilfe, ich brauche einen fähigen Designer!