Fast immer, wenn ich an Websites arbeite, die andere (Agenturen) verbrochen haben, stolpere ich über mehr oder weniger lästige Eigenheiten der konkreten Implementierung. Dass man TYPO3 auf etliche verschiedene Weisen mit Templates füttern kann, ist ja normal, auch dass es Abweichungen in der Sorgfalt im Umgang mit HTML-Markup und CSS-Code gibt. Aber es gibt Abweichungen im Rahmen des Nachvollziehbaren und solche, die einfach dumm, lästig und ärgerlich sind.
Aktuelles Beispiel: Ich mache zur Zeit einige inhaltliche Änderungen an einer Website, deren CSS-Code sehr eigenartig ist. Die auffälligste Eigenart ist dabei wirklich spaßig: Man hat dem BODY ein text-align: center; gegeben, ohne das bei nächster Gelegenheit, etwa einem Wrapper, wieder zurückzunehmen. Nun könnte einem im weiteren Verlauf auffallen, dass nun alles, aber wirklich alles zentriert wird. Das ist natürlich nicht zu übersehen und vor allem ziemlich lästig. Ich und die meisten anderen Frontend-Entwickler, die ich kenne, würden nun unseren Fehler bemerken und dem Wrapper ein text-align: left; zuweisen, wie es best practice ist. Nicht so der Entwickler dieser Website, denn der gibt der mittleren Content-Box diese Eigenschaft und zudem noch mal allen möglichen anderen Boxen, die nicht zentrieren sollen. Bei der Gelegenheit habe ich mal die style.css geöffnet und staunte nicht schlecht: Fast alle vergebenen Styles sind per ID an verschiedene Content-Boxen drangehängt, so dass beispielsweise eine H2 in Box A gestyled ist, in Box B, C und D und überhaupt anderswo nicht; was wiederum bedeutet, dass sie fast überall zentriert ist (und sonst die Standardeigenschaften des Browsers für H2 hat). Das ist eine Wartungshölle sondergleichen, denn bei jeder Inhaltsänderung, die über den initialen Zustand der Site hinausgeht, muss man den Style anfassen. Letztlich hat man also etwas ähnliches, wie inline-styles, nur eben in eine externe Datei ausgelagert und auf unvorhersehbare Weise mal wirkungsvoll und mal nicht. Die Vorteile der Kaskadierung werden also nicht ausgespielt, die Nachteile aber schon.
Nun wäre es eine Kleinigkeit, das alles zu korrigieren, aber dann schlägt gnadenlos der Nachteil der Kaskadierung zu: Man weiß nicht, welche Seiteneffekte sich bei grundlegenden Änderungen ergeben. Nimmt man etwa die Zentrierung für alles heraus, wird man gar nichts mehr zentriert vorfinden, weil bei absichtlich zentrierten Elementen möglicherweise eine Angabe zur Zentrierung weggelassen wurde, weil sich das ja implizit aus der nicht zurückgestellten Zentrierung des BODYs ergibt. Ohne eine genaue Analyse des Stylesheets und der Seitenstruktur, sowie umfangreiche Tests wird man solche Änderungen also besser nicht machen. Ich halte mich in solchen Fällen einfach an das vorgegebene System und ergänze meine nötigen Styles entsprechend. Das macht es nicht besser, aber wenigstens wird man – ohne daran Schuld zu sein – für jede dieser Änderungen angerufen und bezahlt.
Die ahnungs- oder lustlose CSS-Schluderei ist nur ein Aspekt dieser Website, auch die URLs der Seiten (mit CoolURI gemacht) waren weit entfernt von Sinn und Zweck einer guten URL-Struktur. Die Menüs sind lieblos zusammenkopiert, das Hauptmenü ein manuell erstelltes (und manuell zu pflegendes) Imagemap-Ungetüm, das einen besonders spannenden Nebeneffekt zeigt: Sind Seiten in TYPO3 nicht über zumindest irgendein automatisch erstelltes Menü zu erreichen, kann CoolURI die URL der Seite nicht wissen und wirft eine Fehlerseite. Man muss nun für jede dieser Seiten einen manuellen Eintrag in CoolURI vornehmen und den bei Änderungen auch Pflegen. Besonders lustig ist das, wenn man die URL-Struktur nach umfangreichen Änderungen neu startet und dann das Hauptmenü nicht funktioniert. Falls man eine automatische Sitemap hat, kann die einen immerhin retten. hat man hier aber nicht. Solche Schludrigkeit zieht sich durch das gesamte Projekt und macht erhebliche Mehrarbeit bei der Pflege. Kein Wunder, dass direkt nach Projektabschluss alle Passwörter geändert wurden und die Änderungen bei mir landen. Leider ist das kein Einzelfall, gerade im TYPO3-Kontext treffe ich immer wieder auf haarsträubende Implementierungen. Ob die Agenturen, die immerhin explizit TYPO3 anbieten, zu dumm oder zu faul sind, weiß ich nicht.
Also aufgemerkt: Wenn man jemanden beauftragt, eine Website umzusetzen, gerade bei TYPO3 und anderen komplexen Systemen, achte man auf einen Dienstleister mit Ahnung und Bock. Nur billig billig schnell schnell führt einen zu oft schon mittelfristig aufs Wartungs-Glatteis. Mir ist das recht, wenn ich der Typ bin, der jammern darf und dabei auch noch gut an der Schludrigkeit anderer verdient.
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