Jaja, ich weiß: Denken in Zielgruppen ist sowas von out, wie es out ist, out zu sagen. Was ist eigentlich das Gegenteil von en vogue, denn das wäre en vogue, wobei en vogue so fuckin lastyear ist. Irgendwie könnte man diesen Satz ewig fortführen, ich weiß auch gar nicht, welcher Begriff für angesagt gerade angesagt ist… Ich hör ja schon auf…
Also zurück zur Zielgruppe: BMW schickte mir vor ein paar Monaten ein personalisiertes Anschreiben, dass der 1er Cabrio aber sowas von was für mich wäre, das hätte es echt noch nicht gegeben. Meine interessierte Anfrage nach der Herkunft meiner Adressdaten und einer Begründung, was mir die Ehre eingebracht hat, einer so erlesenen Mailing-Zielgruppe anzugehören, hat drei außerst freundliche Briefe zur Folge gehabt: BMW entschuldigt sich ganz betroffen (ich hatte mich gar nicht beschwert, sondern nur nett gefragt) und verweist auf ihre Customer Relationship Agentur "gkk München". Die schickt mir einen ebenso freundlichen Brief auf tollem Briefpapier und verweist auf die Adresshandel-Tochterfirma der Deutschen Post, die "Deutsche Post Direkt" (ich meine das sind die, die immer diese eingeschweißen Fernsehprogramme mit lokalen Handelsprospekten im Hausflur ablegen; hier allerdings schon länger nicht mehr). Die wiederum schickt einen Brief hinterher und nennt endlich die Quelle: Der Verlag der Men's Health, die ich als Spätteenager lange abonniert hatte (lustige Zeitung übrigens). Falls jemand der beteiligten Firmen das hier liest: Ich bin nicht böse darüber und habe mich über die Briefe echt gefreut, zeugen sie doch von einer seriösen Einstellung zum Thema; und nebenbei natürlich der pflichtbewussten Befolgung gesetzlicher Regelungen zum Datenschutz.
Jetzt bekomme ich wohl keine Mailings zu BMW mehr (ich würde sowieso keinen kaufen, bin da mehr so der Audi-Typ). Dafür meint VW nicht gänzlich abwegig, ich wäre der ideale Insasse eines neuen Scirocco und unterstreicht das mit einem wirklich gelungenen Wackelbild-Mailing und feinsinnigen Sprüchen wie Er parkt nicht. Er wartet.
oder Rasant fahren kann jeder, Rasant stehen nicht.
. Ein bisschen Conversion haben sie dafür bekommen: Ich habe mir direkt mal einen Konfiguriert und war dann etwas erschüttert, dass aus 23.000 € Grundpreis dann weit über 30.000 geworden sind. Natürlich mit der unfassbar coolen USB-Buchse in der Armlehne, die man schon aus dem Golf kennt. Schenkt mir jemand einen Hybrid-Scirocco? Was? Den gibts (noch) gar nicht? Ach so, naja, dann nicht. Solange tuts mein babyblauerIceBlueMetallicfarbener Honda Jazz von 2002 noch sehr gut. Obwohl, das Baby war neulich das erste mal mit Wehwehchen in der Werkstatt: Erst war die Motorfehlerleuchte an, das ließ sich aber schnell und dauerhaft mit dem allwissenden Diagnosecomputer und später bei der Inspektion abstellen. Dann ist der Bowdenzug des Klimaanlagen-Temperaturwahlschalters abgegangen (33€) und dabei ist aufgefallen, dass der Klimakompressor unschöne Geräusche macht und mich in absehbarer Zeit 1100€ kosten wird. Mist, dafür kann man sich ja schon fast einen Scirocco kaufen, aber den gibts ja nicht als Hybrid oder sonstwie auch nur im Ansatz ökologisch tragbar.
Meinen Jazz fahre ich ja aktuell stets unterhalb des im Prospekt angegebenen Normverbrauchs von 5,7l Super auf 100km (durschnittlicher Verbrauch über 87000km in den letzten sechs Jahren: 5,8l/100km). Ja, ich führe minutiös Buch darüber und ja, es kickt mich, den Wagen im Windschatten von Lastwagen auf der Autobahn auf fast 4,0l/100km zu bringen. Wenn man so von hier nach Köln fährt, ist man insgesamt nur ungefähr fünf Minuten länger unterwegs als mit 120, verbraucht aber 1/3 weniger Sprit. Das ganze erinnert mich an "Produktion und Logistik" aus dem BWL-Studium, wo man für sowas Kurven berechnet und das Optimum unter den gegebenen Umständen berechnet. Mir hat das echt Spaß gemacht, nachdem der Professor statt Busse von Colbe den Dyckhoff als maßgebliches Lehrbuch eingesetzt hat. Daran hats jedenfalls nicht gelegen, dass ich in der Klausur durchgefallen bin.
Zurück zu den Autos: Ich bin einfach zu Öko und zu geizig (was hier das gleiche ist) für so nette sportliche Fahrzeuge. Trotzdem freue ich mich immer über gut gemachte und grundsätzlich passende Mailings. Autowerbung gefällt mir allgemein nämlich sehr gut. Ich stelle aber eine Bedingung: Ich will wissen, welche Kriterien mich in den Fokus für solche Mailings gebracht haben. Nur weil ich einen akademischen Abschluss habe, in Flingern-Nord wohne und im IT-/Medienbereich beheimatet bin? Guter Grund an sich, aber reicht das? Auf meinen Mitbewohner treffen die Kriterien auch zu und der bekommt solche Mailings nicht. Dessen Einkommen ist aber regelmäßiger und gelegentlich auch höher als meins und das beste ist: Der Typ hat (noch) gar kein Auto, allerdings braucht der auch keins und bekäme wohl einen Dienstwagen, falls sich das ändern sollte.
P.S. Es sollte sich einbürgern, dass jede Firma bei jedem Mailing die Quelle der Adressdaten sofort dazuschreibt. Wäre irgendwie höflicher, würde so manche Frage von vornherein beantworten und würde den Adresshandel deutlich erschweren. Sollte mich eine Firma telefonisch kalt kontaktieren, was rechtlich gesehen eine schlechte Idee ist, frage ich da erst mal nach. Nennen die mir dann keine Quelle, rede ich gar nicht erst mit denen. Gute Idee eigentlich.
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