Wer ernsthaft beruflich oder auf hohem Niveau in seiner Freizeit mit PHP arbeitet und älter als 15 ist, dem stehen wahrscheinlich beim Blick in den Quellcode von Wordpress die Haare zu Berge. Code is art
ist ein wunderschöner Wordpress-Slogan, der in dem Kontext aber wirklich mehr als unangebracht ist. Schlimmer als der zusammengezimmerte Kern von Wordpress, der aktuell mal wieder mit einem notdürftigen Flicken gegen den grassierenden Wordpress-Wurm repariert wurde, sind aber die meisten PlugIns. Viele sind offenbar von blutigsten PHP-Anfängern schnell und ergebnisorientiert runterprogrammiert worden, was von Wordpress ja geradezu provoziert wird und was auch großen Anteil an der Beliebtheit des Systems trägt. Jeder ahnungslose Anwender kann mit ein paar Zeilen PHP-Code schnell das erreichen, was er gerade braucht. Das erinnert mich an meine Anfänge mit PHP im Jahr 2001 mit dem damals herausragenden phpBB 1.4. Hier war im Grunde alles hartkodiert und wenn einem irgendwas nicht gefiel, hackte man irgendwie im Quellcode herum. Ein Templatesystem wurde erst mit Version 2 eingeführt und auch hier hackte man noch alle möglichen MODs in das System, was ein Update praktisch unmöglich machte. Folge waren haarsträubende Sicherheitslücken, die nicht gestopft wurden. Wordpress vermeidet dieses Modding immerhin mit einem sehr flexiblen PlugIn-System, der Zugang für Dilettanten und Anfänger wurde dadurch aber noch einfacher. Das Ergebnis sehen wir zur Zeit, Gerrit van Aaken hat das schon zusammengefasst: Bei Wordpress hilft nur ein schmerzhafter Neuanfang, so wie TYPO3 das momentan auch vollzieht und wie phpBB das auch schon zwei mal hinter sich hat.
Nun will ich nicht so viel auf Wordpress rumhacken, wenn ich es selber gar nicht benutze. Im Grunde ist das System großartig, wenn man die miese Codebasis ignoriert. Ich will auf etwas ganz anderes hinaus, nämlich die Codequalität von Serendipity-PlugIns. Wann immer ich ein Seitenleisten-PlugIn installiert habe, musste ich dessen Code bearbeiten, weil die HTML-Ausgabe standardmäßig schlimm aussah oder gar fehlerhaft war. Das PlugIn-System von S9Y ist auf den ersten Blick recht kompliziert, was totale Dilettanten vom PlugIn schreiben abhält; das ist schon mal gut. Trotzdem ist die Codequalität der PlugIns oft eher mäßig. Fast überall wird zum Beispiel der HTML-Code mit echo direkt da ausgegeben, wo er anfällt, natürlich mit irgendwelchem HTML-Code drumherum, den der Autor gerade für angemessen hielt. Kein Wunder also, dass der Output nicht immer angemessen ausfällt. Ich habe vor einiger Zeit ein eigenes Seitenleisten-PlugIn für Twitter geschrieben, weil das alte u.a. genau dieses Problem zeigte. Ein Kernfeature meines PlugIns war der Einsatz einer Templating-Engine. Die zu implementieren war PHP-seitig ein Kinderspiel für jeden halbwegs erfahrenen PHP-Programmierer. Die Frage ist nun, warum zur Hölle von den paar offiziell verfügbaren PlugIns noch fast keines so ein Templating-System mitbringt? Es täte S9Y wirklich immens gut, wenn sich mal jemand hinsetzen würde und ein paar der PlugIns auf den aktuellen Stand bringen würde. Also zumindest eine Templating-Engine einbauen und die Ausgabe entsprechend anpassen, aber auch manch andere Routine könnte mal überarbeitet werden. Gegenüber Wordpress ist das Jammern auf hohem Niveau, aber auch S9Y ist merklich in die Jahre gekommen, vor allem seine PlugIns.
Wenn ich sowas lese, pflege ich zu antworten, derjenige soll nicht jammern, sondern selber anpacken. Das gilt auch für mich, sicher. Allerdings habe ich immens schlechte Erfahrungen mit meinem Twitter-PlugIn gemacht. Das einzige konstruktive Feedback kam vom unglaublich engagierten Chefprogrammierer selber, der mir meinen ursprünglich geplanten Arbeitsaufwand mit Änderungswünschen um das Mehrfache aufgeblasen hat. Am Ende war das neue PlugIn wirklich großartig geworden, ich bin richtig stolz darauf. Die ganzen angeforderten Änderungen kreisten alle um funktionale Anpassungen an das alte PlugIn, so dass mein neues PlugIn alle Funktionen des alten hatte, nur eben diesmal in gut. Dann kam das Problem: Es gab kein Feedback von Dritten und stattdessen hat mir ein ätzender Troll auch noch ans Bein gepisst und einen extra Thread im Forum aufgemacht, um mich als Schnösel zu dissen (weil ich PHP4 Nutzer, die PHP4 Kompatibilität einfordern, als Ewiggestrige bezeichnet habe und er sich davon angesprochen fühlte). Ich habe mein Engagement für S9Y daraufhin nach ein paar Tagen Diskussion eingestellt, denn für kostenlose und gute Programmierarbeit möchte ich echt alles andere haben als von irgendwelchen undankbaren Typen beschimpft zu werden. Mein PlugIn ist übrigens nie im Repository erschienen und stattdessen gibt es ein funktional wirklich krasses anderes PlugIn; hoffentlich ist wenigstens meine Arbeit da eingeflossen und war nicht völlig umsonst. Wie auch immer: Ich werde keine Arbeit mehr zu S9Y beitragen; wenn ich etwas neu baue, reiche ich das im Forum ein und wenn sich niemand drum kümmert, soll mir das egal sein.
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